The White Man’s Burden

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Buch siehe William Easterly.
Satirische Darstellung: Die Bürde des weißen (?) Mannes.

The White Man's Burden (dt.: „Die Bürde des Weißen Mannes“) ist ein Gedicht von Rudyard Kipling. Das Gedicht wurde unter dem Eindruck der US-amerikanischen Eroberung der Philippinen und anderer ehemaliger spanischer Kolonien verfasst. Es erschien erstmals 1899 in dem Magazin McClure's und trug bei der Erstveröffentlichung den Untertitel The United States and the Philippine Islands.[1] Das Gedicht gilt als eines der wesentlichen Zeugnisse des Imperialismus; sein Titel wurde sprichwörtlich.[2][3][4][5] Kipling hatte das Gedicht ursprünglich für seinen Beitrag zum 50. Thronjubliäums von Königin Victoria vorgesehen. Er verwendete dafür das Gedicht Recessional welches pessimistischer und warnender als The White Man's Burden den Blick auf die Selbstgefällig- und Selbstherrlichkeit des Britischen Empires lenkte.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt und Rezeption[Bearbeiten]

Das siebenstrophige Gedicht fordert im Eingangsvers die Leser jeweils auf, die Bürde des weißen Mannes zu übernehmen. Es handelt vor dem Hintergrund des Spanisch-Amerikanischen Krieges. Dabei eroberten die USA Kuba und die Philippinen und lösten damit die vorige Kolonialmacht Spanien ab. Kipling war während seines USA-Aufenthalts mit dem US-Präsidenten Theodore Roosevelt persönlich bekannt geworden. Kiplings Botschaft gilt den einer imperialen Ausdehnung zögerlich gegenüber stehenden Amerikanern.

Nach Stanley Wolpert sollen demnach moderne, dynamische Staaten wie die USA die stagnierenden europäischen Kolonialmächte wie Spanien zurückdrängen. Die Mühe lohne sich, Ziel sei die Anerkennung durch Gleichgestellte (Peer) und eine Form der Weiterentwicklung, die Herrscher wie Beherrschte einschließt.

Kipling nimmt dabei eine klassische Herrschaft und Knechtschaft Dialektik auf. Die Filipinos werden eingangs als „frischgefangene Halbwilde und halb Kind“ beschrieben, was damals schon sehr kontrovers aufgenommen wurde. Kipling fordert diejenigen, die die „Bürde des weißen Mannes“ übernehmen sollen, explizit auf, ihre (eigenen) Söhne zu verbannen und sie im schweren Geschirr den Bedürfnissen ihrer Gefangenen aufwarten zu lassen. Hinzu kommen Anspielungen an den biblischen Auszug aus Ägypten, bei dem die ausgezogenen Israeliten selbst im Gegensatz zu ihren Nachfahren das gelobte Land nicht sehen dürfen und die aus der Gefangenschaft Befreiten, sich dem ägyptischen Dunkel zurücksehnten. Der Vers zu den Häfen, in die ihr nicht einlaufen dürft, ,die Straßen, die ihr nicht betreten werdet, geht, macht sie mit euren Lebenden und markiert sie mit euren Toten! erinnert genauso an die unmittelbar zurückliegende Katastrophe des ersten Bauversuchs des Panamakanals mit über 20.000 (vor allem europäischstämmigen) Toten.

Das Werk wurde von einigen Zeitgenossen Kiplings wie etwas Mark Twain und Henry James sehr kritisch beurteilt. Dabei wurde auch eine Gleichsetzung des amerikanischen manifest destiny mit dem klassischen Kolonialismus abgelehnt, wie das unterstellte Bemühen, Kolonialisierung zum humanitären Akt umzudeuten.

