Gebhardshagen

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Gebhardshagen
Ortswappen von Salzgitter-Gebhardshagen
Koordinaten: 52° 6′ N, 10° 21′ O52.10627777777810.357944444444Koordinaten: 52° 6′ 23″ N, 10° 21′ 29″ O
Fläche: 21,237 km²
Einwohner: 7.001 (31. Dez. 2011)
Eingemeindung: 1. Apr. 1942
Postleitzahl: 38229
Vorwahl: 05341
Karte

Lage von Gebhardshagen in Salzgitter

Gebhardshagen ist einer der insgesamt 31 Stadtteile der kreisfreien Stadt Salzgitter in Niedersachsen, gelegen in der Ortschaft West. Es ist der viertgrößte Stadtteil Salzgitters und liegt in der Stadtmitte. Gebhardshagen gehörte bis zum 31. März 1942 zum Kreis Wolfenbüttel und wurde durch Verwaltungsakt am 1. April 1942 Teil der Großstadt Watenstedt–Salzgitter, dem heutigen Salzgitter.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Lage

Gebhardshagen liegt zwischen Salzgitter-Salder (im Norden) und Salzgitter-Engerode und Calbecht (im Süden) an der Nord-Süd-Straße, einer Schnellstraße, die Salzgitters größte Stadtteile Lebenstedt und Bad miteinander verbindet. Es besteht eine Abzweigung der Güterbahnlinie zwischen diesen zwei Stadtteilen nach Salzgitter-Gebhardshagen. Westlich von Gebhardshagen liegt die Gemeinde Haverlah.

[Bearbeiten] Geschichte

Gebhardshagen um 1654/1658, Stich von Matthäus Merian
Ringwallanlage

Der Ort entstand vermutlich zu Beginn des 11. Jahrhunderts im Schutzes eines Vorgängerbaus der heutigen Burg Gebhardshagen. Die Befestigungsanlage diente dem Schutz eines Handelsweges, der über einen nahe gelegenen Pass des Salzgitter-Höhenzuges führte. Die Burg war des Stammsitz des Adelsgeschlechts derer von Hagen, dessen erste Erwähnung sich in einer Urkunde vom 17. Juni 1129 findet, in der König Lothar III. einen Landtausch zwischen dem Domstift zu Goslar und dem Stift Riechenberg bestätigt. In dieser Urkunde wird erstmalig ein Cuonradus de Indagine (lateinisch, zu deutsch: Konrad von Hagen) genannt.

Nahe dem Pass über den Salzgitter-Höhenzug liegt im Wald ein Ringwall, den der Prähistoriker Carl Schuchhardt 1915 dokumentierte. Wahrscheinlich handelte es sich wie an anderen Orten um eine frühmittelalterliche Fliehburg.

Der Ortsname wird erstmalig in einer Urkunde von 1235 erwähnt, in der von einem Pfarrer Heinrich aus Hagen (Heinricus plebanus de Indagine) die Rede ist. Die Burg und auch später der Ort leiten ihren Namen vom Adelsgeschlecht von Hagen ab, in deren Besitz die Burg seit mindestens Anfang des 12. Jahrhunderts ist. Später trat der Beiname Gebhard hinzu, was auf dem in der Familie von Bortfeld als Lehnsnehmer verbreiteten Vornamen beruhte. Im 16. Jahrhundert richtete Herzog Heinrich der Jüngere von Braunschweig das Amt Gebhardshagen ein, dem er Teile des Amtes Salder übertrug. Nach Engerode kamen 1542 Calbecht, Leinde und Lobmachtersen dazu, 1647 folgte Heerte. Der Sitz des Amts befand sich in der Burg Gebhardshagen. Laut der Beschreibung des Merian-Stichs gab es um 1650 drei Wassermühlen im Ort sowie eine außerhalb des Ortes.

Zwischen dem Frieden von Tilsit 1807 und der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 gehörte das das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg zum Königreich Westphalen. Gebhardshagen gehörte zum Departement der Oker, im Distrikt Braunschweig und bildete da den gleichnamigen Kanton.

Die Bevölkerung Gebhardshagens bestand bis ins 19. Jahrhundert aus Landwirten, Handwerkern und Landarbeitern, die sich im Winter durch die Fertigung von Kiepen und das Besenbinden ein Zubrot verschafften. Im 20. Jahrhundert führte die neu entstandene Industrie zur Ansiedlung von Bergarbeiterfamilien - zum Teil aus Schlesien. Die letzte Grube (Grube Haverlahwiese) wurde 1982 stillgelegt.

[Bearbeiten] Burg Gebhardshagen

Hauptartikel: Burg Gebhardshagen

Die im 12. Jahrhundert entstandene Burg Gebhardshagen war der Stammsitz des Geschlechtes derer von Hagen. Sie saßen auf der Burg bis zum Erlöschen ihres Geschlechtes 1280. Dann kam die Anlage in den Besitz der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg. Anfang des 14. Jahrhunderts in der Zeit der Herrschaft derer von Bortfeld wurde der Burgname Hagen erweitert. Der in der Familie häufige Vorname Gebhard trat hinzu, so das die Burg Gebhardshagen hieß. Der sich im Umfeld der Burg angesiedelte Ort hieß bis ins 16. Jahrhundert Hagen. Erst dann wurde er in Gebhardshagen umbenannt zur Unterscheidung zum braunschweigischen Dorf Hagen sowie Nienhagen und Steinhagen als anderen Besitztümern der Bortfelds.

