Sawety

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Ortsteil
Sawety
Kattenau

Заветы
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Nesterow
Frühere Namen Kattow, Kattenaw,
(Gut) Kattenau (bis 1946)
Zeitzone UTC+2
Geographische Lage
Koordinaten 54° 40′ N, 22° 25′ O54.66666666666722.416666666667Koordinaten: 54° 40′ 0″ N, 22° 25′ 0″ O
Sawety (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Sawety (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad‎

Sawety (russisch Заветы, deutsch (Gut) Kattenau) war ein eigenständiges Dorf in der russischen Oblast Kaliningrad, das seit etwa 1980 zur Siedlung Furmanowka (Alt Kattenau, 1928–1945 Neu Trakehnen) gehört, die sich in der Landgemeinde Iljuschinskoje im Rajon Nesterow befindet.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Sawety liegt zwölf Kilometer nördlich von Jasnaja Poljana (Groß Trakehnen) und ist über den Abzweig beim Bahnhof Diwnoje Nowoje (Trakehnen) an der russischen Fernstraße A 229 (ehemalige deutsche Reichsstraße 1, heute auch Europastraße 28) zu erreichen. Außerdem treffen in Sawety je eine Straße aus der Rajonshauptstadt Nesterow (Stallupönen, 1938–1946 Ebenrode) sowie aus Dobrowolsk (Pillkallen, 1938–1946 Schloßberg) über Sadowoje (Jentkutkampen, 1938–1946 Burgkampen) zusammen.

Die nächste Bahnstation ist Diwnoje Nowoje (Trakehnen) an der Bahnstrecke Kaliningrad–Nesterow. Bis 1945 bestand außerdem Bahnanschluss über die Station Swirgallen (1936–1938 Schwirgallen, 1938–1946 Eichhagen, heute russisch: Sawodskoje) an der Bahnstrecke von Tilsit (Sowetsk) nach Stallupönen (1938–1946 Ebenrode).

Geschichte[Bearbeiten]

Das Gebiet des heutigen Rajon Nesterow war bis in das 16. Jahrhundert hinein nicht besiedelt. Es bildete so einen geeigneten Schutzwall gegen feindliche Eindringlinge aus dem Osten. Vertraglich allerdings war die Grenze zwischen dem Deutschen Orden und Litauen bereits seit 1422 festgelegt. Aber erst unter Herzog Albrecht von Preußen, Ordenshochmeister, siedelten hier Menschen an. Die erste urkundlich bekannte Siedlung war Kattow, das spätere „Kattenau“.

Das Gut Kattenau erwarb August Schawaller im jahre 1838 vom Amtsrat Major, der gleichzeitig Oberamtmann im Remontedepot Kattenau war. Die Familie Schawaller (aus der Schweiz stammend) besaß damals bereits das Gut Dörschkehmen (1938–1946 Derschau) im Kreis Pillkallen. August Scawaller kaufte kleine Höfe am Rande des Gutswaldes Kattenau hinzu und bildete daraus das Vorwerk Amalienau (zwischen Jentkutkampen (Sadowoje) und Swirgallen (Sawodskoje), benannt nach seiner Frau Amalie). Gut Kattenau war damals 576 Hektar groß.

Im Jahre 1910 zählte der Gutsbezirk Kattenau 96 Einwohner gegenüber 619 Einwohnern der Landgemeinde Kattenau[1]. Beide gehörten zum Landkreis Stallupönen im Regierungsbezirk Gumbinnen in der preußischen Provinz Ostpreußen. Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Kattenau in die Landgemeinde Kattenau eingegliedert. 1933 lebten hier 734 Menschen. Mit dem südlich gelegenen Vorwerk Alt Kattenau (1928–1946 Neu Trakehnen, russisch: Furmanowka) grenzte Kattenau unmittelbar an die Ländereien von Trakehnen (russisch: Jasnaja Poljana), weiter südöstlich lag das Vorwerk Neu Kattenau (Neschinskoje). Am 1. Oktober 1937 wurde in die Gemeinde Kattenau die Gemeinde Mikuthelen eingegliedert, und 1939 wurden in Kattenau 696 Einwohner gezählt[2].

Nach 1945 kam Kattenau zur Sowjetunion und erhielt 1947 den Namen Sawety.[3] Gleichzeitig wurde der Ort Sitz eines Dorfsowjets. Um 1980 wurde Sawety an den Ort Furmanowka angeschlossen.

