Ku-Klux-Klan
Der Ku-Klux-Klan (abgekürzt KKK) ist ein rassistischer Geheimbund in den Südstaaten der USA. Ziel des Klans war nach der Gründung am 24. Dezember 1865 vor allem die Unterdrückung der Schwarzen. Seine Gewalttaten richteten sich zunächst gegen Schwarze und deren Beschützer sowie gegen die zahlreichen ehemaligen Nordstaatler, die am Wiederaufbau des Südens (Reconstruction) nach dem Sezessionskrieg profitieren wollten. Die Mitglieder des Klans nennen sich selbst Knights of the Ku Klux Klan („Ritter des Ku-Klux-Klans“). Das klandestine, geheimpolitische Netz der Organisation ist bei Mitgliedern unter dem Namen Invisible Empire („Unsichtbares Reich“) bekannt. Es gibt enge Verbindungen des Klans zu anderen rassistischen Gruppierungen, wie zum Beispiel der World Church of the Creator, einer Glaubensgemeinschaft, die in der Vergangenheit u. a. durch die Verbreitung rassistischer Computerspiele über das Internet aufgefallen ist. In Kanada, Australien und mehreren europäischen Ländern, darunter Deutschland, gibt es Zweigorganisationen des Klans.
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Etymologie[Bearbeiten]
Der Name Ku-Klux-Klan kommt von kyklos, dem griechischen Wort für Kreis – das entsprechende englische Wort circle kann auch für einen geheimen Zusammenschluss, einen „Zirkel“ von Eingeweihten, stehen. Das Wort wurde in zwei Silben getrennt. Da alle Gründungsmitglieder schottischer Abstammung waren, wurde clan hinzugefügt, der Alliteration wegen aber mit K geschrieben.
Nach einer anderen These ist der Name Ku-Klux-Klan lautmalerisch dem Geräusch beim Spannen eines Gewehrhahnes nachempfunden. Eine weitere Vermutung lautet, dass der Name vom lateinischen Wort lux (Licht) abgeleitet wurde.
Geschichte[Bearbeiten]
Der Klan der Reconstruction-Ära[Bearbeiten]
Gründung[Bearbeiten]
Der ursprüngliche Ku-Klux-Klan wurde am 24. Dezember 1865 in Pulaski, Tennessee, gegründet. Die Gründer waren sechs Offiziere der im amerikanischen Bürgerkrieg unterlegenen Konföderation: Calvin E. Jones, John B. Kennedy, Frank O. McCord, John C. Lester, Richard R. Reed und James R. Crowe.
Dieser ursprüngliche Klan hatte keine politische Zielsetzung. Eine politische Dimension bekam der Klan erst, als man erkannte, dass sich ehemalige Sklaven von den nächtlichen, maskierten Ausritten der Klanmitglieder einschüchtern ließen. Schon bald erhielt der Klan Zustrom aus dem ganzen Süden der USA, da die Südstaatler die von den Nordstaaten eingeführte Gleichstellung und Gleichbehandlung von Schwarzen und Weißen nicht akzeptieren wollten.
Bundeskongress in Nashville 1867[Bearbeiten]
Den Gründungsmitgliedern entglitt bald die Führung des Klans. Um die zahlreichen Ortsgruppen als gemeinsame Organisation zusammenzufassen und unter einheitliche Führung zu stellen, organisierte man Anfang 1867 in Nashville, Tennessee, einen Bundeskongress des KKK. Auf dieser Versammlung gab man sich eine Verfassung und wählte den Ex-Südstaatengeneral Nathan Bedford Forrest zum ersten „Großen Hexenmeister“ (Grand Wizard) des Ku-Klux-Klans. Forrests Macht war aber mehr symbolisch, da die einzelnen Klangruppen weiterhin unabhängig voneinander operierten. In jener Zeit hatte der Klan etwa eine halbe Million aktiver Mitglieder und unzählige Sympathisanten im gesamten Süden.
