Schwedische U-Boot-Affäre

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Die schwedische U-Boot-Affäre (schwed.: Ubåtskränkningar, U-Boot-Verletzungen) war in den 1980er Jahren eine Reihe von Ereignissen in der Spätphase des Kalten Krieges. Angeblich versuchten seinerzeit sowjetische U-Boote wiederholt die Neutralität Schwedens zu verletzen. Neuere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass diese Ereignisse von NATO-Staaten unter „falscher Flagge“ inszeniert wurden, um Stimmung gegen die neutralistische Politik des schwedischen Premiers Olof Palme zu schüren.

Ereignisse[Bearbeiten]

Zwischen 1981 und 1990 drangen wiederholt unbekannte U-Boote in schwedische Gewässer ein. Die Krise hatte ihren Anfang, als das sowjetische U-Boot U 137 am 27. Oktober 1981[1] vor Südschweden 30 km vor der Marinebasis Karlskrona auf Grund lief und entdeckt wurde. Diese Meldung dominierte lange Zeit die Medien in Schweden. So entstand der Eindruck, dass während Premierminister Olof Palme mit der Sowjetunion über Möglichkeiten der Entspannung verhandelte, diese die schwedischen Grenzen nach Belieben verletze. Der Anteil der Schweden, die sich direkt durch die Sowjetunion bedroht fühlten, wuchs in diesen Jahren in Umfragen von 7 % auf 45 %.

In der Folgezeit wurden häufig U-Boote mit weit ausgefahrenen Periskopen gesichtet, von manchem U-Boot sah man gar den Turm. Dies ging soweit, dass sich das schwedische Militär mit Appellen an die Bevölkerung richtete, Ausschau nach fremden, vermeintlich sowjetischen U-Booten vor Schwedens Küste zu halten.

Der Kapitän des ersten, nachweislich sowjetischen U-Boots U 137 der Whiskey-Klasse sagte später aus, man habe ihm einen ranghöheren Navigationskapitän vorgesetzt, der solange offensichtliche grobe Fehler machte, bis alle Systeme zur Positionsbestimmung des U-Bootes ausgefallen waren und das Boot schließlich auf Grund lief.

Die Aussage des damaligen schwedischen Außenministers Lennart Bodström, man kenne die Nationalität der gesichteten U-Boote nicht, wurde zu dieser Zeit von der politischen Opposition scharf kritisiert.

Hintergründe[Bearbeiten]

Die Regierung Palme stand Anfang der 1980er Jahre mit ihrer Weiterführung und Intensivierung der Entspannungspolitik in direktem Gegensatz zur Regierung Reagan, die entschlossen war, den Kalten Krieg durch verschärfte Konfrontation auf wirtschaftlichem und militärischem Gebiet zu gewinnen.

Die Regierungen Reagan und Thatcher versuchten daher, in Zusammenarbeit mit wenigen hochrangigen schwedischen Militärs, die Regierung Palme mit einer unter falscher Flagge durchgeführten Operation zu diskreditieren. Dazu drangen fremde (US-amerikanische, vermutlich auch britische) U-Boote in schwedische Gewässer ein, was mangels korrekter Informationen von der schwedischen und internationalen Öffentlichkeit als sowjetische Aggression aufgefasst wurde - nach dem Fall der entdeckten U 137 schien dies die wahrscheinlichste Erklärung.

Hohe schwedische Militärs wie der kommandierende Brigadegeneral der Küstenverteidigung Lars Hansson berichteten, dass sie von ihrer eigenen Führung in entscheidenden Kampfsituationen daran gehindert wurden, die fremden U-Boote zu stellen oder zu vernichten - nach ihren Aussagen vermutlich, um die wahre Nationalität der Eindringlinge vor Entdeckung zu schützen. Die schwedische Regierung hatte von diesen Ereignissen keine Kenntnis, sie wurde sowohl von ihrer eigenen Marineführung als auch von den beteiligten westlichen Staaten systematisch getäuscht.

Enthüllung[Bearbeiten]

Caspar Weinberger, der als erster Verteidigungsminister der USA 1981 überraschend Schweden besuchte und dort mit hochrangigen Militärs zusammentraf, äußerte sich 2000 in einem Interview des schwedischen Fernsehens SVT zu den von 1981 bis 1990 in schwedische Gewässer eingedrungenen unbekannten U-Booten. Weinberger gab in dem Interview überraschend zu, dass amerikanische U-Boote „regelmäßig“ und „häufig“ in schwedische Gewässer eingedrungen seien, während sowjetische U-Boote dazu nicht in der Lage gewesen seien. Das Eindringen habe allerdings mit Wissen und in Absprache mit dem schwedischen Militär stattgefunden.

Ola Tunander, Professor für Friedensforschung am International Peace Research Institute Oslo und Experte für die 3. staatliche Untersuchung der schwedischen U-Boot-Zwischenfälle, veröffentlichte nach jahrelangen Recherchen und Hunderten Hintergrundgesprächen mit hochrangigen Militärs und Geheimdienstmitarbeitern verschiedene wissenschaftliche Arbeiten sowie ein Buch (The Secret War against Sweden: US and British Submarine Deception in the 1980’s), in dem er zu dem Schluss kommt, dass es sich bei den U-Boot-Zwischenfällen um ein geplantes und sehr erfolgreiches Unternehmen der psychologischen Kriegführung gehandelt habe.

Die Indizien, die zu Tunanders Behauptung führen, sind außerordentlich detailliert und umfangreich, die Schlussfolgerung selbst wird aber insbesondere vom schwedischen Militär weiterhin bestritten. Die Analyse Tunanders ist trotzdem beispielsweise in Dänemark bereits Teil des offiziellen vierbändigen, staatlichen Geschichtswerkes über den Kalten Krieg.

Zum Beispiel wurde im Oktober 1982 ein durch Wasserminen der schwedischen Marine beschädigtes Boot solange nicht weiter angegriffen, bis es seine Schäden repariert hatte und aus schwedischen Gewässern fliehen konnte. Sven Olof Kviman, Oberstleutnant der Küstenartillerie, war verärgert, dass seine Vorgesetzten ihm verboten, das Schiff mit Hilfe von Bomben zum Auftauchen zu zwingen. Dieses Verbot deutet darauf hin, dass es sich bei den U-Booten um NATO-U-Boote (amerikanische und britische) gehandelt haben könnte, die mit Kenntnis eines Teils des schwedischen Militärs operierten. In dem Roman Der Feind im Schatten von Henning Mankell wird dieser Sachverhalt als zentrales Thema verarbeitet.

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bulletin of the Atomic Scientists: The case of the stranded sub, Seite 10. März 1982 (englisch), abgefragt am 4. Dezember 2011