Schloss Nieborów

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Schloss in Nieborów, Parkseite

Schloss Nieborów ist ein Schloss im gleichnamigen Dorf Nieborów in Polen in der Woiwodschaft Łódź. Das Schloss ist auch für den bedeutenden Barockgarten bekannt.

Geschichte[Bearbeiten]

Michał Hieronim Radziwiłł (1744–1831). Von Anton Graff 1785 in Karlsbad porträtiert.[1]

Um 1324 gab es im Dorf ein hölzernes Herrenhaus. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde ein Gutshof im Übergangsstil zwischen Gotik und Renaissance errichtet. Dieser Hof wurde bis zum Ende des 17. Jahrhunderts benutzt. Die Güter Nieborów befanden sich damals im Besitz des Adelsgeschlechts Nieborowski. Diese verkauften das Gut im Jahre 1694 an den Primas von Polen, Kardinal Michael Stephan Radziejowski, der hier durch den Architekten Tylman van Gameren, Baumeister der Königkapelle in Danzig, Barockschloss mit Garten errichten ließ.

Nach dem Tod des Kardinals wechselte das Gut häufig den Besitzer, ehe es im Jahre 1774 an den kunstsinnigen Michał Hieronim Fürst Radziwiłł überging, der später Woiwode von Wilna wurde. Fürst Radziwiłł ließ das Schloss prachtvoll im Stil der Zeit mit Möbeln und Kunstwerken ausstatten. Er begründete eine umfangreiche Bibliothek mit über 10.000 Bänden, darunter Wiegendrucke aus dem 15. Jahrhundert und das älteste Druckerzeugnis Polens. Auch legte Fürst Radziwiłł eine umfangreiche Gemäldegalerie an: er sammelte holländische, deutsche, italienische und spanische Malerei sowie Porträts polnischer und ausländischer Würdenträger. Das der Gemäldegalerie angegliederte Kupferstichkabinett umfasste zwischen zehn und zwanzigtausend Blätter.

Fürst Radziwiłł ließ durch Simon Gottlieb Zug Anfang der siebziger Jahre des 18. Jahrhunderts einen regelmäßigen französischen Garten vor dem Schloss anlegen. Derselbe Baumeister zeichnet auch 1784 für die Umgestaltung einiger Innenräume im frühklassizistischen Stil verantwortlich (Gelbes und Grünes Kabinett, Woiwodenschlafzimmer).

Nach dem Tod von Michał Hieronim Radziwiłł im Jahre 1831 kümmerte sich zunächst niemand mehr um das Schloss, da es einen Jahre andauernden Streit um die Erbschaft gab. Zehn Jahre war das Gut sich selbst überlassen, dann, 1841, hat schließlich der Sohn Michał Hieronims, Michał Gedeon Fürst Radziwiłł, Nieborów übernommen. Michał Gedeon Radziwiłł war General und einer der Hauptbefehlshaber des polnischen Novemberaufstandes von 1831. Nach seinem Tod ging das Gut in den Besitz von dessen Sohn Zygmund Fürst Radziwiłł über. Dieser erwies sich allerdings als arger Verschwender und hat Nieborów nach und nach wirtschaftlich vollkommen ruiniert. Um an Geld zu kommen, ließ er in Paris den besten Teil der Gemäldegalerie und der Bibliothek versteigern. Auch verkaufte er Arkadia mit seinen wertvollen Kunstwerken an fremde Hände. Zum Glück trat Zygmund Radziwiłł das Gut im Jahre 1879 an seinen Neffen Michał Piotr Radziwiłł ab und emigrierte nach Frankreich. Der neue Besitzer kaufte Arkadia zurück und gründete 1881 eine Majolikamanufaktur, die auch das Schloss mit Zierkachelöfen und Kunstkeramik ausstattete. Auch eine Möbelmanufaktur wurde damals gegründet. Michał Piotr Radziwiłł war auch bestrebt, die Bestände der Bibliothek durch Neuankäufe zu ergänzen. Er starb 1903 kinderlos. Seine Witwe verkaufte Nieborów drei Jahre später an einen entfernten Cousin, Janusz Radziwiłł. Dieser war ein Politiker der Zwischenkriegszeit und hat in den Jahren 1922-1929 die Innenräume im Schloss teilweise umbauen lassen, unter anderem den Venezianischen Saal und das Raucherzimmer. Er machte Nieborów zu einem mondänen Treffpunkt, der von Politikern und Vertretern der hohen Gesellschaft aufgesucht wurde. Bis Februar 1945 blieb Janusz Radziwiłł im Besitz von Nieborów. Dann wurde die Familie von der NKWD verschleppt und in ein Lager bei Krasnogorsk verbracht, wo Janusz Radziwiłłs Gemahlin starb. Er selbst konnte 1947 zwar nach Warschau zurückkehren, das Schloss und das Gartenensemble von Nieborów und Arkadia waren da aber schon verstaatlicht und als Außenstelle des Nationalmuseums von Warschau der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Janusz Radziwiłł starb 1967.

Innenräume des Schlosses[Bearbeiten]

Haupttreppenhaus mit holländischen Kacheln
Gelbes Kabinett
Weißer Saal
Roter Salon mit dem Porträt von Anna Karolina Gräfin Orzelska von Antoine Pesne
Skulptur im Schlosspark

Haupttreppenhaus[Bearbeiten]

Das Haupttreppenhaus erhielt seine heutige Gestalt in den sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts. Damals wurden die Wände mit blauen holländischen Kacheln, die um 1700 in der Manufaktur Harlingen, einer Filiale von Delft, hergestellt worden waren, verkleidet. Porträts der Könige Stanisław August Poniatowski, Johann III. Sobieski und seiner Frau Johanna Kasimira mit ihrem Sohn Jakob.

