teleSUR

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TeleSUR
Senderlogo
TeleSUR-Logo.svg
(Unten steht „nuestro Norte es el Sur“, übersetzt Unser Norden ist der Süden, das Motto von Mercosur.)
Allgemeine Informationen
Empfang: Satellit & Kabel
Sendeanstalt: Nueva Televisión del Sur C.A.
Intendant: Patricia Villegas
Sendebeginn: 24. Juli 2005
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Website: http://www.telesurtv.net/
Liste von Fernsehsendern

Televisión del Sur (teleSUR, „Fernsehen des Südens“) ist ein multistaatlicher TV-Satellitensender in Lateinamerika mit Sitz in Venezuela, der am 24. Juli 2005, dem 222. Geburtstag Simón Bolívars, den Sendebetrieb aufgenommen hat. Der vollständige Name der Betreibergesellschaft lautet Nueva Televisión del Sur C.A..

Konzept[Bearbeiten]

Die Idee Fidel Castros, eine Art „lateinamerikanisches CNN“ zu gründen, wurde später vom Präsidenten Venezuelas, Hugo Chávez, aufgegriffen und realisiert. Der Sender versteht sich als Kanal für die Integration Lateinamerikas und ist gedacht als Gegengewicht zu den privaten, US-amerikanischen Fernsehstationen CNN und Univision, sowie der britischen BBC. Der Sender dient keinem gewinnorientierten Zweck.

Struktur[Bearbeiten]

  • Länder, die an teleSUR beteiligt sind

Die Leitung des Senders ist multinational besetzt. Präsidentin Patricia Villegas ist seit dem Gründungsjahr 2005 bei dem Sender. Unter anderem arbeitete sie als Moderatorin und Nachrichten-Chefredakteurin. Vizepräsident ist formell der aus Uruguay stammende Journalist Aram Aharonian. Wegen interner Konflikte lässt er dieses Amt jedoch seit Ende 2007 ruhen.[1] Der Hauptsitz des Senders befindet sich in Caracas. Er wird unterstützt durch Korrespondenten aus Bogotá, Brasília, Buenos Aires, Mexiko-Stadt, Havanna, Montevideo, La Paz und Washington sowie Mitarbeitern in anderen Städten.

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Im Beirat sitzen angesehene lateinamerikanische und internationale Intellektuelle wie der Nobelpreisträger Adolfo Maria Pérez Esquivel, der Dichter und ehemalige Kulturminister der sandinistischen Regierung Nicaraguas, Ernesto Cardenal, die Schriftsteller Eduardo Galeano und Tariq Ali, der Historiker Ignacio Ramonet, der Schauspieler Danny Glover und der Programmierer Richard Stallman.

TeleSUR ist eine Aktiengesellschaft, deren Aktionäre die Regierungen der sieben Mitgliedsländer (Argentinien, Bolivien, Kuba, Ecuador, Nicaragua, Uruguay und Venezuela) sind. Die Aktienmehrheit wird von Venezuela gehalten.[2]

Im August 2008 unterzeichneten die Informationsminister von Paraguay und Venezuela, Efraín Alegre und Andrés Izarra, eine Absichtserklärung, der zufolge sich die einen Tag zuvor angetretene Regierung von Fernando Lugo schrittweise an dem multistaatlichen Sender beteiligt. Paraguay wäre der achte Mitgliedstaat bei teleSUR. Weiteren Ländern Lateinamerikas steht die Teilnahme offen.

Kooperationen[Bearbeiten]

Brasilien trägt inhaltlich und technologisch in kleinerem Rahmen zum Projekt bei, ist aber darüber hinaus nicht beteiligt, weil das Land mit TV Brasil ein eigenes Projekt verfolgt. In Brasilien wird das Programm von teleSUR mit portugiesischen Untertiteln ausgestrahlt. Ein Teil des Programms wird auch in portugiesisch ausgestrahlt.[3]

Im Januar 2006 verständigten sich teleSUR und der arabische Sender Al Jazeera auf eine Zusammenarbeit. Die Vereinbarung sieht den Austausch von Programminhalten und von Erfahrungen bei der Ausbildung von Journalisten und Fernsehtechnikern vor.

Es besteht ein Kooperationsabkommen mit der staatlichen argentinischen Nachrichtenagentur Télam. Beide Medien sichern darin zu, Nachrichten verschiedener Formate auszutauschen.

TeleSUR hat dem Staat Nicaragua in einer am 3. Juni 2007 unterzeichneten Absichtserklärung Hilfe bei der Gründung eines öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders zugesagt.

TeleSUR hilft Ecuador bei der Einrichtung von Ecuador TV, dem ersten öffentlichen Fernsehsender des Landes, der am 29. November 2007 seinen Sendebetrieb aufnahm. Der Sender, dessen Empfang in einer ersten Phase zunächst auf die Hauptstadt Quito beschränkt ist, übernimmt auch Programme von teleSUR.

