Silberstandard

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Ein Silberstandard ist ein Währungsstandard, unter dem der Geldwert in den verwendeten Währungseinheiten als Wert einer feststehenden Menge von Silber definiert wird. Üblicherweise ist ein Silberstandard mit der Prägung und dem Umlauf von Silbermünzen als Kurantmünzen verbunden. Auch Silberbarren wurden - neben Münzen - zeitweise, wie z.B. die chinesische Tael-Barrenmünzen als offizielle Währungseinheiten benutzt bzw. als Geldwertdeckung für Banknoten (siehe Kassenanweisung) und Scheidemünzen verwendet.

Geschichte und Funktion des Silberstandards[Bearbeiten]

In Deutschland gab es von ca. 800 (karolingische Münzreform Karls des Großen) bis 1871 (Einführung der Reichsgoldwährung) eine Silberstandardwährung. Gilt ein Silberstandard, wird der Wert jeder Ware oder Dienstleistung mit dem Wert des Silbers verglichen bzw. auf diesen bezogen. Auch gegenüber der Gesamtmenge handelbarer Waren und Dienstleistungen ist der Wert des Silbers nicht für lange Zeiten stabil. Vielmehr schwankt der Wert oft über längere Zeitepochen um einen Mittelwert, der von den Silberbeschaffungskosten und psychologischen Faktoren abhängig ist. Silber selbst ist eine handelbare Ware, deren Preis von Angebot und Nachfrage abhängig ist (siehe Warengeld).

Der Vergleich des Wertes jeder Ware und Dienstleistung mit Silber als Wertmaßstab, hieß nicht, das immer „Preisstabilität“ geherrscht hätte. Insbesondere Missernten, Kriege und die Bevölkerungs- und Produktivitätsentwicklungen von Handel und Industrie hatten vom Mittelalter bis in die Neuzeit hinein großen Einfluss auf die Preise. Scheidemünzen und später Papiergeld unterlagen in Krisenzeiten einer im Vergleich zu Kurantmünzen einer erhöhten Abwertung, so dass dann gesetzliche Festlegungen zwischen den unterschiedlichen Münznominalen (Sorten) dann nicht mehr durchsetzbar waren. Siehe das klassische Beispiel der „Kipper- und Wipperzeit“ um 1621/23 (Dreißigjähriger Krieg).

Gleichzeitig zur Zeit des Silberstandards umlaufende Goldmünzen hatten einen Kurs zum Silberkurantgeld, der auf den Kurszetteln der Börsenplätze ablesbar war. Die parallel zum Silbergeld gleichzeitig umlaufenden Goldmünzen hatten die Funktion von „Sondergeld“ für bestimmte Transaktionen. Mit Gold wurden beispielsweise teure Güter bezahlt und es wurde Handel mit dem Ausland abgewickelt (Handelsmünze). In Handelsverträgen über größere Waren- und Geldbeträge oder bei Schuldscheinen wurde genau zwischen der vereinbarten „Geldart“ unterschieden, z. B. „preußisch Courant“ oder „Friedrich d'or“. Im Preußen des 18. Jahrhunderts lief z. B. neben dem offiziellen Silberkurantgeld auch eine relativ große Menge an goldenen „Friedrich d'or“ für höherwertige Zahlungen um. Da die Schwankungsbreite des Kurses der Goldmünzen meist gesetzlich eingeschränkt war, hatte das damalige System gewisse Züge eines Bimetallismus.

Übergang zum Goldstandard[Bearbeiten]

(siehe Hauptartikel Goldstandard) Die Ablösung des Silberstandards in Europa durch den Goldstandard ging von England aus, der damals mit Abstand global führenden Industrie- und Handelsnation. Unmittelbare Ursache war, dass die englische Regierung unter einem Bimetallismus einen - im Vergleich zum Marktpreis - zu hohen Kurs der englischen Goldmünzen festsetzte. In England konnte daher eine Menge Goldmünzen - wieder im Vergleich zum Marktpreis - in "zu viel" Silber in Form vom Silbermünzen umgetauscht werden. Dieses Silber konnte dann im Ausland gewinnbringend verkauft werden. Silbermünzen verschwanden daraufhin in England aus dem Umlauf (siehe Greshamsches Gesetz). Faktisch hatte sich aus einem Bimetallismus ein Goldstandard gebildet.

In Folge der weltweiten Silberinflation nach Aufgabe des Silberstandards durch das Deutsche Reich kam es 1873 in Britisch Indien zu einer schleichenden Entwertung der Rupie gegenüber dem goldgedeckten Pfund. Die Rupie basierte nämlich weiterhin auf dem Silberstandard.[1] Dies war insbesondere für die Zahlung der Home Charges bedeutsam. Die Home Charges waren in Pfund abgerechnete Ausgaben, die Indien an das "Mutterland" abführen musste.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Schwenke: Deutsche Geldzeichen 1871–1914. Dt. Verlag der Wissenschaften, Berlin 1980, Lizenz 206 435/149/80, S.14ff.
  • Heinz Fengler u.a.: Lexikon Numismatik. transpress Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1989, S. 454, ISBN 3-344-00220-1.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sarkar (1983), S 17: 1873: 1 R. = 2'; 1893: 1 R. = 1' 2d, d.h. -42 %
  2. Sarkar, Sumit: Modern India 1885-1947; New Delhi 1983; ISBN 0-333-90425-7; Kap. II: Political and Ecomonic Structure