Stjepan Vukčić Kosača

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Wappenschild der Familie Kosača

Stjepan Vukčić Kosača, auch Kosaca (* 1404 im Dorf Kosača bei Goražde; † 1466 Herceg Novi) trat nach dem kinderlosen Tod seines Onkels Sandalj Hranić Kosača nach 1435 für seine Herrschaften über Prijepolja, Pljevlja, Nikšić und Boka Kotorska bis Omiš und Poljica, Livno und Oberer Vrbas als Großvojvode von Bosnien auf.

Die zeitgenössischen Chronisten berichten einhellig,[1] dass er von skrupellosem und unzuverlässigem Charakter sei und ständig Überfälle androhte. Allein mit dem osmanischen Sultan pflegte er gute Beziehungen. Ferner soll er boshaft, schlau, wankelmütig, feige und brutal gewesen sein, und weder lesen noch schreiben können. Er sei auch nicht sonderlich religiös, soll nur oberflächlich Anhänger der Paterenen-Sekte gewesen sein. Sein sicheres Gespür für wechselnde politische Situationen ermöglichte es ihm, seine Gegner auszuspielen. Als Zeichen seiner autonomen Macht legte er sich wohl selbst um 1448 den Titel „Duca di Santo Saba“ zu. Die Chronisten bringen keine plausible Erklärung für die Annahme dieses Herzogstitels und sind zudem widersprüchlich. Eventuell berief er sich auf eine Urkunde von Kaiser Friedrich III. berief, indem er ihn zum Vormund über die Besitzungen des ungarischen Königs Ladislaus V. machte. Weder Sultan Murad II. noch Papst Eugen IV. können für die Titelvergabe ernsthaft infrage kommen.

Die Herzegowina unter Stjepan Vukčić Kosača

1448 trat nun das „Gebiet des Herzogs“, die Herzegowina, mit diesem Namen in die Geschichte ein, es war ca. dreimal so groß wie die heutige Herzegowina.

Mit seiner ersten Frau Jelena Balšić hatte er eine Tochter namens Katarina (Kosača-Kotromanić), die spätere letzte Königin von Bosnien, und die zwei Söhne Vladislav (* 1425) und Vlatko (* 1426), Hercegović genannt. 1452 kam es nach dem Besuch einer florentinischen Kaufmannsgesellschaft samt ihrer weiblichen Begleitung zum ehelichen Skandal am Hofe. Der Herzog behielt die Florentinerin als Geliebte bei sich, seine Frau Katarina reiste darauf wütend mitsamt ihrem Sohn Vladislav nach Ragusa. Kosača verlangte die sofortige Rückkehr, Jelena forderte jedoch, zuerst solle die florentinische Geliebte den Hof verlassen. Es kam zum Krieg zwischen der Republik Ragusa und Herzegowina, der erst nach einem Jahr versöhnlich beendet wurde. Kurz nach der Rückkehr Ende September 1453 verstarb Jelena.

Stjepan Kosača heiratete im März 1455 seine zweite Frau Barbara. Sie soll deutscher Herkunft gewesen sein - vermutlich eine uneheliche bayrische Landshuter Prinzessin. Barbara verstarb nach der Geburt des Sohnes Stjepan im Juni 1459, dem späteren osmanischen Großwesir und Großadmiral Hersekoğlu Ahmed Pascha.
1460 heiratete Herzog Stjepan zum dritten Mal, wieder eine Deutsche namens Cecilie. Nach dem Tode des Herzogs 1466 verließ sie ihren Sohn Stjepan, und ging zurück in ihre Heimat. Der junge Stjepan sollte in die Obhut von seinem älteren Bruder Vlatko gehen. Derweil stritten sich die beiden älteren Söhne und der Vater um das Erbe und die Aufteilung. So rief Vladislav die Osmanen zu Hilfe, um im Streit zu vermitteln. Vlatko hingegen wollte Stjepan um sein Erbteil betrügen. Da Herzog Stjepan mit Ungarn und mit Venedig doppelzüngige Verträge schloss, verscherzte er sich deren Gunst und Hilfe, denn im Zuge dieses Streits, eroberten die Osmanen 1463-65 und auch Venedig Teile der Herzegowina. Stjepan Kosača musste in der Republik Ragusa um Asyl bitten und verstarb dort, kurz nachdem er sein Testament aufsetzte, am 22. Mai 1466. Ragusa wurde die Vollstreckung des Erbes übertragen.

Der Niedergang Herzegowinas und die Streitigkeiten der Söhne des Herzogs wurden nun intensiver. Vladislav beherrschte den größten Teil des Erbes, und entfachte einen neuen Streit, da er das Erbe des jungen Stjepan an sich riss. Zwischen dem 14. Juni 1473 und dem 24. September 1474 muss Stjepan ca. 15-jährig den Islam angenommen und sich dem Osmanischen Reich angeschlossen haben. Er wurde in einem Ferman Sultan Mehmeds II. als Hersekoğlu Ahmed erwähnt, welches den Befehl an Ragusa enthielt, einen osmanischen Berater und Vertreter Ahmeds bei der Aufteilung des Erbes zwischen ihm und Vlatko hinzuzuziehen. Stjepan hatte zu Vlatko meist ein gutes Verhältnis, mit dem älteren Vladislav hat er jedoch seine Beziehungen abgebrochen. Da die Osmanen zunehmend immer größere Teile der Herzegowina besetzten, überstellten Vladislav und Vlatko unterdessen ihre Besitztümer den Ungarn, damit diese sie verteidigen sollten. 1483 flüchtete Vlatko nach Ragusa, 1489 verstarb er. Vladislav zog mit seinem Gefolge nach Ungarn zurück. Die Unterstellung der Herzegowina an die Ungarn konnte jedoch die gänzliche Eroberung durch die Osmanen nicht verhindern. Die Herzegowina wurde zu einem osmanischen Sandschak mit dem Namen Hersek und einem bosnischen Statthalter unterstellt. Der Herzogssohn Stjepan machte unterdessen rasch als Hersekoğlu Ahmed Karriere am osmanischen Hof, da ihn der Sultan Mehmed II. aufgrund seiner außergewöhnlichen Begabung sehr schätzte. 1478 begleitete er den Sultan schon als Reichsbannerträger (mir-i 'alem). Die Osmanen drangen Ragusa mehrfach und nachdrücklich darauf, ihren Erbverpflichtungen gegenüber Ahmed nachzukommen, der zu seinen Lebzeiten - und danach auch seine Söhne - die Einnahmen erhielt, die aus dem Erbteil hervorgingen und aus den Gewinnen seiner geerbten Häuser, Gebiete und Grundstücke.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Erdmute Heller: Ottomans and Venetians during the Reign of Sultan Bayezid II (1481-1512): Venezianische Quellen zur Lebensgeschichte des Ahmed Paşa Hersekoğlu. Electronic Journal of Oriental Studies Bd. 3 Nr.4 Utrecht 2000, S. 6ff.

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