Sébastien Vaillant

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Sébastien Vaillant.
Titelblatt von Botanicon Parisiense (1727).

Sébastien Vaillant (* 26. Mai 1669 in Vigny, Val-d’Oise; † 26. Mai 1722 in Paris) war ein französischer Botaniker. Er „initiierte die Reform der Botanik“.[1] Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Vaill.“.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Sébastien Vaillant war der älteste Sohn des Kaufmanns Denys Vaillant und dessen Frau Marguerite Pinson. Frühzeitig interessierte er sich für Botanik und kultivierte bereits mit sechs Jahren eine Reihe von Wildpflanzen im Garten seines Vaters. Seinem Vater gefiel diese Neigung nicht. Er lenkte das Interesse seines Sohnes auf die Musik. Seine Fortschritte beim Erlernen des Orgelspiels waren so groß, dass er bereits mit elf Jahren seinem verstorbenen Lehrer am Benediktinerkloster St. Maclaud in Pontoise nachfolgte. Später war er Organist in einem nahegelegenen Nonnenkloster.

Später zeigte Vaillant Interesse für Medizin. Er studierte medizinische Bücher und besuchte regelmäßig das Krankenhaus in Pontoise, an dem er bald als Hilfsarzt beschäftigt wurde. 1688 ging er nach Évreux, um Medizin zu studieren. Hier lernte er den Markgrafen von Goville kennen, der Kapitän eines Füsilierregimentes des Königs war und ihn als Arzt für sein Regiment einstellte. Dadurch nahm Vaillant 1690 an der Schlacht bei Fleurus teil.

1691 ging er nach Paris und wurde Arzt am Hôtel-Dieu. 1692 ließ er sich in Neuilly als Arzt nieder. Von hier aus besuchte er jede Woche die botanischen Mittwochsvorlesungen, die Joseph Pitton de Tournefort am Jardin du Roi abhielt. Mit Tournefort unternahm er auch mehrere botanische Exkursionen.

Er machte die Bekanntschaft von Guy-Crescent Fagon, der ihn bald darauf als persönlichen Sekretär beschäftigte. Diese Position erlaubte es Vaillant, weiterhin Exkursionen (zum Beispiel gemeinsam mit Antoine-Tristan Danty d’Isnard entlang der Küsten von Normandie und Bretagne) durchzuführen und selbst botanische Vorlesungen am Jardin du Roi abzuhalten. 1699 erhielt Vaillant den Posten des Verwalters des Cabinet des drogues am Jardin du Roi. 1702 erhielt er auf Empfehlung von Fagon seine erste offizielle Stellung als Botaniker. Sechs Jahre später wurde er, erneut auf Vorschlag Fagons, „Unter-Demonstrator des Gartens“.

Am 18. Januar 1716[2] wählte ihn die Académie des sciences zu ihrem Mitglied und 1717 löste er Antoine de Jussieu als Professor für Botanik des Jardin du Roi ab.

Vaillants 1718 erschienene Schrift Sermo de Structura Florum zur Sexualität der Pflanzen regte Carl von Linné an, sich genauer mit der Funktion von Staubblatt und Pistill (dem aus Fruchtknoten, Griffel und Narbe bestehende Teil der Blüte) zu beschäftigen. Zwischen 1718 und 1721 hielt er vor der Akademie mehrere Vorlesungen über die Gattung der Korbblütler und ihre Arten sowie eine Vorlesung, die sich kritisch mit der Pflanzensystematik Tourneforts auseinandersetzte.

Vaillant bereitete ein umfangreiches Werk über die Pflanzen der Pariser Umgebung vor. Der am Jardin du Roi beschäftigte Zeichner Claude Aubriet fertigte dafür über 300 Zeichnungen an. Als Vaillant merkte, dass er das Manuskript nicht mehr fertigstellen konnte, sandte er es an Herman Boerhaave. Dieser veröffentlichte das Werk 1727 posthum unter dem Titel Botanicon Parisiense.

Nach Vaillants Tod verkaufte seine Witwe sein über 9000 Arten umfassendes Herbarium an den König. Es bildet den Grundstock des heutigen Herbariums des Muséum national d’Histoire naturelle in Paris.[3]

Ehrentaxon[Bearbeiten]

Joseph Pitton de Tournefort benannte ihm zu Ehren die Gattung Vaillantia der Pflanzenfamilie der Rötegewächse (Rubiaceae).[4] Carl von Linné übernahm später diesen Namen.[5][6]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

Nachweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Albert Jovet, James Mallet: Vaillant, Sébastien. In: Complete Dictionary of Scientific Biography. Band 13, Charles Scribner's Sons, Detroit 2008, S. 553–554 (online).
  • Ferdinand Höfer: Nouvelle biographie générale : depuis les temps les plus reculés jusqu'à nos jours, avec les renseignements bibliographiques et l'indication des sources à consulter. Paris: Firmin Didot, 1852–1866. - 46 Bände
  • Charles Knight: Penny Cyclopaedia of the Society for the Diffusion of Useful Knowledge Von Charles Knight. Band 26, Ung-Wal, 1843
  • Jean Pierre Nicéron: Mémoires pour servir à l'histoire des hommes illustres dans la république des lettres : avec un catalogue raisonné de leurs ouvrages. Paris: Briasson, 1729–1745. - 43 Bände

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Carl von Linné: Philosophie botanique de Charles Linné … dans laquelle sont expliqués les fondements de la botanique, avec les définitions de ses parties, les exemples des termes, des observations sur les plus rares in der Google-Buchsuche Paris 1788, S. 182
  2. Liste des membres, correspondants et associés étrangers de l'Académie des sciences depuis sa création en 1666 (PDF, abgerufen am 14. Mai. 2012; 70 kB).
  3. Georges Cremers, Cécile Aupic: Spécimens de Charles Plumier déposés à Paris dans les collections de ptéridophytes américains de Tournefort, Vaillant, Danty d’Isnard et Jussieu. In: Adansonia. Band 29, Nummer 2, 2007, S. 159–193 (PDF; 6,8 MB).
  4. Carl von Linné: Critica Botanica Leiden 1737, S. 94
  5. Carl von Linné: Species Plantarum. Leiden 1753, S. 1051
  6. Carl von Linné: Genera Plantarum. 5. Auflage, Leiden 1754
  7. Claude Aubriet, Botaniker und Naturmaler.

Weblinks[Bearbeiten]