Am 22. Mai 1406 zerstörten Truppen des Hildesheimer Bischofs Johann III. von Hoya, Heinrich von Bortfeld und Burghard von Cramm, die Mauern der Burg Gebhardshagen und nahmen sie ein. Danach wurde sie wieder aufgebaut. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Gebhardshagen zuerst von den Kaiserlichen, dann von den Truppen des Herzogs Georg, darauf wieder von den Kaiserlichen und zuletzt von den Schweden berannt und zerstört. Bei der letzten Einnahme im Jahre 1637 wurde auch die Burg zerstört und niedergebrannt. Der Wiederaufbau erfolgte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Seit dieser Zeit wird die Burg als Domäne geführt. Heute befinden sich die Gebäude im Besitz der Stadt Salzgitter.

[Bearbeiten] St. Nicolai-Kirche

St. Nicolai-Kirche

Laut der Beschreibung des Merian-Stichs wurde 1621 die noch heute bestehende Kirche an der Stelle einer zu klein gewordenen hölzernen Kapelle von 1410 erbaut. Die neue Kirche wird St. Nicolaus genannt – „eine ganz neue Kirche sampt einem schönen hohen Turm erbauet.“ Nach dem Corpus Bonorum wurde die Kirche 1667 erneuert, der ursprünglich achteckige spitze Turm, der 1791 vom Blitze getroffen wurde, wurde im gleichen Jahr wieder in geringerer Höhe und mit flacherem Dach aufgebaut. Im Jahre 1862-64 erhielt die Kirche ein neues Querschiff nebst Chor, das im romanischen Stil erbaut wurde. Von der alten Kirche sind nur noch ein Teil des Turmes und das Längsschiff erhalten.

Seit 1660 sind die benachbarten Ortschaften Gebhardshagen, Calbecht und Engerode im Pfarrverband Gebhardshagen zusammengeschlossen.

[Bearbeiten] Infrastruktur

Gebhardshagen besitzt kleinstädtische Infrastruktur mit einigen kleinen Supermärkten und Fachgeschäften, Kindergärten, vier Kirchen, mit einer Postagentur, Banken, Autowerkstätten, Restaurants, Eisdielen, Kneipen und Kiosken, mit einer Polizeistation und einer Feuerwache, einem Studentenwohnheim, mit einem Anschluss ans Busnetz, mit Ärzten und Apotheken, mit Vereinen, Sportplätzen und einem 2005 sanierten beheizten, vom SV-Glück-Auf betriebenen Waldschwimmbad. Durch den im Herbst 2009 fertig gestellten Kunstrasenplatz hat der SV-Glück-Auf Gebhardshagen seine Sportanlagen erweitert. In Gebhardshagen gibt es neben den zwei Schulen auch drei Kirchen. Die Realschule Gebhardshagen wurde erst im Jahr 2004 von einer Haupt- und Grundschule in eine Realschule umgewandelt.

[Bearbeiten] Wappen

Die Zinnenmauer und die beiden gekreuzten Lilienstäbe stehen für die Burg Gebhardshagen, die schon seit dem 13. Jahrhundert nachgewiesen ist, und deren Besitzer. Auf dieser Burg saßen zunächst die Edelherren von Hagen, die ihren Namen vom ursprünglichen Ortsnamen ableiteten. Die Burg diente von 1539 bis 1807 als herzoglich-braunschweigischer Dienstsitz. Zu dem weiß eingefassten Fenster - es findet sich auch heute noch an der Burgmauer - heißt es in der Begründung zum Wappen, es solle den heute für jedermann möglichen Blick zu den hinter dem alten Gemäuer stattfindenden öffentlichen Veranstaltungen vermitteln.

Das Wappen wurde am 5. Dezember 2002 durch den Ortsrat West der Stadt Salzgitter als Wappen von Salzgitter-Gebhardshagen angenommen.[1]

[Bearbeiten] Bevölkerungsentwicklung

Quellen: Die Bevölkerungszahlen von 1821 bis 2000 basieren auf dem Statistischen Jahrbuch des Referats für Wirtschaft und Statistik der Stadt Salzgitter.[2] Die Bevölkerungsstatistik ab 2001 basiert auf den statistischen Monatsberichten der Stadt Salzgitter (Einwohner mit Hauptwohnsitz) gemäß Melderegister zum Monatsende Dezember.[3]

[Bearbeiten] Literatur

  • Alfred Meinecke: Die Geschichte der Burg und Domäne Gebhardshagen. Archiv der Stadt Salzgitter, Salzgitter 1988 (Beiträge zur Stadtgeschichte 2, ZDB-ID 1429095-9).
  • Reinhard Försterling, Sigrid Lux, Gudrun Pischke: Calbecht, Engerode, Gebhardshagen, Heerte. Ortschaft West in alten Ansichten. Archiv der Stadt Salzgitter, Salzgitter 2003, ISBN 3-930292-15-7, S. 127–375 (Gebhardshagen).
  • Gudrun Pischke (Red.): Ortsheimatpflege in der Stadt Salzgitter. Archiv der Stadt Salzgitter, Salzgitter 1992, S. 54–60 (Geschichtliches über Gebhardshagen).
  • Literatur über Gebhardshagen Katalog der DNB.
  • eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Arnold Rabbow: Neues Braunschweigisches Wappenbuch. Braunschweiger Zeitungsverlag, 2003, ISBN 3-926701-59-5, S. 35.
  2. Referat für Wirtschaft und Statistik: Statistisches Jahrbuch 2009. Stadt Salzgitter, 11. November 2010, S. 31–108, abgerufen am 25. November 2010 (Gesamtzahl Wohnberechtigter (Haupt- und Nebenwohnsitz) © Stadt Salzgitter).
  3. Referat für Wirtschaft und Statistik: Statistische Monatsberichte der Stadt Salzgitter. Stadt Salzgitter, 2008 ff., abgerufen am 18. Januar 2012 (Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung © Stadt Salzgitter).

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Gebhardshagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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