Gemeinsam mit dem brasilianischen Fernsehsender Televisão Educativa do Paraná will teleSUR künftig ein sechsstündiges Programm auf Portugiesisch senden.[4] Seit Februar 2008 werden zunächst 25 Minuten täglich von Montag bis Freitag gesendet. Die Redaktion besteht aus sieben Journalisten, in ihrer Mehrzahl Brasilianer.[5]

Inhalte[Bearbeiten]

Der 24-Stunden-Sendebetrieb besteht überwiegend aus Nachrichtensendungen, Analysen, Chroniken, Reportagen, Interviews und Dokumentarfilmen. Ziel ist eine bessere Repräsentation spezifischer lateinamerikanischer Themen im internationalen Medienangebot sowie die Förderung der Integration Lateinamerikas durch Darstellung der gemeinsamen Geschichte und Werte. Inhaltliche Schwerpunkte sind neben der Berichterstattung über aktuelle Ereignisse (etwa 40 Prozent der Sendezeit), Themen aus Kunst, Kultur, Geschichte, Geographie und Natur. TeleSUR soll in Lateinamerika als Gegengewicht zu den US-amerikanischen Privatsendern CNN und Univisión Communications (Univision) wirken.

Kritik[Bearbeiten]

Im Vorfeld der Aufnahme des Sendebetriebs befürchteten Kritiker wegen der vorwiegend durch die venezolanische Regierung sichergestellten Finanzierung, dass der Sender vorwiegend als Sprachrohr für die bolivarianische Revolution von Hugo Chavez diene und bezeichneten ihn daher auch spöttisch als TeleChavez.[6] Auch die Bezeichnungen „CNN des Südens“ und „Al-Bolívar“, in Anlehnung an den arabischen Nachrichtensender Al Jazeera, waren zu lesen. Aufgrund von Befürchtungen einer tendenziell anti-US-amerikanischen Berichterstattung durch den Sender wurde von Seiten der US-Regierungsbehörden die Ausstrahlung eines Gegenprogramms und möglicherweise auch der Einsatz von Störsignalen erwogen.[7]

Nach dem Abschluss eines Kooperationsabkommens zwischen teleSUR und dem Fernsehsender Al Jazeera erklärte Connie Mack, Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus, das Abkommen diene der Schaffung eines „weltweiten Fernsehsenders für Terroristen“, was angesichts der erfolgten Bombardierungen der Büros von Al Jazeera in Kabul (2001) und Bagdad (2003) durch die US-Luftwaffe im venezolanischen Informationsministerium Befürchtungen aufkommen ließ, der Sitz von TeleSur in Caracas stelle ein weiteres mögliches Ziel bei einer Bombardierung durch die USA dar.[8]

Von der kolumbianischen Regierung wird dem Sender eine tendenziöse Berichterstattung über den bewaffneten Konflikt zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC vorgeworfen.[9]

Der Vizepräsident des Senders, Aram Aharonian, kritisierte im Dezember 2008 in einem Interview die Leitung des Senders scharf. Er warf ihr vor, den US-Fernsehkanal CNN zu kopieren. Viele Mitarbeiter hätten eine CNN-Mentalität und die Mitarbeiter, denen ihre Arbeit mehr sei als nur Broterwerb, seien sehr isoliert. Unter Hinweis auf die Absetzung der Sendung „Agenda del Sur“, die am Morgen am häufigsten gesehen wurde, sagte er, es gebe bei TeleSur sehr gute Leute, die den Themen auf den Grund gingen, jetzt aber machtlos seien und keinen Sendeplatz mehr bekämen. Die besten Leute hätten den Sender verlassen. TeleSur werde geführt von Unfähigen und Konterrevolutionären im weitesten Sinne des Wortes. Um den Sender zu verändern, müsste er sich von 250 seiner 450 Mitarbeiter trennen. Es sei nicht in Ordnung, wenn der Informationsminister von Venezuela gleichzeitig Präsident des Senders ist und ihn nach Belieben führt (Informationsminister Andrés Izarra war zugleich Präsident von teleSUR). Das Direktorium werde nie zusammengerufen und könne ausgetauscht werden, wenn der Minister das wollte. TeleSur sollte ein mehrstaatliches Unternehmen sein, sei in Wirklichkeit aber ein venezolanisches. Er kritisierte auch, dass man bei TeleSur nur auf Informationssendungen setzt.[10]

