Bistum Hildesheim

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Bistum Hildesheim
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Basisdaten
Staat Deutschland
Kirchenprovinz Hamburg
Metropolitanbistum Erzbistum Hamburg
Diözesanbischof Norbert Trelle
Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger
Heinz-Günter Bongartz
Emeritierter Weihbischof Hans-Georg Koitz
Generalvikar Werner Schreer
Fläche 30.000 km²
Dekanate 17 (31. Dez. 2011 / AP2013)
Pfarreien 176 (31. Dez. 2011 / AP2013)
Einwohner 5.397.228 (31. Dez. 2011 / AP2013)
Katholiken 617.097 (31. Dez. 2011 / AP2013)
Anteil 11,4 %
Diözesanpriester 276 (31. Dez. 2011 / AP2013)
Ordenspriester 51 (31. Dez. 2011 / AP2013)
Ständige Diakone 101 (31. Dez. 2011 / AP2013)
Katholiken je Priester 1.887
Ordensbrüder 65 (31. Dez. 2011 / AP2013)
Ordensschwestern 265 (31. Dez. 2011 / AP2013)
Ritus Römischer Ritus
Liturgiesprache Deutsch
Kathedrale Hildesheimer Dom
Website www.bistum-hildesheim.de
Kirchenprovinz
Erzbistum Freiburg Erzbistum Bamberg Erzbistum Berlin Erzbistum Hamburg Erzbistum Köln Erzbistum München und Freising Erzbistum Paderborn Bistum Aachen Bistum Augsburg Bistum Dresden-Meißen Bistum Eichstätt Bistum Erfurt Bistum Essen Bistum Fulda Bistum Görlitz Bistum Hildesheim Bistum Limburg Bistum Magdeburg Bistum Mainz Bistum Mainz Bistum Münster Bistum Münster Bistum Osnabrück Bistum Passau Bistum Regensburg Diözese Rottenburg-Stuttgart Bistum Speyer Bistum Trier Bistum Trier Bistum WürzburgKarte der Kirchenprovinz Hamburg
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Das Bistum Hildesheim (lat.: Dioecesis Hildesiensis) ist eine römisch-katholische Diözese in Norddeutschland. Sie gehörte von ihrer Gründung im Jahr 815 bis 1805 zur Kirchenprovinz Mainz und war danach exemt. 1824 wurde das Bistum erheblich erweitert und kam 1930 zur damals geschaffenen Mitteldeutschen Kirchenprovinz. Seit 1995 ist das Bistum Hildesheim Teil der neu errichteten Norddeutschen Kirchenprovinz Hamburg.

Geografie[Bearbeiten]

Ihr Gebiet entspricht dem östlich der Weser gelegenen Anteil Niedersachsens und Teilen des Landes Bremen, nämlich Bremen-Nord, also die Anteile der Stadt Bremen nördlich der Lesum, und Bremerhaven. Es ist eines der flächengrößten Bistümer Deutschlands, umfasst jedoch fast ausschließlich Regionen, in denen die Katholiken eine Minderheit bilden und damit in der Diaspora leben. Nur das im Süden des Bistums gelegene Dekanat Untereichsfeld sowie die Dörfer des alten „(kleinen) Stifts“ im Raum Hildesheim haben eine katholische Bevölkerungsmehrheit.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten]

Um 800 errichtete Karl der Große das Missionsbistum für Ostfalen in Elze, das damals Aula Caesaris, kurz Aulica genannt wurde und etwa 19 km westlich des heutigen Hildesheim liegt. Die Diözese stand unter dem Patrozinium der Apostelfürsten Petrus und Paulus, deren Namen die (alte) Elzer Kirche bis heute trägt. Das Bistum wurde dann 815 von Karls Sohn Ludwig dem Frommen in Hildesheim neu gegründet und der Gottesmutter Maria geweiht (siehe auch Gründungssage; Hildesheimer Marienreliquiar).

