Roma in Tschechien und der Slowakei

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Die Volksgruppe der Roma stellen einigen Schätzungen zufolge die größte ethnische Minderheit in Tschechien und die zweitgrößte ethnische Minderheit in der Slowakei nach der ungarischstämmigen Bevölkerungsgruppe dar. Die hier ansässigen Roma sprechen meist den sogenannten zentralen Dialekt der Sprache Romani.

Geschichte[Bearbeiten]

Der erste urkundliche Nachweis von Roma auf dem Gebiet der beiden heutigen Länder Tschechien und Slowakei datiert aus dem Jahr 1423. Es handelt sich um einen Schutzbrief des Königs Sigismund, der auf der Zipser Burg ausgestellt wurde. Ab 1427 sind erste Ausschreitungen und Verfolgungen von Roma nachgewiesen. Diese haben teilweise politische, wirtschaftliche und kirchliche Gründe, da man teilweise in den Roma feindliche osmanische Kundschafter vermutete. 1627 wurden Roma in Böhmen für vogelfrei erklärt, was bedeutet, dass man sie ungestraft ermorden konnte. Oftmals waren Roma andererseits auch als geschickte Handwerker und Musiker willkommen, die neue Handwerkstechniken in entlegene Gebiete brachten.

Kaiserin Maria Theresia von Österreich beendete zwar die Verfolgungen, plante jedoch eine rigorose Assimilationspolitik, die neben der Wegnahme der Kinder, um sie umerziehen zu lassen, auch eine Christianisierung umfasste. Die Roma waren weiterhin Diskriminierung ausgesetzt. Vielfach wurden sie im Rahmen der Industrialisierung Arbeiter, da ihre traditionellen Handwerke an Bedeutung verloren.

Nach dem Ersten Weltkrieg[Bearbeiten]

„Zutritt für herumziehende Zigeuner und Landstreicher verboten“, ein Verbotsschild ca. 1920/1930 in Böhmen

Auch nach der Gründung der Tschechoslowakei 1918 waren die Roma Ziel von Assimilations- und sogenannten „Zivilisations“-Bemühungen. Am 14. Juli 1927 erließ die Regierung das Gesetz 117/1927 Sb. über „Zigeuner und ähnliche arbeitsscheue Landstreicher“,[1] das durch das französische Gesetz über Umherziehende von 1912 und das bayerische Gesetz über die „Zigeuner und Faulenzer“ von 1926 inspiriert wurde. Die Maßnahmen des Gesetzes richteten sich gegen alle Personen, die durch eine Landstreichern ähnelnde Lebensweise auffielen, auch wenn sie zeitweilig einen festen Wohnsitz hatten (§ 1 des Gesetzes). Das betraf aber insbesondere die zu der damaligen Zeit noch herumziehenden Roma. Das Gesetz ermöglichte es, die Roma polizei- und verwaltungsmäßig zu erfassen, es wurden „Zigeunerausweise“ ausgestellt sowie „Lizenzen (Genehmigungen) zum Herumziehen“. Es konnten regionale Aufenthaltsverbote erlassen werden, nach § 12 konnten Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren aus den Familien herausgenommen und an Pflegeeltern beziehungsweise Heime zur „Assimilierung“ übergeben werden.[2]

Das Vorhaben, Roma in Arbeitslagern unterzubringen, ging auf den Streit und eine Petition zweier Gemeinden vom 5. Februar 1939 zurück und fand seinen Niederschlag in der Regierungsanordnung 72/1939 vom 2. März 1939. Es konnte nicht gleich verwirklicht werden, sondern erst ab Juli 1940, unmittelbar nachdem der Reichsprotektor Konstantin von Neurath in seiner Anordnung vom 15. Juli 1940 die Anordnung 72/1939 übernahm und den Bau mehrerer „Zigeunerlager“ verfügte, unter anderem KZ Lety und KZ Hodonín.[2]

