Heinrich II. (Braunschweig-Wolfenbüttel)

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Heinrich II. von Braunschweig-Wolfenbüttel

Heinrich II. (der Jüngere) (* 10. November 1489 in Wolfenbüttel; † 11. Juni 1568 ebenda) war Herzog zu Braunschweig-Lüneburg, Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel, regierte von 1514 bis zu seinem Tode 1568 und gilt als der letzte katholische Fürst im niedersächsischen Raum. Wegen seiner langjährigen Affäre mit einer Hofdame, aus der zehn Kinder hervorgingen, wurde er im Volksmund auch spöttisch der „wilde Heinz von Wolfenbüttel“ genannt.

Leben[Bearbeiten]

Heinrich konnte das Territorium des Herzogtums in der Hildesheimer Stiftsfehde von 1519 bis 1523 vergrößern.[1] Allerdings wurde er schon zu Beginn der Fehde am 28. Juni 1519 in der Schlacht bei Soltau vernichtend geschlagen. Nur durch das Eingreifen des neugewählten Kaisers Karl V. verwandelte sich die Niederlage auf dem Schlachtfeld doch noch in einen Sieg. Als Wiedergutmachung dafür nahm er an der Niederwerfung des Bauernaufstands 1524/25 teil und wurde auch sonst ein treuer Parteigänger des Kaisers.

1531 trat die Hauptstadt seines Fürstentums Braunschweig, die schon 1528 evangelische Prediger berufen hatte[1], dem protestantischen Schmalkaldischen Bund bei. Die Einwohner der Stadt versuchten auf diese Art, neben dem Konfessionswechsel, ihren katholischen Landesherren loszuwerden oder doch zumindest eine weitestgehende städtische Autonomie zu erkämpfen.

Als sich 1538 die katholischen Stände zur Liga zusammenschlossen, trat Heinrich, der ein frommer Katholik war, deshalb sofort bei und wurde einer der beiden Bundeshauptleute der Liga. Die Liga, ursprünglich als politisch-militärisches Gegengewicht zum Schmalkaldischen Bund gegründet, blieb weitestgehend bedeutungslos und erfüllte die Erwartungen, die Heinrich in sie setzte, nicht.

Truppen des Schmalkaldischen Bundes eroberten mit Unterstützung der Stadt Braunschweig und der Freien Reichsstadt Goslar 1542 das Herzogtum. Das Herzogtum wurde besetzt und die Reformation eingeführt. Heinrich wurde für mehrere Jahre in Ziegenhain in Hessen eingekerkert.

Erst ein Sieg Karls V. in der Schlacht bei Mühlberg über den Schmalkaldischen Bund ermöglichte 1547 seine Rückkehr. Die von ihm eingeleitete Rekatholisierung wurde nur von der Stadt Braunschweig erfolgreich bekämpft. Die an das Herzogtum angrenzende Freien Reichsstadt Goslar wurde nach langen Streit 1552 (Riechenberger Vertrag) gezwungen, die ertragreichen Erzbergwerke am Rammelsberg dem Herzog zu überlassen.

Seine letzten großen militärischen Erfolg feierte er im Jahre 1553 in der Schlacht bei Sievershausen. In dieser für ihn siegreichen, aber blutigen Schlacht gegen Albrecht II. Alcibiades (Brandenburg-Kulmbach) fielen - neben zahlreichen anderen Adligen - auch seine beiden ältesten Söhne Karl Viktor und Philipp Magnus. Dadurch wurde sein drittgeborener, von Jugend an körperlich leicht behinderter Sohn Julius erbberechtigt. Julius wurde charakterlich und körperlich für nicht besonders regierungsfähig gehalten (auch weil er unverhohlen mit dem Protestantismus sympathisierte). Um dem Zwist mit dem Vater aus dem Wege zu gehen, ließ er sich auf Schloss Hessen nieder, wo er sich auf seinen Regierungsantritt vorbereitete.

Reformen[Bearbeiten]

Collane eines Ritters des Ordens vom Goldenen Vlies, wie sie auch Heinrich verliehen bekam.

Herzog Heinrich II. galt als sehr organisierter Fürst, der viele Reformen einführte, wie z.B. die Kanzleiordnung und das Hofgericht. Seine größte Leistung war aber wohl die Einführung, Durchführung und kaiserliche Bestätigung der (bereits von seinem Vater gewünschten) Primogenitur in Braunschweig-Wolfenbüttel. Damit setzte er sich gegen seinen Bruder Wilhelm durch, der eine Teilung des Fürstentums zu seinen Gunsten anstrebte, was durch die Primogenitur untersagt wurde.

