South Stream

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Varianten des Verlaufs der geplanten Pipeline - der Ast nach Süditalien wurde abgesagt

South Stream (russisch Южный поток, Transkription Juschny potok, bulgarisch Южен поток) ist ein Projekt für eine neue transnationale Transportmöglichkeit für russisches Erdgas, die ab frühestens 2015 Südost- und Südeuropa versorgen soll. Das Projekt für diese Fernleitung besteht aus drei Komponenten: dem Ausbau der Transportkapazitäten in Russland bis zur Schwarzmeerküste bei Anapa, dem Bau von Erdgasleitungen durch das Schwarze Meer sowie dem Weiterbau der Erdgas-Pipeline vom bulgarischen Varna. Den Offshore-Teil bilden vier parallel verlaufende Röhren mit einer geplanten Durchleitungskapazität von 63 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr, die auf einer Länge von 931 Kilometer durch das Schwarze Meer verlaufen sollen.[1]

South Stream soll die Lieferrouten von russischem Erdgas nach Europa diversifizieren und die Abhängigkeit von Produzent und Abnehmerländern von den derzeit dominierenden Transitstaaten Ukraine und Weißrussland reduzieren (siehe russisch-ukrainischer Gasstreit).

Mittlerweile (Stand: 23. November 2013) wurde mit dem Bau in Südrussland und Serbien begonnen.

Die Nabucco-Pipeline für Erdgas aus dem kaspischen Raum, die russisches Territorium umgehen sollte, galt als Konkurrenzprojekt für South Stream; das Projekt wurde im Sommer 2013 für beendet erklärt.

Im Juni 2014 bremste die EU das Gazprom-Erdgasprojekt South Stream aus. Das EU-Mitglied Bulgarien erklärte, an dem Bau festzuhalten, das Projekt aber erst nach Zustimmung der EU-Kommission fortsetzen zu wollen. Serbien vermied eine klare Positionierung. [2]

Beteiligte Unternehmen[Bearbeiten]

Partner des Joint Ventures für den Offshore-Teil der Fernleitung sind Gazprom, der italienische Energieversorger Eni, die französische EdF sowie die BASF-Tochter Wintershall. Die Kosten werden auf 19 bis 24 Milliarden Euro geschätzt.[3]

Am Onshore-Teil der Fernleitung sind beteiligt:[4]

  • Österreich - South Stream Austria GmbH; Anteilseigner Gazprom (50%) und OMV (50%)
  • Bulgarien - South Stream Bulgaria AD; Anteilseigner Gazprom (50%) und Bulgarian Energy Holding(50%)
  • Kroatien - Joint Venture in Vorbereitung; Anteilseigner Gazprom (50%) und Plinacro
  • Griechenland - South Stream Greece S.A.; Anteilseigner Gazprom (50%) und DESFA (50%)
  • Ungarn - South Stream Hungary Zrt; Anteilseigner Gazprom (50%)und Magyar Villamos Művek (MVM) (50%)
  • Serbien - South Stream Serbia AG; Anteilseigner Gazprom (51%) und Srbijagas (49%)
  • Slowenien - South Stream Slovenia LLC; Anteilseigner Gazprom (50%) und Plinovodi (50%)

Geschichte[Bearbeiten]

Am 5. Februar 2009 wurde das Abkommen zum Bau der Pipeline durch das Schwarze Meer zwischen Gazprom und der bulgarischen Energieholding unterzeichnet. Es sieht vor, die ursprünglich geplanten 31 Milliarden Kubikmeter Durchleitungskapazität um weitere 16 Milliarden zu erhöhen.[5]

Im April 2009 fand ein weiteres Treffen zwischen Eni und Gazprom statt. Eni plant, Gazprom auch am libyschen Elephant-Feld zu beteiligen.[6]

Am 13. Juli 2009 teilte die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti mit, Bulgarien habe die Kooperation mit Gazprom eingefroren und sei an weiteren Planungen dieser Pipeline sowie weiteren russischen Energieprojekten derzeit nicht interessiert.[7] Die Ankündigung Turkmenistans, sich entweder durch bereits existierende iranische Pipelines oder mittels noch zu bauender transkaspischer Pipelines an der Nabucco-Pipeline beteiligen zu wollen, stellt einen weiteren Rückschlag für das russische South-Stream-Projekt dar. Bislang hatte sich Russland erfolgreich darum bemüht, Turkmenistan von einer Nabucco-Beteiligung fernzuhalten.[8]

Am 24. April 2010 genehmigte Österreich bei Verhandlungen mit Russland den Bau der Pipeline.[9]

Im September 2011 erfolgte eine Änderung hinsichtlich der Anteilseigner. Neben dem bisherigen Anteilseigner Gazprom mit 50 % Beteiligung werden Eni 20 %, EdF und Wintershall jeweils 15 % der Anteile halten.[10]