Nach der Annexion des Sudetenlandes und der Besetzung der „Resttschechei“ setzte die Regierung des Protektorats Böhmen und Mähren diese Politik fort. Im Herbst 1939 wurde die Zwangsansiedlung „herumreisender Personen“ angeordnet; es wurden etwa 7000 Personen registriert, die meisten davon Roma. Diejenigen, die sich weigerten, einen festen Wohnsitz zu akzeptieren, wurden ab 1940 in Zwangsarbeitslagern „für Arbeitsscheue“, später in „Zigeunerlagern“ interniert. Nach dem Attentat auf Heidrich verstärkte sich die Repression ab Sommer 1942, sodass zwischen Frühjahr 1943 und Juli 1944, auf Anordnung des Reichs-SS-Führers Heinrich Himmler vom Dezember 1942, die Roma in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert wurden, wo mindestens 5000 von ihnen das Leben verloren. Die wenigen im Protektorat und in der Slowakei gebliebenen Roma haben sich auch an Widerstandsaktionen beteiligt.[2]

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg lebten in Böhmen und Mähren noch rund 600 Roma von vormals etwa 8000, deren Zahl jedoch infolge des Zuzugs aus der Slowakei und anderen Ländern schnell emporkletterte. In der formal unabhängigen Slowakei wurden die dort ansässigen Roma verstärkt diskriminiert, die Verfolgung dieser Volksgruppe erreichte jedoch nicht das Ausmaß, das im direkten nationalsozialistischen Herrschaftsbereich bestand.

Nach dem Krieg wurden vermehrt slowakische, rumänische und ungarische Roma sowie Roma aus der Sowjetunion in den tschechischen Grenzgebieten, in denen bis dahin Deutschböhmen und Deutschmährer lebten, sowie in Industriegebieten, beispielsweise im heutigen Ústecký kraj, im Liberecký kraj oder im Moravskoslezský kraj angesiedelt, um den Bevölkerungsverlust aufzufangen. Anders als die früheren hier angesiedelten Roma, denen eine gewisse Integration im industrialisierten Böhmen und Mähren nachgesagt wurde, handelte es sich um Gruppen und Familien, die durch die stark konservativen Verhältnisse in ländlichen Gebieten der Ursprungsländer geprägt und mit einem anderen kulturellen und sozialen Hintergrund ausgestattet waren. Einerseits wurden sie als Arbeitskräfte gebraucht, andererseits war die Gesellschaft nicht bereit, die Konflikte offen auszutragen. Die Vorkriegspolitik den Roma gegenüber wurde fortgesetzt. Das Gesetz von 1927 über „Zigeuner“ war nach wie vor gültig, und das Ministerium für Soziales bereitete noch 1947 eine Regierungsanordnung vor, wonach Roma ohne eine feste Anstellung in Arbeitslagern interniert werden sollten; dies stieß jedoch auf Proteste und wurde nicht verwirklicht.[3]

Während der kommunistischen Herrschaft[Bearbeiten]

Nach der kommunistischen Machtübernahme 1948 wurden Roma „de iure“ gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft, was die Verfassung garantierte. Die reale Situation hat sich jedoch nicht geändert. Das Gesetz über Zigeuner von 1927 blieb weiterhin gültig und wurde erst 1950 außer Kraft gesetzt. Im Jahr 1952 wurde eine Verordnung erlassen, deren Ziel die „Umerziehung und die schrittweise Beseitigung rückständiger Folgen bei den Zigeunern als Erbe der kapitalistischen Gesellschaft“ war. Am 17. Oktober 1958 wurde das Gesetz 74/1958[4] erlassen über die zwangsweise dauerhafte Ansiedlung der Roma unter Androhung einer Gefängnisstrafe bis zu drei Jahren bei Nichtbefolgung der Maßnahme (§ 3). 1959 wurde es durch polizeiliche Aktionen verwirklicht: die Roma-Lager wurden razziaähnlich besetzt, von den Wagen wurden die Räder abmontiert und vernichtet, die Roma mussten dann in der nächsten Ortschaft die ihnen angebotenen Unterkünfte zwangsweise beziehen.[3]

1962 erschien in der Zeitschrift „Demografie“ ein Artikel mit der Folgerung „Es ist nicht die Frage, ob die Zigeuner eine Nation sind, sondern wie sie assimiliert werden sollten“.[5] Dieses Assimilationskonzept ließ die Traditionen der Roma völlig außer Acht; sie wurden als retardierende Überbleibsel abgetan und fortan systematisch unterdrückt – was bis hin zu Empfehlungen von Schulmitarbeitern an die Eltern ging, mit ihren Kindern nicht in Romani zu sprechen.[3]