Die Diözese Hildesheim (rot umrandet) von der Zeit ihrer Gründung bis zur Neuumschreibung der katholischen Diözesen nach dem Wiener Kongress[1][2]

Das Bistum Hildesheim umfasste zur Zeit seiner Gründung die 17 sächsischen Gaue Astfala (um Hildesheim, Hannover, Peine, Braunschweig, Leine bis Oker), Flutwidde (Dreieck Meinersen, Celle, Burgdorf), Liergau (Braunschweig Wolfenbüttel süd-westwärts der Oker), Saltgau (um Salzgitter), Wenzigau (Dreieck Bilderlahe, Liebenburg, Lutter am Barenberge), Ambergau (um Bockenem bis Woldenberg und Seesen), Flenithigau (Gandersheim, Winzenburg), Aringo (Gronau bis Alfeld), Tilithigau (Viereck Lauenstein, Lauenau, Bad Münder, Hameln), Valingau (Gronau, Poppenburg, Elze), Gudingau (um Eime zwischen Saale und Leine), Scotelingau (nördlich von Steuerwald), Muldese (um Isernhagen), Marstemgau (Calenberg, Spiegelburg, Hannover, Deister), Osterwalde (Zwischen Erse und Aller), Helingau (um Gifhorn) und Muthiwide (Zusammenfluss von Aller und Oker).[3]

Unter Bischof Altfrid entstand 852–872 der erste steinerne Dombau, dessen Grundriss bis heute unverändert blieb.

Seine größte Bedeutung erlangte das Bistum Hildesheim zur Zeit der Sachsenkaiser durch die heiligen Bischöfe Bernward (993–1022) und Godehard (1022–1038). Architektur- und Kunstschätze aus dieser Zeit prägen bis heute das Bild der Stadt.

Der Episcopatus Hildesiensis im Jahre 1645

Fürstbistum[Bearbeiten]

Von 1235 bis 1802 war der Bischof von Hildesheim zugleich Reichsfürst. Sein Territorium, das Fürstbistum Hildesheim, war kleiner als die Diözese. Ab 1500 gehörte es zum Niedersächsischen Reichskreis. Als Folge der Hildesheimer Stiftsfehde (1519–1523) wurde das Gebiet um die Hälfte verkleinert.

Reformationszeit[Bearbeiten]

Rat und Bürgerschaft der Stadt Hildesheim sowie die welfischen Territorien, die den größten Teil des Hildesheimer Diözesangebiets ausmachten, gingen im 16. Jahrhundert zum lutherischen Bekenntnis über. Nur der Dom und mehrere Klosterkirchen der Stadt sowie die Dörfer des Stiftsgebiets nach 1523, die sogenannten Stiftsdörfer Algermissen, Bettmar, Borsum, Detfurth, Diekholzen, Dinklar, Förste, Giesen, Harsum, Ottbergen, Moritzberg, Himmelsthür und andere, blieben katholisch. Von den norddeutschen Bischofssitzen bestand außer Osnabrück nur Hildesheim ununterbrochen fort.

Die kirchlichen Diözesangrenzen von 815 wurden bis 1823 nicht verändert, auch als die Nachbarbistümer Minden, Verden und Halberstadt untergegangen waren und ihre Diözesangebiete zu den Nordischen Missionen, später dem Apostolischen Vikariat des Nordens gehörten.

Die Diözese Hildesheim von 815 bis 1802 (schwarz umrandet) und nach 1824/1834 (violett)

Folgen des Dreißigjährigen Krieges[Bearbeiten]

Im Zuge der territorialen Neuordnung des Reichs im Zuge des Dreißigjährigen Kriegs wurde das Fürstbistum Hildesheim mit dem „Rezess von Goslar“ 1643 in den Grenzen vor 1523 wieder hergestellt. Die inzwischen lutherischen Gebiete, die nun wieder zur Herrschaft des Hildesheimer Stuhls gehörten, wurden jedoch nicht rekatholisiert. Lediglich einzelne Pfarreien (Amtspfarreien), Klöster und Gottesdienststationen entstanden neu (Bolzum, Gronau, Lamspringe, Peine, Poppenburg, Ringelheim, Ruthe, Westfeld und andere).

