Schöpferische Zerstörung

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Die Schöpferische Zerstörung (auch kreative Zerstörung) ist ein Begriff aus der Makroökonomie, dessen Kernaussage lautet: Jede ökonomische Entwicklung (im Sinne von nicht bloß quantitativer Entwicklung) baut auf dem Prozess der schöpferischen bzw. kreativen Zerstörung auf. Durch eine Neukombination von Produktionsfaktoren, die sich erfolgreich durchsetzt, werden alte Strukturen verdrängt und schließlich zerstört. Die Zerstörung ist also notwendig − und nicht etwa ein Systemfehler −, damit Neuordnung stattfinden kann.

Begriffsgeschichte[Bearbeiten]

Sinngemäß taucht der Begriff schon im Kommunistischen Manifest (1848) und in Das Kapital von Karl Marx auf. Bezeichnet wird damit, dass eine neue ökonomische Ordnung eine alte verdrängt, so wie der Kapitalismus sich gegenüber der feudalistischen Produktionsweise durchgesetzt hat. Werner Sombart hat den Begriff in diesem Sinne aufgenommen, bekannter wurde er jedoch durch die Schriften Josef Schumpeters. Dort erfuhr er eine Veränderung insofern, dass er nun für die positiven wirtschaftlichen Eigenschaften der kapitalistischen Produktion steht, nämlich die Fähigkeiten zu Innovation und technisch-wirtschaftlichem Fortschritt. Als allgemeines, nicht auf Wirtschaft bezogenes Prinzip hat es viele Vorläufer. So schreibt etwa Friedrich Nietzsche in seinem Zarathustra:[1]

„Und wer ein Schöpfer sein muß im Guten und Bösen: wahrlich, der muß ein Vernichter erst sein und Werte zerbrechen.“

Wirtschaftliche Bedeutung nach Schumpeter[Bearbeiten]

Das Konzept der schöpferischen Zerstörung ist ein Grundmotiv von Schumpeters Werk Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, erstmal auf englisch erschienen 1942. Eingeführt wird es in dessen 7. Kapitel. Dort schreibt er[2]:

„Die Eröffnung neuer, fremder oder einheimischer Märkte und die organisatorische Entwicklung vom Handwerksbetrieb und der Fabrik zu solchen Konzernen wie dem U.S.-Steel illustrieren den gleichen Prozess einer industriellen Mutation – wenn ich diesen biologischen Ausdruck verwenden darf –, der unaufhörlich die Wirtschaftsstruktur von innen heraus revolutioniert² , unaufhörlich die alte Struktur zerstört und unaufhörlich eine neue schafft.

Dieser Prozess der „schöpferischen Zerstörung“ ist das für den Kapitalismus wesentliche Faktum. Darin besteht der Kapitalismus und darin muss auch jedes kapitalistische Gebilde leben.“

„Anm.² Diese Revolutionen sind nicht eigentlich ununterbrochen; sie treten in unsteten Stößen auf, die voneinander durch Spannungen verhältnismäßiger Ruhe getrennt sind. Der Prozess als ganzer verläuft jedoch ununterbrochen – in dem Sinne, dass immer entweder Revolution oder Absorption der Ergebnisse der Revolution im Gange ist; beides zusammen bildet das, was als Konjunkturzyklus bekannt ist.“

Die Idee der kreativen Zerstörung spielt der Sache nach schon in Schumpeters Werk Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung[3] eine Rolle. Auslöser für die schöpferische Zerstörung sind Innovationen, die von den Unternehmern mit dem Ziel vorangetrieben werden, sich auf dem Markt durchzusetzen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Friedrich Nietzsche, "Also sprach Zarathustra", Zweiter Teil, "Von der Selbst-Überwindung", in: Werke in drei Bänden. Band 2, Herausgegeben von Karl Schlechta. München: Hanser, 1954, S.372
  2. Joseph A. Schumpeter: Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie. UTB, Stuttgart 2005, ISBN 3-8252-0172-4
  3.  Joseph Schumpeter: Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung. Berlin 1912, S. 157.

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

Hugo Reinert/Erik S. Reinert, Creative Destruction in Economics: Nietzsche, Sombart, Schumpeter (MS Word; 189 kB)