Tûranor PlanetSolar

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Tûranor PlanetSolar
Tûranor PlanetSolar im Hamburger Hafen

Tûranor PlanetSolar im Hamburger Hafen

p1
Schiffsdaten
Flagge SchweizSchweiz Schweiz
Schiffstyp Yacht
Rufzeichen HBY4444
Bauwerft Knierim Yachtbau, Kiel
Stapellauf 30. Oktober 2010
Verbleib in Fahrt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
31[1] m (Lüa)
Breite 15[1] m
Tiefgang max. 1,55[1] m
Verdrängung 95 t[1]
 
Besatzung 6[1]
Maschine
Maschine 4 × elektrischer Permanentmagnet-Synchronmotor
Maschinen-
leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat
kW/120[1]
Geschwindigkeit max. 14 kn (26 km/h)
Propeller 2

Die Tûranor PlanetSolar (Arbeitsname vor der Taufe PlanetSolar) ist ein am 25. Februar 2010 offiziell enthüllter und am 31. März 2010 getaufter Katamaran, der ausschließlich mit Sonnenenergie angetrieben wird. Aus diesem Grund besteht das gesamte Deck aus Solarmodulen. Es ist derzeit das weltweit größte von Solarenergie angetriebene Wasserfahrzeug.

Beschreibung[Bearbeiten]

Bei der Katamaran-Konstruktion handelt es sich um einen sogenannten Wave-Piercer – die beiden Rümpfe überfahren nicht die Wellen, sondern durchschneiden sie. Der Schiffskörper hat eine Länge von 31 Metern, eine Breite von 15 Metern und verdrängt etwa 85 Tonnen. Mit Ausnahme einer kleinen Brücke besteht fast das gesamte Deck aus Solarmodulen. Dazu kommen noch ausfahrbare Solarpaneele, die über Seilzüge steuerbord und backbord sowie am Heck hydraulisch ausgefahren werden; dadurch vergrößern sich Länge und Breite auf 35 bzw. 23 Meter. Insgesamt wird so eine Gesamtkollektorfläche von 537 m² erreicht, bestehend aus 825 Solarmodulen mit 38.000 Photovoltaikzellen. Die Gesamtleistung der Photovoltaikanlage beträgt 93,5 kW.[1]

Die Besonderheit des Schiffes ist der Antrieb. Der Katamaran wird von vier Elektromotoren angetrieben, die auf zwei Antriebswellen wirken. Die Antriebsenergie wird ausschließlich über die Solarmodule gewonnen. Nachts werden die Motoren von Lithium-Ionen-Akkumulatoren gespeist, die in den Schwimmern untergebracht sind. Die Akkus wiegen 11,7 Tonnen, speichern 1130 kWh und sind die größten ihrer Art.[2][3] Andere Zusatzantriebe gibt es nicht.

Ursprünglich war die Planetsolar mit zwei CFK-Propellern ausgestattet, welche doppelt so groß wie übliche Propeller waren und mit geringer Drehzahl betrieben wurden. Sie waren als Oberflächenantrieb ausgelegt. Das in der Mitte am Bootskörper angebrachte Ruder wurde nur für die Marschfahrt benötigt. Man versprach sich von dem Oberflächenantrieb und den verstellbaren Propeller eine höhere Effizienz und gute Lenkbarkeit bei geringster Fahrt durch die Veränderung des Drehmoments der einzelnen Propeller. Dieser Antrieb hat sich für Fahrten bei hochseeüblichem Wellengang nicht bewährt.[4] Bei Wartungsarbeiten Anfang 2013 wurde der Antrieb auf einen konventionellen, getauchten Antrieb mit feststehenden 5-Blatt-Propellern und jeweils eigenem Ruder umgerüstet.[5] Nach der Umrüstung konnte die Planetsolar Ihren eigenen Rekord von 26 Tagen für die Atlantiküberquerung während ihrer Weltumrundung um 4 Tage unterbieten.[6]

Die zwei Motoren leisten insgesamt 240 Kilowatt, womit eine Marschgeschwindigkeit von sieben Knoten (13 km/h) erreicht wird. Zum Manövrieren im Hafen kommen zusätzlich zwei Querstromruder zum Einsatz.

Alles auf dem Schiff, außer einem Gasherd, wird mit Strom aus den Solarmodulen gespeist.[7]

Der Name Tûranor wurde aus der Elbensprache des J. R. R. Tolkien abgeleitet und bedeutet Kraft der Sonne oder Sieg der Sonne.

