Gussew

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Gussew (Begriffsklärung) aufgeführt.
Stadt
Gussew/Gumbinnen
Гусев
Flagge Wappen
Flagge
Wappen
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Gussew
Erste Erwähnung 1525
Frühere Namen Gumbinnen (bis 1946)
Stadt seit 24. Mai 1724
Fläche 16 km²
Bevölkerung 28.260 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte 1766 Einwohner/km²
Höhe des Zentrums 45 m
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40143
Postleitzahl 238049–238059
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 212 501
Geographische Lage
Koordinaten 54° 35′ N, 22° 11′ O54.58333333333322.18333333333345Koordinaten: 54° 35′ 0″ N, 22° 11′ 0″ O
Gussew (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Gussew (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad‎
Liste der Städte in Russland
Neue Regierung 2010

Gussew (russisch Гусев, deutsch Gumbinnen, litauisch Gumbinė) ist eine Rajonstadt in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)) mit 28.260 Einwohnern (Stand 14. Oktober 2010).[1]

Geografische Lage und Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Die Stadt liegt am Zusammenfluss der Flüsse Pissa (prußisch pisa, pisse: tiefer Sumpf/ grundloser Morast, wo nur kleine Birken und Fichten wachsen) und Krasnaja (dt. Rominte: prußisch roms, rams: still, ruhig) im östlichen Teil der Oblast auf 57 Meter über NN. Sie wird von der ehemaligen Reichsstraße 1 und heutigen Europastraße 28 KaliningradVilnius durchquert, von der im Stadtgebiet die Fernstraße nach Sowetsk (früher Tilsit) abzweigt. Ebenfalls durch die Stadt führt die internationale Bahnlinie Kaliningrad–Kaunas. Die Oblasthauptstadt Kaliningrad (früher Königsberg) ist 124 Kilometer entfernt. Zum Grenzübergang nach Litauen sind es 37 Kilometer, außerdem führt eine direkte Straßenverbindung zu einem Grenzübergang nach Polen (38 Kilometer).

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten]

Anhand von Bodenfunden ist bekannt, dass an der Romintemündung bereits nach Ende der Eiszeit um 9000 v. Chr. eine Siedlung vorhanden war. Vor der Eroberung des prußischen Gebietes durch den Deutschen Ritterorden im 13. Jahrhundert gab es hier Befestigungsanlagen wie die Burg Otholicha und eine Schanzburg bei Plicken. Zur Gründungszeit des Herzogtums Preußen 1525 wurde erstmals eine Siedlung namens Kulligkehmen (eingefriedetes Dorf: kullike: Beutel und kaimas: Dorf) erwähnt, während auf einer Landkarte von 1576 an der Mündung der Rominte in die Pissa ein Ort namens Bisserkeim verzeichnet ist (Pisserkeim von pissa: tiefer Sumpf und caymis, kaimas: Dorf, Ort). Bereits 1580 wurde die Ortsbezeichnung Gumbinnen erstmals urkundlich erwähnt, sie kommt wahrscheinlich aus dem Litauischen (litauisch: gumbine: Knotenstock, knorrige Äste). Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges bestand das Dorf Gumbinnen aus einigen an beiden Seiten der Pissa gelegenen Gehöften und einer Kirche, die der preußische Herzog Albrecht 1545 hatte errichten lassen.

Aufstieg in Preußen[Bearbeiten]

Das Regierungsgebäude in Gumbinnen mit dem Denkmal Friedrich Wilhelms I.
(C. F. Keßler, 1844)

Während des Tatareneinfalls 1656 und der Pestjahre 1709/11 wurde Gumbinnen wie das ganze spätere Ostpreußen schwer in Mitleidenschaft gezogen. Durch das von Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. ins Leben gerufene Besiedelungsprogramm erfuhr auch Gumbinnen, dem der König am 24. Mai 1724 das Stadtrecht verliehen hatte, einen spürbaren Aufschwung. Nach der Großen Pest kamen Schweizer Reformierte 1710 als erste Neusiedler in die ausgestorbene Stadt. Sie brachten ihren eigenen Prediger mit und errichteten 1739 eine eigene Kirche. Ab 1732 entwickelte sich Gumbinnen zum Zentrum der Salzburger Exulanten. Mit dem Salzburgerhospital und der 1752 errichteten Salzburger Kirche bewahren sie ihre Identität bis heute.