Im Februar 2012 machte der Kuba-Korrespondent des arabischen Nachrichtenkanals Al Jazeera, Moutaz al-Qaissia, in einer Twitter-Meldung darauf aufmerksam, dass der Nahost-Korrespondent von TeleSur, Hisham Wannous, parallel zu seiner Arbeit als Journalist auch als offizieller Dolmetscher für den syrischen Staatspräsidenten Bashar al-Assad tätig ist, was ernste Fragen zur journalistischen Professionalität des Senders aufwerfe.[11] Auf Fotos von Staatsbesuchen Assads in Kuba und Venezuela vom Juni 2010, die auf der Webseite des Präsidenten veröffentlicht wurden, ist Wannous jeweils als offizieller Dolmetscher an der Seite von Assad bei den Gesprächen mit den Präsidenten Raúl Castro sowie Hugo Chávez zu sehen.[12] Die Berichterstattung auf TeleSur über den Aufstand in Syrien 2011/2012 durch Wannous erfolgte regelmäßig ausschließlich vom Standpunkt der syrischen Regierung, deren These von einer „manipulativen Medienkampagne gegen Syrien“ sich der Korrespondent uneingeschränkt zu eigen machte.[13][14][15]

Empfang[Bearbeiten]

In Europa, Nordafrika und dem Nahen Osten ist der Empfang (unverschlüsselt) möglich auf Astra 19,2° Ost (Frequenz 11,068 GHz vertikal, SR 22000, FEC 5/6), Hispasat 30,0° West (11.972 MHz vertikal, SR 27.500, FEC 3/4) und Eutelsat Hot Bird 13B 13° Ost (11.727 MHz vertikal, SR 27.500, FEC 3/4).

In Nord- und Lateinamerika und der Karibik kann der Sender über die Satelliten NSS 806 und Simón Bolívar empfangen werden. Dank der Abkommen und Vereinbarungen, die mit anderen regionalen und unabhängigen Fernsehstationen unterzeichnet wurden, ist der Sender auch in vielen Kabelnetzen verfügbar.

In Kuba kann, trotz Beteiligung des Landes an teleSUR, das Programm bislang regulär nicht empfangen werden, da dort der Besitz von Satellitenschüsseln illegal ist.[16] Auf dem Sender Bildungskanal 2 wird jedoch täglich ab 20.30 Uhr eine Tageszusammenfassung („Lo mejor de teleSUR“„Das Beste aus teleSUR“) ausgestrahlt.

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatHarald Neuber: Kontroverse um Telesur. In: amerika21. 6. Dezember 2008, abgerufen am 6. Dezember 2008.
  2. Angaben zur Aktionärsstruktur: Telesur arranca bajo fuego estadounidense,Cuba se convierte en accionista con voto de Telesur
  3. Telesur seit acht Jahren auf Sendung
  4. redblog: TeleSUR will auch nach Europa, 9. Oktober 2007
  5. Venezuela aktuell: TeleSur startet portugiesisches Programm vom 12. Februar 2008
  6. Artikel in El País vom 26. Juli 2005
  7. Dario Azzellini: Mediale Gegenmacht, Telepolis, 23. Juli 2005
  8. NZZ: Interkontinentale Brücke, 17. Februar 2006
  9. réporters sans frontères: Rapport annuel 2008 AMÉRIQUES (PDF; 776 kB)
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatGespräch mit Aram Aharonian: "TeleSur müsste sich von 250 Leuten trennen". In: amerika21. 6. Dezember 2008, abgerufen am 6. Dezember 2008.
  11. Moutaz al-Qaissia: @cubamar... Twitter-Nachricht des Al-Jazeera-Korrespondenten in Kuba vom 7. Februar 2012, abgerufen am 14. Februar 2012 (spanisch)
  12. Bashar Al-Assad June 2010 Photos Foto-Galerie auf der Webseite PresidentAssad.net, abgerufen am 14. Februar 2012
  13. Hisham Wannous: Rebeldes bombardean universidad y refinería en Homs, Siria („Rebellen zünden Bomben in Universität und Raffinerie in Homs, Syrien“) Korrespondentenbericht aus Damaskus auf TeleSur vom 8. Februar 2012, abgerufen via YouTube am 14. Februar 2012 (spanisch)
  14. Hisham Wannous: Reporte sobre la situación actual en Siria („Bericht über die aktuelle Lage in Syrien“) Korrespondentenbericht aus Damaskus auf TeleSur vom 7. Dezember 2011, abgerufen via YouTube am 14. Februar 2012 (spanisch)
  15. Hisham Wannous: Sirios, contentos porque el gobierno atendió sus demandas („Die Syrer sind zufrieden, weil die Regierung ihre Forderungen erhört hat“) Korrespondentenbericht aus Damaskus auf TeleSur vom 25. März 2011, abgerufen via YouTube am 14. Februar 2012 (spanisch)
  16. Damit es auch in Kuba schneit in Jungle World Nr. 35/2006