Während bislang die Bemühungen der staatsgesteuerten Assimilation auf kulturelle und bildungsbedingte Fragen abzielte, folgte nach 1965 eine Phase, in der man die Roma aus Gemeinden beziehungsweise Gebieten, wo sie konzentriert vorkamen, durch Umsiedlungen zerstreuen wollte. Die Roma-Bevölkerung wurde nicht als eine ethnische, sondern als eine sozial-pathologische Gruppe betrachtet, die somit kein Recht auf eigene kulturelle, ethnische und andere Spezifika hat. Durch die Regierungsanordnung 502 vom 13. Oktober 1965 wurde ein „Regierungskomitee für die Fragen der Zigeuner“ (Vládní výbor pro otázky cikánského obyvatelstva) errichtet mit dem Ziel der Angleichung des sozial-ökonomischen Niveaus und der völligen Integration und Assimilation der Roma-Bevölkerung. Insbesondere sollte dies durch feste Arbeit und durch die Auflösung von Straßen beziehungsweise Gemeinden, die vorwiegend durch die Roma-Bevölkerung bewohnt wurden, erzielt werden. Die Ethnologin Jana Horváthová meint, dass in dieser Zeit die Vernichtung der Roma-Identität am größten war.[6][3]

Zu einer kurzen, vorübergehenden Verbesserung der Lage der Roma kam es im Verlaufe des Prager Frühlings 1968. Am 30. August 1969 wurde in Brno der Verband der Zigeuner-Roma (Svaz Cikánů-Romů) gegründet, woran bereits ab Mai 1968 ein Vorbereitungskomitee arbeitete. Der Verband gab die Zeitschrift Romano ľil (Roma-Blätter) heraus, beteiligte sich an den Vorbereitungen zur Gründung der International Romani Union und nahm am Weltkongress der internationalen Bürgerrechtsbewegung der Roma in London 1971 teil. Insgesamt setzte sich der Verband für die Verbesserung der Lage der Roma nach Prinzipien der Gleichberechtigung ein. Dies war jedoch für die eingesetzte Normalisierungspolitik der Kommunistischen Partei nicht annehmbar und der Verband löste sich unter dem Druck der staatlichen und Parteiorgane am 30. April 1973 „freiwillig“ auf. Die Politik gegenüber den Roma, die in den 1970er und 1980er Jahren praktiziert wurde, hatte im Vergleich zur Vergangenheit zwar nicht so rigorose Züge, aber sie setzte die Unterdrückung mit etwas veränderten Mitteln fort. Ausschlaggebend waren die Vorschläge der neuen „Kommission der Regierung der ČSR für die Fragen der Zigeunerbevölkerung“ (Komise vlády ČSR pro otázky cikánského obyvatelstva), die am 25. November 1970 ins Leben gerufen wurde.[6][7]

Die oppositionelle Bürgerrechtsbewegung Charta 77 gab im Dezember 1978 die umfangreiche Erklärung Nr. 23 „Zur Frage der Zigeuner-Roma in der Tschechoslowakei“ (O postavení Cikánů-Rómů v Československu) heraus, in der die bisherige Politik der Unterdrückung der Roma-Bevölkerung in der Tschechoslowakei fundiert beschrieben und kritisiert wurde.[8]

Nach 1990[Bearbeiten]

Nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft 1989 organisierten sich Roma einerseits verstärkt in Vereinen und Verbänden, andererseits bestand die gesellschaftliche Diskriminierung fort. So waren Roma bevorzugtes Angriffsziel neonazistischer Gruppierungen, wie beispielsweise im März 2010 in Vítkov in Mährisch-Schlesien, wo ein zweijähriges Mädchen bei einem Brandanschlag lebensgefährliche Verbrennungen erlitt.[9] In Tschechien trat die politisch bedeutungslose, aber offensiv auftretende neonazistische Partei Národní strana um Petra Edelmannová wiederholt mit der Forderung nach einer „Endlösung der Zigeunerfrage“ auf, womit eine Deportation nach Indien gemeint war. In Ústí nad Labem (Aussig) wurde am 13. Oktober 1999 eine Mauer in der mehrheitlich von Roma bewohnten Matiční-Straße errichtet. Nach Protesten und der Zusage finanzieller Förderung für den Aufkauf von drei Einfamilienhäusern von Altanwesenden und für Sozialprogramme wurde die Mauer nach einigen Wochen am 24. November wieder abgebaut.[10] Im Internet-Netzwerk facebook unterstützten im März 2010 85.000 Personen eine Kampagne gegen freiwilligen Schulunterricht auf Romani in einzelnen tschechischen Schulen.[11] In der Presse wurde in der Vergangenheit über Sterilisationen von Romafrauen berichtet, die mit diesem Eingriff meist nicht einverstanden oder darüber im Vorfeld nicht informiert worden waren; diese Praktiken bestünden auch noch nach Ende der kommunistischen Ära fort.[12] Wiederholt wurde außerdem über Ausreisewellen asylsuchender Roma nach Übersee, insbesondere nach Kanada, berichtet. Dies sei ein Grund, warum es seit 2009 bis heute wieder eine Visumpflicht für tschechische Staatsbürger bei der Einreise nach Kanada gebe.[13]

