Tariq Ali

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Tariq Ali

Tariq Ali (* 21. Oktober 1943 in Lahore) ist ein britischer Autor, Filmemacher und Historiker. Er ist außerdem Langzeitmitglied der Redaktion der New Left Review und wirkt regelmäßig in The Guardian, CounterPunch (USA) und der London Review of Books mit.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Ali wurde in Lahore geboren, das damals noch unter britischer Kolonialherrschaft stand und seit 1947 zu Pakistan gehört. Während seiner Studienzeit an der Punjab-Universität organisierte er als Studentenrat öffentliche Demonstrationen gegen Pakistans Militärdiktatur.

Um einer mehrjährigen Gefängnisstrafe zu entgehen, sah er sich gezwungen, nach England zu emigrieren. In Oxford studierte er am Exeter College der Universität Oxford Politik und Philosophie und wurde als erster Pakistaner zum Vorsitzenden der Oxforder Studentenvereinigung (Oxford Union) gewählt.

In der britischen Studentenbewegung um 1968 und in der Bewegung gegen den Vietnamkrieg nahm Ali eine führende Rolle ein, ebenso in der Redaktion der politisch-gegenkulturellen Zeitschrift Black Dwarf. 1968 schloss er sich der trotzkistischen International Marxist Group (IMG) an, deren Leitung er lange angehörte und deren in der Öffentlichkeit bekanntestes Mitglied er war. In der Zeit um 1970 stand er im engeren Kontakt zu John Lennon, welcher mit Ali die Textentwürfe zu mehreren Songs diskutierte.

Während des Vietnamkrieges brachten ihm öffentliche Debatten mit Persönlichkeiten wie Henry Kissinger oder Michael Stewart politische Anerkennung ein. 1966 wurde er Mitglied der Bertrand-Russell-Friedensstiftung, für die er in Kriegsgebiete und Krisenregionen reiste. Er entwickelte sich bald zu einem führenden Vordenker und Wortführer der englischen Studentenrevolte von 1968. Seit dieser Zeit ist er auch Mitherausgeber der New Left Review, einer der wichtigsten unabhängigen Zeitungen der internationalen Linken.

1980 verließ Ali nach internen Streitigkeiten die IMG; sein Versuch, sich daraufhin der Labour Party (bzw. deren linkem Flügel) anzuschließen, wurde durch seine Nichtaufnahme beantwortet. Seit dieser Zeit arbeitet Ali, der sich auch weiterhin als radikaler Sozialist und Antiimperialist versteht, primär als Autor und Filmemacher.

Tariq Ali am 30. September 2006

Ali trat auch als Filmemacher und Schriftsteller hervor, der immer wieder die Konflikte zwischen den westlichen Gesellschaften und seiner islamischen Heimat thematisiert. Als »Grenzgänger zwischen der westlichen und arabischen Welt«, wie ihn Daniel Cohn-Bendit charakterisierte, »kennt er wie kein anderer die Konflikte beider Seiten und ihre historischen Wurzeln.« Nach seinem ersten Roman Redemption (1991; Ü: Erlösung), einer satirischen Darstellung der radikalen Linken in Europa, begann er unter dem Eindruck des ersten Golfkrieges einen fünfteiligen Romanzyklus über den Islam. Shadows of the Pomegranate Tree (1992; dt. Im Schatten des Granatapfelbaums, 1993) beschreibt den Verfall der muslimischen Zivilisation auf der Iberischen Halbinsel. Das Buch wurde in mehrere Sprachen übersetzt und war Alis literarischer Durchbruch. Als viertes Werk aus dieser Reihe erschien zuletzt A Sultan in Palermo (2005; dt. Der Sultan von Palermo, 2005), ein im 12. Jahrhundert angesiedelter historischer Roman, der am Hof des Normannenkönigs Roger II. im islamisch geprägten Sizilien spielt. Die Geschichte des christlichen Herrschers, an dessen Lebensende sich eine Ära der Toleranz gegenüber Muslimen und Juden dem Ende zuneigt, ist mit der biografischen Darstellung des großen Gelehrten, Kartografen, Geografen und Arztes Abu Abdullah Muhammad al-Idrisi verknüpft.

Als Filmemacher tritt er als Produzent und Drehbuchautor seit 1987 in Erscheinung. So war Ali u.a. an der Produktion von Wittgenstein aus dem Jahre 1993 beteiligt. 2009 verfasste er zusammen mit dem US-amerikanischen Publizisten Mark Weisbrot das Drehbuch zu dem Dokumentarfilm South of the Border, bei dem Oliver Stone die Regie übernahm.

