South Stream

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Geplante Varianten des Verlaufs der Pipeline - die Äste nach NO-Österreich und Süditalien wurden Dez. 2011 abgesagt

South Stream (russisch Южный поток, Transkription Juschny potok, bulgarisch Южен поток) ist eine geplante russisch-italienische Erdgas-Pipeline, die mit vier parallen Röhren u. a. auf dem Grund des Schwarzen Meeres verlaufen soll.

Von Bulgarien aus soll South Stream auf je einem Strang nach Italien und Österreich weitergeführt werden. Die Durchleitungskapazität soll im Endausbau 47 Milliarden Kubikmeter im Jahr betragen. Partner des Joint Ventures sind Gazprom, der italienische Energieversorger Eni, die französische EdF sowie die BASF-Tochter Wintershall. Die Kosten werden auf 19 bis 24 Milliarden Euro geschätzt.[1]

South Stream soll die Lieferrouten des russischen Erdgases nach Europa diversifizieren und die Abhängigkeit des Produzenten und der Abnehmerländer von den derzeit dominierenden Transitstaaten Ukraine und Weißrussland reduzieren (siehe Russisch-ukrainischer Gasstreit). South Stream gilt als ein Konkurrenzprojekt für die geplante Nabucco-Pipeline, die – vom kaspischen Raum her kommend – russisches Territorium umgehen soll.

Mit Stand 23. November 2013 ist mittlerweile mit dem Bau in Südrussland und Serbien begonnen worden.

Geschichte[Bearbeiten]

Am 5. Februar 2009 wurde das Abkommen zum Bau der Pipeline durch das Schwarze Meer zwischen Gazprom und der Bulgarischen Energieholding unterzeichnet. Es sieht vor, die ursprünglich geplanten 31 Milliarden Kubikmeter Durchleitungskapazität um weitere 16 Milliarden zu erhöhen.[2]

Im April 2009 fand ein weiteres Treffen zwischen Eni und Gazprom statt. Eni plant auch Gazprom am libyschen Elephant-Feld zu beteiligen.[3]

Am 13. Juli 2009 teilte die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti mit, Bulgarien habe die Kooperation mit Gazprom eingefroren und sei an weiteren Planungen dieser Pipeline sowie weiteren russischen Energieprojekten derzeit nicht interessiert.[4] Die Ankündigung Turkmenistans, sich entweder durch bereits existierende iranische Pipelines oder mittels noch zu bauender trans-kaspischer Pipelines an der Nabucco-Pipeline beteiligen zu wollen, stellt einen weiteren Rückschlag für das russische South-Stream-Projekt dar. Bislang hatte sich Russland erfolgreich darum bemüht, Turkmenistan von einer Nabucco-Beteiligung fernzuhalten.[5]

Am 24. April 2010 genehmigte Österreich bei Verhandlungen mit Russland den Bau der Pipeline.[6]

Im September 2011 erfolgte eine Änderung hinsichtlich der Anteilseigner. Neben dem bisherigen Anteilseigner Gazprom mit 50 % Beteiligung werden Eni 20 %, EdF und Wintershall jeweils 15 % der Anteile halten.[7]

Im Dezember 2011 berichteten russische Medien, dass Gazprom die Route im Westen nicht zum existierenden Verteiler nach Baumgarten an der March (Nordost-Österreich) und auch nicht nach Süditalien, sondern nur nach Norditalien führen wird, da Österreich mit der OMV die konkurrierende Nabucco-Pipeline betreibt. Russland hat eine 50-Prozent-Beteiligung an der OMV-dominierten Gasbörse CEGH gefordert, die Einfluss auf Nabucco geschaffen hätte, was von der EU-Kommission durch gestellte Bedingungen verhindert worden ist.[8][9][10] Im selben Monat gab die Türkei ihre Zustimmung zum Bau der Pipeline durch das Schwarze Meer. Als Gegenleistung sicherte Russland dem Land langfristige Gaslieferungen bis 2025 zu.[11]

Im April 2012 wurde der frühere Erste Bürgermeister von Hamburg, Henning Voscherau, zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats des South-Stream-Projekts gewählt.[12]

Am 7. Dezember 2012 wurde in der südrussischen Stadt Anapa am Schwarzen Meer offiziell mit dem Bau der Erdgasleitung begonnen.[13][14][15]

Am 23. November 2013 wurde auch in Serbien mit dem Bau begonnen.[16]

Im Zuge der Krimkrise 2014 kündigte EU-Energiekommisar Günther Oettinger an, dass er für eine Verzögerung des South-Stream-Projekts sorgen würde.[17]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: South Stream – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jason Bush: Russia's South Stream Project Gets a Boost. Spiegel online, 19. Mai 2009
  2. Abkommen über South Stream und Atomenergie zwischen Russland und Bulgarien signiert. RIA Novosti. 5. Februar 2009. Abgerufen am 9. Februar 2009.
  3. http://in.reuters.com/article/oilRpt/idINMAT00940020090407
  4. http://www.eurasianet.org/departments/insightb/articles/eav071309b.shtml
  5. http://www.iwpr.net/?p=rca&s=f&o=354297&apc_state=henprca
  6. Megagas-Pipeline South Stream - Wien und Moskau unterzeichnen Abkommen (24. April 2010)
  7. russlandonline: EdF und Wintershall steigen mit je 15 Prozent in Gasprojekt South Stream ein, 6. September 2011
  8. South-Stream-Pipeline: Hauptstrang nicht nach Österreich. ORF.at, 14. Dezember 2011
  9. Wettrüsten bei Gaspipelines. ORF.at, 14. Dezember 2011
  10. Verlierer im Gaspoker/Mega-Pipeline ohne Österreich. ORF.at, 15. Dezember 2011
  11. Gasleitung South Stream: Türkei genehmigt russische Mega-Pipeline bei spiegel.de, 28. Dezember 2011 (abgerufen am 28. Dezember 2011).
  12. Benedikt von Imhoff: Voscherau zum South-Stream-Aufsichtsratschef gewählt. Auf: www.abendblatt.de, 13. April 2012
  13. Christian Esch: Bau von South Stream beginnt. Frankfurter Rundschau, 6. Dezember 2012, abgerufen am 7. Dezember 2012.
  14. Horst Kläuser: Gazprom beginnt Bau von South-Stream-Pipeline. Tagesschau, 7. Dezember 2012, abgerufen am 7. Dezember 2012.
  15. Russland feiert Baubeginn der South-Stream-Pipeline. Stuttgarter Zeitung, 7. Dezember 2012, abgerufen am 7. Dezember 2012.
  16. http://orf.at/stories/2207710/ Bauarbeiten für Gaspipeline in Serbien begonnen, ORF.at vom 24. November 2013
  17. EU bremst Pipeline-Verhandlungen mit Moskau, Welt.de vom 9. März 2014, abgerufen am 9. März 2014