Jener Klan der Rekonstruktionszeit hinderte die Schwarzen an der Wahrnehmung und Ausübung ihrer damals neu erworbenen Bürgerrechte. Das geschah durch Einschüchterung, Brandstiftung, körperliche Gewalt, Entführung und Mord. Er richtete sich jedoch nicht bloß gegen die ehemaligen Sklaven, Opfer des Klans wurden auch die sogenannten scalawags (englisch für ein im Wachstum zurückgebliebenes Tier, im Südstaaten-Slang Name für Kollaborateure mit den Yankees, Kriegsgewinnler und Bürgerrechtsaktivisten), Mitglieder der Republikanischen Partei sowie der United States Army und ihrer Administration (vgl. carpetbaggers).
Auflösung 1871[Bearbeiten]
Nach Erlassung der sogenannten Ku-Klux-Acts, einer Gesetzesreihe, die die Terrorakte im Süden eindämmen sollte, und einem gescheiterten Versuch der Bundesführung, über Nathan Bedford Forrest die Klan-Mitglieder zur Räson zu bringen, löste jener den Klan 1871 offiziell auf. Doch bei der Auflösung wurde klar, wie gering die tatsächliche Macht des „Großen Hexenmeisters“ war: Nur in Arkansas und Tennessee wurde seinem Befehl Folge geleistet, vor allem in Alabama, Georgia, Mississippi, North- und South Carolina stieg das Ausmaß der Gewaltdelikte dagegen sogar an.
Politische Bedeutung und tatsächliches Ende[Bearbeiten]
Der Klan verschwand erst allmählich, jedoch nicht aufgrund öffentlichen Druckes, sondern weil er im Grunde genommen seine politischen Ziele erreicht und sich damit selbst überholt hatte: 1874 hatten die Demokraten wieder die Mehrheit im Repräsentantenhaus erhalten, zwei Jahre später war ihre Alleinherrschaft im Süden de facto wiederhergestellt.
Trotz allem wird die tatsächliche politische Macht des KKK der Rekonstruktionszeit heute oftmals überschätzt. Er war niemals auch nur annähernd in der Lage, die Vorkriegszustände wiederherzustellen, weder auf politischem Weg noch auf der Basis von Terrorübergriffen.
Der Klan im 20. Jahrhundert[Bearbeiten]
Neugründung 1915[Bearbeiten]
Am 8. Februar 1915 hatte in Los Angeles D. W. Griffiths epischer Film Die Geburt einer Nation Premiere. Die auf dem Buch The Clansmen von Thomas Dixon basierende Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des Bürgerkrieges und der Rekonstruktionsära war ein großer Erfolg; im ersten Jahr besuchten eine Million Zuschauer den Film, bis 1932 spielte er 10 Millionen Dollar ein.
Die Wirkung des Films auf die Bevölkerung war enorm, sodass sich der Hass auf Schwarze verstärkte und der Klan wieder eine breite Unterstützung in den Südstaaten bekam. Man war der Meinung, dass den „Schwarzen Bestien“ Einhalt geboten werden musste.
Diese durch den Erfolgsfilm hervorgerufene Stimmung und die damalige allgemeine Meinung der amerikanischen Öffentlichkeit, den Bürgerkrieg und seine Ursachen und Auswirkungen als Fehler zu sehen, nutzte der ehemalige Methodistenprediger William Joseph Simmons, um den Klan wiederauferstehen zu lassen: Am Thanksgiving-Tag 1915 hielt er die erste Aufnahmezeremonie des 20. Jahrhunderts am Stone Mountain, östlich von Atlanta, ab. Er erweiterte das mythische Repertoire des Klans um das brennende Feuerkreuz, das heute als Symbol des KKK allgemein bekannt ist.
Dieser neue Klan erfreute sich regen Zustroms, vor allem, weil die Greueltaten der Rekonstruktionszeit bereits vergessen und durch Griffiths Film durch ein Bild des „Heroischen“ ersetzt worden waren. Zu dem „Heroischen“ des Klans gehörten auch die fantasievollen Klanstitel; so hießen die oberen Klanführer zum Beispiel Grand Dragon („Großer Drache“), Grand Cyclops („Großer Zyklop“) oder Imperial Wizard („Imperialer Hexenmeister“).
