Silbe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Was ist eine „Haupt-“ oder „Stammsilbe“, was ist eine „Nebensilbe“? Was bedeutet es, wenn eine Silbe „fuß-“ oder „wortfähig“ bzw. „lexikalisch autonom“ genannt wird? Entsprechen diese Termini dem aktuellen Verständnis der Linguistik oder sind sie veraltet? Die Typologie hat leider ein paar Lücken. Was ist „Silbensegmentierung“? Es gibt zwar ein entsprechendes Redirect auf diesen Artikel, der Terminus wird hier aber nicht erläutert.

Du kannst Wikipedia helfen, indem du sie recherchierst und einfügst, aber kopiere bitte keine fremden Texte in diesen Artikel.

Die Silbe (von lateinisch syllaba, griechisch συλλαβή ‚Zusammenfassung‘, hier: ‚Zusammenfassung von Lauten‘) ist ein grammatischer beziehungsweise linguistischer Begriff, der eine Einheit aus einem oder mehreren aufeinanderfolgenden Lauten (Phonemen) bezeichnet, die sich in einem Zug aussprechen lassen und so eine Sprecheinheit bilden. Die genaue Abgrenzung der Silbe kann wissenschaftlich nicht eindeutig definiert werden.[1] Sie stellt die kleinste Lautgruppe im natürlichen Sprechfluss dar.

Die Silbe bildet eine rein lautliche (phonetische) Einheit, die unabhängig von ihrer Bedeutung gebildet wird. Daher stimmt die Einteilung eines Wortes in Silben häufig nicht mit der Einteilung in bedeutungstragende Einheiten (Morpheme) überein – auch wenn im Deutschen oft dieser Eindruck entsteht. Dies wird dadurch erschwert, dass Morpheme in bestimmten Nomenklaturen auch als Sprachsilben bezeichnet werden. Die in diesem Artikel beschriebene Silbe wird dann zur Abgrenzung als Sprechsilbe bezeichnet. Daneben wird manchmal auch eine Schreibsilbe definiert.

Jedes phonologische Wort lässt sich in Silben unterteilen – diese Unterteilung dient als Basis für die schriftsprachliche (graphematische) Worttrennung am Zeilenende, welche durch einen Trennstrich gekennzeichnet wird (beispielsweise Faul-heit, Weis-heit, Sil-be, lus-tig, wa-rum, Chi-rurg). In der Poesie, d. h. Lyrik und anderen Versdichtungen, konstituiert in manchen Sprachen wie dem Deutschen der Wechsel aus betonten und unbetonten Silben das Metrum. In diesem Zusammenhang wird in der Verslehre eine vom Metrum geforderte betonte Silbe als Hebung, eine unbetonte als Senkung bezeichnet. Diese Begrifflichkeit wird im übertragenen Sinn auch auf quantitierende Verse der antiken Metrik angewendet. Als Hebung werden hier diejenigen langen Silben bezeichnet, die nicht kurze Silben vertreten, als Senkung die kurzen Silben und die sie ersetzenden langen Silben.

Zwar hat jede Sprache eigene Regeln für den Aufbau ihrer Silben, aber einige davon gelten universell: Eine Silbe muss immer genau einen Silbengipfel enthalten. Das ist meistens ein Vokal oder Doppelvokal (Diphthong). Zusätzlich kann sie einen oder mehrere Konsonanten aufweisen. Manche Sprachen (z. B. Deutsch) erlauben in unbetonten Silben auch sonore Konsonanten wie Nasale oder Liquiden als Silbengipfel. Andere Sprachen, z. B. Tschechisch, erlauben auch in betonten Silben bestimmte Konsonanten als Silbengipfel, z. B. Strč prst skrz krk ‚Steck den Finger durch den Hals‘. Diese Aspekte werden in der Linguistik als Silbenbeschränkungen aufgefasst. In diesem Zusammenhang wird danach gefragt, wann eine Silbe den sogenannten „Wohlgeformtheitsaspekten“ folgt und wann nicht. Es werden universelle und sprachspezifische Silbenstrukturbeschränkungen unterschieden.

Als silbisch bezeichnet man einen Konsonanten, wenn er in einem Wort Silbenträger ist. Beispiele sind Wörter, die auf en enden: „Laden“ [ˈlaːdn̩] mit silbischem /n̩/ im Gegensatz zur nichtsilbischen Variante [ˈlaːdən] mit Schwa /ə/, der traditionell korrekten Aussprache.

