Projekt 613

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Projekt 613
S-189 als Museumsschiff

S-189 als Museumsschiff

Schiffsdaten
Bauwerft Werft 112 Gorki (113)

Werft 196 Leningrad (17)
Werft 199 Komsomolsk (7)
Werft 444 Mykolajiw (78)

Bauzeitraum 1949 bis 1958
Außerdienststellung 80er - 90er Jahre
Gebaute Einheiten 215
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
76 m (Lüa)
Breite 6,3 m
Tiefgang max. 4,55 m
Verdrängung aufgetaucht: 1.050 t
getaucht: 1.347 t
 
Besatzung 52 Mann
Maschine
Maschine 2 x Typ 37D Dieselmotoren 2.000 PS

2 x PG-101 Elektromotoren 1.350 PS
2 x PG-103 Elektromotoren 50 PS

Propeller 2
Einsatzdaten U-Boot
Tauchtiefe, normal 170 m
Tauchtiefe, max. 200 m
Geschwindigkeit getaucht max. 13,1 kn
Geschwindigkeit aufgetaucht max. 18,25 kn
Bewaffnung

Munition:

Sensoren

Aktivsonar Tamir-5
Passivsonar Feniks
Nakat ESM-System
NEL-3-Echolot

Projekt 613 war eine Klasse konventionell angetriebener U-Boote der Sowjetunion. Die Bezeichnung der NATO war Whiskey-Klasse. Mit insgesamt 215 gebauten Booten handelt es sich um die umfangreichste U-Boot-Klasse der Sowjetunion.

Entwicklungsgeschichte des Projekts 613[Bearbeiten]

Die Entwicklung begann am 15. August 1948 unter der Leitung von J. J. Jewgrafow, der 1950 von S. A. Djeribin abgelöst wurde. Das Boot wurde in Doppelhüllenbauweise ausgeführt und intern in sieben Abteilungen untergliedert.

Nach einer Neubewertung des Projekts in den 1990er Jahren geht man heute davon aus, dass die Einheiten des Projektes 613 das Minenlegen per Torpedorohr in der sowjetischen Marine „salonfähig“ machten. Diese Fähigkeit trug dazu bei, dass spezielle U-Boot-Entwürfe, die nur Minenlegefähigkeit besitzen sollten - namentlich die Projekte 632 und 648 - noch in der Entwicklung verworfen wurden.

1944 wurde die erste sowjetische Mine, die PLT-3, die aus einem Rohr abgeschossen werden konnte, fertiggestellt. Jedoch wurde sie nie eingeführt. Sie sollte aus einem pneumatischen Torpedorohr abgefeuert werden, das in den 1940er Jahren für die aufgegebenen Projekte 97 und 608 entwickelt wurde. Der Nachfolger der PLT-3, die AMD-1000-Serie, umfasste auch die ersten sowjetischen Grundminen der Nachkriegszeit.

Dem Projekt 613 lag ein während des Krieges entwickelter Entwurf zugrunde, der die alten Einheiten der Klassen S (Stalinez) und Schtsch (Schtschuka) ersetzen sollte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fielen den sowjetischen Streitkräften einige deutsche Kriegs-U-Boote der Klasse XXI in die Hände. Die damit gesammelten Erfahrungen flossen nun in Weiterentwicklung der Whiskey-Klasse ein.

Im Vergleich zu den alten Vorkriegs-Einheiten der sowjetischen Marine umfasste der Entwurf 613 folgende Verbesserungen:

  • Radaranlage Flag,
  • Sonaranlagen Tamir-5L und Mars-24KIG in einer neuen Anordnung am Bug,
  • gesteigerte Tauchzeit im Vergleich zur S-Klasse (200 statt 72 Stunden),
  • verbesserte Luftaufbereitung und Filterung,
  • zwei E-Maschinen pro Welle; eine für Marsch- und eine für Schleichfahrt, die per Keilriemen auf die Welle geschaltet wurden,
  • die Schiffsdieselmotoren wurden lärmgedämpft montiert.

