Tchoukball

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Tchoukball ist eine Ballsportart, bei der sich zwei Mannschaften mit je 5-7 Spielern gegenüberstehen. Ziel des Spiels ist es, einen handballähnlichen Ball so auf das sogenannte „Frame“ zu werfen, dass die gegnerische Mannschaft den Abpraller nicht fangen kann, und so Punkte zu erzielen.

Tchoukballspiel in der Schweiz im Mai 2006

Das Wort „Tchouk“ leitet sich von dem Geräusch des Balls ab, wenn er das „Frame“ berührt.

Dadurch, dass beide Teams auf beide Frames spielen dürfen, die sich auf den beiden kürzeren Seiten des rechteckigen Feldes gegenüberstehen, ist Tchoukball extrem schnell und intensiv. Beide Mannschaften müssen ständig zwischen Angriff und Verteidigung umschalten, was zu einem sehr abwechslungsreichen Spielverlauf führt. Gleichzeitig liegt beim Tchoukball der Fokus auf Fair-Play – jeglicher Angriff auf den Gegner oder sein Spiel ist untersagt.

Tchoukball ist eine Hallensportart, prinzipiell kann man es aber überall spielen. Am weitesten verbreitet sind Hallen- und Beachtchoukball, in einigen Ländern wird es aber auch auf Rasen gespielt.

Entstehung und Verbreitung[Bearbeiten]

Tchoukball wurde in den 1970er Jahren von Dr. Hermann Brandt, einem Schweizer Sportmediziner erfunden. Bei seiner Arbeit erkannte er, dass selbst die physisch stärksten Sportler aufgrund unphysiologischer Bewegungsabläufe dauerhafte Verletzungen bei der Ausübung ihres Sportes davontrugen.

In der Folge entwickelte er einen eigenen Sport, Tchoukball. Neben dem geringeren Verletzungsrisiko hatte Dr. Brandt eine weitere Überlegung mit einfließen lassen: Tchoukball als eine Sportart, in der in seinen Augen „eine gültige menschliche Gemeinschaft“ geübt wird.

Für die Entwicklung des Tchoukballs erhielt Dr. Brandt 1970 in Barcelona den „Thulin-Preis“ der FIEP ("Federation Internationale D'Education Phisique"). Dessen damaliger Vorsitzender John Andrews war es auch, der Tchoukball in vielen Ländern bekannt machte.

Verbreitung Tchoukball Stand 04/2014

Besonders großen Anklang fand dieser neue Sport vor allem in Taiwan, wo es rasch zu einem Schul- und Universitätssport wurde, was Taiwans besondere Rolle in der heutigen Tchoukballwelt erklärt - Teams aus Taiwan sind bis heute die großen Favoriten auf jedem Turnier.

Mittlerweile wird Tchoukball auf der ganzen Welt gespielt. Die große Verbreitung Tchoukballs wird vor allem an der Teilnehmerliste der World Tchoukball Championship 2011 in Ferrara, Italien, offensichtlich: Neben den europäischen Teams aus Italien, der Schweiz, Großbritannien, Österreich, Deutschland, Tschechien, Frankreich und Spanien nahmen Mannschaften aus Taiwan, Singapur, Hongkong, den Philippinen und Brasilien teil, viele davon auch mit Damenmannschaften.

Fair-Play[Bearbeiten]

Hermann Brandt hatte mit Tchoukball nicht nur im Sinn, die Zahl der Sportverletzungen zu verringern. Er wollte eine Institution schaffen, in der vor allem Kinder und Jugendliche üben können, mit ihren Mitmenschen umzugehen. Für ihn sollte der ideale Sport nicht nur ein Wettkampf sein, sondern in erster Linie Spaß bringen und in einer Umgebung des Respekts und der Toleranz stattfinden. Tchoukball soll dazu beitragen, genau diese Werte weiterzugeben. Deswegen schuf Brandt gleichzeitig ein Dokument, in dem die Grundhaltung der Sportart und der Spieler umrissen werden sollten: die Tchoukball-Charta.

