Shaker (Religion)
Die Shaker (engl. für ‚Zitterer‘) sind eine christliche Freikirche in den USA, die aus dem Quäkertum hervorgegangen ist. Ihr Name leitet sich von dem rituellen Schütteltanz her, der bei ihnen als eine Form der Verehrung Gottes gilt und ist eine Zusammenziehung aus Shaking Quakers. Die Shaker sind nicht mit der Indian Shaker Church zu verwechseln.
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Ursprung und Lehre[Bearbeiten]
Gegründet wurde die Glaubensgemeinschaft im 18. Jahrhundert von Ann Lee, die 1736 als Tochter eines Grobschmieds in Manchester geboren wurde und dort in einer Fabrik als Weberin arbeitete. 1774 wanderte sie mit einer kleinen Gruppe ihrer Anhänger in den amerikanischen Bundesstaat New York aus. Nach einigen Jahren gründeten sie in NIskayuna im Albany County (Watervliet) die erste Gemeinschaft.
Die Glaubensgemeinschaft der Shaker zeichnet sich durch eine hohe Arbeitsethik und ein nahezu klösterliches, zölibatäres Gemeindeleben aus. Ihre weiteste Verbreitung fanden die Shaker-Gemeinden um die Mitte des 19. Jahrhunderts; mittlerweile sind sie fast ausgestorben.
Bei den Shakern teilen sich Männer und Frauen gleichberechtigt die Leitungsfunktionen als sogenannte „Älteste“ (Elders und Eldresses). Die theologischen Leitlinien der Shaker spiegeln philosophische Strömungen aus dem Zeitalter der Aufklärung. Gott gilt als geschlechtsneutrales geistiges Wesen, damit seien beide Geschlechter grundsätzlich gleichberechtigt und Jesus von Nazaret auch nicht leiblicher Sohn Gottes, sondern erst durch die göttliche Stimme bei seiner Taufe dazu gemacht worden. Die Bezeichnung Christus sei eine spätere theologische Deutung seines Wirkens. Die Naherwartung der Wiederkunft Christi wird geistig verstanden, sie finde im Inneren der Menschen statt. So konnte auch Ann Lee als „wiederkehrender Christus“ gelten, ohne dass damit ein Anspruch auf Identität mit Jesus Christus erhoben wurde.
Der Schütteltanz als Gebetsform bot Zeitgenossen wie Charles Dickens und Herman Melville Anlass zum Spott über die kurios anmutende Gemeinschaft. Doch die Shaker stellten weit mehr dar als nur eine tanzende Kommune, sie brachten ihren Glauben auch in der Einhaltung calvinistischer Wirtschaftsprinzipien zum Ausdruck: „Die Hände bei der Arbeit, die Herzen bei Gott“ (engl.: „Hands to work and Hearts to God“).
Für die Shaker sind Tugenden wie Fleiß, Kreativität und das Streben nach höchster handwerklicher Produktqualität Grundvoraussetzungen für ein gottgefälliges, freudvolles Leben. Die Arbeit, die sie als Gottesdienst sehen, spielt im Shakerleben daher eine zentrale Rolle. Dank dieses Grundsatzes gehörten die Shakergemeinden im Osten der USA Mitte des 19. Jahrhunderts zu den wohlhabendsten und wirtschaftlich florierendsten des Landes. Zudem hatte es bei ihren 6.000 Mitgliedern eine überdurchschnittliche Bildung zur Folge. Im Gegensatz zu den Amischen, mit denen die Shaker teils verwechselt werden, lehnten sie, wie die Quäker, technischen Fortschritt nicht ab – sie forcierten ihn sogar und betrachteten Erfindungen wie Waschmaschine, Kreissäge und Flachbesen als Gottesgabe.
Shaker leben nicht als Familien zusammen, sondern ehelos um des Himmelreiches willen und ohne Privateigentum. Allerdings lebten Männer und Frauen unter einem Dach. Kindern, die mit in die Gemeinschaft aufgenommen wurden, wurde nach Vollendung des 21. Lebensjahres angeboten, in die Gemeinde aufgenommen zu werden oder sie zu verlassen.
Da die Shaker ehelos leben, kamen neue Mitglieder nicht nur durch eintretende Erwachsene, sondern auch durch aufgenommene Waisenkinder in die Gemeinschaft. Mit der zunehmenden Verbreitung staatlicher Fürsorge für Waisenkinder verloren die Shaker somit einen Teil ihres potenziellen Nachwuchses. Die Ende 2009 weltweit nur noch drei Gemeindemitglieder[1] leben im Sabbathday Lake Shaker Village im US-Bundesstaat Maine.
