Schweizer Messer
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Schweizer Messer, Schweizer Offiziersmesser oder Schweizer Armeemesser (in der Schweiz Sackmesser genannt, von „Hosensack“, der Schweizer Bezeichnung für Hosentasche) sind die bekanntesten und meistverkauften Taschenmesser. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass neben einer Klinge in der Regel noch zahlreiche weitere Werkzeuge in das Messer integriert sind. Es wurde ursprünglich als Werkzeug für die Soldaten der Schweizer Armee entwickelt, da es den Vorteil bot, im Felde viele Tätigkeiten mit einem relativ kompakten und leichten Messer durchführen zu können, ohne dass man schwere und sperrige Einzelwerkzeuge mitführen muss. Aus demselben Grund ist es bis heute bei Personen beliebt, die Outdoor-Aktivitäten wie Wandern, Camping oder Survivalismus betreiben. Die beiden Originalhersteller des Schweizer Messers sind das Unternehmen Victorinox aus dem deutschsprachigen Kanton Schwyz und das Unternehmen Wenger aus dem französischsprachigen Kanton Jura. Üblicherweise haben die im zivilen Handel erhältlichen Messer rote Griffschalen aus Kunststoff und tragen das Schweizer Kreuz als Markenzeichen.
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[Bearbeiten] Gewerblicher Rechtsschutz
Der Begriff Schweizer Offiziersmesser ist geschützt und darf nur von Victorinox und Wenger verwendet werden. Ebenso sind die beiden Varianten des Schweizer Kreuzes auf den Messern geschützt. Victorinox vermarktet seine Messer als „Original Schweizer Offiziersmesser“ während Wenger die Bezeichnung „Echtes Schweizer Offiziersmesser“ benutzt.
Zu Beginn der 1990er-Jahre klagte Victorinox gegen die Firma Arrow Trading Company, welche chinesische Taschenmesser vertrieb. Diese kopierten zum einen das Grundkonzept des Schweizer Messers, welches urheberrechtlich nicht schützbar ist, und trugen zudem das Schweizer Kreuz und den Schriftzug „Swiss Army“, womit in den Augen von Victorinox der Eindruck erweckt wurde, die chinesischen Messer würden aus der Schweiz stammen. In erster Instanz gab 1993 ein Bundesbezirksgericht Victorinox recht und sprach den Importeur der chinesischen Imitate der Täuschung schuldig und untersagte den weiteren Vertrieb der Imitate. Ein Berufungsgericht widerrief dieses Urteil allerdings ein Jahr später, da die bloße Erwähnung eines Landes auf einem Produkt kein eindeutiger Hinweis darauf sei, dass das Produkt auch tatsächlich dort hergestellt worden sei.[1]
[Bearbeiten] Geschichte
Ende der 1890er-Jahre entschied sich die Schweizer Armee für die Beschaffung eines neuen, klappbaren Taschenmessers für seine Soldaten. Dieses sollte dazu geeignet sein beim Essen zu helfen sowie beim Zerlegen des damaligen Standardgewehres der Schweiz dienen, dem Schmidt-Rubin Infanteriegewehr Modell 1889. Die enthaltenen Werkzeuge waren daher Klinge, Ahle, Dosenöffner und Schrauberzieher.
Im Januar 1891 erfolgte die Ordonannzerklärung durch die Schweizer Armee für das Modell 1890 mit Griffschalen aus geschwärztem Eichenholz (teilweise wurde später auch Ebenholz verwendet).
Da zu diesem Zeitpunkt kein Schweizer Unternehmen die nötigen Produktionskapazitäten hatte, ging der Erstauftrag für 15.000 Messer an die deutsche Messermanufaktur Wester & Co. aus Solingen, welche im Oktober 1891 geliefert wurden. Bereits Ende 1891 übernahm dann aber die Firma Karl Elsener aus Ibach im Kanton Schwyz, das spätere Victorinox, die Herstellung. Auch zahlreiche andere Messerhersteller aus Deutschland und der Schweiz fertigten diese Messer und seine Nachfolgemodelle, darunter das 1893 unter dem Namen Paul Boéchat & Cie. gegründete Unternehmen Wenger.
Am 12. Juni 1897 wurde der Begriff Schweizer Offiziers- und Sportmesser als Handelsmarke geschützt.
Seit der Ersteinführung 1891 wurde das Schweizer Soldatenmesser mehrfach überarbeitet. Insgesamt gibt es fünf unterschiedliche Modelle, deren Modellzahl das Jahr der Einführung widerspiegelt. Dies sind die Modelle 1890, 1908, 1951, 1961 und das Soldatenmesser 08, das sich seit 2008 in der Beschaffung befindet. Die einzelnen Modelle wurden im Laufe der Zeit allerdings mehrfach überarbeitet und existieren daher in verschiedenen Ausführungen. Seit dem Modell 1961 sind die Unternehmen Victorinox und Wenger die einzigen Hersteller des Schweizer Soldatenmessers.[2]
Die Soldatenmesser, die an die Schweizer Armee ausgeliefert wurden, verfügten allerdings seit dem Modell 1961, das bis 2008 ausgegeben wurde, über Griffschalen aus geriffeltem Aluminium anstatt der roten Kunststoffgriffschalen, die zivil verkaufte Messer in der Regel haben. Auch die Ausstattung ist mit Klinge, Ahle, Dosenöffner und Kapselheber (die letzten beiden mit integriertem Schlitzschraubenzieher) relativ übersichtlich verglichen mit der umfangreichen Ausstattung manch ziviler Modelle.