Entstehung[Bearbeiten]

Die Geschichte des Schiffes geht auf das Jahr 2004 zurück. Damals hatte sich der Schweizer Ingenieur und Öko-Abenteurer Raphaël Domjan vorgenommen, als erster Mensch mit einem Solarboot die Welt zu umrunden. Zusammen mit seinem Partner, dem französischen Schiffskapitän Gérard d’Aboville entwickelte er den ersten Prototypen. D’Aboville hatte bereits in den 1980er und 1990er-Jahren als erster Mensch allein den Atlantik und dann den Pazifik mit einem Ruderboot überquert. Die beiden wollten zunächst ein kleines Schiff für zwei Personen bauen. Dann erfuhr der Darmstädter Unternehmer und Wella-Erbe Immo Ströher durch einen Pressebericht von dem Projekt. Er überzeugte Domjan und d’Aboville davon, ein größeres Boot zu bauen. Auch plante er eine professionelle Kommunikationsstrategie und ein Nachnutzungskonzept ein.[8]

Das Projekt, dessen Gesamtkosten bei rund 15 Millionen Euro[8] liegen sollen, wurde zum Großteil finanziert durch Immo Ströher und seine Schweizer Holding Rivendell, die vornehmlich in Technologien im Bereich der Erneuerbaren Energien, des Recyclings und des Umweltschutzes investiert.[9]

Das futuristische Design mit einem Haupt- und zwei Nebenrümpfen stammt vom neuseeländischen Konstrukteur Craig Loomes, vom Unternehmen LomOcean Design aus Neuseeland.

Der Bau der Tûranor PlanetSolar oblag dem Kieler Generalunternehmer Knierim Yachtbau. Kiellegung war Anfang 2009. Hauptrumpf und Seitenteile mussten in der eigens dafür angemieteten Halle 11 der Kieler Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH (HDW) zusammengebaut werden, weil sie für Knierim zu groß waren. Am 31. März 2010 wurde der Katamaran auf den Namen Tûranor PlanetSolar getauft und in die Kieler Förde zu Wasser gelassen. Ursprünglich waren der Stapellauf und die Jungfernfahrt für Januar geplant. Die Baukosten betrugen etwa 12,5 Millionen Euro.[9]

Die von den Gaia Akkumulatorenwerken gefertigten Lithium-Ionen-Akkumulatoren sind Teil eines Entwicklungsplanes der Howaldtswerke-Deutsche Werft für Energiespeicher und sollen zukünftig auch an Bord von nicht-nuklearen U-Booten eingesetzt werden.[3]

Das Boot wurde im Mai 2010 beim 821. Hamburger Hafengeburtstag der Öffentlichkeit vorgestellt.

Weltumrundung[Bearbeiten]

Mit dem Ziel, die emissionsfreie Solarenergie in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit zu stellen, brach die Tûranor PlanetSolar am 27. September 2010 von Monaco aus zur ersten Weltumrundung eines solargetriebenen Schiffes auf.[10] Der Streckenverlauf wurde insgesamt in ständiger Nähe des Äquators gewählt, weil dort die Sonneneinstrahlung am intensivsten ist. Zwei Monate später erreichte die Tûranor PlanetSolar auf ihrer Expedition rund um die Erde den amerikanischen Kontinent und legte am 27. November 2010 im Hafen von Miami im US-Bundesstaat Florida an. Das darauf folgende Etappenziel war die Weltklima-Konferenz der UNFCCC in Cancún. Hier lieferte das Boot mit seiner Anwesenheit einen sichtbaren Beweis für eine effiziente und zukunftsgerichtete Nutzung von Solartechnologie zur Verbesserung des Klimas.

Tûranor PlanetSolar ankert im März 2011 in der Lagune vor Tiputa, Rangiroa

Als erstes Solarboot der Welt durchquerte die Tûranor PlanetSolar Mitte Januar 2011 den Panamakanal. Vor Antritt der großen Pazifiküberquerung stand noch ein Besuch der Galápagos-Inseln auf dem Programm, ermöglicht durch eine Kooperation mit dem WWF, der sich in enger Zusammenarbeit mit nationalen und lokalen Behörden, mit dem öffentlichen und privaten Sektor sowie mit der lokalen Bevölkerung seit über 40 Jahren für den Erhalt der Galápagos-Inseln einsetzt. Die Arbeit des WWF auf den Inseln zielt auf eine nachhaltige Entwicklung ab und sieht eine maximale Nutzung erneuerbarer Energien vor, insbesondere als wesentlichen Baustein für nachhaltige Formen von Tourismus. In diesem Zusammenhang zeichnet der Besuch der Tûranor PlanetSolar auf den Galápagos-Inseln ein konkretes Bild der technologischen Möglichkeiten, die es bereits heute im Bereich erneuerbarer Energien gibt.

Anfang April 2011 musste die Tûranor PlanetSolar bei Bora Bora wegen eines Schadens am Propellersystem die Weltumrundung für Reparaturarbeiten unterbrechen.[11] Nach einem knapp zweiwöchigen Aufenthalt konnte die Weltumrundung in Richtung Tonga fortgesetzt werden. Ende Mai 2011 machte das Solarboot in Brisbane fest, nachdem es vorher auf der Etappe von Tonga nach Neukaledonien die „Mittellinie“ der Weltumrundung passiert hatte. In Brisbane wurde auch das weltweite Kinder- und Jugendprojekt PlanetSolar Relay for Hope aus der Taufe gehoben. Dabei können Kinder und Jugendliche weltweit ihren Wünschen und Ideen von einer solaren Zukunft Ausdruck verleihen.