Der Braunschweiger blieb sein ganzes Leben dem Kaiser treu zu Diensten und erhielt deshalb den Orden vom Goldenen Vlies. Solange sein Bruder sich der Primogenitur verweigerte, hielt Heinrich II. ihn zwölf Jahre lang unter Arrest. Das Pactum Henrico-Wilhelminum vom 16. November 1535 besiegelte das Ende des Streits und wurde von Kaiser Karl V. am 12. Januar 1539 bestätigt.

Heinrich machte sich auch um das unterharzer Hüttenwesen verdient. Unter anderem gründete er die Frau-Sophien-Hütte in Langelsheim und die Frau-Marien-Hütte in Oker.

Kirchenpolitik[Bearbeiten]

Der für seine Härte und seine Rücksichtslosigkeit bekannte Heinrich hielt unbeirrt am Katholizismus fest, auch als alle anderen Welfenherrscher und die Städte Braunschweig und Goslar bereits die Reformation eingeführt hatten.

Heinrich blieb zwar katholisch, betrieb aber in seinem Herzogtum eine energische, an den politischen Erfordernissen orientierte Kirchenpolitik. Er zog Kirchengüter ein, höhlte die Diözesanverfassung im Bistum Hildesheim aus, beseitigte diese in Halberstadt und führte Visitationen durch.[1]

Schloss Wolfenbüttel[Bearbeiten]

Das Schloss Wolfenbüttel auf einem Kupferstich von 1654

Heinrich baute die alte Wasserburg Wolfenbüttel zum Schloss Wolfenbüttel als modernem Renaissance-Bau um. Die militärische Funktion übernahmen frühneuzeitliche Festungswerke, die um den Schlossbezirk herum errichtet wurden und den Kern der später bedeutenden Festung Wolfenbüttel bildeten. Innerhalb der Festung - auf dem heute freien Schlossplatz - bestand eine enge Bebauung. Weitere Häuser von Beamten und Handwerkern wurden auf dem Gebiet östlich der Festung errichtet. Die Vorstadt erhielt den Namen Zu unserer lieben Frauen, nach der dort bestehenden Marienkapelle.

Sein Sohn Julius gab später der von ihm ausgebauten Siedlung Zu unserer lieben Frauen vor den Toren seines Residenzschlosses Wolfenbüttel den Namen Heinrichstadt. Heute (nachdem der Name des Schlosses auf die ganze Stadt übergegangen ist) ist die Heinrichstadt der Kern der Wolfenbütteler Altstadt.

Nach den beiden 1553 in der Schlacht bei Sievershausen gefallenen Prinzen wurden zwei mächtige Festungswerke Wolfenbüttels benannt, die Karlsbastion und der Philippsberg.

Nachkommen[Bearbeiten]

Grabstein Sophia, Heinrich II., Karl Victor und Philipp Magnus in der Marienkirche

Heinrich II. heiratete 1515 in erster Ehe Maria, Tochter des Grafen Heinrichs von Württemberg, mit der er folgende Kinder hatte:

∞ 1561 Herzog Johann von Münsterberg-Oels (1509–1565)
  • Andreas (*1517, † jung)
  • Katharina (1518–1574)
∞ 1537 Markgraf Johann von Brandenburg-Küstrin (1513–1571)
∞ 1560 Prinzessin Hedwig von Brandenburg (1540–1602)
  • Heinrich († jung)
  • Johann († jung)
  • Joachim († jung)
  • Clara (1532–1595), Äbtissin von Gandersheim 1539–1547
∞ 1560 Herzog Philipp II. von Braunschweig-Grubenhagen (1533–1596)

Nach dem Tod seiner ersten Gattin heiratete Heinrich II. Sophia von Polen (1522–1575), eine Tochter von König Sigismund I. von Polen.

Außereheliches Verhältnis[Bearbeiten]

Heinrich II. unterhielt ein mehrjähriges Verhältnis mit der Hofdame seiner Ehefrau, Eva von Trott, deren krankheitsbedingter Tod in Gandersheim nach ihrer Entlassung vorgetäuscht wurde. Er quartierte die Hofdame zwischen 1532 und 1541 heimlich auf der Burg Stauffenburg im abgelegenen Gittelde in Harznähe ein. Durch unbemerkte Treffen – nach bereits drei vorausgegangenen Geburten – brachte von Trott weitere sieben Kinder zu Welt, deren Vaterschaft Heinrich II. zugeschrieben wurde. Auf dem Reichstag zu Regensburg 1542 wurde diese Beziehung von Heinrichs Gegnern an die Öffentlichkeit getragen.

Dieses Verhältnis wurde zum Thema der FlugschriftWider Hans Worst“ von 1541 Martin Luthers. Zeitweilig wurde er deswegen auch als „wilder Heinz von Wolfenbüttel“ verspottet.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Schnabel-Schüle: Die Reformation 1495–1555. S. 226.
Vorgänger Amt Nachfolger
Heinrich I. Herzog zu Braunschweig und Lüneburg
Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel

1514–1568
Julius