Tertiär

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Dieser Artikel beschreibt das geologische Erdzeitalter Tertiär, zum Adjektiv „tertiär” in der Chemie siehe Tertiär (Chemie).

Das Tertiär ist ein geologischer Zeitabschnitt der Erdneuzeit vor Beginn des Quartärs. Das Tertiär begann vor 65 Millionen Jahren (Ende der Kreidezeit) und dauerte bis zum Beginn der Klimaveränderung vor rund 2,6 Millionen Jahren, in deren Folge das Eiszeitalter im Quartär einen Wechsel von Kalt- und Warmzeiten brachte. Das Klima auf der Erde war im Tertiär wesentlich wärmer als heute. Nach dem Massenaussterben der großen Saurier und vieler anderer Tierarten am Ende der Kreidezeit entwickelte sich hauptsächlich im Tertiär die Tier- und Pflanzenwelt, wie wir sie heute kennen.

Die Bezeichnung Tertiär soll innerhalb der offiziellen geologischen Zeitskala nicht mehr gebraucht werden. In der Praxis (auch in der Lehre) wird sie aber oft noch verwendet. Die aktuelle Konvention teilt das Tertiär in zwei Zeitalter und verwendet die Begriffe Paläogen für das ältere (66 bis 23,03 mya) und Neogen für das jüngere (23,03 bis 2,588 mya).

Frühere Einteilung des Tertiär[Bearbeiten]

Klima[Bearbeiten]

Zu Beginn des Eozäns herrschten die höchsten Temperaturen (30°C) im gesamten Känozoikum. Die Welt war eisfrei. Durch die plattentektonische Verschiebung wurde der globale Wärmetransport verändert. Dies führte am Ende des Eozäns zu einer Abkühlung. Im Oligozän begann die Vereisung der Antarktis. Im Miozän, bis vor circa 20 Millionen Jahre, war die Antarktis vollständig mit Eis bedeckt. Die nördlichen Kontinente kühlten rasch ab.

Im Pliozän waren große Teile der nördlichen Kontinente von Eis bedeckt. Die tiefen Temperaturen sorgten für eine erhöhte Körpergröße bei den Tieren und einen Wechsel zur Savannen-Vegetation mit wenig Wald. In dieser Kältephase befindet sich die Erde heute noch.

Gebirgsbildung[Bearbeiten]

Vor circa 50 Millionen Jahren kollidierte der Indische Kontinent mit Asien, wodurch das Himalayagebirge und das Hochland von Tibet entstand. Zudem fanden im Tertiär die Bildung oder die Hauptphasen der Bildung der Alpen, des Apennins, der Karpaten, der Pyrenäen und des Kaukasus in Europa sowie der Anden in Süd- und der Rocky Mountains in Nordamerika statt. Die Gebirgsbildungen in Eurasien gingen mit der weitgehenden Schließung des Tethys-Ozeanes einher. Die zentralen Gebiete des östliches Mittelmeers sowie des Schwarzen Meeres sind kleine Reste dieses ehemaligen Ozeanbeckens.

Kontinentalverschiebung[Bearbeiten]

Die Kontinentalverschiebung verlangsamte sich im Tertiär deutlich. Das ehemalige Gondwana brach auseinander. Australien, das damals an die Antarktis gebunden war, wanderte nordwärts. Dazwischen bildete sich ein tiefer ozeanischer Graben. Zwischen Nordamerika und Europa bzw. Nordamerika und Asien bestanden Landbrücken. Gegen Ende des Tertiärs verbanden sich Südamerika und Nordamerika zur heutigen Form.

Fauna und Flora[Bearbeiten]

Ein etwa 3 Millionen Jahre altes fossiles Laubblatt einer Buche (Fagus pliocenica SAPORTA, 1873) aus einer Formation des späten Tertiär (Piacenzium, mittleres Pliozän) von Frankreich.
Fossiles Blatt von Carya serrifolia - einer tertiären Hickorynuss.

Das Tertiär ist die Zeitspanne zwischen dem Massenaussterben am Ende der Kreidezeit, von dem auch die großen Dinosaurier betroffen waren, und dem Beginn des jüngsten Eiszeitalters. Das Aussterben könnte Folge eines Meteoriteneinschlags, des sogenannten KT-Impakts (Kreide-Tertiär-Einschlag) sein. Zu Beginn der Periode lösten Säugetiere die Reptilien als dominante Tiergruppe ab. Jede Epoche des Tertiärs ist durch charakteristische Entwicklungssprünge unter den Säugetieren gekennzeichnet. Die frühesten erkennbaren Vorfahren des Menschen, die Hominoiden Proconsul und Australopithecus entwickelten sich. Die modernen Formen der Vögel, Reptilien, Amphibien, Fische und der Wirbellosen waren teils zu Beginn des Tertiärs schon herausgebildet oder entwickelten sich in seinem Verlauf. Die pflanzliche Evolution brachte die ersten Bedecktsamer hervor. Die Meerestiere dagegen unterlagen – abgesehen von den Säugetieren – lediglich geringen evolutionären Veränderungen. In der Endphase des Tertiär, dem Pliozän, existierten schon der für den heutigen Wald in Europa charakteristische Buchenbewuchs.

Terminologie und Nomenklatur[Bearbeiten]

Die Bezeichnung Tertiär entstammt der Historischen Geologie, also der Beschreibung der Erdgeschichte, und wurde 1760 von Giovanni Arduino eingeführt. Er unterschied aufgrund seiner Beobachtungen geologischer Schichten in Oberitalien eine primäre (Basalte, Granite, Schiefer), sekundäre (fossile Kalkablagerungen) und tertiäre (jüngere Sedimentablagerungen) Epoche. Obwohl Arduino diese Dreiteilung ursprünglich nur zur Kennzeichnung unterschiedlicher Gesteinsformationen nutzte, wurde das System bald auch als zeitliches Raster verwendet. 1828 übernahm Charles Lyell diese Bezeichnung in sein eigenes, deutlich präziseres System. Er unterteilte das Tertiär anhand der prozentualen Anteile von fossilen Muschelschalenfunden in den jeweiligen Schichten in Eozän, Miozän, älteres und jüngeres Pliozän. Da diese Methode jedoch nur für die untersuchte Region der Alpen und der norditalienischen Ebene geeignet war, wurden in der Folgezeit bis heute zahlreiche weitere stratigraphische Kategorien eingeführt.

Das Tertiär wurde allerdings im Jahr 2000 aus der international gültigen und von der Internationalen Kommission für Stratigraphie herausgegebenen geologischen Zeitskala gestrichen. An die Stelle des Tertiärs traten das Paläogen (früher: Alttertiär) und das Neogen (früher: Jungtertiär) als Perioden im Känozoikum (Erdneuzeit).