Nachdem die Tûranor PlanetSolar im Januar 2012 Ehrengast beim World Future Energy Summit in Abu Dhabi gewesen war, musste der Golf von Aden durchquert werden.[12] In diesem Gewässer wäre das Schiff eine leichte Beute für somalische Piraten gewesen, da es zu langsam war, um in einem Konvoi mitzufahren. Deshalb war in diesem Abschnitt ein Sicherheitsteam mit an Bord, das von Christophe Keckeis, dem ehemaligen Chef der Schweizer Armee, geleitet wurde.[13]

Am 4. Mai 2012 lief der Katamaran nach 60.000 Kilometern Fahrt wieder in Monaco ein. Das Boot benötigte 584 Tage, 23 Stunden und 31 Minuten für die Weltumrundung.[14]

Rekorde[Bearbeiten]

61 Tage nach der Abfahrt in Monaco erreichte die Tûranor PlanetSolar Miami, was mit 26 Tagen und 34 Minuten die schnellste Atlantiküberquerung eines Solarbootes war. Bisherige Rekordinhaberin war die Sun21 mit 26 Tagen, 19 Stunden und 10 Minuten.

Am 20. Februar 2011 meldete die Tûranor PlanetSolar einen weiteren Weltrekord. Mit 9.904 nautischen Meilen bzw. 18.342 km Entfernung vom Startpunkt Monaco hatte das zu diesem Zeitpunkt größte Solarboot der Welt die weiteste Strecke bewältigt, die je ein Fahrzeug mit Solarenergie zurückgelegt hat. Von 2004 bis zu diesem Tag war dieser Rekord vom Midnight Sun Solar Race Team gehalten worden, das mit einem Solarauto eine Strecke von 15.070 km durch Kanada und die Vereinigten Staaten von Amerika gefahren war.

2013 wurde von dem Schiff bei einer Atlantiküberquerung der eigene Rekord von der Weltumrundung 2010 bis 2012 eingestellt. Das Schiff bewältigte die Strecke von Gran Canaria nach St. Martin in 22 Tagen; bei der Weltumrundung hatte es für die Strecke noch 26 Tage benötigt.[15]

Technische Daten der elektrischen Komponenten[Bearbeiten]

In den Schwimmern des Katamarans stecken 11,7 Tonnen schwere Lithium-Ionen-Akkumulatoren. Es sollen die größten Akkumulatoren in nichtmilitärischer Nutzung weltweit sein.[8]

Solarmodulfläche 516 m²[1]
Durchschnittsleistung der Motoren 20 Kilowatt
Maximalleistung der Motoren 120 Kilowatt[1]
Speicherkapazität der Akkus 1.130 kWh (2.910 Ah bei 388 V)[16]

Bilder[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i Das Boot, PlanetSolar (abgerufen 15. Mai 2012)
  2. Knierim Yachtbau, fertiggestellte Yachten: TÛRANOR PLANET SOLAR - Solar Katamaran, aufgerufen 22. Mai 2013
  3. a b HDW Pressemitteilung, 22.Februar 2010: HDW erprobt neuartige Batteriezellen für U-Boote auf dem Solarkatamaran „PlanetSolar®", aufgerufen 22. Mai 2013
  4. Planetsea - Erläuterung der Nachteile des Oberflächenantriebs mit Fotos des neuen Antriebs auf Seitenmitte. Abgerufen am 10. August 2014.
  5. PlanetSolar Maintenance PlanetSolar, 2012-2013. Abgerufen am 11. August 2014.
  6. PlanetSolar - four days faster across the Atlantic. Abgerufen am 10. August 2014.
  7. Einstein: Das schwimmende Solarkraftwerk auf Weltumrundung. Abgerufen am 26. Februar 2012.
  8. a b c Mit «Heuschrecke» der Sonne entgegen, Artikel der Zentralschweiz am Sonntag, 30. Juni 2013
  9. a b SwissMotorboat, 1.Juni 2010: Mit dem Solarkatamaran um die Welt (PDF; 3,6 MB), eingefügt 28. März 2012
  10. Video heute: Solarbetriebenes Schiff geht auf Reisen (27. September 2010) in der ZDFmediathek, abgerufen am 10. Februar 2014 (offline)
  11. Vor Bora Bora: Propellerschaden stoppt Kieler Sonnenschiff. In: Lübecker Nachrichten Online, 7. April 2011 (abgerufen am 9. April 2011).
  12. PlanetSolar: Christophe Keckeis wird Sicherheitschef. In: Solarnews.ch. 24. Januar 2012 (abgerufen am 4. Mai 2012).
  13. Keckeis berät Planet Solar. In: Neue Zürcher Zeitung. 17. Januar 2012 (abgerufen am 4. Mai 2012).
  14. Hanna Gieffers: Ankunft in Monaco: Solarboot schafft Weltumrundung in 584 Tagen. In: Spiegel Online. 4. Mai 2012
  15. Atlantik-Rekord geknackt, THB – Deutsche Schiffahrts-Zeitung, 22. Mai 2013. Abgerufen am 22. Mai 2013.
  16. www.turanor.eu: Batterien (abgerufen 1. Oktober 2010)

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tûranor PlanetSolar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien