Suchoi/HAL FGFA

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Suchoi/HAL FGFA
Typ: Mehrzweckkampfflugzeug
Entwurfsland:
Hersteller:
Erstflug:
Indienststellung:
Produktionszeit: Serienproduktion ab 2015 geplant
Stückzahl: >250 (geplant)

Das FGFA-Programm (Fifth Generation Fighter Aircraft) ist ein Gemeinschaftsprojekt zwischen dem russischen Luftfahrtkonsortium OAK und der indischen Hindustan Aeronautics (HAL) zur Entwicklung eines Jagdflugzeugs der Fünften Generation.

Programminhalt[Bearbeiten]

Das Programm basiert auf dem russischen PAK-FA-Programm, dessen Prototyp die Suchoi T-50 ist, und hat die Entwicklung einer für die indische Luftwaffe maßgeschneiderten PAK-FA-Version zum Ziel.

Das FGFA soll – als augenscheinlichster Unterschied zum PAK-FA – zweisitzig sein, da die indische Luftwaffe nach den guten Erfahrungen mit der Su-30MKI zweisitzige Maschinen bevorzugt.[1]

Am 5. Januar 2010 wurde bekannt, dass eine Delegation des indischen Verteidigungsministeriums im sibirischen Herstellerwerk von Suchoi (KNAAPO) die Herstellung des PAK-FA-Prototyps beobachtete. Ein die gemeinsame Entwicklung betreffender ausführlicher Vertrag sei kurz vor der Fertigstellung. Der Vertrag, den die in Bangalore ansässige HAL mit OAK abschließen wird, soll die Verpflichtung zum Bau von 250 Kampfflugzeugen für die indischen Luftstreitkräfte (IAF) sowie einer gleichen Anzahl für Russland enthalten. Optional soll die Bestellung weiterer Maschinen möglich sein. HAL und OAK werden in dem Gemeinschaftsunternehmen gleichberechtigte Partner sein, wie auch die indische BrahMos JV, die für die Entwicklung und den Bau des FGFA zuständig sein wird.[2] Des Weiteren wurde bekannt, dass die HAL in den Verhandlungen einen Anteil von 25 Prozent an den Entwicklungs- und Konstruktionsarbeiten des FGFA-Programms anstrebt. Der Auftragsanteil von HAL wird wichtige Software sowie Bordcomputer, Navigationssysteme, einen Großteil der Cockpitanzeigen, CMD-Systeme und auch den von der indischen Luftwaffe geforderten Umbau des einsitzigen Suchoi-Prototyps in eine doppelsitzige Ausführung umfassen. Die russischen Vorgaben in den Titanstrukturen werden durch die Erfahrungen der indischen Industrie mit derartigen Rumpfkonstruktionen ergänzt. Insgesamt ist der Bau von 500 Flugzeugen geplant, wobei die Möglichkeit weiterer Lieferungen besteht. Die russischen Luftstreitkräfte werden 200 einsitzige und 50 doppelsitzige PAK-FA-Flugzeuge erhalten, während an die indische Luftwaffe 200 doppel- und 50 einsitzige FGFA-Flugzeuge geliefert werden.[3][4]

Suchois Direktor Michail Pogosjan erwartet für die die nächsten vier Jahrzehnte einen Bedarf von etwa 1000 Flugzeugen – jeweils 200 Maschinen für Russland und Indien sowie weitere 600 für andere Abnehmerstaaten.[5] Russlands Handelsminister Wiktor Christenko sagte, dass das Flugzeug gemeinsam mit Indien entwickelt und produziert werden wird und beide Staaten „gemeinsam ihre Vorteile nicht nur aus dem Verkauf in ihren Binnenmärkten, sondern auch aus dem Verkauf an Drittstaaten ziehen werden“.[6]

In den indischen Medien wird die Bezeichnung FGFA generell für jedes Kampfflugzeug der Fünften Generation verwendet.[7]

Entwicklung[Bearbeiten]

Das AESA-N050-Radar auf der MAKS 2009
APAA (Active-Phased-Array-Antenne) in einem Vorflügel
Optisches Radar für PAK FA / FGFA