Varianten[Bearbeiten]

Zeichnung der Steuerbordansicht eines Pr. 613 Bootes
Ein 613 V neben der britischen Fregatte "HMS Rothesay" 1987

Einige Einheiten wurden auf den Typ V (neues Sonar und gesteigerte See-Ausdauer), den Typ T (vergrößerte Tauchtiefe), den Typ S (Rettungs-U-Boot für den Marine See-Not-Rettungsdienst) oder den Typ RV (Testplattform für neue Torpedos) umgerüstet.

1957 wurde die S-146 in Gorki mit einer P-5-Rakete ausgestattet. Dieses Boot wurde im Westen als Whiskey Single Cylinder bezeichnet. 1962 fanden mit ihm Tests zur „Bestimmung der Auswirkungen von Unterwasser-Explosionen“ statt.

S-144 testete den T-5-Torpedo mit Nuklearsprengkopf vor Nowaja Semlja.

Projekt 613AD / RV / TS[Bearbeiten]

Das Projekt 613AD war eine Test-Plattform für den Flugkörper Amethyst, der getaucht abgefeuert werden konnte. S-65 wurde zur Testplattform für die ballistische Rakete R-21 (D-4 bzw SS-N-5) umfunktioniert (Projekt 613D-4). Zwischen 1957 und 1958 wurden mehrere Tests der R-11-Rakete von S-229 durchgeführt (Projekt 613 RV). S-72 wurde mit zwei Amethyst-Raketen ausgestattet (Projekt 613AD). S-384 testete neue Batterien (Projekt 613TS)

Projekt 640[Bearbeiten]

Diese Boote sollten als schwimmende Radarstationen fungieren. Unter der Federführung von J. J. Jewgrafow entwickelte man den Typ 613 zum Typ 640 (Whiskey Canvas Bag) weiter. Ab 1961 wurden die Boote S-62, S-73, S-149 und S-151 umgebaut.

  • Verdrängung: 1062 t
  • Dimensionen: 76 × 6,3 × 5,1 m
  • Torpedorohre: 4
  • Kasatka-Radar
  • Seegangsstabilisierung bis Seegang 7

Projekt 644[Bearbeiten]

Eine Weiterentwicklung des Typs 613 war der Typ 644. Dieser wurde von der NATO als Whiskey Twin Cylinder bezeichnet und vom ZKB-18 entwickelt. Diese Einheiten verfügten über zwei Starter für Marschflugkörper. Folgende Einheiten wurden ab 1959 umgerüstet: S-44, S-46, S-69, S-80, S-158 und S-162. S-80 sank am 27. Januar 1961 und wurde am 27. Juli 1969 gehoben. S-162 führte als Testboot des Typs 644D Startversuche mit der P-5D Rakete durch. Zwischen 1962 und 1964 rüstete man S-158 auf den Standard Typ 644-7 um und führte Tests mit der P-7 Rakete durch.

Projekt 665[Bearbeiten]

Projekt 665 (Whiskey Long Bin) wurde von ZKB-112 unter Leitung von Leontjew mit vier Startbehältern versehen. Zwischen 1958 und 1962 wurden folgende Boote umgebaut: S-61, S-64, S-142, S-152, S-155, S-164.

  • Verdrängung: 1490 t
  • Dimensionen: 85 × 6,7 m
  • Geschwindigkeit (aufgetaucht/getaucht): 14,5 kn / 11 kn
  • Torpedorohre: 4 im Bug
  • neues Navigationssystem Sewer-N665

Projekt 666[Bearbeiten]

S-63 wurde umgebaut, um Taucher zu tragen (Projekt 666). S-296 (Projekt KATRAN) erhielt einen außenluftunabhängigen Antrieb (elektro-chemischer Generator mit getrennten Treibstoffbehältern). S-148 wurde ein Aufklärungsboot (NES) mit dem Namen Sewerjanka (14. Dezember 1958).