Grünes Kabinett[Bearbeiten]

Die jetzige Innenausstattung stammt aus dem Jahre 1784 und wurde von Simon Gottlieb Zug entworfen. Der Raum ist mit englischen Möbeln ausgestattet.

Woiwodenschlafzimmer[Bearbeiten]

Im Schlafzimmer fällt besonders das Porträt von Aniela Radziwiłł von Elisabeth Vigee-Lebrun ins Auge.

Gelbes Kabinett[Bearbeiten]

Wie das Grüne Kabinett besitzt das Gelbe Kabinett eine frühklassizistische Ausstattung von Zug aus dem Jahre 1784, außerdem antikisierende Deckengemälde.

Weißer Saal[Bearbeiten]

Der Weiße Saal war der Ballsaal des Schlosses, der zugleich aber auch als Schlosskapelle benutzt wurde. Der fantasievolle Stuck stammt aus drei Bauperioden: aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts (Umbau des Saales durch Zug), aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und aus der Umbauphase von 1927. In einer Ecknische steht der Altar von 1784. Das Altargemälde ist von Hans Hoffmann, einem berühmten Nachahmer Dürers.

Bibliothek[Bearbeiten]

Die Bibliothek war ursprünglich die Gemäldegalerie des Schlosses. Heute stehen hier 13 Mahagonibücherregale aus der Zeit vor 1817 - sicherlich von ortsansässigen Meistern angefertigt. Über dem Kamin ein prachtvolles Porträt des Kardinals Michael Stephan Radziejowski, des Erbauers des Schlosses. Über den Bücherschränken eine Porträtgalerie europäischer Herrscher. Besonders beachtenswert sind die venezianischen Globen, die Vincenco Coronelli im 17. Jahrhundert geschaffen hat. Vom Balkon der Bibliothek bietet sich ein schönes Panorama.

Kleines Esszimmer[Bearbeiten]

Das Kleine Esszimmer erhielt seine Ausstattung im Stil des Neurokoko unter Michał Piotr Radziwiłł Ende des 19. Jahrhunderts.

Bibliothekskabinett[Bearbeiten]

Im Bibliothekskabinett fallen polnische Möbel aus dem 18. Jahrhundert ins Auge. Der Lüster stammt aus der Sankt Petersburger Glasmanufaktur.

Roter Salon[Bearbeiten]

Der Rote Salon hat seine Ausstattung im Stil des Rokoko aus den sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts bewahren können. Dominanter Akzent ist das Porträt von Anna Karolina Gräfin Orzelska, einer unehelichen Tochter des Königs August II. mit Henriette Renard, das vom preußischen Hofmaler Antoine Pesne geschaffen wurde.

Schlafzimmer des Fürstenpaares und Boudoir[Bearbeiten]

Das Schlafzimmer wurde 1886 im Stil des Neurokoko ausgestaltet. Auch das benachbarte Boudoir hat seine Neurokoko-Ausstattung Ende des 19. Jahrhunderts erhalten.

Räume im Erdgeschoss[Bearbeiten]

Im Erdgeschoss fällt zunächst die stattliche Diele auf. Der Raum stammt mit seinen Abmessungen und dem Deckengewölbe aus der ersten Bauphase des Schlosses. Die Wandvertäfelung aus schwarzer Eiche im Stil der Neurenaissance stammt von 1885, ebenso die Verkleidung des Kamins. In der Diele wird der berühmte Kopf der Niobe aufbewahrt, der im 1. oder 2. Jahrhundert unserer Zeit in Rom als Kopie eines griechischen Vorbildes entstanden ist. Der Kopf ist in einem Gedicht des polnischen Dichters Konstanty Ildefons Gałczyński verewigt. Der der Diele benachbarte hellenistische Korridor dient ebenfalls als Aufbewahrungsort für antike Skulpturen.

Schlossgarten[Bearbeiten]

Der barocke Park wurde durch Simon Gottlieb Zug im französischen Stil in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts angelegt. An der Südseite des Schlosses befindet sich ein Blumenparterre und ein Buchsbaumlabyrinth. Den Park wird von einer breiten Lindenallee mit Rasenteppich durchzogen, die auf die Mitte des Schlosses zuführt. Die Hauptallee endet mit einem Ha-Ha. Westlich des Schlosses liegt ein Kanal mit winkelförmigem Grundriss. Er verbindet zwei Teiche und trennt den Barockgarten von einem sich anschließenden englischen Landschaftsgarten. Ab 1947 wurde der Schlossgarten durch Gerard Ciołek restauriert.

Zum Gut gehören auch mehrere Wirtschaftsgebäude, von denen sich die Orangerie, der Pferdestall, die Wagenremise und Bedienstetenhäuser bis heute erhalten haben. Nördlich des Schlosses steht noch ein Jagdpavillon, in dem heute Gästezimmer untergebracht sind. In den Manufakturgebäuden befindet sich heute die Majolikensammlung von Nieborów und die Verwaltung des Museumsgutes.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ekhart Berckenhagen: Anton Graff – Leben und Werk. Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft, Berlin 1967, S. 19.

Literatur[Bearbeiten]

  • Fotos: Krzysztof Jabłoński, Text: Włodzimierz Piwkowski: Nieborow. Pałac Radziwiłłów - The Radziwiłł Palace. Wydawnictwo VOYAGER, Warszawa 1992, ISBN 83-85496-03-3.
  • Krzysztof Jabłoński, Włodzimierz Piwkowski: Nieborów, Arkadia. Warszawa 1996, ISBN 83-7079-598-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nieborów – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

52.06658333333320.070222222222Koordinaten: 52° 4′ 0″ N, 20° 4′ 13″ O