Bereits 1727 schloss sich die auf der Südseite der Rominte entstandene Neustadt der Altstadt an. Am 19. August 1736 gründete Friedrich Wilhelm I. in Gumbinnen eine Kriegs- und Domänenkammer als Verwaltungszentrum der Region. Zu dieser Zeit lebten etwa 2.100 Menschen in der Stadt. Im Siebenjährigen Krieg war Gumbinnen von 1757 bis 1762 von russischen Truppen besetzt. Während des Koalitionskrieges gegen Napoléon Bonaparte lagerten 1807 französische Soldaten in der Stadt, die obendrein noch 89.000 Taler an Kontributionen aufzubringen hatte. Im Russlandfeldzug 1812 marschierte die Grande Armée durch Gumbinnen. Napoleon selbst hielt sich vier Tage in der Stadt auf.

Mit dem Friedrichs-Gymnasium hatte Gumbinnen eine höhere Schule, deren Anfänge auf das Jahr 1724 zurückgehen. Der Status eines Gymnasiums war der Lehranstalt im Jahr 1812 zuerkannt worden.[2]

Kreishaus um 1900
Gebäude der ehem. preußischen Bezirksregierung in der Innenstadt von Gussew (1908–1910 von Richard Saran)

Am 1. September 1818 wurde Gumbinnen Kreisstadt für den Kreis Gumbinnen. Ab 1878 war sie Amtssitz der Regierung in Gumbinnen. Bis 1945 war es der östlichste Regierungsbezirk des Deutschen Reiches. Mit drei großen Kasernen war die Stadt eine bedeutende Garnison der Preußischen Armee. Ab dem 4. Juni 1860 führte die Preußische Ostbahn durch die Stadt, womit sie an wirtschaftlicher Bedeutung gewann. Zum Ende des 19. Jahrhunderts hatten unter anderem eine Eisengießerei, eine Maschinenfabrik mit Dampfhammer, eine Möbelfabrik, eine Weberei, zwei Dampfsägemühlen, mehrere Ziegeleien und eine Molkerei ihre Standorte. Nach dem Ersten Weltkrieg kam noch das Ostpreußenwerk (Elektrizitätswerk) hinzu, das ganz Ostpreußen mit Strom versorgte. 1890 hatte die Stadt 12.207 Einwohner, darunter 269 Katholiken und 95 Juden.

Erster und Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs fand am 18. und 19. August 1914 vor der Stadt die Schlacht bei Gumbinnen zwischen deutschen und eingedrungenen russischen Truppen statt. Die hier erfolgreiche deutsche Armee wurde dann jedoch aus Furcht vor Umklammerung zurückgenommen. Der größte Teil der Bevölkerung flüchtete nach Insterburg und teilweise weiter westwärts. Ab 22. August stand Gumbinnen für einige Wochen unter russischer Besatzung. Im Rahmen der Schlacht an den Masurischen Seen kehrten am 12. September deutsche Truppen in die Stadt zurück. Im Februar 1915 konnten während der Winterschlacht in Masuren die Russen ganz aus dem Kreis Gumbinnen über die Grenze zurückgedrängt werden. Im Kreisgebiet – einschließlich Gumbinnen selbst – wurden über 2.100 Gräber deutscher und über 2.000 russischer Soldaten angelegt, die bei den Kämpfen 1914/15 gefallen waren.

Ehemaliges Kreishaus von Gumbinnen (2008)

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges begannen 1944 die ersten Evakuierungen der damals über 24.000 Einwohner. Am 16. Oktober 1944 wurde die Innenstadt durch einen sowjetischen Luftangriff schwer beschädigt. Vom 21. bis 23. Oktober 1944 lieferte sich die Wehrmacht mit der Roten Armee eine Panzerschlacht, in deren Folge die Frontlinie bis zum Januar 1945 fortbestand. Am 21. Januar 1945 wurde Gumbinnen dann unter erheblichen Zerstörungen von der Roten Armee erobert und als Teil des nördlichen Ostpreußen unter sowjetische Verwaltung gestellt.

