Sprint

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Sprint (Begriffsklärung) aufgeführt.
Kurzstreckenlauf: DDR-Olympiabriefmarke zu den Sommerspielen 1968

Als Sprint oder Kurzstreckenlauf bezeichnet man in der Leichtathletik und anderen Sportarten, in denen es auf das Zurücklegen einer Strecke in möglichst kurzer Zeit ankommt, jene Disziplinen, in denen die größtmöglichen Geschwindigkeiten erzielt werden, die der menschliche Organismus erlaubt.

Sprint in der Leichtathletik[Bearbeiten]

In der Leichtathletik sind die Sprintstrecken 50 bis 400 Meter lang. Man unterscheidet im Allgemeinen auch zwischen Kurz- und Langsprint, wobei Strecken über 200 Metern Länge als Langsprint bezeichnet werden. Die Strecken 100, 200 und 400 Meter, 100 Meter Hürden (Frauen), 110 Meter Hürden (Männer) und 400 Meter Hürden sind olympische Disziplinen. Daneben werden bei Hallenwettkämpfen meist 50 Meter und 60 Meter Hürden gelaufen. Im Training werden auch fliegende Sprints über 20 oder 30 Meter gelaufen, das heißt der Läufer nimmt Anlauf und hat beim Start der Zeitmessung schon volles Tempo erreicht.

Der Kurzstreckenlauf ist die älteste olympische Disziplin. Es war schon als Lauf über ein Stadion (ca. 190 Meter) Teil der griechischen Agonistik und wichtiger Bestandteil der antiken Olympischen Spiele.

Entscheidend für die Abgrenzung von Mittel- und Langstrecken ist bei den Laufstrecken der Leichtathletik die Energieversorgung: Sie erfolgt beim Sprint überwiegend durch Umsetzung energiereicher Phosphatreserven (ATP, Kreatinphosphat) und Milchsäuregärung (vgl. hierzu den Artikel Energiebereitstellung). Die hierbei erzielten Geschwindigkeiten kann der Sportler bis zu etwa 40 Sekunden aufrechterhalten. Aufgrund der Energieversorgung ist der Sprint besonders anfällig für Doping mit anabolen Steroiden und die Verwendung von Kreatin (was kein Doping dearstellt).

Biomechanik und Training des Sprints[Bearbeiten]

Li Qing (seit 2008 Nationaltrainer Sprint der VR China) hat in seiner Dissertation an der Georg-August-Universität Göttingen (bei Arnd Krüger) anhand einer mehrdimensionalen biomechanischen Analyse festgestellt, dass die Beschleunigungsphase des Sprints nicht ein- sondern zweiteilig ist, dass hierbei andere Muskelgruppen gezielt angesprochen werden müssen, um nicht in beiden durchschnittlich mittelmäßig, sondern in den beiden einzeln getrennt optimal vorbereitet zu sein.[1] Dies ist am effektivsten durch Blocktraining zu erreichen.

Andere Sportarten[Bearbeiten]

Beim Schwimmsport gelten als Sprintstrecken 25- bis 200-Meter-Distanzen. Die Strecken 50, 100 und 200 Meter sind olympische Disziplinen. Für die Schwimm-Sprintstrecken gilt die Abgrenzung über die Form der Energiebereitstellung nur eingeschränkt, bereits die 200-Meter-Distanz ist unter diesem Kriterium als Ausdauerdistanz aufzufassen.

Beim Bahnradsport werden im Sprint (früher: Fliegerrennen) die letzten 200 bis 250 m in Höchstgeschwindigkeit gefahren. In diesem Rennen, das über eine Distanz von 600 m bis 1000 m (lt. Reglement über zwei oder drei Runden in Abhängigkeit von der Bahnlänge) ausgetragen wird, kommt es allerdings vor allem auf die Endgeschwindigkeit an und darauf, die Fähigkeit zur Entwicklung einer hohen Geschwindigkeit mit taktischen Mitteln richtig einzusetzen. Deshalb liegen die Geschwindigkeiten bezogen auf die letzten 200 m – diese Zeit wird in jedem Rennen genommen – oft deutlich unter den maximalen Fähigkeiten der Sportler.

Im Eisschnelllauf werden als Sprintstrecken 100, 500 und 1000 Meter gelaufen. Die 100 Meter werden aktuell nicht gelaufen, die beiden anderen Strecken sind auch olympische Disziplinen.

Im American Football gilt der sogenannte 40-Yard-Sprint als gängigster Indikator für Beschleunigung und Geschwindigkeit eines Spielers.

In anderen Sportarten, etwa Rudern, Kanu oder Skilanglauf, ist gelegentlich in der Umgangssprache von Sprintstrecken die Rede. Allerdings sind diese Disziplinen unter dem Gesichtspunkt der Energiebereitstellung eindeutig Ausdauerdisziplinen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Li Qing: Funktionelle Bedeutung der Beinstreck- und Beinbeugemuskulatur während spezifischer Bewegungsphasen im Sprint. Erlensee: SFT-Verl. 1994. ISBN: 3-925083-21-9; Li Qing & Arnd Krüger: Die Beschleunigungsphase im Sprint ist nicht ein-, sondern zweiteilig, in: Leistungssport 25(1995)3, S. 39-45. [1]