Gemeinsam mit dem für die Klan-Propaganda zuständigen Edward Young Clarke baute Simmons den Klan zu einem profitablen Unternehmen aus. Aus kommerziellen und ideologischen Gründen wandte sich der neue Klan nun gegen Neueinwanderer, politisch engagierte Arbeiter und Gewerkschaftsfunktionäre, Intellektuelle, Juden, Katholiken und Gegner der 1920 bis 1933 bestehenden Alkoholprohibition, die so genannten „Nassen“ (wets). Der Klan wurde von einer regionalen, bereits in Vergessenheit geratenen paramilitärischen Organisation zu einer nationalen Bewegung, die sich nicht mehr nur auf die Südstaaten beschränkte.
Die Ära Evans 1922–1939[Bearbeiten]
Unstimmigkeiten zwischen den Klanführern führten dazu, dass zunächst Simmons, später auch Clarke (der daraufhin seinen eigenen Klan, das Supreme Kingdom gründete), den KKK verließen und im November 1922 Wesley Hiram Evans, ein Zahnarzt aus Dallas, die Klanführung übernahm.
In den 1920er Jahren breitete sich der Klan in den gesamten USA aus. Unter Evans stieg der Klan zu einer mächtigen Geheimorganisation auf, der es gelang, hunderte Richter, Sheriffs und Bürgermeister klanfreundlich zu stimmen und entwickelte sogar eine Partnerschaft mit der Pillar of Fire Church, die die Methodistin Alma Bridwell White gegründet hatte. Neue Mitglieder bezahlten 10$ Aufnahmegebühr, um den Klangruppen beitreten zu dürfen. Die protestantische Kirche wurde vom Klan genutzt, um zu zeigen, wann der Klan in eine neue Stadt kam: Sie suchten (nach vorheriger Absprache mit dem Pfarrer) den Sonntagsgottesdienst auf und hinterließen eine Spende, die vom Pfarrer entgegengenommen und gesegnet wurde. Wenn dies geschehen war, wussten die Menschen, dass der Klan nun auch in ihrer Stadt war.[1]
Dadurch, dass der Ku-Klux-Klan nun auch die amerikanische Flagge und heilige christliche Symbole, wie z. B. das Kreuz, benutzte und damit dem Selbstverständnis der weißen, protestantischen Mehrheitsbevölkerung der USA entgegenkam, fiel es ihm angesichts der steigenden Unzufriedenheit in der weißen Mittelschicht leicht, neue Mitglieder anzuwerben. Der Klan zählte 1922 3 Mio. Mitglieder und stand 1924 mit rund 4,5 Mio. Mitgliedern[2] auf dem Höhepunkt seines Einflusses. Einige aktive Ku-Kluxer waren sogar angesehene Politiker im Senat, im Repräsentantenhaus oder auf untergeordneter Ebene. Sogar einzelnen Präsidenten werden Mitgliedschaften im Klan nachgesagt. Von Präsident Warren G. Harding ist bekannt, dass er im Weißen Haus von Alton Milford Young (dem Empire Kludd) die feierliche Klansweihe erhielt, bei der er kniend, unter Anwesenheit von Evans (Empire Wizzard) und Richter Comer aus Alabama (Klalif) den Eid ablegte.[3] Unter Evans war der Klan politisch am aktivsten, zudem steigerten sich die Terrorakte immens. Der KKK setzte sich über bestehende Gesetze hinweg und agierte als eigene Macht im Staat. Es traten im Zuge der Emanzipation auch Frauen in den KKK ein, die eigene Gruppen, wie Women of the Ku Klux Klan, gründeten. Zwischenzeitlich waren bis zu 500.000 Frauen Mitglieder des Ku-Klux-Klan.
