Rajon

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Dieser Artikel beschreibt die Verwaltungseinheit Rajon in Ländern der ehemaligen Sowjetunion; für weitere Verwendungen siehe Rayon.

Rajon (Pl. Rajons oder Rajone; weißrussisch раён, sonst kyrillisch район; lettisch rajons, litauisch rajonas, georgisch რაიონი [ɾa.i.ɔ.ni], aserbaidschanisch rayon; abgeleitet von französisch rayon ‚Bezirk‘) ist die Bezeichnung für eine Verwaltungseinheit in vielen Nachfolgestaaten der Sowjetunion, wie Aserbaidschan, Georgien (bis 2006), Lettland (bis 2009), Litauen, Moldawien, Russland, der Ukraine und Weißrussland sowie in anderen Ländern, wie Bulgarien. Rajons entsprechen in etwa den deutschen Landkreisen bzw. den österreichischen Bezirken.

Heutige Verwendungen[Bearbeiten]

Aserbaidschan[Bearbeiten]

Aserbaidschan gliedert sich neben einer Autonomen Republik und elf Städten in 59 Rayons (Rayon; Plural: Rayonlar).

Bulgarien[Bearbeiten]

In Bulgarien entspricht ein Rajon (bulgarisch район/rajon; Plural: райони/rajoni) einem Stadtbezirk. So besteht beispielsweise die Stadt Sofia aus 24 Stadtbezirken.

In der NUTS-Gliederung (NUTS:BG) bilden die zwei Rajoni die Ebene 1, die sechs Rajoni za planirane (‚Planungsregionen‘) die Ebene 2.

Moldawien[Bearbeiten]

Seit 2003 ist Moldawien in 32 Rajons (moldauisch raion) gegliedert. Sie lösten die deutlich größeren neun Kreise (județ, Plural: județe) ab. Diese Rajons bilden mit den zwei autonomen Gebieten und den fünf kreisfreien Städten die oberste Verwaltungsgliederungsebene der Republik Moldau. Alle vier Jahre wird der Präsident (președinte) des Kreistags (Consiliul Rajonal) im Zuge der landesweit einheitlichen Kommunalwahlen gewählt.

Russland[Bearbeiten]

In Russland sind die Rajons verwaltungshierarchisch unterhalb der „Subjektebene“, also der obersten, föderalen Verwaltungsebene aus Gebieten (Oblast), Regionen (Krai), Autonomen Kreisen und autonomen Republiken angesiedelt. Die Rajons stehen auf derselben Ebene wie Stadtkreise (gorodskoi okrug).

In zwei Republiken Russlands werden die Rajons auch im Russischen offiziell mit den aus den jeweiligen Nationalsprachen übernommenen, leicht abgewandelten Begriffen bezeichnet, haben dabei aber den gleichen Status wie „normale“ Rajons:[1]

  • in der Republik Sacha (Jakutien): Ulus (russisch улус, Plural улусы, ulussy; jakutisch улуус, uluus, Plural улуустара, uluustara)
  • in der Republik Tuwa: Koschuun (russisch und tuwinisch кожуун, Plural russisch кожууны, koschuuny, кожууннаар, koschunnaar)

Auch viele Großstädte werden in Rajons untergliedert, entsprechend Stadtbezirken, die oft jeweils mehrere historische Stadtteile oder -viertel umfassen. Teilweise werden diese städtischen Rajons übergreifend als „administrative“ oder „Verwaltungsrajons“ (administratiwny rajon; in Tschita) oder „innerstädtische Rajons“ (wnutrigorodskoi rajon; in Kemerowo, Nischni Nowgorod, Nowokusnezk, Prokopjewsk, Tambow, Wladikawkas) bezeichnet. In Moskau bilden 125 Rajons die zweithöchste Verwaltungshierarchieebene in 10 der 12 Verwaltungsbezirke (administratiwny okrug). In Sankt Petersburg stellen 18 Rajons dagegen wie in anderen Großstädten die oberste Verwaltungsebene dar, sind dort aber abweichend ihrerseits in 111 Verwaltungseinheiten einer weiteren Hierarchieebe unterteilt. Einige Großstädte sind nicht in Rajons, sondern in Okrugs (was ebenfalls „Kreis“ oder „Bezirk“ bedeutet) oder Varianten davon gegliedert, beispielsweise Archangelsk („Territorialbezirke“, territorialny okrug), Krasnodar (einfach okrug) oder Omsk („Verwaltungsbezirk“, administratiwny okrug, wie Moskau in der obersten Verwaltungsebene).

Ukraine[Bearbeiten]

1982 gab es in der Ukraine 479 Rajons und 121 städtische Rajons.

Historische Verwendung[Bearbeiten]

In der Sowjetunion wurden Rajons schrittweise ab den 1920er-Jahren eingeführt, wobei sie die früheren Ujesde (und Okrugs) des Russischen Reiches ablösten. Aus diesen Rajons sind größtenteils die heutigen, gleichnamigen Verwaltungseinheiten mehrerer, oben genannter Nachfolgestaaten der Sowjetunion hervorgegangen. In Georgien blieben die territorialen Grenzen vieler früherer Rajons erhalten, diese werden aber nicht mehr als Rajons bezeichnet, sondern bilden Munizipalitäten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Robert A. Saunders, Vlad Strukov: Historical Dictionary of the Russian Federation. Scarecrow Press, 2010, ISBN 978-0-8108-5475-8, S. 477.