Generell leben Roma in schlechtergestellter sozialer Umgebung. Zum Teil wurden sie in den Städten mit anderen sozial schwachen Einwohnern zusammen angesiedelt, wodurch arme Stadtwohngebiete wie Košice–Luník IX, Most-Chanov oder Litvínov-Janov entstanden sind. In der Slowakei treten vermehrt ländliche Ansiedlungen auf, die Merkmale von Slums aufweisen, z. B. im ostslowakischen Svinia.

Es gehen immer noch überdurchschnittlich viele Roma-Kinder auf Sonderschulen, womit ihnen die Chance auf höhere berufliche Qualifikationen mangelt. Eine Vertretung der Roma im tschechischen oder slowakischen Parlament fehlt, was auch dadurch begünstigt wird, dass ein Gruppenzusammenhalt nicht sehr stark ausgeprägt ist. Eine Umsetzung der Minderheitenrechte wie beispielsweise muttersprachlicher Schulunterricht, Sprachgebrauch bei Behörden usw. ist in Tschechien bis jetzt noch nicht vollständig erfolgt.[14]

Die in den 1990er Jahren fehlenden sozialen Programme unterstützten das Entstehen sozialer Brennpunkte in ärmeren Gegenden Tschechiens, insbesondere in Nordböhmen und Nordmähren. In den letzten Jahren sind vermehrt Konflikte mit sozialem und rassistischem Hintergrund zu verzeichnen, beispielsweise 2011 im Schluckenauer Zipfel[15] oder in Krupka.

Zahlen[Bearbeiten]

Die Roma-Minderheit in der Slowakei (Volkszählung 2001)

In der Tschechoslowakei lebten der Volkszählung im Jahr 1980 nach 288.440 Roma, davon 88.587 in Tschechien. Ende 1989 lebten in der Tschechoslowakei nach Angaben der ehemaligen Nationalkomitees 399.654 Roma, davon 145.711 (36,5 %) in Tschechien und 253.843 (63,5 %) in der Slowakei.[16]Bei der Volkszählung im Jahr 2001 bekannten sich in Tschechien lediglich 11.746 Einwohner zur Roma-Nationalität.[17] Die restlichen ethnischen Roma betrachteten sich als Tschechen oder als Angehörige anderer Nationalitäten, oder sie gaben aus Furcht vor möglichen negativen Auswirkungen eine andere Nationalität an. Die Bevölkerungsgruppe der ethnischen Roma wird in Tschechien auf 250.000 bis 300.000 Personen geschätzt.[18] In der Slowakei geht man von ca. 520.000[19] Roma aus (ca. 10 % der Bevölkerung).

Die umfangreichste Gruppe der in Tschechien lebenden Roma bilden die nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Slowakei zugewanderten Roma mit etwa 75 % bis 85 %, danach die sogenannten Walachei-Roma (Olašští Romové) mit etwa 10 % Anteil, die in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts aus Rumänien einwanderten.[20]