Am 15. September 1923 verhängte der Bundesstaat Oklahoma als Maßnahme gegen den Terror und das Morden des Geheimbundes sogar das Kriegsrecht, eine Maßnahme, die den Einfluss des KKK allerdings nicht mindern konnte. Es kam jedoch immer öfter zu Streitigkeiten, Abspaltungen und separaten Klan-Gründungen. Evans musste des Öfteren Zivilgerichte einschalten, wodurch das Ansehen des Klans weiter sank. 1925 wurde der „Große Drache“ D. C. Stephenson wegen Vergewaltigung und Mord an einer Lehrerin, die in einem Programm zur Überwindung des Analphabetismus aktiv war, von einem Gericht angeklagt. Nach seiner Verurteilung zu einer lebenslänglichen Haftstrafe enthüllte Stephenson Listen über zahlreiche Bestechungsgelder des Klans. Als Folge seiner Enthüllungen mussten mehrere Politiker zurücktreten. Einfache Mitglieder wurden abgeschreckt und die Mitgliederzahl sank enorm.
Der Grund für den weiteren Mitgliederschwund waren auch die durch die Medien berichteten Verbrechen des Klans, die der Klan-Eigendarstellung des Bewahrers von Recht und Ordnung widersprachen, und die allgemeine negative Presse. Im Jahre 1928 belief sich die Mitgliederanzahl nur noch auf wenige hunderttausend. Hinzu kam die Weltwirtschaftskrise, die dem Klan stark zusetzte. Es gelang dem Ku-Klux-Klan nach der Krise nicht, die steigende Armut und Unzufriedenheit für sich zu nutzen und die weiße Unter- und Mittelschicht engagierte sich stattdessen eher vermehrt in zum Klan gegnerischen Gruppen wie den Gewerkschaften.
Letztlich sah sich Evans gezwungen, den Klan 1939 zu verkaufen. Seit 1928 nicht mehr Geheimbund, erhielt der Klan in den 1960er-Jahren wieder etwas Zulauf.
Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]
Die beiden Käufer, James H. Colescott und Samuel Green, versuchten, sich mit den Nationalsozialisten zu verbünden. Der japanische Angriff auf Pearl Harbor und die bald darauf erfolgende Kriegserklärung durch das Deutsche Reich machte ihnen diese Pläne jedoch zunichte. Nach Steuerforderungen des Staates mussten sie den Klan 1944 offiziell ein zweites Mal auflösen.
1960er Jahre[Bearbeiten]
Zeitgleich mit dem Aufkommen der Bürgerrechtsbewegung in den 1950er Jahren kam es zu einer Wiederbelebung verschiedener Klanorganisationen.[4] Die bedeutendste von ihnen waren die White Knights of the Ku Klux Klan („Weiße Ritter des Ku-Klux-Klan“) im Bundesstaat Mississippi, die von Samuel Bowers geführt wurden. Im Süden wurde von den Klan-Anhängern erheblicher Druck auf die Schwarzen ausgeübt, nicht zu wählen. So waren z. B. im Jahr 1960 42 % der Bevölkerung des Bundesstaates Mississippi Schwarze, aber nur 6 % hatten ein registriertes Wahlrecht und gerade 2 % gingen wirklich wählen.
Die neubelebten Klan-Gruppen waren verantwortlich für gewalttätige Angriffe gegen Schwarze und Bürgerrechtler in Städten überall im Süden, wie Jacksonville und St. Augustine in Florida, Birmingham und Montgomery in Alabama und Meridian in Mississippi. Trotz all dieser Bemühungen war der neue Klan nicht stark und zum Ende des Jahrzehnts hatte sich die Stärke und Mitgliederzahl praktisch auf null reduziert.
Des Weiteren begann das FBI, den Klan systematisch durch bezahlte Informanten zu infiltrieren. Dies führte dazu, dass einige Morde (u. a. an den Führern der Bürgerrechtsbewegung COFO) aufgeklärt werden konnten.[5] Trotz der klaren Beweislage lehnte der Staat Mississippi es ab, Anklage zu erheben. Im Fall der ermordeten COFO-Anführer schritt schließlich das US-Justizministerium ein, was zu einer Verurteilung der Mörder führte. Eine Verurteilung blieb aber meist die Ausnahme, da die Täter oftmals von sympathisierenden Jurymitgliedern freigesprochen wurden.