Sowjetunion[Bearbeiten]

Im Jahr 1946 wurde die Stadt Gumbinnen zum Gedenken an den sowjetischen Hauptmann Sergej Iwanowitsch Gussew (1918–1945) in Gussew umbenannt und einer russischen Teilrepublik der Sowjetunion zugeordnet. Gussew wurde Zentrum des Rajons Gussew innerhalb der aus militärischen Erwägungen heraus hermetisch abgeriegelten Oblast Kaliningrad. Nach Flucht und Vertreibung der einheimischen deutschen Bevölkerung wurde die Stadt mit Russen aus Zentralrussland und aus dem Gebiet des heutigen Föderationskreises Wolga sowie mit Weißrussen besiedelt. Es entstanden zahlreiche Neubauten im Plattenbaustil.

Russische Föderation[Bearbeiten]

Nach der Auflösung der Sowjetunion wurde die Oblast Kaliningrad mit Gussew zu einer russischen Exklave zwischen Litauen und Polen. Seitdem hat Gussew mit großen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Nach offiziellen Angaben wurde jeder vierte Einwohner arbeitslos, obwohl in Gussew Elektro-, Futtermittel- und Trikotagenfabriken produzieren. Durch die Öffnung der Oblast kam es zu Kontakten zwischen ehemaligen und heutigen Einwohnern, insbesondere zwischen Behörden, Hilfsorganisationen und Kirchengemeinden.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
1875 1890 1925 1933 1939 1959 1970 1979 1989 2002 2010
09.144 12.207 19.002 19.987 22.181 14.174 22.053 24.574 27.031 28.467 28.260

Anmerkung: Volkszählungsdaten

Städtische Gemeinde Gussewskoje 2008–2013[Bearbeiten]

Von 2008 bis 2013 gab es die kommunale Selbstverwaltungseinheit städtische Gemeinde Gussewskoje (ru. Гусевское городское поселение, Gussewskoje gorodskoje posselenije) mit der Stadt Gussew und acht weiteren Siedlungen. Im Jahr 2013 wurden diese Orte in den Stadtkreis Gussew eingegliedert.

Ortsname Einwohner
(Stand: 14. Oktober 2010)
deutscher Name
Brjanskoje (Брянское) 180 Pruszischken
1938–45 Preußendorf
Furmanowo (Фурманово) 723 I. Stannaitschen
1938–45 Zweilinden
II. Luschen
Iwaschkino (Ивашкино) 17 Kollatischken
1938–45 Langenweiler
Jarowoje (Яровое) 15 Gertschen
1938–45 Gertenau
Lipowo (Липово) 556 Kulligkehmen
1938–45 Ohldorf
Mitschurinskoje (Мичуринское) 41 Drücklershöfchen
Schaworonkowo (Жаворонково) 79 Gerwischken
1938–45 Richtfelde
Sinjawino (Синявино) 71 Kampischkehmen
1938–45 Angereck

Historisches Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Schräglinks geteilt; oben in Rot der schwarze preußische Adler mit seinen Attributen, aus der Teilungslinie wachsend, unten in Rot ein steigender schwarzer Pfeil.“[3]

Am 6. April 1722 erhob König Friedrich Wilhelm I. den Ort zur Stadt und gab ihr zum Insiegel „in einem schräg geteilten Schilde in der oberen Hälfte in einem rothen Feld zur Rechten unseren Königlichen schwarzen halben Adler, mit einem aufrecht ausgebreiteten Flügel, in der andern Unterhälfte des Schildes zur Linken in einem rothen Felde einen schwarzen aufrecht fliegenden Pfeil, oben mit unterwärts gehenden Zacken“. Für das erste Feld dürfte ein Schreibfehler vorliegen. Doch zeigt ein großes Magistratssiegel mit der Jahreszahl 1724 tatsächlich beide Felder rot schraffiert, während das kleine Siegel STADT GUMBINNEN 1724 nur den preußischen Adler mit allen Abzeichen enthält.[4]