Im Jahr 2005 wurde Wenger von Konkurrent Victorinox aufgekauft, da es seit 2001 in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war, wird aber als eigene Marke weitergeführt. Nach Angaben von Victorinox wollte man mit dieser Übernahme in erster Linie verhindern, dass Wenger von ausländischen Investoren aufgekauft würde, wodurch man eine Rufschädigung für die Schweizer Messer befürchtete.
Schweizer Messer werden mit ihrer Vielseitigkeit und Qualität beworben.[3]
[Bearbeiten] Funktionen
Das erste Schweizer Soldatenmesser aus dem Jahr 1890 hatte eine Klinge, einen Dosenöffner, einen Schlitzschraubenzieher und eine Ahle. Diese Ausstattung hat sich bei den Messern der Schweizer Armee bis in jüngste Zeit kaum geändert. Auch das Modell 1961, dass bis zum Jahr 2008 an Schweizer Soldaten ausgeteilt wurde, verfügte lediglich über diese vier Werkzeuge, wobei der Schraubenzieher inzwischen auch als Flaschenöffner dient, während der Dosenöffner mit einem kleinen Schlitzschraubenzieher versehen wurde. Zivile Modelle haben zusätzlich in der Regel einen Zahnstocher und eine Pinzette, welche in separaten Steckfächern in den Griffschalen sitzen. Dazu kommen je nach Version etliche weitere Werkzeuge wie Holzsäge, Schere, Metallfeile oder Korkenzieher. Im Allgemeinen sind die Werkzeuge bei Wenger und Victorinox identisch, lediglich in einigen Detaillösungen unterscheiden sich die beiden Marken. So sitzt beispielsweise bei Wenger der kleine Schlitzschraubenzieher nicht an der Spitze des Dosenöffners, sondern an der Spitze der Lupe.
Seit einigen Jahren gibt es auch moderne Varianten des Schweizer Messers, welche mit elektronischen Zusatzelementen wie Diodenlampe, Laserpointer, USB-Stick oder MP3-Player versehen sind. Diese sind eher für den urbanen Alltag als für eine Nutzung im Outdoorbereich vorgesehen.
[Bearbeiten] Dies und Das
- Das Messer gehört zur Standardausrüstung eines jeden NASA-Astronauten.[4]
- Das Schweizer Messer in der bekannten Form mit roten Kunststoffgriffschalen wurde nie in der Schweizer Armee verwendet. Bis 1961 hatten die Messer Griffschalen aus Holz, danach aus geriffeltem Aluminium. Erst seit 2008 erhalten die Schweizer Soldaten Messer mit Kunststoffgriffschalen, allerdings in olivgrüner Farbe. Zudem erhalten alle Angehörigen der Schweizer Armee seit jeher das gleiche Messer, ein spezielles Offiziersmesser gibt es nicht.
- Das größte je hergestellte Schweizer Messer ist das Wenger Giant Knife 2007, dass 24 cm breit ist, 81 Einzelwerkzeuge besitzt und über 1,3 kg wiegt. Es ist im Guinness-Buch der Rekorde eingetragen.[5]
- Für Sammler gab es eine exklusive Version mit Brillanten, die in Gold oder Platin eingefasst waren und so die Schalen bildeten. Der Stückpreis lag bei 500.000 CHF.
- Mittlerweile gibt es die Messer auch ohne Klinge, da nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 keine Messer mehr mit in Flugzeuge genommen werden dürfen. Zuvor mussten die Hersteller starke Umsatzeinbußen erfahren, da der Hauptumsatz im Verkauf als Mitbringsel auf Flughäfen lag.
- Das Schweizer Messer ist ein Markenzeichen der US-amerikanischen Fernsehserie MacGyver, in der der Hauptdarsteller MacGyver oftmals Werkzeuge improvisiert um damit Probleme zu lösen.
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ The New York Times (3. September 1994): Swiss Army Knife vs. Chinese Clone. Abgerufen am 23. Juni 2009.
- ↑ Informationsblätter Zeittafel der Geschichte Soldatenmesser, Geschichte der Firma Victorinox und Hersteller der Soldatenmesser auf der Sonderausstellung „Schweizer Soldatenmesser 1890 - 2007“ im Schloss Thun, einsehbar auf messerforum.net.
- ↑ Selbstdarstellung Victorinox
- ↑ Information auf der Website des Herstellers Victorinox (abgerufen am 13. September 2008)
- ↑ Pressemitteilung von Wenger