Langsam vollzog sich ein Wandel und es wurden immer mehr Klanmitglieder, zunächst hauptsächlich durch das Justizministerium auf Bundesebene, angeklagt. Der Hauptgrund für den Niedergang des KKK war die sich immer mehr durchsetzende Bürgerrechtsbewegung. Von da an nahm die Popularität der Ku-Klux-Klans immer weiter ab, bis die Mitgliederzahl Ende der 1960er auf gerade noch 1200 Mitglieder geschätzt wurde.
Die Ermittlungen zu einem Mord von Klanmitgliedern an Bürgerrechtsaktivisten im Jahre 1964 wurden 2006 wieder aufgenommen und abgeschlossen.
1970er Jahre[Bearbeiten]
Da die strikte Rassentrennung sich nicht mehr durchsetzen ließ und der Klan unter 2000 Mitglieder zählte, war die Organisation nur noch in Diskussionen um die Rassentrennung im Alltag und die Quotenreglung (Anteil an schwarzen Schülern) von Bedeutung.
Erst durch den neuen Anführer David Duke, der durch sein seriöses Auftreten und seinen geschickten Umgang mit den Medien versuchte, das Image des Ku-Klux-Klans zu verbessern, erfuhr dieser wieder einen leichten Aufschwung, sodass die Mitgliederanzahl auf 3500 stieg. Doch Dukes Auftreten und seine Politik stießen teilweise auf Kritik in den eigenen Reihen, sodass sich einige Gruppen abspalteten, um erneut zu versuchen, ihre Ziele mit Gewalt zu erreichen.
1975 (und erneut 1991) kandidierte Duke erfolglos für einen Sitz im Senat von Louisiana; 1979 schied er aus der Führungsebene des Klans aus. 1988 und 1992 bewarb er sich vergeblich um das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten.
1980er Jahre[Bearbeiten]
Ein weiterer schwerer Schlag für den Ku-Klux-Klan war es, als im Jahre 1987 die größte noch bestehende Klan-Gruppe United Klans of America (Vereinigte Klans von Amerika) aufgrund einer Zivilrechtsklage aufgelöst werden musste. Die Anti-Klan-Organisation „Klanwatch“ hatte der Mutter des vom Klan ermordeten Michael Donald zu dieser (weiteren) Klage geraten, nachdem die Mörder ihres Sohnes bereits verurteilt worden waren. Die vereinigten Klans von Amerika wurden wegen der Aufrufe zu Gewalttaten und Morden ihrer Anführer zu einer Strafe von 7.000.000$ verurteilt, welche sie nicht bezahlen konnten. Das gesamte Eigentum der Gruppe wurde an die Kläger übergeben und die Gruppe aufgelöst.
Es kam zwar weiter zu sporadischen Gewaltakten, doch die Klansmänner hielten sich stärker zurück, da ihnen bewusst wurde, dass sie nun, im Gegensatz zur Vergangenheit, auch zum Tode verurteilt werden konnten.
1990er Jahre[Bearbeiten]
Im Jahre 1997 wurde das Klanmitglied Henry Hays wegen des Mordes an Michael Donald hingerichtet. Er war seit 1913 der erste Weiße, der in Alabama wegen Mordes an einem Schwarzen hingerichtet wurde.[6]
Jüngste Entwicklung[Bearbeiten]
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts schätzte man die Mitgliederzahl auf 5000 Klansmänner. Der Klan tritt nicht als geschlossene Organisation auf, sondern verteilt sich auf einzelne unabhängige Sektionen über die Vereinigten Staaten.[7]
Seit 1995 bekämpft der Klan gezielt schwarze Kirchengemeinden. Es wurden mehr als 180 Kirchen afroamerikanischer Gemeinden in den letzten Jahren durch Brandanschläge zerstört. Es wird vermutet, dass der KKK an diesen Brandanschlägen beteiligt war.