18. und 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Im 18. Jahrhundert hielt sich das kleine Fürstbistum Hildesheim durch Personalunionen mit mächtigeren geistlichen Staaten Nordwestdeutschlands. Fürstbischof Clemens August aus dem Hause Wittelsbach regierte fast vier Jahrzehnte lang zugleich Köln, Münster, Paderborn, Osnabrück und Hildesheim.

Nach Hannovers Annexion einiger ehemaliger geistlicher Fürstentümer begann das Königreich Hannover 1816 Verhandlungen mit dem Heiligen Stuhl um ein Konkordat, die aber 1821 endgültig gescheitert waren.[4] Daraufhin strebte Hannover – nach preußischem Beispiel (De salute animarum) – nur noch eine Zirkumskriptionsbulle an. Gemäß Vertrag zwischen Hannover und Rom von 1824 erließ der Papst dann die entsprechende Bulle Impensa Romanorum Pontificum, die die Grenzen der hannoverschen Bistümer Hildesheim und Osnabrück neu zog, so dass alles Staatsterritorium zu einer der beiden Diözesen gehörte.[5] Allerdings blieb der Stuhl in Osnabrück zunächst unbesetzt und wurde von Hildesheim durch einen Generalvikar und Weihbischof mitbetreut, da Rom und Hannover über die Finanzierung dieses Bistum uneins geblieben waren und die Klärung auf später verschoben hatten.[6] Auch hatte Hannover durchgesetzt, dass beide Bistümer nicht Suffragan eines ausländischen Metropoliten wurden, sondern Hildesheim exempt blieb und Osnabrück es wurde.[7]

Hildesheims Diözesangebiet umfasst seitdem, mit wenigen Abweichungen, den östlich der Weser gelegenen Teil Hannovers beziehungsweise des Landes Niedersachsen, damit auch das ehemals kurmainzische, katholisch gebliebene Untereichsfeld mit Duderstadt und die bis dahin zur Nordischen Mission gehörenden ehemaligen Diözesangebiete Bremens ohne die nordelbischen Hamburg, Holstein und Dithmarschen, Mindens östlich der Weser und Verdens ohne die Altmark.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Die Zahl der Diözesanen ist durch den Zuzug ostdeutscher Vertriebener nach dem Zweiten Weltkrieg stark angewachsen (etwa 646.000 am 31. Dezember 2007). Diese stammten insbesondere aus Schlesien und dem ostpreußischen Ermland, aber auch aus der Tschechoslowakei. Für sie wurden in allen Teilen der Diözese neue Pfarreien und Kirchen errichtet. Diese neuen Kirchen wurden häufig in der einfachen Bauweise der 1950er und 1960er Jahre erbaut, so dass man sie gegebenenfalls schnell wieder hätte abbrechen können, da man zunächst davon ausging, dass die Vertriebenen eines Tages in die ehemals Deutschen Ostgebiete zurückkehren würden und dadurch die Gemeindemitgliederzahlen ebenso schnell wieder abfallen würden, wie sie nach dem Krieg angestiegen waren. Im Zuge der Einsparungen nach dem Rückgang der Kirchensteuereinnahmen zum Jahrtausendwechsel ist auch die Schließung vieler Kirchen vorgesehen. Bistumsweit stellen ehemalige Heimatvertriebene und deren Nachkommen, Zugezogene aus West- und Süddeutschland, Spätaussiedler aus Polen und der ehemaligen Sowjetunion sowie Zuwanderer aus Italien, Spanien, Portugal und Kroatien große und den Alltag prägende Gruppen in den Gemeinden.