Die Shaker des 19. und frühen 20. Jahrhunderts handelten an der Börse, galten als versierte Finanzdienstleister und gehörten den Beraterstäben sechs US-amerikanischer Präsidenten an, darunter denen von Abraham Lincoln und Theodore Roosevelt.
Gründungsdaten von Shakergemeinden[Bearbeiten]
- 1787 Mount Lebanon, NY und Watervliet, NY
- 1790 Hancock, Mass. und Enfield, CT
- 1791 Harvard, Mass.
- 1792 Tyringham, Mass. und Canterbury, NH
- 1793 Alfred, ME und Enfield, NH
- 1794 Sabbathday Lake, ME
- 1804 Gorham, ME
- 1805 Union Village, OH
- 1806 Watervliet, OH und Pleasant Hill, KY
- 1807 South Union, KY
- 1810 West Union (Busro), Ind.
- 1817 Savoy, Mass.
- 1822 North Union, OH
- 1824 Whitewater, OH
- 1826 Groveland, NY
Aufgabe von Shakergemeinden[Bearbeiten]
- 1889 North Union, OH
- 1892 Groveland, NY
- 1908 Shirley, Mass.
- 1910 Watervliet, OH, Union Village, OH und Pleasant Hill, KY
- 1917 Enfield, CT
- 1918 Enflied, NH
- 1919 Harvard, Mass.
- 1922 South Union, KY
- 1931 Alfred, ME
- 1938 Watervliet, NY
- 1947 Mount Lebanon, NY
- 1960 Hancock, Mass.
- 1992 Canterbury, NH
Sabbathday Lake, ME ist die letzte intakte Shaker-Gemeinde. Dort lebten im Dezember 2009 noch drei Gemeindemitglieder.
Shaker-Möbel[Bearbeiten]
Bekannter als die Glaubensgemeinschaft selbst sind heute die Shaker-Möbel und die Architektur der Shaker. Hauptartikel: Shaker-Möbel
Der Möbelstil der Shaker wird heute als eigenständiger und einflussreicher Beitrag zur Kunstgeschichte eingestuft. Möbel der Shaker waren bereits im 19. Jahrhundert in den gesamten USA verbreitet und wurden auch auf Weltausstellungen präsentiert. Ihre formale Strenge, der Verzicht auf Ornamentik und die Orientierung auf Nützlichkeit zeigt Parallelen zur englischen Arts-and-Crafts-Bewegung und beeinflusste auch die Moderne in Architektur und Design zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Shaker sind auch bekannt für die Fertigung ovaler Spanschachteln, sogenannter „Shaker boxes“.
Literatur[Bearbeiten]
- Karl Mang, Wend Fischer, Werner Bodenheimer (Übersetzer): Die Shaker. Leben und Produktion einer Commune in der Pionierzeit Amerikas, eine Ausstellung der Neuen Sammlung München, München 1974, (ohne ISBN).
- June Sprigg, David Larkin, Michael Freeman (Fotograf): Shaker. Kunst, Handwerk, Alltag [aus dem US-amerikanischen Original übersetzt von Betha Sauter], Maier, Ravenburg 1991, ISBN 978-3-473-48364-8.
- Michael Horsham, Henrietta Wilkinson: Die Kunst der Shaker (Originaltitel: The art of the Shakers, übersetzt von Inge Kahlix), Könemann, Köln 1996, ISBN 3-89508-190-6.
- Kerry Pierce: Shaker-Möbel. Geschichte und Handwerk in Pleasant Hill. (Dt. Übersetzung von Waltraud Kuhlmann), HolzWerken im Vincentz Network, Hannover, Oktober 2008, ISBN: ISBN 978-3-86630-929-6.
Weblinks[Bearbeiten]
- Shaker Gemeinde Sabbathday Lake
- Museum der Shaker Gemeinde Hancock Village
- Canterbury Shaker Village
- Shaker Village of Pleasant Hill
Quellenangaben[Bearbeiten]
- ↑ Ouimet, Leanne: Jeannine Lauber: Exploring the Modern Day Shakers (Englisch) The Independent. 8. Dezember 2009. Abgerufen am 26. August 2010.