Außer der Diskriminierung im sozialen Bereich und als Ethnie sind es auch zahlreiche bildungspolitische Aspekte, welche die Integration der Roma erschweren. Bereits in der Erklärung der Charta-77 von 1978 wird darauf hingewiesen, dass sich der Anteil der Roma-Kinder, welche die Sonderschulen[Anm. 1] besuchen, auf 20 Prozent beläuft, während er bei der übrigen Bevölkerung bei 3 Prozent liegt.[8] Für die 1990er und späteren Jahre gibt es sehr schwankende Schätzungen, die für die Roma-Kinder zwischen 30 und 80 Prozent liegen, für die Kinder der übrigen Bevölkerung dann bei 2 bis 3,2 Prozent. [21] [22] [23] Eine durch den Ombudsmann für den Schutz der Bürgerrechte Pavel Varvařovský in Auftrag gegebene und 2012 veröffentliche Studie geht man von einem Anteil von 33 bis 35 Prozent für die Roma-Kinder aus.[24] In der Folge führe dies zu einer hohen Analphabetismusquote, die in den 1970er Jahren bei 30 Prozent lag; 10 Prozent männlicher dreißigjähriger Erwachsener haben nie eine Schule besucht, nur 50 Prozent besuchten die Schule höchstens fünf Jahre lang, 15 Prozent beendeten die neunjährige Grundschule, die Fach- bzw. Fachhochschulbildung erreichten nur ein halbes Prozent von ihnen, und in der gesamten Tschechoslowakei gab es in den 1970er Jahren nur 50 Roma mit einer Hochschulbildung.[8]

Im Bericht des Ombudsmannes von 2012 wird vermutet, dass die Einschulung der Roma-Kinder in die Sonderschulen ohne einen relevanten Grund geschieht, obwohl der Grundausbildung eine Schlüsselrolle beim Zugang zur weiteren Bildung, bei der Beseitigung der Arbeitslosigkeit und Kriminalität, aber besonders bei der sozialen Integration der Roma zukommt. Diese Bildungsdiskriminierung geschieht oft nur infolge eines ungünstigen, schlechten sozialen Hintergrunds, ohne dass die Kinder eine mentale Rückständigkeit zeigen würden.[24]

Kultur[Bearbeiten]

World Roma Festival („Khamoro“) in Prag 2007

Bereits in den 1960er Jahren gab es in der Musikszene einige sehr bekannt Künstler wie den Sänger Antonín Gondolán, der zuerst unter anderem in der Big Band von Gustav Brom spielte und Karel Gott begleitete und dann ab etwa 1967 eine eigene, sehr populäre Gruppe anführte, die Skupina bratří Gondolánů.[25] Zu den bekannten Roma-Künstlern im heutigen Tschechien gehören beispielsweise die Sängerin Věra Bílá oder die Hiphop-Gruppe Gipsy.cz. In Košice befindet sich das Roma-Theater Romathan. In Brünn wurde 1999 von Roma-Intellektuellen das Museum der Roma-Kultur gegründet, das seit 2005 eine vom Staat getragene Einrichtung ist.

Der in der Slowakei geborene Rom Ján Cibuľa, der bereits während des Prager Frühlings bei der Gründung des Verbandes der Zigeuner-Roma mitwirkte, blieb nach seiner Emigration 1968 in die Schweiz aktiv, beteiligte sich ausschlaggebend an der Vorbereitung des Roma-Weltkongresses in London 1971 und wurde 1978 bei der Gründung der International Romani Union in Genf zum ersten Vorsitzenden gewählt. Für sein Engagement für die Gleichberechtigung der Roma wurde er 2001 für den Friedensnobelpreis nominiert.[26]

Seit 1999 findet alljährlich, bisher in Prag, eines der größten Roma-Festivals, der sogenannte Khamoro statt, mit vielen Angeboten aus Kultur, Musik, mit Ausstellungen, Kunst- und Fachworkshops, Filmvorstellungen und anderen Ereignissen zu der Roma-Thematik unter Teilnahme vieler Künstler aus dem Ausland. Zu den Unterstützern gehörte auch der ehemalige Präsident Václav Havel.[27]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. In Tschechien: für Schüler mit einer unterdurchschnittlichen Intelligenz