1930 kam das Gebiet des Landkreises Grafschaft Schaumburg vom Bistum Fulda, 1965 das Gebiet des ehemaligen Landes Schaumburg-Lippe vom Bistum Osnabrück zum Bistum Hildesheim. Sie bildeten zusammen das Dekanat Bückeburg, das am 1. September 2012 mit dem Dekanat Hameln-Holzminden zum neuen Dekanat Weserbergland zusammengeschlossen wurde.

Während der Existenz der DDR gehörten sechs Kirchen auf dem Staatsgebiet der DDR zum Bistum Hildesheim, waren jedoch apostolischen Administratoren der DDR unterstellt. Die Kirche in Neuhaus dem Administrator in Schwerin, die Kirchen in Blankenburg, Elbingerode, Hasselfelde und Hessen dem Administrator in Magdeburg, und die Kirche in Niedersachswerfen dem Administrator von Erfurt und Meiningen. Die Kirche in Neuhaus gehört noch heute zum Bistum Hildesheim, die anderen Kirchen gehören heute zu den seit dem 8. Juli 1994 bestehenden Bistümern Magdeburg und Erfurt.

Seit der Gründung des Erzbistums Hamburg am 7. Januar 1995 gehört das Bistum Hildesheim zur Hamburger Kirchenprovinz (vorher war es Suffragan des Erzbistums Paderborn). Die südlich der Elbe auf Hamburger Staatsgebiet gelegenen Pfarreien (Harburg und Wilhelmsburg) wurden an die benachbarte Erzdiözese abgetreten.

Gegenwart[Bearbeiten]

Norbert Trelle ist seit 2005 Bischof von Hildesheim

Bistumsleitung[Bearbeiten]

Seit dem 13. November 1983 war Josef Homeyer Bischof von Hildesheim. Nachdem Papst Johannes Paul II. seinem Rücktrittsgesuch zum 75. Geburtstag stattgegeben hatte, übernahm im August 2004 der dienstälteste (seit 1992) Weihbischof Hans-Georg Koitz die Leitung der Diözese und wurde vom Domkapitel zum Diözesanadministrator gewählt. Die Sedisvakanz bis November 2005 war eine der längsten der jüngeren Kirchengeschichte. Koitz wurde nach seinem 75. Geburtstag am 1. Mai 2010 emeritiert. Zu dessen Nachfolger ernannte Papst Benedikt XVI. am 4. Dezember 2010 den Leiter der Hauptabteilung Personal/Seelsorge im Bistum Hildesheim, Heinz-Günter Bongartz. Die Bischofsweihe[8]von Heinz-Günter Bongartz war am 26. Februar 2011 in der Hildesheimer Basilika St. Godehard.

Am 29. November 2005 wurde der damalige Kölner Weihbischof Norbert Trelle zum 70. Bischof von Hildesheim ernannt. Die feierliche Amtseinführung (Inbesitznahme der Cathedra) war am 11. Februar 2006 im Dom zu Hildesheim.

Das Amt des zweiten Weihbischofs hat seit 1995 Nikolaus Schwerdtfeger inne.

Bis zu seiner Emeritierung lud Bischof Josef Homeyer über 20 Jahre die Jugendlichen des Bistums zur Chrisammesse ein. Diese Tradition ist in ihrer Form einzigartig. Bischof Norbert führt diese Tradition nach seiner Amtsübernahme fort.

Strukturveränderungen[Bearbeiten]

Gegenwärtig befindet sich das Bistum Hildesheim in einem Neuorientierungsprozess. Das gesamtdeutsche Phänomen der „Glaubensverdunstung“ verschärft sich in der Diasporasituation. Lange Zeit wurden die Pfarreien von Vertriebenen aus katholischem Herkunftsmilieu, die meistens aus Schlesien, dem Ermland oder der Tschechoslowakei stammten, geprägt. Ihnen ist eine zweite und dritte Generation gefolgt, die das katholische Brauchtum der ehemaligen familiären Herkunftsgebiete nicht mehr kennen gelernt hat. Auch im Eichsfeld und in den Stiftsdörfern lässt die dominierende Kraft des Festkalenders und der katholischen Verbände nach. In neuerer Zeit machen Spätaussiedler aus Polen und der ehemaligen Sowjetunion sowie deren Angehörige einen großen Teil der Gemeinden aus. Hinzu kommen viele aus katholischen Regionen Deutschlands sowie aus Südeuropa zugewanderte Familien.