Organisation[Bearbeiten]

Verband Präsident Datum
FITB Chris Huang 2013-xx
ETF Chiara Volonté 2014-xx
DTBV Thomas Langescheid 2013-xx
ATBF Gernot Türk xx
FSTB David Sandoz xx

Tchoukball ist international in der "Federation Internationale de Tchoukball" (FITB) organisiert. Diese wurde 1971 durch Vertreter aus der Schweiz und Frankreich gegründet. Erster Präsident war bis zu seinem Ableben Hermann Brandt. Als Mitglieder der FITB sind aktuell 36 nationale Verbände von 4 Kontinenten gemeldet.

Seit März 2014 existiert ein europäischer Dachverband, der die nationalen Verbände in sich vereint und von nun an für europäische Belange zuständig ist. Die "European Tchoukball Federation" (ETF) ist Mitglied des FITB.

Aufgrund der geographischen Größe Deutschlands bildeten sich hier bereits erste Landesverbände. Mit dem TTBV wurde 2012 der Thüringer Landesverband gegründet.

Eine Besonderheit stellt der "European Winners Cup" (EWC) dar. Hier werden vom jeweiligen Organisationskomitee die Landesmeister aus den europäischen Ligen eingeladen, um bei einem Turnier die beste Tchoukball-Mannschaft auf Clubebene zu ermitteln. Die Vergabe des Austragungsortes für das Folgejahr wird üblicherweise unter den teilnehmenden Teams vereinbart. Der Turniermodus und die Zulassungskriterien sind vollständig in Händen des jeweiligen Organisationskomitees.

Jahr Austragungsort Sieger
2008 Ferrara (Italien) TBC Lausanne (SUI)
2009 Lausanne (Schweiz) TBC Lausanne (SUI)
2010 Saronno (Italien) Saronno Comets (ITA)
2011 Wels (Österreich) Saronno Comets (ITA)
2012 Lazne Belohrad (Tschechien) Saronno Castor (ITA)
2013 Leeds (England) RuckTchouk Traiskirchen (AUT)
2014 Neuchâtel/Neuenburg (Schweiz) RuckTchouk Traiskirchen (AUT)

Regelgrundlagen[Bearbeiten]

Spielfeld[Bearbeiten]

Laut offiziellen Spielregeln des FITB (internationaler Tchoukballverband) ist das Feld rechteckig und misst im Hallenbereich 26 bis 29 m Länge und 15 bis 17 m Breite. Auch das kann in offenen Turnieren variieren. Das Frame steht in der Mitte der kürzeren Seite außerhalb des Spielfelds, ist um 55° geneigt und ist 1 m breit und lang. Seine Vorderseite berührt die Grundlinie. Um das Frame der Grundlinie ist ein Halbkreis mit einem Radius von 3 m gezogen – die sogenannte „verbotene Zone“.

Punkte[Bearbeiten]

Ein Spieler erzielt einen Punkt für seine Mannschaft, wenn

  • er den Ball auf den Rahmen wirft, so dass ihn kein Spieler auffangen kann, bevor er den Boden außerhalb der verbotenen Zone berührt.

Ein Spieler erzielt einen Punkt für die gegnerische Mannschaft, wenn

  • er den Rahmen beim Wurf verfehlt.
  • der Ball, nach Abwurf, außerhalb des Feldes aufprallt.
  • der Ball nach dem Aufprall ihn wieder berührt.
  • er den Ball in die verbotene Zone wirft, vor oder nach dem Aufprall.

Spielzeit[Bearbeiten]

Die Dauer eines offiziellen Tchoukballspiels ist 3 x 15 Minuten. Bei offenen Turnieren wird die Spieldauer meist verringert, ein Spielabschnitt dauert jedoch meist maximal 15 Minuten.

Mannschaften[Bearbeiten]

Eine Tchoukballmannschaft besteht aus maximal 12 Spielern, von denen in offiziellen Hallenspielen 7 auf dem Platz stehen, und 5 eingewechselt werden dürfen. Auswechselungen dürfen nur unmittelbar nach einem Punkt stattfinden, es gibt jedoch keine Begrenzungen für die Häufigkeit.