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zákon č. 117/1927 Sb. vom 14. Juli 1927, online auf: www.psp.cz/...
  2. a b c Jana Horváthová, Kapitoly z dějin Romů [Kapitel aus der Geschichte der Roma], Člověk v tísni, společnost při ČT, o.p.s., Lidové noviny 2002, Kap. 11: Genocida, S. 43ff., online auf: www.pf.jcu.cz/.../13.pdf
  3. a b c d Jana Horváthová, Kapitoly z dějin Romů [Kapiteln aus der Geschichte der Roma], Člověk v tísni, společnost při ČT, o.p.s., Lidové noviny 2002, Kap. 12: Státem řízená asimilace, S. 50ff., online auf: www.pf.jcu.cz/.../14.pdf
  4. Zákon 74/1958 Sb. - Zákon o trvalém usídlení kočujících osob, online auf: www.zakonyprolidi.cz/
  5. Demografie, Jahrgang. 1962, Nr. 4, S. 80f.
  6. a b Kristina Axmanová, Řešení romské problematiky v ČSR v 70. letech 20. století ve světle činnosti tzv. Komise vlády ČSR pro otázky cikánského obyvatelstva, Historisches Institut der Philosophischen Fakultät der Masaryk-Universität Brünn, 2012, online auf: is.muni.cz/…
  7. Výstava Svaz Cikánů-Romů 1969 – 1973. Z historie první romské organizace v Československu v Muzeu romské kultury, online auf: www.romea.cz/...
  8. a b c HISTORICKÉ OKÉNKO: Dokument Charty 77 "O postavení Cikánů-Rómů v Československu", z prosince 1978 (Text der Erklärung Nr. 23 vom 13. Dezember 1978), online auf: www.romea.cz/…
  9. Patrick Gschwend: Erneut Brandanschlag auf Roma-Familie. 16. März 2010, abgerufen am 5. September 2014.
  10. Před 10 lety postavili zeď v Matiční. Domy, kvůli nimž vznikla, zbourají. In: iDNES.cz. 11. Oktober 2009, abgerufen am 5. September 2014 (tschechisch).
  11. Rob Cameron: 85,000 join Facebook campaign against voluntary Romani lessons in schools. Radio Praha, 30. März 2010, abgerufen am 5. September 2014 (englisch).
  12. Till Mayer: Roma-Sterilisation in Tschechien: „Sie haben mir ein Stück meines Frauseins genommen“. In: Spiegel Online. 31. März 2009, abgerufen am 5. September 2014.
  13. Jan Korselt, Jana Mlcochova: Czech Republic objects to Canada visa move. Reuters Canada, 14. Juli 2009, abgerufen am 5. September 2014 (englisch).
  14. Liste der Erklärungen zum Vertrag Nr. 148 – Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen. Europarat, abgerufen am 5. September 2014 (deutsch, englisch, „[…] the Czech Republic therefore declares that it considers the Slovak, Polish, German and Roma languages as minority languages which are spoken in its territory […]“).
  15. Karl-Peter Schwarz: Roma in Tschechien: Zwist im Zipfel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. September 2011.
  16.  Wadim Strielkowski: Roma migrations. Lulu.com, 2012, ISBN 9788087404140 (Google Books Kapitel 5 History of Roma in Central and Eastern Europe).
  17. Tschechien, abgerufen am 1. April 2010
  18. European Roma Rights Centre, zit. nach Současná romská komunita v Evropě [Gegenwärtige Roma-Gemeinschaft in Europa.] Radio Praha, 26. Februar 2000, abgerufen am 5. September 2014 (tschechisch).
  19. Raphael Vago: The roma in central and eastern Europe: The plight of a stateless minority. In: Antisemitism Worldwide 2000/1. Tel Aviv University, archiviert vom Original am 4. Juni 2011, abgerufen am 5. September 2014 (englisch).
  20. Jana Horváthová, Kapitoly z dějin Romů [Kapiteln aus der Geschichte der Roma], Člověk v tísni, společnost při ČT, o.p.s., Lidové noviny 2002, Kap 14: Struktura romského společenství u nás, S. 63ff., online auf: www.pf.jcu.cz/.../16.pdf
  21. Stanislav Holubec, Teorie vzdělanostních nerovností a romské prostředí, online auf: userweb.pedf.cuni.cz/paideia/...
  22. (European Roma Rights Center), A Special Remedy: Roma and Schools for the Mentally Handicapped in the Czech Republic, chapter 3: Roma in Remedial Special Schools in the Czech Republic, online auf: unpan1.un.org/
  23. Aktivisté: Začlenění Romů do běžných škol ušetří státu miliardy, online auf: www.denik.cz...
  24. a b Třetinu žáků ve zvláštních školách tvoří romské děti, tvrdí ombudsman, Nachrichtenportal Týden.cz vom 6. Juni 2012, online auf: www.tyden.cz/
  25. Mgr. Antonín Gondolán - skladatel, zpěvák, hudebník, online auf: romove.radio.cz/...
  26. Ján Cibuľa (1932-2013), online auf www.roma-service.at/…
  27. Khamoro, online auf: www.khamoro.cz/

Weblinks[Bearbeiten]