In der Statistik der Gottesdienstbesucher bildet Hildesheim und hier wiederum mit elf Prozent das Dekanat Verden unter den deutschen Diözesen das Schlusslicht. Ein gewichtiger Grund für den Rückgang der Kirchenmitglieder sind ein Ungleichgewicht zwischen Taufen und Beerdigungen zugunsten der Beerdigungen, bei einem weiter steigenden Altersdurchschnitt.

Auf diese Entwicklung reagiert die Bistumsleitung mit Zusammenlegung von Pfarreien, Verringerung des Personals, mittelfristig auch mit Schließung von Kirchen. Gleichzeitig wird durch die Förderung „kleiner geistlicher Gemeinschaften“ und der Subjektwerdung der Laien eine Erneuerung und Intensivierung des kirchlichen und spirituellen Lebens angestrebt.

Eckpunkte 2020[Bearbeiten]

Wegen der Abnahme der Katholikenzahlen und des Priestermangels im Bistum Hildesheim, so wie der zunehmend schlechter werdenden finanziellen Situation des Bistums, wurde 2003 das Konzept „Eckpunkte 2020“ erarbeitet, das neben direkten Einsparungen (z. B. durch Schließung von Einrichtungen) auch eine durch Zusammenlegung erreichte Verringerung der Anzahl der Gemeinden von damals 350 auf 124 im Jahr 2014 vorsieht.[9] Mit der Umsetzung des Konzeptes wurde bereits 2004 mit der Zusammenlegung von 49 Pfarrgemeinden zu 19 größeren Gemeinden begonnen. Insgesamt sollen die Ausgaben des Bistums bis zum Jahr 2020 jährlich nur noch etwa 2/3 des Haushalts 2003 betragen.

Seit 2006 wird wie bei anderen deutschen Bistümern und evangelischen Landeskirchen das Einkommen des glaubensverschiedenen Ehepartners in die Berechnung der Kirchensteuer einbezogen (Besonderes Kirchgeld in glaubensverschiedener Ehe). Dies hatte eine erhöhte Anzahl von Kirchenaustritten zur Folge.

Schließungen von Kirchen[Bearbeiten]

Ökonomische Zwänge durch Rückgang der Kirchensteuereinnahmen sowie Priestermangel und Rückgang der Zahl praktizierender Katholiken führen dazu, dass einerseits Gemeinden zu größeren Pfarreien zusammengeführt werden, andererseits aber auch Kirchen geschlossen werden. Die Gebäude werden als Wohnraum umgebaut, an andere Glaubensgemeinschaften abgetreten oder abgebrochen.[10]

Im Januar 2008 veröffentlichte das Bistum eine vorläufige Verwaltungsvorlage mit einer Kategorisierung der Kirchen des Bistums.[11] 216 Kirchen stehen demnach derzeit nicht zur Disposition; bei anderen 56 Kirchen soll ihr pastoraler Bedarf mittelfristig erneut überprüft werden. Die übrigen 166 Kirchen bekommen keine Gelder mehr vom Bistum. Hiervon sollen wiederum 80 Kirchen ab 2009 geschlossen werden. Für die anderen 86 Kirchen müssten die Pfarrgemeinden alleine die finanziellen Mittel zu ihrer Erhaltung aufbringen. Solange sie dies bewältigen, bleibt die Kirche erhalten.

Verwaltung[Bearbeiten]

Aktuell[Bearbeiten]

Heute sind die kirchlich-seelsorgerischen Aufgaben des Bistums auf 17 regionale Dekanate aufgeteilt. Ihre Dekane sind dem Bischof verantwortlich.[12] Der Generalvikar leitet alle anderen Verwaltungsaufgaben.