Silbenstruktur[Bearbeiten]

Silbenaufbau

In der Linguistik wird die Silbe (σ), vereinfacht ausgedrückt, als Folge von Segmenten definiert, die eine interne Struktur besitzt. Das heißt, eine Silbe setzt sich aus einer Gruppe von Lauten im natürlichen Sprechfluss zusammen, welche der Sprecher in einem Atemzug artikulieren kann. Die Silbe ist also die kleinste freie phonologische Einheit.

Es gibt verschiedene Traditionen und Theorien zur Silbenanalyse. In erster Ebene wird die Silbenstruktur aus der Folge von Segmenten üblicherweise in Silbenkopf (Onset, ω) und Silbenreim (ρ) unterteilt. Der Reim wird vor allem in westlicher Phonologie weiter unterteilt in sonanten Silbenkern (Nukleus, ν) und Silbenschwanz (Koda, κ). Besonders in fernöstlicher Phonologie wird der Kopf oder Anlaut weiter analysiert in Initiallaut (ι) und Mediallaut (μ) oder statt Medial und Reim wird der komplexe Finallaut (φ) verwendet, der auch den Ton (τ) mit Höhe und Verlauf trägt, welcher in vielen ostasiatischen Sprachen lexemische und nicht nur syntaktische Bedeutung hat.

Somit hat der obligatorische Kern einen optionalen linken und rechten Rand, die zusammen die Silbenschale bilden. Der Silbenansatz ist in manchen Sprachen obligatorisch, in anderen (inkl. Deutsch) darf er auch fehlen. Die Silbenkoda ist in keiner Sprache obligatorisch, sie ist immer entweder fakultativ (z. B. im Deutschen) oder sie kommt gar nicht vor (z. B. im Hawaiischen).

Einige Linguisten unterscheiden zwischen der phonetischen und der phonologischen Silbe. Pike[2] verwendet zur Benennung der rein phonetisch definierten Lauteinheiten die Bezeichnungen Kontoid (C), Vokoid (V) und Ton (T). Vokoide sind „orale, nicht-laterale Resonanten“, Kontoide alle anderen segmentellen Sprachlaute. Eine phonetische Silbe kann neben dem Silbenmerkmal „Ton“ im Anlaut Kontoide, im Nukleus Vokoide und im Endlaut Kontoide oder Vokoide enthalten.

Silbenansatz[Bearbeiten]

Der Silbenansatz (auch: Silbenanfang, Silbenanlaut, Silbenkopf, Anfangsrand, onset) besteht aus einem oder mehreren Konsonanten. Beispielsweise bilden die Konsonanten [n] und [m] im Wort Name jeweils den Ansatz einer Silbe. Aufeinanderfolge und maximale Anzahl sind dabei eingeschränkt. Die Beschränkung gilt sowohl einzelsprachlich unter Gesichtspunkten der Phonotaktik, als auch universell wegen der Sonoritätshierarchie. Eine Konsonantenfolge im Silbenansatz hat meistens steigende Sonorität, aber es gibt Ausnahmen wie die Folge [ʃt] im deutschen Wort Stock.

Zum morphologischen Anlaut für den ersten Sprachlaut eines Wortes siehe Anlaut.

Silbenreim[Bearbeiten]

Der Silbenreim besteht aus der konsonantischen Silbenkoda zusammen mit dem vokalischen Silbenkern. In der traditionellen chinesischen Phonologie wird er nicht weiter unterteilt, aber noch nach Ton unterschieden.

Silbengipfel[Bearbeiten]

Der Silbengipfel (Nukleus, Silbenkern) ist der Moment der größten Schallfülle einer Silbe und damit deren sonoranter Hauptteil („Segment mit der höchsten Prominenz“). In der Regel ist dieser Silbengipfel vokalisch, z. B. der Vokal [a] im Wort Kamm bildet den Gipfel einer Silbe. Ist kein Vokal vorhanden, so liegt der Silbenkern auf einem Fließlaut (Liquida) oder auf einem Nasallaut, z. B. der []-Laut im Wort Gipfel und der []-Laut im Wort laden bilden jeweils den Gipfel einer vokallosen Silbe.

Die Silbe als kleinste freie phonologische Einheit hat genau einen Nukleus. Konsonantische Satellitenphoneme (Silbenanlaut und Silbenkoda) können den Nukleus umgeben. Eine größere phonologische Einheit kann mehrere Silbengipfel aufweisen.