Die Kosten für die Indienststellung von 250 mit Tarnkappeneigenschaften versehenen FGFA-Kampfflugzeugen könnten unter Umständen mehr als 25 Milliarden US-Dollar betragen. Hinzukommen werden enorme Investitionen bei der Mitentwicklung des FGFA mit Russland sowie für den Aufbau der riesigen Infrastruktur, die zum Betrieb und zur Unterhaltung solcher Kampfjets in Indien nötig sind, kommen. Air Chief Marshal Naik sagte, das 30 Tonnen schwere FGFA sei ein „Mehrzweck-Kampfflugzeug mit einer sehr fortschrittlichen Avionik, Tarnkappeneigenschaften zur Erhöhung seiner Überlebensfähigkeit, höherer tödlicher Wirkung, 360-Grad-Rundumsicht, intelligenten Waffen, Datenvernetzung, Hochleistungscomputern“ und einigen weiteren fortschrittlichen Merkmalen.

Zusammen mit 126 mittleren Mehrzweck-Kampfflugzeugen, die Indien im Rahmen eines 10,4 Milliarden US-Dollar teuren Projektes zu beschaffen plant, 270 Maschinen des Typs Suchoi-30MKI, die für etwa 12 Milliarden US-Dollar von Russland geliefert werden, einer Kampfwertsteigerung der vorhandenen Su-30 MKI für weitere 2 Milliarden US-Dollar und 120 Stück des indischen Light Combat Aircraft (LCA-Tejas) für 3,6 Milliarden US-Dollar sollen die etwa 250 FGFA-Maschinen für die absehbare Zukunft die Hauptstütze der indischen Luftstreitkräfte bilden. Unabhängig davon sollen Kampfwertsteigerungsmaßnahmen für 50 ältere Mirage 2000 und 61 MiG-29 SMT im Wert von 2,2 Milliarden US-Dollar deren Einsatzfähigkeit bis in das Jahr 2025 sowie für weitere 125 MiG-21 bis 2017 sicherstellen. Damit soll innerhalb der nächsten zehn Jahre die geforderte Kampfstärke der indischen Luftwaffe von 44 Schwadronen mit mehr als 792 Flugzeugen (18 Flugzeuge je Schwadron) erreicht werden und der Neuaufbau der Luftwaffe zu einem Selbstkostenpreis von etwa 55 bis 65 Milliarden US-Dollar vollzogen sein.

Das Gemeinschaftsunternehmen hängt stark vom Erfolg des BrahMos-Projektes ab. Russland und Indien waren sich Anfang des Jahres 2007 einig, gemeinsam ein Programm zur Entwicklung eines Kampfflugzeugs der Fünften Generation (FGFA) zu beginnen.[8][9] Am 27. Oktober 2007 zitierte die Asia Times den Direktor von Suchoi, Michail Pogosjan: „Wir, Indien und Russland, werden gemeinsam im Verhältnis 50:50 die Finanzierung, die Entwicklung und das geistige Eigentum an dem neuen Projekt teilen“.[10] Gemäß dem Abkommen wird sich die indische Version von der russischen unterscheiden und den besonderen indischen Bedingungen angepasst werden.[11] Während die russische Version ein einsitziges Jagdflugzeug sein wird, soll die doppelsitzige indische Variante entsprechend ihrer Einsatzdoktrin ein breiteres Spektrum an Aufgaben erfüllen. Die Trag- und Steuerflächen müssen für das FGFA angepasst werden.[12] Obwohl die Entwicklungsarbeit noch bevorsteht, zeigte sich die russische Seite optimistisch, dass noch 2009 ein Testflugzeug zum Erstflug zur Verfügung stehen – ein Jahr nach dem für den PAK FA geplanten Erstflug – und die Indienststellung im Jahr 2015 erfolgen werde.[13]

Gemäß dem Vorsitzenden der HAL, A. K. Baweja am 16. September 2008 strebt HAL den Eintritt in ein gemeinsames Unternehmen mit Russland zur Entwicklung des Triebwerks für den FGFA als eine weiterentwickelte Version des AL-37 an. Bis zum Februar 2009 sollte Indien laut dem Generaldirektor von Suchoi, Michail Pogosjan, eine der russischen Ausführung entsprechende PAK-FA-Maschine erhalten, der einzige Unterschied soll in der Software des Flugzeugs bestehen. Der Roll-out des ersten Prototyps wurde vor dem August 2009 erwartet.[14]