Religionen[Bearbeiten]

Evangelische Kirchengemeinden[Bearbeiten]

In Gumbinnen wurde kurz nach Einführung der Reformation bereits im Jahre 1545 eine evangelische Gemeinde gegründet.[5] Sie errichtete 1582 ihr erstes Gotteshaus, zu dem ein weitflächiges Kirchspiel gehörte. 1720 musste ein neues Kirchengebäude errichtet werden: die Altstädtische Kirche. Im Jahre 1752 kam die Salzburger Kirche als Filialkirche hinzu. Die Gemeinde war von Anfang an lutherisch geprägt. Sie zählte im Jahre 1925 mehr als 18.000 Gemeindeglieder.

Die reformierten Gemeindeglieder bildeten 1732 ihre eigene Kirchengemeinde,[6] für die es ab 1739 mit der Neustädtischen Kirche (auch: Reformierte Kirche) ein eigenes Kirchengebäude gab. Die Gemeinde zählte 1925 etwas mehr als 3.800 Gemeindeglieder.

Beide Kirchengemeinde gehörten bis 1945 zur Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Während die lutherische Gemeinde zum Kirchenkreis Gumbinnen gehörte, war die reformierte Gemeinde ein Teil des speziellen reformierten Kirchenkreises in Ostpreußen, der in Königsberg (Preußen) seinen Sitz hatte.

Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung sowie die restriktive Religionspolitik der Sowjetunion brachten nach 1945 das kirchliche Leben in Gussew zum Erliegen. Seit den 1990er Jahren gibt es in der Stadt wieder eine evangelisch-lutherische Gemeinde mit dem östlichen Bereich der Oblast Kaliningrad als Kirchspiel. Pfarrkirche ist die 1995 wieder eingeweihte Salzburger Kirche. Die Gemeinde, zu der jetzt vor allem lutherische und reformierte Russlanddeutsche gehören, ist Teil der Propstei Kaliningrad[7] (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Kirchenkreis Gumbinnen[Bearbeiten]

Der evangelische Kirchenkreis Gumbinnen bestand bis 1945 und umfasste sieben Pfarreien mit dazugehörigen Kirchspielen. Sein Gebiet entsprach dem des Kreises Gumbinnen, wobei die Kirche Szirgupönen allerdings bis 1825 zum Kirchenkreis Stallupönen gehörte:[8]

Name Änderungsname
1938 bis 1946
Russischer Name
Gerwischkehmen Gerwen Priosjornoje
Gumbinnen, Altstädtische Kirche
mit Salzburger Kirche
Gussew
Ischdaggen Branden Lermontowo
Nemmersdorf Majakowskoje
Niebudszen Herzogskirch Krasnogorskoje
Szirgupönen
1936–38: Schirgupönen
Amtshagen Dalneje
Walterkehmen Großwaltersdorf Olchowatka

Kirchengebäude[Bearbeiten]

Altstädtische Kirche[Bearbeiten]

Der Bau einer ersten und lutherischen Kirche in Gumbinnen war 1582 vollendet.[8] Der 1720 unter König Friedrich Wilhelm I. errichtete Neubau[9] wurde 1810/11 renoviert und erweitert und in klassizistischen Formen neu ausgestattet. Einen Turm erhielt die Kirche erst 1875. Im Oktober 1944 wurde die Kirche zerstört, die Ruinenreste 1945 abgeräumt.[10] Der Standort der Kirche am einstigen Kirchplatz ist verwaist.

Neustädtische Kirche[Bearbeiten]

Das auch Reformierte Kirche genannte Gotteshaus an der einstigen Königstraße wurde in den Jahren 1736 bis 1739 als verputzter Ziegelbau errichtet.[8] Den Entwurf fertigte Joachim Ludwig Schultheiß von Unfriedt aus. Der vorgesetzte Turm blieb unvollendet.[11] Die Orgel stammte aus der Königsberger Werkstatt Adam Gottlob Casparinis. Das Gebäude wurde 1945 stark beschädigt und nach 1985 abgeräumt.[12] Eine der drei Glocken überlebte auf dem Hamburger Glockenfriedhof und läutet heute in der Großwolder Kirche im ostfriesischen Westoverledingen.