Schiedsrichter[Bearbeiten]

Für offizielle Wettkämpfe werden am Feld 3 Schiedsrichter benötigt. Je einer, der an seinem jeweiligen Frame steht, und einer, der an der langen Seite des Feldes dem Spiel folgt. Letzterer hat das Recht, die anderen beiden Schiedsrichter zu überstimmen.

Ballführung[Bearbeiten]

Wenn ein Spieler den Ball hält, ist sein Bewegungsspielraum begrenzt. Er darf ab dem Moment des ersten Ballkontaktes drei Mal den Boden berühren, den Ball nicht fallen lassen, und er hat für seine Aktion maximal 3 Sekunden Zeit. Innerhalb der Mannschaft darf der Ball nach dem Anwurf von der Grundlinie höchstens drei Mal zugespielt werden, bis ein Abschluss auf das Frame erfolgt. In einer ununterbrochenen Spielsituation darf der Abschluss außerdem maximal drei Mal nacheinander auf dasselbe Frame erfolgen.

Tchoukball im deutschsprachigen Raum[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Seit 2010 gibt es eine offizielle Deutsche Tchoukball-Meisterschaft. Die Tchoukball-Abteilung des TuS Oeckinghausen in Halver dominiert momentan die deutsche Liga, da hier diese Sportart wiederentdeckt wurde. Weitere Mannschaften entwickelten sich zeitgleich oder etwas später.

Jahr Deutscher Meister [1] Platz 2 Platz 3 Platz 4
2010 TB Halver M 1 TB Halver W TB Halver M 2 SG Urbich I
2011 TB Halver M TB Halver W SG Pädagogik Jena ASC Weimar I
2012 TB Halver I TB Halver II TSV Zorneding I ASC Weimar I
2013 Tchoukball Halver I Tchoukball Halver II ASC Weimar TSV Zorneding
2014 TuS Oeckinghausen I TuS Oeckinghausen II ASC Weimar TSV Zorneding

Schweiz[Bearbeiten]

Tchoukball wurde in der Schweiz entwickelt. Sie ist das Land mit der größten Tradition und der am besten organisierten Vereins- und Verbandsstruktur. Ebenso ist die Schweiz in der Ausbildung vorbildlich, denn Tchoukball ist im offiziellen Sportprogramm von „Jugend und Sport“ dabei und kann somit vorhandene Strukturen für die Trainerausbildung und für Kadertrainings der Nationalteams nutzen, aber auch für die Abhaltung zahlreicher internationaler Turniere. So fand auch das erste internationale Tchoukballspiel in der Schweiz statt. Genf war seit der Gründung 1970 bis zum Jahr 2009 Sitz des Internationalen Tchoukballverbandes.

Hier finden sich die meisten Tchoukball-Mannschaften innerhalb eines europäischen Landes. Dennoch wird Tchoukball vorwiegend in der Romandie gespielt, jedoch gibt es inzwischen auch wieder Teams in der Deutschschweiz, das erste Deutschschweizer Team waren dabei die Wizards Sports aus Winterthur. Eine Meisterschaft gibt es im Land seit 1993 und wird vom Schweizerischen Tchoukball-Verband organisiert. Sie ist zurzeit in zwei Stärkeklassen unterteilt. Seit einigen Jahren gibt es auch den Schweizer Cup. Die Auslosung dazu erfolgte zuletzt im Rahmen des größten Tchoukball-Hallenturniers Europas, den „Geneva Indoors“. Die Geneva Indoors fanden mittlerweile bereits zum 17. Male statt.