Die Strandung von S-363[Bearbeiten]

Zu einem internationalen Eklat kam es 1981, als das mit Nukleartorpedos bewaffnete sowjetische U-Boot С-363 (S-363) in der Nacht vom 27. auf den 28. Oktober vor dem schwedischen Marinehafen Karlskrona in einem militärischen Sperrgebiet auf eine Schäre lief.[1] Die Besatzung gab das Boot gegenüber den Schweden jedoch als „S-137“ (in der Presse auch als W137 bezeichnet) aus.[2][3] Die sowjetische Führung bestritt anschließend einen Spionageeinsatz gegen das neutrale Schweden und führte den Zwischenfall auf einen „Navigationsfehler“ zurück. Der Ausfall elektronischer Navigationsinstrumente war durch den 35-jährigen sowjetischen Kommandanten Anatolij Michajlovitj Gusjtjins (Pjotr Guschin) bestätigt worden. Im ZDF-Bericht „Der geheime Krieg der U-Boote“ vom 20. November 2005 aus der Serie „History“ wurde aufgrund der Recherchen des UPI Korrespondenten Richard Sale der Verdacht geäußert, der Ausfall der Navigationsgeräte könnte durch US-amerikanische Störsignale verursacht worden sein. Am 7. November 1981 wurde das U-Boot von den Schweden wieder freigegeben. Der Kommandant wurde nach der Rückkehr im Marinestützpunkt Baltijsk von seinem Kommando entbunden und vor einem Militärgericht angeklagt. Nach Angaben der britischen Sonntagszeitung Observer soll er eine zwei- bis dreijährige Haftstrafe in einem Arbeitslager erhalten haben.[4]

Verbleib der Einheiten[Bearbeiten]

  • Insgesamt in der UdSSR gebaut: 215
  • Insgesamt in China gebaut (1956 bis 1964): 21
  • Beim Abzug der Sowjets an Albanien übergeben (1960): S-241, S-358, S-360
  • an Bulgarien: S-244, S-245
  • an Ägypten: S-175, S-180, S-182, S-184, S-193, S-226, S-227, S-228, S-280, S-380
  • an Dänemark: S-359 (Museumsschiff)
  • an Indonesien: S-79, S-91, S-218, S-219, S-223, S-225, S-235, S-236, S-239, S-290, S-292, S-391
  • an Korea: S-75, S-90, S-325, S-326 (alle 1966); S-328 im Jahr 1988
  • an Polen: S-265, S-278, S-279, S-355 (siehe: Orzeł-Klasse)
  • an Syrien: S-167, S-171, S-183
  • alle Baupläne 1954 an China

S-73 1978 ausgemustert. S-45 zu Testzwecken versenkt (Testreihen von 1958 bis 1960). S-178 nach Kollision gesunken (21. Oktober 1981). S-80 1961 gesunken. S-189 liegt nach Bergung und Reparatur als Museumsschiff in St. Petersburg.[5]

Bilder[Bearbeiten]

Belege und Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • А.Б. Широкорад: Советские подводные лодки послевоенной постройки (A.B. Shirokorad: Sowjetische U-Boote Nachkriegsbauten) Moskau, 1997, ISBN 5-85139-019-0 (russisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1]atrinaflot, Проект 613, russisch, gesichtet am 17. November 2008
  2. [2]„Whiskey On The Rocks“, Englisch, gesichtet am 17. November 2008
  3. http://www.nordbayern.de/nuernberger-nachrichten/sonntagsblitz/1981-pupsende-heringe-und-whiskey-on-the-rocks-auf-schwedisch-1.1600034
  4. Hamburger Abendblatt vom 26. Januar 1982
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatEin Museum mehr: 1. privates U-Boot-Museum Russlands. Abgerufen am 2011–01-30.