Eine derartige Interpretation ist jedoch nicht unumstritten. Kiplings (“East is East und West is West, and never the twain shall meet.”) deutet das Verhältnis von Orient und Okzident und damit auch von der „Bürde des weißen Mannes“ etwas differenzierter. Osten und Westen stellen dabei so etwas wie „zwei Seiten einer Münze“ dar,[6] die vom jeweils anderen in ihrer Komplexität nicht vollständig wahrgenommen werden können. „East” und „West“ stehen auf jeweils einem anderen kulturellen Fundament und zeichnen sich eben durch ihre Unähnlichkeit aus, bedingen sich aber trotzdem gegenseitig. Die Bürde des weißen Mannes, „Licht“ in den dunklen Orient zu bringen, kann auch eine fehlgeleitete Selbstverpflichtung darstellen und muss nicht unbedingt eine weltliche Mission zum Gegenstand haben.

Steve Sailer nannte in einem Vergleich von Kiplings Der Mann, der König sein wollte und dem Krieg in Afghanistan, Kiplings Aussage einer imperialen Verpflichtung als durchaus aktuell. Er nahm dabei ein Bonmot John Derbyshires auf, wonach Kipling „ein Imperialist sei, der vollkommen ohne jede Illusionen war, was es bedeutet ein Imperialist zu sein. Was in mancher Hinsicht zeigt, dass er nicht wirklich ein Imperialist war.“[7]

Andere betrachten das Gedicht als eine weinerliche Rechtfertigung vermessener, von Überheblichkeit geprägter Ungerechtigkeiten.[8]

Text[Bearbeiten]

Take up the White Man's burden—
Send forth the best ye breed—
Go bind your sons to exile
To serve your captives' need;
To wait in heavy harness,
On fluttered folk and wild—
Your new-caught, sullen peoples,
Half-devil and half-child.

Take up the White Man's burden—
In patience to abide,
To veil the threat of terror
And check the show of pride;
By open speech and simple,
An hundred times made plain
To seek another's profit,
And work another's gain.

Take up the White Man's burden—
The savage wars of peace—
Fill full the mouth of Famine
And bid the sickness cease;
And when your goal is nearest
The end for others sought,
Watch sloth and heathen Folly
Bring all your hopes to naught.

Take up the White Man's burden—
No tawdry rule of kings,
But toil of serf and sweeper—
The tale of common things.
The ports ye shall not enter,
The roads ye shall not tread,
Go make them with your living,
And mark them with your dead.

Take up the White Man's burden—
And reap his old reward:
The blame of those ye better,
The hate of those ye guard—
The cry of hosts ye humour
(Ah, slowly!) toward the light
"Why brought he us from bondage,
Our loved Egyptian night?"

Take up the White Man's burden—
Ye dare not stoop to less—
Nor call too loud on Freedom
To cloak your weariness;
By all ye cry or whisper,
By all ye leave or do,
The silent, sullen peoples
Shall weigh your gods and you.

Take up the White Man's burden—
Have done with childish days—
The lightly proferred laurel,
The easy, ungrudged praise.
Comes now, to search your manhood
Through all the thankless years
Cold, edged with dear-bought wisdom,
The judgment of your peers.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: The White Man's Burden – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „The White Man's Burden.“ McClure's Magazine 12 (Feb. 1899).
  2. Stuart Creighton Miller: Benevolent Assimilation: The American Conquest of the Philippines, 1899–1903. Yale University Press, 1982, ISBN 0-300-03081-9. S. 5: „...imperialistische Schreiber forderten die ganze Halbinsel im Namen der Bürde des Weisen Mannes in Beschlag zu nehmen“
  3. Denis Judd: Diamonds are forever: Kipling's imperialism; poems of Rudyard Kipling. In: History Today. 47, Nr. 6, Juni 1997, S. 37.
  4. Beispiele für die damalige Aufnahme in Massenmedien (1899–1902):
  5. Benjamin Pimentel: The Philippines; „Liberator“ Was Really a Colonizer; Bush's revisionist history. The San Francisco Chronicle, 26. Oktober 2003.: Das Gedicht gilt dabei als Aufruf zum Imperialismus.
  6. Janwillem van de Wetering: Das Koan und andere Zen-Geschichten. Rowohlt, Reinbek 1996, ISBN 3-499-60270-9.
  7. Steve Sailer: What Will Happen In Afghanistan?. United Press International. 26. September 2001.
  8. Pankaj Mishra: Auf den Ruinen des Imperiums, in: Le Monde Diplomatique, Januar 2013, S. 12