Amtsbezirk Kattenau (1874–1945)[Bearbeiten]

Kattenau war zwischen 1874 und 1945 namensgebender Ort und Sitz des Amtsbezirks Kattenau (neben dem Amtsbezirk Alt Kattenau, der 1931 in „Amtsbezirk Neu Trakehnen“ umbenannt wurde)[4]. Er wurde am 24. Juni 1874 aus neun Landgemeinden und einem Gutsbezirk gebildet:

Name (bis 1938) Name (1938–1946) Russischer Name Bemerkungen
Landgemeinden:
Degimmen -- -- bereits 1908 nicht
mehr genannt
Dräweningken Dräwen --
Kattenau Kattenau Sawety
Kiaulacken Quellbruch --
Mikuthelen -- -- 1937 nach Kattenau eingemeindet
Noruszuppen (Noruschuppen) Altenfließ --
Schwentakehmen Schwanen --
Tutschen Tutschen Watutino
Willkinnen Willdorf Scholochowo
Gutsbezirk:
Kattenau -- -- 1928 in die Gemeinde
Kattenau eingegliedert

Am 1. Januar 1945 gab es noch sieben Gemeinden, die den Amtsbezirk Kattenau bildeten und von denen heute nur noch drei Orte existieren: Altenfließ, Dräwen, Kattenau (Sawety), Quellbruch, Schwanen, Tutschen (Watutino) und Willdorf (Scholochowo).

Dorfsowjet/Dorfbezirk Sawetinski 1947–2008[Bearbeiten]

Der Dorfsowjet Sawetinski (ru. Заветинский сельский Совет, Sawetinski selski Sowet) wurde im Juni 1947 eingerichtet.[3] Sein Verwaltungssitz befand sich zunächst in Sawety. Vor 1967 wurde der Verwaltungssitz nach Watutino verlegt und seit etwa 1980 befand sich dieser in Sadowoje. Nach dem Zerfall der Sowjetunion trug die Verwaltungseinheit den Namen Dorfbezirk Sawetinski (ru. Заветинский сельский округ, Sawetinski selski okrug). Im Jahr 2008 wurden die verbliebenen Orte des Dorfbezirks in die neu gebildete Landgemeinde Iljuschinskoje eingegliedert.

Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen
Bolschoje Mostowoje (Большое Мостовое) Jucknischken, 1938–1945:"Föhrenhorst" Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Briketnoje (Брикетное) Neu Budupönen, 1938–1945:"Neupreußenfelde" Der Ort wurde 1950 umbenannt und vermutlich vor 1976 an den Ort Kalinino angeschlossen.
Furmanowka (Фурмановка) Alt Kattenau, 1928–1945: Neu Trakehnen Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Kalinowo (Калиново) Alt Budupönen, 1938–1945:"Altpreußenfelde" Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Kubanskoje (Кубанское) Eyßeln und Neusorge Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Tschkalowski eingeordnet.
Neschinskoje (Нежинское) Neu Kattenau Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Tschkalowski eingeordnet.
Orlowskoje (Орловское) Kalbassen, 1938–1945:"Schwaighöfen" Der Ort wurde 1947 umbenannt und 1997 aus dem Ortsregister gestrichen.
Sadowoje (Садовое) Jentkutkampen, 1938–1945:"Burgkampen" Der Ort wurde 1947 umbenannt und war seit etwa 1980 der Verwaltungssitz.
Sawety (Заветы) Kattenau Der Ort war bis vor 1967 der Verwaltungssitz.
Sawodskoje (Заводское) Schwirgallen, 1938–1945:"Eichhagen" Der Ort war zunächst als Schaturskoje in den Rajon Krasnosnamensk eingegliedert worden und bekam spätestens in den 1970er Jahren den Namen Sawodskoje.
Scholochowo (Шолохово) Willkinnen, 1938–1945:"Willdorf" Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Prigorodny eingeordnet.
Seljonoje (Зелёное) Grünhaus Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Tschkalowski eingeordnet.
Simonowka (Симоновка) Uszdeggen/Uschdeggen, 1938–1945:"Raineck" Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Watutino (Ватутино) Tutschen Der Ort wurde 1947 umbenannt und war von vor 1967 bis etwa 1980 der Verwaltungssitz.
Wischnjowoje (Вишнёвое) Kummeln Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Krasnogorski im Rajon Gussew eingeordnet. Er wurde 1997 aus dem Ortsregister gestrichen.
Woronzowo (Воронцово) Bersbrüden Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Wyssokoje (Высокое) Schilleningken, 1938–1945:"Hainau" Der Ort wurde 1950 umbenannt.