Historische Entwicklung[Bearbeiten]

Die Diözese Hildesheim bestand im 12. Jahrhundert aus rund 41 Urarchidiakonaten. sie war also zersplittert im Vergleich zu Mainz (22), Köln (7), Trier (5), Worms (10) oder Würzburg (12). Eine Zusammenlegung von Archidiakonaten bahnte sich an, da sie an jeweils an einen Domherren verliehen waren und ihre Zahl zeitweise größer war als die Zahl der Domherren am Kapitel des Domes. Als sich dann auch noch herausstellte, dass die Domherren der für das Amt erforderlichen Residenzpflicht nicht immer nachkamen, entschied man sich zur Zusammenlegung. Erstes belegtes Beispiel ist die Vereinigung von Hildesheim und Rheden unter Rainald von Dassel. In dem gesamten Bistum setzte sich diese Neuordnung allmählich durch. Zur Verwaltung wurden Beamte eingesetzt. Letztlich kristallisierten sich zwölf Archidiakonate heraus:

Die in Archidiakonaten verfasste Organisationsstruktur brach Mitte des 16. Jahrhunderts faktisch zusammen. Hauptgründe waren die Hildesheimer Stiftsfehde und die Reformation. Im Zuge der allgemeinen Säkularisation verfügte die preußische Regierung 1805 auch formal die Einziehung der Archidiakonate.

Hildesheimer Dom

Wallfahrtsstätten[Bearbeiten]

Die Wallfahrtsstätten befinden sich allesamt im Süden des Bistums im Bereich der Städte Hildesheim und Göttingen.

Bauwerke[Bearbeiten]

Siehe Liste der Kirchen im Bistum Hildesheim

Zahlen zum Bistum Hildesheim[Bearbeiten]

Stand: 31. Dezember 2011[13]

  • 617.097 Katholiken

Gliederung[Bearbeiten]

Personal[Bearbeiten]

  • vier Bischöfe (Diözesanbischof, zwei amtierende und ein emeritierter Weihbischof)
  • 414 Priester einschl. Ruheständler, davon
  • 134 Priester in Pfarr- und Kategorialseelsorge
  • 60 Priester mit anderem Heimatbistum
  • 57 Ordenspriester
  • zwei in anderen Bistümern tätig
  • 24 Ruheständler mit Auftrag
  • 127 Ruheständler ohne Auftrag
  • zehn freigestellt (Studium o. ä.)
  • 95 Ständige Diakone
  • 96 Gemeindereferentinnen und -referenten
  • 73 Pastoralreferentinnen und -referenten

Orden[Bearbeiten]

Zahlen[Bearbeiten]

  • 13 Männerorden mit 15 Niederlassungen
  • 18 Frauenorden mit 48 Niederlassungen und 443 Schwestern
  • drei ordensähnliche Frauenvereinigungen mit drei Niederlassungen und 40 Mitgliedern

Frauenorden[Bearbeiten]

(Auswahl)

  • Kloster Marienrode
  • Ursulinenkloster Duderstadt
  • Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vincenz von Paul in Hildesheim

Männerorden[Bearbeiten]

(Auswahl)

  • Augustinerkloster Germershausen
  • Brüdergemeinschaft der Canisianer
  • Dominikanerkloster Braunschweig
  • Franziskaner-Minoriten Uelzen
  • Franziskaner-Minoriten Ottbergen
  • Cella St. Benedikt Hannover

Einrichtungen[Bearbeiten]

Zahlen[Bearbeiten]

  • acht Krankenhäuser
  • 149 Kindertagesstätten/Kindergärten
  • zwölf Berufsbildende Schulen
  • 14 Allgemeinbildende Schulen
  • drei Sonderschulen
  • zwölf Bildungseinrichtungen
  • 14 Kinderheime
  • elf Heime der Behindertenhilfe
  • 21 Altenpflegeheime
  • 92 Beratungsdienste
  • sieben Heime der Jugendhilfe
  • acht Kur- und Erholungshäuser

