Scott O’Grady

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Captain Scott F. O’Grady (Mitte)

Scott O’Grady (* 12. Oktober 1965 in Brooklyn, New York) ist ein ehemaliger Pilot der US Air Force. Er wurde bekannt, als er am 2. Juni 1995 bei einem Einsatz über Bosnien abgeschossen und später von US-Marines der 24th Marine Expeditionary Unit gerettet wurde. Der Film Im Fadenkreuz – Allein gegen alle basiert lose auf den Geschehnissen. Im Mai 2007 schloss er ein Studium der Theologie ab.

Leben[Bearbeiten]

Militärische Laufbahn[Bearbeiten]

O’Grady schloss 1989 die Embry Riddle Aeronautical University in Prescott, Arizona mit einem Bachelor of Science (Luftfahrt) ab. Im April 1989 wurde O’Grady ins Air-Force-Reserve-Training-Corps-Programm aufgenommen. Anschließend absolvierte er zwischen November und Dezember 1989 die Ausbildung am NATO Joint-Jet-Pilot-Training-Programm auf der Sheppard Air Force Base (AFB) in Texas. Danach diente er als Pilot auf der Luke Air Force Base und absolvierte im Dezember 1991 seinen ersten Einsatz in der 80. Kampfstaffel Juvat auf der Kunsan Air Force Base in Südkorea. Ab März 1993 war er auf der Ramstein Air Base in Deutschland in der 526. Kampfstaffel Black Knights stationiert. Im Mai 1994 wurde er zur 555. Staffel Tripple Nickles auf die Aviano Air Base in Italien versetzt. Nach seinem Absturz über Bosnien diente er ab Oktober 1995 bei der 466. Staffel auf der Hill Air Force Base in Utah. Seit Juli 1998 war er Ausbilder auf der Fairchild Air Force Base in Spokane im US-Bundesstaat Washington. 2001 schied O’Grady aus dem aktiven Dienst aus.

Absturz über Bosnien[Bearbeiten]

Im Sommer 1995 überwachte die NATO seit mehr als 2 Jahren die Flugverbotszone über Bosnien und Herzegowina. Die NATO war fest entschlossen, die sogenannte Safe Area auch durch das Aufbringen militärischer Mittel aufrechtzuhalten. Im Rahmen der Operation Deny Flight wurden deshalb Kampf-, Aufklärungs- und Überwachungsflüge durchgeführt. Scott O’Grady schoss im Verlauf der Operation am 28. Februar 1994 mit einer AIM-9-Sidewinder-Rakete auf ein Kampfflugzeug der bosnischen Serben vom Typ Soko J-21 Jastreb, verfehlte dieses aber.

Am 2. Juni 1995 starteten die USAF-Piloten Captain Bob Wright (Rufname: Wilbur) und Captain Scott O’Grady der 555th Fighter Squadron vom Luftwaffenstützpunkt Aviano in Italien, um einen Luftüberwachungseinsatz (Combat Air Patrol, CAP) über der Flugverbotszone durchzuführen. Beide flogen eine F-16 C/D Block 40 „Fighting Falcon“. Im Laufe der Patrouille meldete das führende Flugzeug, welches von Wright geflogen wurde, mehrmals, dass er von einem bodengestützten Suchradar erfasst werde.

Beide Piloten wussten nicht, dass bosnische Serben eine ihrer SA-6-Gainful-SAM in die Flugverbotszone verlegt hatten. Da O’Grady aber nicht von seinen Instrumenten gewarnt wurde, gab er über Funk mit dem Code Basher Five-Two naked Entwarnung. Als auch eine AWACS die Daten von Wright nicht bestätigen konnte, nahmen beide Piloten an, dass es sich um Geräte handle, die sich außerhalb der Flugverbotszone befinden.

Kurz darauf wurde O’Grady von seiner Radarwarnanlage (Radar Warning Receiver (RWR)) gewarnt, dass er von einem Suchradar erfasst worden sei. Wright hingegen meldete dieses Mal, er sei nicht erfasst worden.

Wenig später erhielt O’Grady die Warnung, dass eine Flugabwehrrakete auf sein Flugzeug zusteuere. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch kein Ausweichmanöver mehr möglich, so dass seine Maschine von der Rakete getroffen wurde. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als seinen ACES-II-Schleudersitz zu betätigen und sich aus der Maschine zu schießen.