Burg Otholichien[Bearbeiten]

Nicht weit von der später erbauten Kirche entfernt befand sich auf einem Hügel, der wie künstlich aufgeschüttet wirkte, die pruzzische Wallburg Otholichien. Sie wurde 1274 vom Orden zerstört.

Kirche[Bearbeiten]

Kirchengebäude[Bearbeiten]

In Kattenau entstand nach Pillupönen (1938–1946 Schloßbach, heute russisch: Newskoje) 1560 die zweite Kirche in der Region Stallupönen. Ein Nachfolgebau von 1755 brannte 1805 ab und wurde 1811 durch einen schlichten Saalbau ohne Turm ersetzt. Die Glocken hingen in einem separaten hölzernen Glockenstuhl auf der Westseite.

1944/1945 wurde die Kirche kaum beschädigt. Danach jedoch wurde sie von einem Landwirtschaftsbetrieb als Lagerraum zweckentfremdet. Im Jahre 1980 gab man sie auf und sie verfiel. 1992 wurden die Ruinenreste abgerissen.

Kirchengemeinde[Bearbeiten]

Im Zuge der Besiedlung im 16. Jahrhundert, gleichzeitig mit der Einführung der Reformation entstanden durch Urbarmachung Bauernstellen, die zu Kirchspielen zusammengefasst wurden, in deren Mittelpunkt Kirchen entstanden. So wurde auch Kattenau frühzeitig ein Kirchdorf, zu dem ab 1589 ein Pfarrsitz gehörte. Die Predigtsprache war jahrhundertelang die litauische Sprache, weil sie auch Umgangssprache war.

Einst der Inspektion Insterburg (Tschernjachowsk) zugehörig war das von einer überwiegend evangelischen Bevölkerung bewohnte Kattenau bis 1945 Teil des Kirchenkreises Stallupönen (1938–1946 Ebenrode) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Zur Zeit der Sowjetunion kam das kirchliche Leben in Sawety zum Erliegen. Erst in den 1990er Jahren entstand im benachbarten Jasnaja Poljana (Groß Trakehnen) eine neue evangelische Gemeinde vornehmlich aus Russlanddeutschen, die sich der neugebildeten Propstei Kaliningrad der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland eingliederte. Die zuständigen Pfarrer sind die der Salzburger Kirche in Gussew (Gumbinnen).

Pfarrer 1560–1945[Bearbeiten]

In Kattenau amtierten von der Reformationszeit bis zum Zweiten Weltkrieg als evangelische Geistliche[5]:

  • Jacob Hoffman, bis 1575
  • NN., 1576
  • George Buchholtz, bis 1595
  • Caspar Machler, 1595–1635
  • Justin Gallus, ab 1632
  • Johann Klein, 1633–1662
  • Ernst Ditzel, 1659–1661
  • Theophilus Schultz, 1662–1673
  • Philipp Ruhig, 1674–1675
  • Michael Schultz, 1675–1710
  • Sebastian Beier, 1692–1695
  • Friedrich Behrent, 1695–1700
  • Alexander Feiff, 1700–1707
  • Christian Musculus, 1707–1710
  • Johann Gabriel Krause, 1710–1726
  • Heinrich Günther Plewe, 1727–1751
  • Carl Gustav Voß, 1751–1767
  • Johann Andreas W.M. Zippel, 1767–1790
  • Friedrich Gottlieb Hahn, 1790–1805
  • Friedrich Hassensetin, 1805–1813
  • Benjamin Lebrecht Hinz, 1813–1824
  • Carl L.Th. Kalau vom Hofe, 1824–1849
  • Wilhelm August Fritz, 1850–1882
  • Christoph Gottlieb Pohl, 1882–1903
  • Hermann Robert Jopp, 1903–1909
  • Arthur Br. Hch. Pipirs, 1910–1924
  • Hermann Pilzecker, 1925–1937
  • Klaus Wegner, 1937–1945

Die Pfarrer Michael (Johann) Schultz (litauisch: Jonas Šulcas) , Johann Klein (Jonas Kleinas), Ernst Ditzel (Ernestas Dicelijus), Theophil Schultz (Teofilis Šulcas) und Christoph Pohl (Kristofas Polis) traten hervor in ihrem Einsatz für die litauische Sprache und die Pflege des litauischen Brauchtums.

Persönlichkeiten des Ortes[Bearbeiten]

  • Philip Ruhig (litauisch: Pilypas Ruigys), (* 31. März 1675 in Kattenau), lutherischer Theologe, Philosoph und Philologe

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis
  2. Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch
  3. a b Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad)
  4. Rolf Jehke, Amtsbezirk Kattenau
  5. Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968