Salzburger Kirche[Bearbeiten]

Die Salzburger Kirche
Hauptartikel: Salzburger Kirche

Die Salzburger Kirche, bis 1945 lutherische Filialkirche, steht an der früheren Salzburger Straße, der heutigen uliza Mendelejewa. Sie wurde 1840 als Nachfolgebau eines ersten Gotteshauses von 1752/54 errichtet.[13] Es handelt sich um einen einfachen verputzten Ziegelbau mit vorgesetztem Turm.[8] Im Januar 1945 wurde das Gebäude stark beschädigt, dann als Schuppen für den Straßenbau zweckentfremdet. Von 1993 bis 1995 konnte die Kirche wieder aufgebaut werden. Sie ist heute das einzige evangelische Gotteshaus in der Stadt Gussew.[14]

Evangelisch-freikirchlich[Bearbeiten]

Altlutherische Kirche[Bearbeiten]

Den Altlutheranern in Gumbinnen, einer kleinen Gemeinde mit 36 Gemeindegliedern im Jahre 1939, gehörte bis 1945 die 1923 bis 1926 errichtete Kreuzkirche[15] an der früheren Schillerstraße. Es handelte sich bei ihr um einen achteckigen Bau mit Laterne im Zentrum des Daches.[16] Im Süden war eine Vorhalle, im Norden eine Sakristei angebaut. Das Gebäude befindet sich in guter Verfassung und ist heute im Besitz der russisch-orthodoxen Kirche.

Baptisten[Bearbeiten]

Der Baptistengemeinde in der einstigen Gumbinner Schillerstraße gehörte bis 1945 als Kapelle ein kleiner, neogotischer Bau[17] vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Im Jahre 1939 zählte die Gemeinde 130 Gemeindeglieder. Seit 1945 wird das Gotteshaus nicht mehr für kirchliche Zwecke genutzt und dient heute als Stallgebäude in privatem Besitz.

Römisch-katholisch[Bearbeiten]

Die Römisch-katholische Kirche besaß vor 1945 in Gumbinnen die St.-Andreas-Kirche an der Moltkestraße als eigenes Gotteshaus. Sie war in den Jahren 1900 bis 1901 errichtet und am 21. April 1901 geweiht worden. Zur katholischen Gemeinde zählten 1939 600 Gemeindeglieder. Sie war dem Dekanat Tilsit (heute russisch: Sowetsk) im Bistum Ermland zugeordnet.

Die Kirche kam unbeschadet durch den Zweiten Weltkrieg und liegt heute auf einem Kasernengelände, wo sie als Militärclubhaus zweckfremde Verwendung findet. Die Kapelle des ehemaligen Altstädtischen Friedhofes dient heute den Katholiken in Gussew als Gotteshaus.[18]

Russisch-orthodox[Bearbeiten]

Der Russisch-orthodoxen Kirche wurde in den 1990er Jahren die einstige Kreuzkirche der Altlutheraner übereignet. Ihr Baustil wurde dem für Russland üblichen angepasst, so mit dem Anbau eines entsprechenden Turmes sowie der Innenausstattung mit einer Ikonostase.[19] Die Gemeinde in Gussew gehört zur Diözese Kaliningrad und Baltijsk der russisch-orthodoxen Kirche.

Auf dem Platz der Altstädtischen Kirche entstand in den Jahren 2012 bis 2013 als neues russisch-orthodoxes Gotteshaus die Versöhnungskirche.[20]

Juden[Bearbeiten]

In Gumbinnen ließen sich jüdische Einwanderer relativ früh nieder. 1767 legten sie eine Betstube sowie einen eigenen Begräbnisplatz an. Im Jahre 1925 zählte die Gemeinde 198 Mitglieder; ihre Synagoge befand sich an der Langen Reihe. Am 9. November 1938 wurde sie durch einen von der SS gelegten Brand zerstört. Die meisten jüdischen Bürger ergriffen danach die Flucht, u. a. nach Litauen und Polen. Im Jahre 1940 wurden die letzten Juden aus Gumbinnen wie auch ganz Ostpreußen deportiert.