Während des Abstiegs mit seinem Fallschirm beobachtete O’Grady, wie sich serbische Truppen formierten, um ihn gefangenzunehmen. In den folgenden Tagen und Nächten versuchte er, den Suchtrupps zu entgehen. Dabei wandte er die Taktiken an, die er in seinem SERE-Training (Survival, Evasion, Resistance and Escape, zu deutsch Überleben, Ausweichen, Widerstand und Flucht) gelernt hatte, einem Kurs, der speziell für Piloten konzipiert worden war, um nach einem Abschuss hinter feindlichen Linien auf der Flucht in der freien Natur zu überleben. Die Standardausrüstung der F-16 Piloten beinhaltete zu dieser Zeit u. a. ein 121-seitiges Überlebenshandbuch, ein Notfunkgerät, ein Erste-Hilfe-Pack, Signalfackeln und einen Kompass.

Während dieser Zeit versuchte O’Grady immer wieder, mit befreundeten Flugzeugen mittels Notfunkgerät Kontakt aufzunehmen. Obwohl zu diesem Zeitpunkt unklar war, ob O’Grady noch am Leben und ob er gefangen genommen worden war, versetzte der Kommandeur der 24th Marine Expeditionary Unit (MEU/SOC), der Colonel Martin Berndt, sein TRAP-Team (Tactical Recovery of Aircraft and Personel, zu dt. etwa: Taktische Bergung von Fluggerät und Personal) in Bereitschaft.

Am 8. Juni erreichten zwei weitere F-16 Kampfflugzeuge kurz vor Mitternacht ihre CAP-Area. Dabei setzten sie im Minutentakt einen Funkspruch ab, um mit O’Grady Kontakt aufnehmen zu können. Dieser Funkspruch lautete This is Basher One-One, looking for Basher Five-Two (Hier Basher eins-eins, auf der Suche nach Basher fünf-zwo). Nach einigen Stunden war O’Grady in der Lage, den Funkspruch zu beantworten. Er sei am Leben und bereit, gerettet zu werden. Im Verlauf der darauffolgenden Stunden hielt er ständigen Kontakt zu verschiedenen Piloten.

Nachdem Colonel Berndt um zusätzliche Luftnahunterstützung (close air support, CAS) gebeten hatte, wurde der Operation am 9. Juni um 04.39 Uhr grünes Licht erteilt. Sofort bestieg das TRAP-Team die beiden bereitstehenden CH-53E „Super Stallions“. Zusätzlich befanden sich mehrere Kampf- und Überwachungsflugzeuge in der Luft, um die Rettung zu decken.

Obwohl diese vergrößerte Truppenkonzentration den Serben nicht verborgen blieb, unternahmen diese zunächst nichts. Gegen 6 Uhr morgens bemerkte O’Grady die erste F/A-18 „Hornet“ über seiner Position. Kurz vor dem Ziel beschleunigten die Cobras, um die Landezone zu sichern. Nachdem O’Grady seine Position mittels einer Rauchgranate anzeigen konnte, landeten die Super Stallions mit den Marines und sicherten die Umgebung.

Nachdem O’Grady seine Deckung verlassen hatte, wurde er sofort an Bord des wartenden Hubschraubers gebracht. Nach sechs Minuten auf dem Boden starteten die Hubschrauber wieder. Auf dem Heimflug wurden sie von heftigem Luftabwehrfeuer der Serben getroffen. Um den Boden-Luft-Raketen zu entgehen, flogen die Piloten im niedrigstmöglichen Tiefflug. Dennoch wurden sie von Flugabwehr und Infanteriewaffen getroffen, aber niemand wurde verletzt, und auch die Hubschrauber konnten weiterfliegen. Sofort nach seiner Ankunft auf der USS Kearsage, einem Schiff der Wasp-Klasse, wurde O’Grady medizinisch untersucht und versorgt. Von Austrocknung, Gewichtsverlust und einer Unterkühlung abgesehen ging es ihm den Umständen entsprechend gut. O’Grady trug keine körperlichen Verletzungen oder bleibenden Schäden davon.

Späteres Leben[Bearbeiten]

Scott O’Grady studierte nach seiner Dienstzeit Theologie am Dallas Theological Seminary und schloss im Mai 2007 mit einem Master ab. Er bietet als professioneller Redner Vorträge über Motivation an,[1] engagiert sich für Wohltätigkeitsorganisationen und wurde im Mai 2008 in die texanische Bewährungskommission für jugendliche Straftäter berufen.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • O’Grady, Scott (with Jeff Coplon). Return with Honor, New York: Doubleday, 1995 ISBN 0-385-48330-9
  • O’Grady, Scott (with Michael French). Basher Five-Two: The True Story of F-16 Fighter Pilot Captain Scott O’Grady, New York: Doubleday, 1997 ISBN 0-385-32300-X (Kinderbuch)

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. O’Grady beim Premiere Speakers Bureau
  2. Gov. Perry Appoints Four to Texas Juvenile Probation Commission