Im Dezember 2011 berichteten russische Medien, dass Gazprom die Route im Westen nicht zum existierenden Verteiler nach Baumgarten an der March (Nordost-Österreich) und auch nicht nach Süditalien, sondern nur nach Norditalien führen wird, da Österreich mit der OMV die konkurrierende Nabucco-Pipeline betreibt. Russland hat eine 50-Prozent-Beteiligung an der OMV-dominierten Gasbörse CEGH gefordert, die Einfluss auf Nabucco geschaffen hätte, was von der EU-Kommission durch gestellte Bedingungen verhindert worden ist.[11][12][13] Im selben Monat gab die Türkei ihre Zustimmung zum Bau der Pipeline durch das Schwarze Meer. Als Gegenleistung sicherte Russland dem Land langfristige Gaslieferungen bis 2025 zu.[14]

Im April 2012 wurde der frühere Erste Bürgermeister von Hamburg, Henning Voscherau, zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats des South-Stream-Projekts gewählt.[15]

Am 7. Dezember 2012 wurde in der südrussischen Stadt Anapa am Schwarzen Meer offiziell mit dem Bau der Erdgasleitung begonnen.[16][17][18]

Am 23. November 2013 wurde auch in Serbien mit dem Bau begonnen.[19] Laut Gazprom-Mitteilung vom 16. Juni 2014 kann auch die inzwischen von Russland integrierte Krim mit einer Abzweigung der South-Stream-Pipeline rechnen. Der Idee, Kosten zu sparen, indem man die Leitung über die Krim führt, wurde entgegnet, dass man an den ursprünglichen Plänen festhalte. [20]

Energiepolitische Interventionen[Bearbeiten]

Im Zuge der Krimkrise 2014 kündigte der deutsche EU-Energiekommissar Günther Oettinger an, dass er für eine Verzögerung des South-Stream-Projekts sorgen würde.[21] Dies hätte zur Folge, dass die in Norddeutschland endende Nord-Stream-Pipeline die einzige wäre, die bei einer Störung des Gastransits durch die Ukraine die Versorgung mit russischem Erdgas in nennenswertem Umfang sicherstellen könnte. Am 24. Juni 2014 unterzeichneten der österreichische Gaskonzern OMV und Gazprom einen Vertrag über den Bau des österreichischen Teilstücks der South-Stream-Pipeline. OMV importiert russisches Erdgas schon seit 1968 und betreibt im niederösterreichischen Baumgarten an der March ein Gasverteilzentrum, das bislang über die Ukraine mit russischem Erdgas versorgt wird. Von diesem Gas-Hub aus, der jetzt schon Erdgas an Ungarn liefert, sollen künftig Mittel- und Osteuropa versorgt werden.[22][23]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: South Stream – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pressemitteilung Wintershall
  2. Russland bringt South-Stream-Streit vor WTO. 13. Juni 2014, abgerufen am 17. Juni 2014.
  3. Jason Bush: Russia's South Stream Project Gets a Boost. Spiegel online, 19. Mai 2009
  4. Homepage South-Stream Pipeline Projektstruktur
  5. Abkommen über South Stream und Atomenergie zwischen Russland und Bulgarien signiert. RIA Novosti. 5. Februar 2009. Abgerufen am 9. Februar 2009.
  6. http://in.reuters.com/article/oilRpt/idINMAT00940020090407
  7. http://www.eurasianet.org/departments/insightb/articles/eav071309b.shtml
  8. http://www.iwpr.net/?p=rca&s=f&o=354297&apc_state=henprca
  9. Megagas-Pipeline South Stream - Wien und Moskau unterzeichnen Abkommen (24. April 2010)
  10. russlandonline: EdF und Wintershall steigen mit je 15 Prozent in Gasprojekt South Stream ein, 6. September 2011
  11. South-Stream-Pipeline: Hauptstrang nicht nach Österreich. ORF.at, 14. Dezember 2011
  12. Wettrüsten bei Gaspipelines. ORF.at, 14. Dezember 2011
  13. Verlierer im Gaspoker/Mega-Pipeline ohne Österreich. ORF.at, 15. Dezember 2011
  14. Gasleitung South Stream: Türkei genehmigt russische Mega-Pipeline bei spiegel.de, 28. Dezember 2011 (abgerufen am 28. Dezember 2011).
  15. Benedikt von Imhoff: Voscherau zum South-Stream-Aufsichtsratschef gewählt. Auf: www.abendblatt.de, 13. April 2012
  16. Christian Esch: Bau von South Stream beginnt. Frankfurter Rundschau, 6. Dezember 2012, abgerufen am 7. Dezember 2012.
  17. Horst Kläuser: Gazprom beginnt Bau von South-Stream-Pipeline. Tagesschau, 7. Dezember 2012, abgerufen am 7. Dezember 2012.
  18. Russland feiert Baubeginn der South-Stream-Pipeline. Stuttgarter Zeitung, 7. Dezember 2012, abgerufen am 7. Dezember 2012.
  19. http://orf.at/stories/2207710/ Bauarbeiten für Gaspipeline in Serbien begonnen, ORF.at vom 24. November 2013
  20. http://voiceofrussia.com/news/2014_06_16/Crimea-to-receive-gas-from-South-Stream-gas-pipeline-7590/
  21. EU bremst Pipeline-Verhandlungen mit Moskau, Welt.de vom 9. März 2014, abgerufen am 9. März 2014
  22. Gazprom to Build Pipeline to Austria as Gas Beats Tensions, Bloomberg, 30. April 2014
  23. South-Stream-Deal besiegelt. Handschlag zwischen OMV und Gazprom, Handelsblatt, 24. Juni 2014