Österreich[Bearbeiten]

Die österreichische Tchoukball-Tradition geht auf die Mitte der 1970er Jahre zurück. Damals wurden Sporterzieher auf Sommerkursen an der Universität Graz von John Andrews und Heinz Rekla in den Sport eingeführt. Viele damalige Studenten haben Tchoukball in ihr Programm als Sportlehrer eingebaut, allerdings Spielidee, Spielregeln und sogar den Namen verändert. In den 1980er Jahren wurde Tchoukball in seiner richtigen Form in Vorarlberg gespielt. Erst im tropischen Sommer 2003 wurde Tchoukball, diesmal in der Nähe von Wien, zum dritten Mal entdeckt. Die Sportunion Traiskirchen bildete dann ab Herbst 2003 eine Sektion Tchoukball. 2004 wurde daraus der Verein RuckTchouk Traiskirchen als eigenständige Organisation. 2009 führte die Initiative eines Sporterziehers zur Gründung des Vereins Tchoukdevils Wels. Seither werden Meisterschaften ausgetragen. Die Hochburg ist RT Traiskirchen, als Serienmeister. 2007 wurde das Team von TB04 Möllersdorf gegründet. 2011 kamen TB Phoenix Baden/Traiskirchen und CowTchouk Wels dazu. Mit den Teams Tchoukangels Oberwaltersdorf und TB Wombats OBW ist die aktuelle Teilnehmerliste an Bundesmeisterschaften komplett.

Tchoukball International[Bearbeiten]

Welt- und Europameisterschaften[Bearbeiten]

1984 wurden in Taiwan die ersten "World Tchoukball Championships" (WTC) ausgetragen. Damals nahmen sechs Nationen aus zwei Kontinenten teil. Mittlerweile kommen zum WTC Mannschaften von vier Kontinenten zusammen, um sich zu messen.

Jahr Wettbewerb Gastgeberland Sieger M Sieger F Sieger M U-18 Sieger F U-18
1984 World Tchoukball Championships Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei SchweizSchweiz Schweiz xx
1987 World Tchoukball Championships SchweizSchweiz Schweiz Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei xx xx
1989 World Game Tchoukball Championships DeutschlandDeutschland Deutschland Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei xx xx
1990 World Tchoukball Championships Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei xx xx
2000 World Tchoukball Championships SchweizSchweiz Schweiz Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei xx xx
2002 World Tchoukball Championships Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei xx xx
2003 European Tchoukball Championships ItalienItalien Italien SchweizSchweiz Schweiz SchweizSchweiz Schweiz xx xx
2003 Asian Tchoukball Championships IndienIndien Indien Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei xx xx
2004 World Tchoukball Championships Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei SchweizSchweiz Schweiz Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei xx xx
2005 World Beach Tchoukball Championships SchweizSchweiz Schweiz Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei SchweizSchweiz Schweiz
2006 European Tchoukball Championships SchweizSchweiz Schweiz Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich SchweizSchweiz Schweiz Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich xx
2006 Asian Tchoukball Championships Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei xx xx
2006 South American Tchoukball Championships ArgentinienArgentinien Argentinien BrasilienBrasilien Brasilien BrasilienBrasilien Brasilien xx xx
2008 Asian Tchoukball Championships HongkongHongkong Hongkong Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei xx xx
2008 European Tchoukball Championships TschechienTschechien Tschechien SchweizSchweiz Schweiz SchweizSchweiz Schweiz SchweizSchweiz Schweiz xx
2008 South American Tchoukball Championships ArgentinienArgentinien Argentinien BrasilienBrasilien Brasilien BrasilienBrasilien Brasilien xx xx
2009 World Games Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei xx xx
2010 Asia-Pacific Tchoukball Championships SingapurSingapur Singapur Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei
2010 African Tchoukball Championships GhanaGhana Ghana TogoTogo Togo SenegalSenegal Senegal xx SenegalSenegal Senegal
2010 South American Tchoukball Championships BrasilienBrasilien Brasilien BrasilienBrasilien Brasilien BrasilienBrasilien Brasilien xx xx
2010 European Tchoukball Championships Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich SchweizSchweiz Schweiz SchweizSchweiz Schweiz xx xx
2011 World Youth Tchoukball Championships OsterreichÖsterreich Österreich xx xx ItalienItalien Italien Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei
2011 World Tchoukball Championships ItalienItalien Italien Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei xx xx
2013 World Youth Tchoukball Championships Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei xx xx Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei Chinese TaipeiChinese Taipei Chinese Taipei
2014 European Tchoukball Championships DeutschlandDeutschland Deutschland OsterreichÖsterreich Österreich SchweizSchweiz Schweiz xx xx

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Liste auf tchoukball.de