Ein Silbenkern besteht im einfachsten Falle aus exakt einem kurzen oder langen Vokal. In den meisten Sprachen findet sich als leichteste Abweichung ein Silbengipfel aus zwei Vokalen und somit aus einem Diphthong, z. B. [ai] im Wort Brei. Seltener sind auch Triphthonge, also eine unmittelbare Folge von drei Vokalen oder Halbvokalen im Nukleus, silbengipfelfähig, z. B. im englischen Wort fire [faɪə] (RP).

Silbenkoda[Bearbeiten]

Die Silbenkoda (von italienisch coda ‚Schwanz‘, auch: Silbenende, Silbenauslaut, Silbenschwanz, Endrand) besteht aus einem oder mehreren Konsonanten. Aufeinanderfolge und maximale Anzahl der Konsonanten sind dabei eingeschränkt. Die Beschränkung gilt sowohl einzelsprachlich unter Gesichtspunkten der Phonotaktik, als auch universell wegen der Sonoritätshierarchie. Eine Konsonantenfolge in der Silbenkoda hat meistens fallende Sonorität, aber es gibt Ausnahmen wie die Folge [] im deutschen Wort hübsch. In vielen Sprachen, inkl. Deutsch, muss ein Obstruent in der Koda stimmlos sein, siehe dazu Auslautverhärtung.

Silbenschale[Bearbeiten]

Die Silbenschale setzt sich zusammen aus den fakultativen Silbenrändern (Silbenkopf und Silbenkoda). Kopf und Koda bilden die konsonantische Umgebung des obligatorischen vokalischen Silbengipfels.

Phoneme, die nicht im Silbenkern einer Silbe stehen können, sondern nur in der Silbenschale, heißen Satellitenphoneme. Dazu zählen nichtsilbische Konsonanten und die nicht voll vokalischen Teile eines Diphthongs. Im Deutschen sind mit wenigen Ausnahmen (z. B. /n/ und /l/) alle Konsonanten Satellitenphoneme, in anderen Sprachen ist die Anzahl der Konsonanten, die als Silbenkern auftreten können, bedeutend größer. Vokale können immer den Silbenkern bilden, sie gehören daher nicht in die Kategorie Satellitenphonem.

Arten von Silben[Bearbeiten]

Mit Utz Maas unterscheidet man bei den zweisilbigen deutschen Erbwörtern zwischen der prominenten Silbe (betont und mit Vollvokal) und der Reduktionssilbe (unbetont und mit Reduktionsvokal [ə] oder [ɐ]).

Silbenbildung[Bearbeiten]

Die Silbenbildung beschreibt die Bildung von Silben aus Lautsegmenten, welche aufeinanderfolgen nach bestimmten Regeln. Verwendung finden z. B. die Regeln der Sonoritätshierarchie.

Phonotaktische Einordnung[Bearbeiten]

Das Sonoritätsprinzip besagt, dass die Sonorität jeder Silbe zum Silbengipfel hin zunimmt und dann wieder abnimmt. Die Phonologie einer Sprache teilt die Sprachlaute ein nach phonologischen Sonoritätsklassen, welche relativ zueinander sind. Die Syllabizität eines Sprachlauts ist kein intrinsisches, kontextfreies Merkmal eines Segments, sondern das vergleichende Ergebnis des syntagmatischen Kontrasts des Segmentes mit hinreichender Sonorität gegenüber anderen Segmenten mit Lauten geringerer Sonorität. Ein Laut ist silbisch, wenn er einen Silbenkern aufweist.

Silbenqualität und -quantität[Bearbeiten]

Silbenqualität[Bearbeiten]

Die Silbenqualität beschreibt eine Silbe bezüglich ihrer segmentellen Struktur. Unterschieden wird zwischen offener und geschlossener Silbe sowie zwischen nackter und bedeckter Silbe.

Eine bedeckte Silbe hat einen (konsonantischen) Silbenkopf. Eine nackte Silbe beginnt hingegen direkt mit dem (vokalischen) Silbengipfel. Über den Aufbau des Reims, d.h. ob es eine (konsonantische) Koda gibt oder nicht, treffen die beiden Begriffe keine Aussage.

Beispiele:

  • Die dritte Silbe des Wortes Museum ist nackt.
  • Die erste und zweite Silbe des Wortes Museum sind bedeckt.

In einer offenen Silbe bleibt die Koda leer, d.h. dem Silbengipfel folgt kein Konsonant. Eine geschlossene Silbe endet hingegen auf mindestens einen Konsonanten im Auslaut. Über die Existenz oder Art des Silbenkopfes sagen die beiden Begriffe nichts aus.

Beispiele:

  • Die erste Silbe des Wortes Silbe ist geschlossen.
  • Die zweite Silbe des Wortes Silbe ist offen.

Silbenquantität[Bearbeiten]

Die Silbenquantität beschreibt einzelne Silben nach ihrer Dauer bzw. nach ihrer Schwere (siehe Silbengewicht). Bezüglich der Silbendauer wird unterschieden zwischen kurzen und langen Silben und bezüglich des Silbengewichts zwischen leichten und schweren Silben.

Silbenposition[Bearbeiten]

Um Silben eines Wortes in Hinsicht auf ihre Position zu bezeichnen, sind für die letzten drei Wortsilben lateinische Fachausdrücke gebräuchlich: die letzte Silbe eines Wortes nennt man Endsilbe oder Ultima (lat. ultima, „die Letzte“), die vorletzte Pänultima (lat. paenultima) und die vorvorletzte Antepänultima (lat. antepaenultima); die erste Silbe eines Wortes heißt Erstsilbe, alle zwischen erster und letzter Silbe heißen Binnensilben oder Mittelsilben.

Um Wörter der klassischen und der romanischen Sprachen in Hinsicht auf diejenige Silbe zu bezeichnen, die den Hauptakzent trägt, sind dagegen griechische Fachausdrücke gebräuchlich: liegt der Hauptakzent auf der letzten Silbe, nennt man das Wort ein Oxytonon; liegt er auf der vorletzten Silbe, spricht man von einem Paroxytonon, und fällt er auf die vorvorletzte Silbe, so ist das Wort ein Proparoxytonon. Alle drei Begriffe sind ihrerseits „proparoxytonal“, nämlich mit der Hauptbetonung auf dem „y“, auszusprechen. Auf der ersten Silbe betonte Wörter werden als prototon bezeichnet, Wörter mit Akzent auf der zweiten Silbe als deuteroton.

Optimale Silbe[Bearbeiten]

Eine optimale Silbe weist lediglich zum (meist vokalischen) Silbenkern (V) einen initialen Silbenansatz (K) auf und verzichtet auf die Koda. Sie besteht also nur aus einem Konsonanten und einem Vokal (Schema KV).

Beispiele: Sprachen wie die austronesischen Hawaiisch und Rotokas oder das australische Mudburra gestatten nur optimale Silben. (Bsp.: hawaiisch: Honolulu). Im Japanischen ist sogar der Vorrat an Schriftzeichen (siehe Hiragana) ein Spiegel der Tatsache, dass in dieser Sprache nur optimale Silben existieren, einschließlich des als eigene Silbe aufgefassten Nasals /n/ – was wiederum von Bedeutung bei den Versmaßen ist (siehe Haiku).

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikiquote: Silbe – Zitate
 Wiktionary: Silbe – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Quellen[Bearbeiten]

  • Duden. Die Grammatik. 7., völlig neu erarbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag: Mannheim/ Leipzig/ Wien/ Zürich 2005. ISBN 3-411-04047-5. Kapitel Die Silbe S. 37ff.
  • Otto von Essen: Allgemeine und Angewandte Phonetik. 5., neubearb. u. erw. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1979. Kapitel Die Silbe S. 128-139.
  • Helmut Glück (Hrsg.), unter Mitarbeit von Friederike Schmöe: Metzler Lexikon Sprache. Dritte, neubearbeitete Auflage. Metzler, Stuttgart/ Weimar 2005. ISBN 978-3-476-02056-7
  • Joseph H. Greenberg: Some generalizations concerning initial and final consonant clusters. 1978.
  • Joseph H. Greenberg (Hrsg): Universals of human language. 1978, S. 243-279.
  • T. Alan Hall: Phonologie. Eine Einführung. de Gruyter, Berlin/New York 2000. ISBN 3-11-015641-5. Kapitel Silbenphonologie S. 205-270.
  • Judith Meinschaefer: Silbe und Sonorität in Sprache und Gehirn. (pdf) 1998, S. 26-76.
  • Thomas Herbert Stolz: Komplexe Nuklei. (pdf) (114 kB)

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Hadumod Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. Kröner, Stuttgart 2008, S. 600.
  2. [1943:78,143; 1948:3f.]