Schwarze Madonna von Tschenstochau

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Die Schwarze Madonna von Tschenstochau (15. Jahrhundert)

Die Schwarze Madonna von Tschenstochau (polnisch Obraz Matki Boskiej Częstochowskiej, auch Czarna Madonna oder Matka Boska Częstochowska, lat. Imago thaumaturga Beatae Virginis Mariae Immaculatae Conceptae in Claro Monte, kirchenslawisch Ченстоховская икона Божией Матери), ist ein Gnadenbild der Jungfrau Maria, das in Polen als nationales Symbol verehrt wird, zugleich die heiligste Reliquie des Landes darstellt und als Ziel von Wallfahrten dient. Die Schwarze Madonna, die dem byzantinischen Ikonentypus der Hodegetria entspricht, befindet sich seit sechs Jahrhunderten im Kloster Jasna Góra.

Beschreibung und kunstgeschichtliche Aspekte[Bearbeiten]

Das Marienbild ist in der heutigen Form mit Tempera auf eine Holztafel aus Lindenholz gemalt und ist 122,2 x 82,2 x 3,5 cm groß. Ikonografisch gehört es zum Typus der Hodegetria, bei der die Muttergottes und das Jesuskind aufrecht sitzend dargestellt sind und die Mutter mit ihrer Rechten auf das auf ihrem linken Arm sitzende Kind weist. Charakteristisch für den Typus der Hodegetria ist auch die Schriftrolle oder, wie im Fall der Schwarzen Madonna von Częstochowa, eine gebundene Bibel in der linken Hand Jesu, die ihn als fleischgewordenes Wort Gottes ausweist. Seine Rechte ist zum Segenzeichen erhoben. Maria trägt auf dem Bildnis ein dunkles Gewand und einen Mantel mit goldenen Lilienmotiven, die ein Symbol für die Jungfräulichkeit Marias sind.[1] Auf dem Kapuzenteil ihres Mantels prangt über ihrer Stirn ein sechszackiger Stern. Jesus trägt ein rotes Gewand, ebenfalls mit goldenen stilisierten Blumenmustern. Die Köpfe von Jesus und Maria sind von einem vergoldeten Heiligenschein umgeben. Das Bild hat einen blau-grünen Hintergrund. Zu speziellen Anlässen wird das Bild mit edelsteinbesetzten Kleidern und goldenen Kronen geschmückt.[1] Die Gesichter von Maria und Jesus haben eine dunkle, fast schwarze Farbe. Auf der rechten Wange sind bei Maria tiefe Schnitte zu sehen.

Das ursprüngliche Gnadenbild ist wohl byzantinischen Ursprungs und muss irgendwann zwischen dem 6. und 14. Jahrhundert gemalt worden sein. Es wurde 1433 vollkommen neu übermalt, nachdem es drei Jahre zuvor bei einem Überfall im Zusammenhang mit der Hussitenbewegung zerstört worden war.[2] Dabei wurde die ursprüngliche Holztafel verwendet, da diese der Legende nach aus dem Tisch der heiligen Familie angefertigt worden war. Durch die Restauration kam es zu einer Vermischung der byzantinischen Ikonografie mit den stilistischen Mitteln der europäischen Kunst des 15. Jahrhunderts.[3]

Legenden und Geschichte[Bearbeiten]

Um die Schwarze Madonna von Częstochowa ranken sich zahlreiche Legenden. So soll sie auf einem Bild basieren, das der hl. Lukas auf einem Zypressentisch der heiligen Familie gemalt haben soll. Dieses Bild soll 326 von der hl. Helena zu Konstantin dem Großen nach Konstantinopel gebracht worden sein. Im 14. Jahrhundert soll das Bild schließlich als Mitgift einer byzantinischen Prinzessin nach Osteuropa gekommen sein. Der Legende nach wollte es Prinz Ladislaus von Polen 1382 nach einem Tatarenüberfall, bei dem das Bildnis der Muttergottes am Hals beschädigt wurde, von Bełz nach Oberschlesien bringen. Bei Jasna Góra verweigerten die Kutscherpferde ihren Dienst, was als Zeichen gesehen wurde, dass das Bild dort ins Kloster gebracht werden solle. Bei einem Überfall während der Hussitenkriege in Schlesien auf das Kloster sollen ebenfalls die Pferde der Hussiten den Dienst verweigert haben, das Bild von Jasna Góra fortzubringen.

Nachdem ein Soldat das Bild zweimal mit einem Säbel beschädigt haben soll, wurde er der Legende nach vom Blitz getroffen. Die dadurch entstandenen Hiebe ließen sich nicht übermalen, da die Farbe immer wieder verlief. In der Tat wurde 1430 das Kloster überfallen und das Gemälde schwer beschädigt. Anschließend sollte es in Krakau am königlichen Hof restauriert werden, was aber nicht gelang, da die Restauratoren versuchten Temperafarben auf einem Bild der Enkaustik anzuwenden. Daher wurde das Wachs entfernt und eine möglichst getreue Kopie des Bildes geschaffen. Die Spuren der Schwerthiebe wurden zur Erinnerung nachgeritzt. Die Schändung des Bildes steigerte die Berühmtheit des Gnadenbildes nachträglich.

Der Legende nach soll bei der Belagerung von Jasna Góra durch die Schweden 1655 die Schwarze Madonna von Częstochowa eingegriffen und das Kloster geschützt haben. Die Schwarze Madonna von Częstochowa wurde ein Jahr später von König Johann II. Kasimir symbolisch zur Königin Polens gekrönt.

1979 besuchte Papst Johannes Paul II. das Gemälde in Jasna Góra. Zur Schwarzen Madonna von Częstochowa wallfahrten jährlich von mehrere Millionen Pilger aus der ganzen Welt; spezielle Wallfahrten finden im Juli und um das Hochfest Mariä Himmelfahrt im August statt.

Kopien und Rezeption[Bearbeiten]

Kopie der Schwarzen Madonna von Częstochowa als orthodoxe Ikone (2008)

Auch in der orthodoxen Kirche gibt es zahlreiche Kopien der Schwarzen Madonna von Częstochowa. Durch polnische Einwanderer und Missionare kamen Abbildungen auch nach Haiti, wo Bildnisse der Voodoo-Gottheit Ezili Dantor häufig mit ikonografischen Details der Schwarzen Madonna von Częstochowa ausgestaltet werden.

Die Schwarze Madonna von Częstochowa hat viele literarische und musikalische Werke inspiriert. In neuerer Zeit haben der Schwarzen Muttergottes unter anderem Henryk Górecki und Sir Andrzej Panufnik ihre Kompositionen gewidmet.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Leonard W. Moss: In Quest of the Black Virgin, in: James Preston (Hg.): Mother Worship - Themes and Variations, 1982, S. 53-74
  • Janusz Pasierb: The Shrine of the Black Madonna of Czestochowa, 1989
  • Wojciech Kurpik: Częstochowska Hodegetria, 2008

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b http://www.sacred-destinations.com/poland/czestochowa-jasna-gora
  2. Janusz Pasierb, Jan Samek und Kazimierz Szafraniec: Die Kunstschätze des Klosters Jasna Góra, Rosenheim 1977, S. 7f.
  3. Janusz Pasierb, Jan Samek und Kazimierz Szafraniec: Die Kunstschätze des Klosters Jasna Góra, Rosenheim 1977, S. 8, 13.