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

(Auswahl)

Soziale Organisationen[Bearbeiten]

(Auswahl)

Schulen[Bearbeiten]

Im Bistum Hildesheim befinden sich eine Reihe von allgemeinbildenden katholischen Schulen in freier Trägerschaft. Sie werden vom Bistum und von der Stiftung Katholische Schule betrieben. In Hildesheim sind dies das Bischöfliche Gymnasium Josephinum, das Gymnasium Marienschule, die Haupt- und Realschule Albertus Magnus und die Oberschule St.-Augustinus-Schule. Dazu werden noch das Gymnasium St.-Ursula-Schule in Hannover, das Gymnasium Eichendorffschule in Wolfsburg sowie Oberschulen in Göttingen und Wolfsburg sowie die Haupt- und Realschule Ludwig-Windthorst-Schule in Hannover unterhalten. In Duderstadt gibt es eine Integrierte Gesamtschule, in Bremerhaven gibt es aufbauend auf zwei Grundschulen eine Oberschule (bis Klasse 10).

Im Bistum gibt es außerdem 28 Grundschulen in kommunaler Trägerschaft, die für Schülerinnen und Schüler katholischen Bekenntnisses (vgl. § 129 NSchG) eingerichtet sind.

Förderschulen und Berufsbildende Schulen befinden sich in Trägerschaft des Caritasverbandes bzw. der Vinzentinerinnen. [14]

Diözesankalender[Bearbeiten]

Zusätzlich oder im Rang abweichend vom Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet werden im Bistum Hildesheim folgende Eigenfeiern begangen:[15]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bistum Hildesheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kartenausschnitt aus Meyers Konversationslexikon, Verlag des Bibliographischen Instituts, 4. Aufl., Leipzig und Wien 1885.
  2. Atlas zur Kirchengeschichte, Freiburg etc. 1987, S. 97, Karte C.
  3. Blum, Franz Anton: Geschichte des Fürstenthums Hildesheim: ? Bde., Wolfenbüttel: Heinrich Georg Albrecht, 1805, Bd. 1, S. 72 f.
  4. Pius Gams, Geschichte der Kirche Christi im neunzehnten Jahrhundert, mit besonderer Rücksicht auf Deutschland: 3 Bde., Innsbruck: Wagner, 1854–1856, Band 3 (1856), pp. 460seq.
  5. Pius Gams, Geschichte der Kirche Christi im neunzehnten Jahrhundert, mit besonderer Rücksicht auf Deutschland: 3 Bde., Innsbruck: Wagner, 1854–1856, Band 3 (1856), p. 461.
  6. Pius Gams, Geschichte der Kirche Christi im neunzehnten Jahrhundert, mit besonderer Rücksicht auf Deutschland: 3 Bde., Innsbruck: Wagner, 1854–1856, Band 3 (1856), p. 462.
  7. Pius Gams, Geschichte der Kirche Christi im neunzehnten Jahrhundert, mit besonderer Rücksicht auf Deutschland: 3 Bde., Innsbruck: Wagner, 1854–1856, Band 3 (1856), p. 463.
  8. Bischöfliche Pressstelle Hildesheim: Pressemitteilung „Christus verkünden“ vom 26. Februar 2011
  9. Vgl. Informationen des Bistums zu Einsparungen, eingesehen am 1. August 2011
  10. Hannoversche Allgemeine:Zehn Kirchen droht die Schließung.
  11. www.downloads.bistum-hildesheim.de (PDF; 279 kB).
  12. Dechantenstatut für das Bistum Hildesheim (PDF; 113 kB)
  13. Zahlen und Fakten des Bistums Hildesheim. Abgerufen am 23. Februar 2012.
  14. www.bistum-hildesheim.de.
  15. Direktorium für Stundengebet und Messfeier in der Kirchenprovinz Hamburg, Kirchenjahr 2009/2010, S. XVI.