Die Anschläge vom 11. September 2001 bewegten Ali zur Veröffentlichung des Sachbuchs The Clash of Fundamentalisms (2002; dt. Fundamentalismus im Kampf um die Weltordnung, 2002). Mit der kontroversen Stellungnahme, die Ali in dieser Publikation abgab, löste er eine breite Debatte aus. Er vertritt die These, »dass sich heute zwei Fundamentalismen gegenüberstehen, der religiöse und der imperialistische.« 2003 veröffentlichte er eine ebenso kritische wie deutliche Stellungnahme zum zweiten Irakkrieg. In Bush in Babylon (2003; Bush in Babylon. Die Re-Kolonisierung des Irak, 2003) kritisiert Ali die Bestrebungen der Besatzer, sich den Irak als Rohstoffquelle und neuen Markt untertan zu machen.

Ali veröffentlicht in zahlreichen internationalen Medien Artikel über die aktuelle politische Lage im Mittleren und Nahen Osten, darunter Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung, taz, Financial Times und The Guardian.

Der Autor lebt in London.

Werke[Bearbeiten]

  • Pakistan: Military Rule or People's Power; Jonathan Cape, 1970 (ISBN 0-224-61864-4)
  • Chile, Lessons of the Coup: Which Way to Workers Power?; Red Books, 1978 (ISBN 085612107X)
  • Trotsky for Beginners (mit Phil Evans), 1980; deutsch: Trotzky für Anfänger; Rowohlt, Reinbek, 1980 (ISBN 3499175371)
  • Who's Afraid of Margaret Thatcher?: In Praise of Socialism; mit Ken Livingstone, Verso Books, 1984 (ISBN 0860918025)
  • Nehrus and the Gandhis: An Indian Dynasty, 1985; deutsch: Die Nehrus und die Gandhis: Eine indische Dynastie; Ullstein, Frankfurt/Main, 1987 (ISBN 3550071965, ISBN 3548344216 u.a.)
  • Street Fighting Years: An Autobiography of the Sixties; HarperCollins, 1987 (ISBN 000217779X); deutsch: Street Fighting Years: Autobiographie eines '68ers; Neuer ISP-Verlag, Köln, 1998
  • Revolution from Above: Soviet Union Now; Hutchinson, 1988 (ISBN 0091740223)
  • Moscow Gold; Nick Hern Books, London, 1990
  • Can Pakistan Survive?: The Death of a State; Verso Books, 1991 (ISBN 0860912604)
  • Fear of Mirrors; Arcadia Books, 1998 (ISBN 1900850109)
  • Ugly Rumours. An Instant Playscript.; Nick Hern Books, London, 1998
  • Clash of Fundamentalisms: Crusades, Jihads and Modernity; 2002; deutsch: Fundamentalismus im Kampf um die Weltordnung: Die Krisenherde unserer Zeit und ihre historischen Wurzeln; Hugendubel, Kreuzlingen, 2003 (ISBN 3-453-86910-9)
  • Bush in Babylon; Verso Books, 2003; deutsch Bush in Babylon. Die Re-Kolonisierung des Irak; Diederichs, München, 2003 (ISBN 3720524809, ISBN 345362002X)
  • Speaking of Empire and Resistance: Conversations with Tariq Ali; by Tariq Ali, David Barsamian, The New Press, 2005 (ISBN 1-565-84954-X)
  • The Dictatorship of Capital; Verso, London, 2005 (ISBN 1-844-67044-9)
  • Conversations with Edward Said; Seagull Books, Kalkutta, 2005 (ISBN 1-905-42204-0)
  • Rough Music: Blair, Bombs, Baghdad, London, Terror; Verso London, 2006
  • The Leopard and the Fox : A Pakistani Tragedy; Berg; Oxford, 2006 (ISBN 1905422296)
  • Piraten der Karibik: Die Achse der Hoffnung; Hugendubel; Kreuzlingen, 2007 (ISBN 3720530019)
  • Das Obama-Syndrom: Leere Versprechungen, Krisen und Kriege; 2010 [dt. 2012] (ISBN 3453602390)

Romane[Bearbeiten]

"Islam Quintet":

Essays[Bearbeiten]

  • Kalter Hauch des Winters: Kashmir - umkämpft von Dynastien, Religionen, Nachbarstaaten in: Lettre International, LI 55, Berlin, 2001
  • Gefährliche Strategien: Der Kampf gegen den Terror - Schauplätze und Schattenzonen in: Lettre International, LI 58, Berlin, 2002
  • Tochter des Westens: Benazir und der Bhutto-Clan - Politik und Karriere in Pakistan in: Lettre International, LI 80, Berlin, 2008

Sonstiges[Bearbeiten]

Tariq Ali war Teilnehmer beim Internationalen Literaturfestival Berlin 2002, 2003, 2005 und 2007.

Weblinks[Bearbeiten]