Unterschiede zwischen PAK-FA und FGFA[Bearbeiten]

Der Unterschied zwischen dem PAK-FA und dem FGFA wird dem zwischen der Su-30M und der Su-30MKI entsprechen. Die Su-30M ist die russische Standardversion des Flugzeugs, wohingegen die Su-30MKI (MKI steht für „Modernisirowannij Kommertscheski Indiski“) gemeinsam mit der indischen Hindustan Aeronautics Limited für die indische Luftwaffe entwickelt wurde. Die Su-30MKI erhielt eine Schubvektorsteuerung sowie Canards und ist mit einer multi-nationalen – aus Indien, Israel, Russland und Frankreich stammenden – Avionik ausgestattet.[15] Die Flugzeuge der PAK-FA- und der FGFA-Programme werden nur wenige technologische Gemeinsamkeiten aufweisen. Des Weiteren wird das FGFA vorwiegend Waffen indischer Herkunft wie Astra und in Indien entwickelte Langstrecken-Luft-Luft-Raketen einsetzen. Der russischen Einsatzdoktrin der Verwendung einer breiten Palette vielseitiger Raketen für verschiedene Einsatzarten folgend, kann eine Austauschbarkeit verschiedenster Raketensysteme erwartet werden. Die Unterschiede zwischen indischem FGFA und russischem PAK-FA sind erheblich, da die doppelsitzige Ausführung des Flugzeugs eine Neudimensionierung der Trag- und Steuerflächen erfordert.[16]

Das FGFA kann auch mit Systemen dritter Zulieferer ausgestattet werden.[17]

Konstruktion[Bearbeiten]

Obwohl noch keine zuverlässigen Informationen zu den technischen Daten von PAK-FA und FGFA verfügbar sind, ist aus Kreisen der russischen Luftstreitkräfte bekannt, dass sie über Tarnkappeneigenschaften verfügen sowie supercruisefähig sein werden und die Ausstattung eine Bewaffnung mit den neuesten Generationen von Luft-Luft-, Luft-Boden- und Luft-Schiff-Raketen sowie ein AESA-Radar umfassen wird. Das FGFA wird vorerst mit zwei Saturn-117S-Triebwerken ausgerüstet. Dieses Triebwerk ist eine weiterentwickelte Version des AL-31F, hergestellt mit den Erfahrungen aus dem AL-41F-Programm. Das AL-41F wurde für das inzwischen eingestellte MFI-Programm entwickelt (Mikojan-Gurewitsch MiG 1.44).

Für die Ausrüstung des FGFA mit den endgültigen Triebwerken, die 2015 bis 2016 montagebereit sein sollen, stehen drei russische Hersteller in Konkurrenz.[18]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. India, Russia to have different versions of same fighter plane
  2. India, Russia close to PACT on next generation fighter
  3. [1]
  4. [2]
  5. Russia to make 1,000 stealth jets, eyes India deal
  6. Russia,India to sign contract for sketching 5th generation jet soon
  7. Decks cleared for top Indo-Russia deal
  8. Rasheed Kappan: Indo-Russian agreement soon on PAK-FA. The Hindu. 8. Februar 2007. Abgerufen am 20. Oktober 2007.
  9. India, Russia to make 5th generation fighter jets. Times of India. 24. Januar 2007. Abgerufen am 20. Oktober 2007.
  10. India, Russia still brothers in arms
  11. Indo-Russian 5th generation fighter to take-off by 2012
  12. India, Russia to have different versions of same fighter plane
  13. 5Th Generation Fighter Project (based on PAK-FA)
  14. http://www.india-defence.com/reports/4254
  15. SU30MKI
  16. Sukhoi/HAL FGFA an Indian Stealth Fighter. In: Defence Aviation. 27. Oktober 2008. Abgerufen am 28. Oktober 2008.
  17. Russia, India to develop joint 5G-fighter by 2016
  18. Russian firms competing for FGFA engine development contract