In den 2010er Jahren leben wieder einige wenige Juden in Gussew. Eine Synagogengemeinde besteht hier jedoch noch nicht.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Elch
  • Salzburger Kirche (Nachfolgebau von 1840), Haus Salzburg und Salzburger Anstalt
  • Standbild Friedrich Wilhelms I. von Christian Daniel Rauch aus den Jahren 1824/1835 (nicht erhalten)
  • Elchskulptur

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Nach Geburtsjahr geordnet

Mit der Stadt verbunden[Bearbeiten]

Nach Geburtsjahr geordnet

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Hans Pfundtner (1881–1945), Staatssekretär im Reichsinnenministerium (wegen der nationalsozialistischen Vergangenheit nicht Ehrenbürger des russischen Gussew)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf Grenz (Hg.): Gumbinnen. Stadt und Kreis Gumbinnen. Eine ostpreußische Dokumentation. Zusammengestellt und erarbeitet im Auftrag der Kreisgemeinschaft Gumbinnen, Marburg/Lahn 1971
  • Herbert Stücklies und Dietrich Goldbeck: Gumbinnen Stadt und Land. Bilddokumentation eines ostpreußischen Landkreises 1900–1982. Im Auftrag der Kreisgemeinschaft Gumbinnen aus der Bildersammlung des Kreisarchivs Gumbinnen ausgewählt, zusammengestellt und erläutert, Band I und II, Bielefeld 1985
  • Bruno Moritz: Geschichte der reformierten Gemeinde Gumbinnen. Festschrift zum 200-jährigen Bestehen der Kirche 1739–1939. Sonderdruck aus dem Evangelischen Volksblatt für die Ostmark, 1939
  • Rudolf Müller: Drei Wochen russischer Gouverneur. Erinnerungen an die Besetzung Gumbinnens durch die Russen August - September 1914. Gumbinnen 1915 (Digitalisat)
  • Gumbinner Heimatbrief. Nachrichtenblatt für die Stadt und den Kreis Gumbinnen. Organ der Kreisgemeinschaft Gumbinnen/Ostpreußen. Erscheint seit etwa 1952 etwa zweimal im Jahr.
  • Mitteilungen für die ehemaligen Angehörigen der Friedrichsschule und Cecilienschule Gumbinnen. 1954 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gussew – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. L. Wiese: Das höhere Schulwesen in Preußen. Historisch-statistische Darstellung. Berlin 1864, S. 62
  3. Prof. Dr. Erich Keyser: Deutsches Städtebuch - Handbuch städtischer Geschichte Band I Nordostdeutschland Seite 57. W. Kohlhammer Verlag Stuttgart 1939.
  4. Prof. Otto Hupp: Deutsche Ortswappen. Kaffee-Handels-Aktiengesellschaft, Bremen 1925.
  5. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente, Göttingen, 1968, S. 480
  6. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente, Göttingen, 1968, S. 508
  7. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad
  8. a b c d Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, S. 97–98
  9. Die Altstädtiche Kirche an der Pissa, 1909
  10. Gumbinnen bei GenWiki
  11. Die Neustädtische Kirche in der Königstraße, etwa 1930
  12. Verlorene Gebäude in Gumbinnen bei ostpreussen.net
  13. Die Salzburger Kirche, 2007
  14. A.P. Bachtin, Kirchen Ostpreußens. Alte und neue Fotos. Informationen zur Geschichte, Kaliningrad, 2013, S. 35
  15. Die altlutherische Kreuzkirche, etwa 1932
  16. Лютеранская кирха Гумбиннена Altlutherische Kirche Gumbinnen, im Umbau 2012/14
  17. Die ehemalige Baptistenkapelle, 2010
  18. Die ehemalige altstädtische Friedhofskapelle und heutige katholische Kirche, 2007
  19. Die russisch-orthodoxe (ehemals altlutherische) Kirche, 2010
  20. Die russisch-orthodoxe Versöhnungskirche, 2013
  21. http://objekte.jmberlin.de/person/jmb-pers-12579;jsessionid=72575D4BCE7B1B0EF5A3C2A59BC98C1F