Seit der Wahl von Barack Obama zum Präsidenten verzeichnet der Ku-Klux-Klan neuen Zulauf und setzt in seiner heutigen Eigendarstellung auf ein moderneres und bürgerliches Erscheinungsbild.[8]
In den letzten Jahren sucht der Klan vermehrt Kontakt zu anderen rechtsextremen Bewegungen.[9]
Doktrin[Bearbeiten]
Der Ku-Klux-Klan sieht sich selbst als eine radikal protestantische Organisation. Von den frühen 1900er Jahren durch die 1940er hinweg sahen hunderttausende fundamentalistischer Protestanten (vor allem aus dem Mittleren Westen, aber mit der Zeit auch wieder aus dem Süden) den KKK als Teil ihres Glaubens. Millionen weitere sahen die Methoden des KKK zwar als tadelnswert und extrem an, erkannten die Mitglieder aber trotzdem als vollwertige Christen an und stimmten mit der Meinung des Klans überein, dass weiße Protestanten von Geburt an anderen Gruppen überlegen seien. Zu dieser Zeit wurde die Unterdrückung von Schwarzen, Juden und Katholiken von vielen als Teil von „Gottes Plan“ gesehen.
Die KKK-Mitglieder verstehen sich als verfassungstreue Patrioten; bei Aufnahme in den Klan wird ein Eid auf die US-Verfassung abgelegt. Einige amerikanische Neonazis lehnen den KKK daher als zu gemäßigt ab.
Zeichen und Symbole[Bearbeiten]
Im Gegensatz zum Klan in seiner originalen Erscheinungsform des 19. Jahrhunderts, welcher keine Flaggen oder Symbole hatte, konzentrierte sich die 1915 entstandene Version auf den Gebrauch der amerikanischen Flagge, was Materialien und Fotografien aus den Zwanzigern des 20. Jahrhunderts, dem Höhepunkt dieses Klans, bezeugen.
In den 50er und 60er Jahren versuchten einige Klangruppen sich die Kriegsflagge der Konföderation (vgl. Andreaskreuz) anzueignen, um sie im Kampf gegen die Aufhebung der Rassentrennung im Süden der USA zu benutzen. Diese Identifikation mit südlichen Symbolen ist von historischen Aktivisten im – den Klan dominierenden – Mittleren Westen weitgehend nicht anerkannt worden. In seiner derzeitigen zersplitterten Form benutzen einige Instanzen des KKK noch immer die konföderierte Kriegsflagge und die amerikanische Flagge, allerdings ohne offizielle Anerkennung.
Wohl bekanntestes Symbol des KKK ist das brennende Kreuz. Es soll das Licht Jesu Christi symbolisieren, da sich der Klan als radikale protestantische Organisation sieht.
Zur Verwendung der weißen Kapuzengewänder gibt es zwei Theorien:
- Die Gewänder repräsentieren Geister der im Amerikanischen Bürgerkrieg gefallenen Konföderationssoldaten, die vom Tode auferstanden sind, um sich an ihren Feinden zu rächen. Treffen finden daher meist im Schutze der Nacht statt.
- Die weißen Kapuzengewänder symbolisieren Reinheit und Sauberkeit, in Abgrenzung zu den von KKK-Mitgliedern als schmutzig und minderwertig wahrgenommenen Gruppen wie etwa den Schwarzen.
Politischer Einfluss[Bearbeiten]
Der zweite Ku-Klux-Klan gewann vom Mittleren Westen ausgehend bis in den Süden und Nordosten bis 1925 an Bedeutung und Verbreitung und zählte zu dieser Zeit viele Politiker zu seinen Mitgliedern. Auch pflegte der Klan anlässlich der Präsidentschaftswahlen Wahlempfehlungen abzugeben.
Ein ehemaliges Klanmitglied mit nationaler Bedeutung war Hugo Black, Richter am Supreme Court, der die rassistischen Ansichten des Klans später ablehnte und oft gegen die Gerichtsmehrheit im Sinne von Schwarzen urteilte. Carl Sagan sagte über Black: „Als junger Mann trug er weiße Roben und verängstigte Schwarze, als alter Mann trug er schwarze Roben und verängstigte Weiße.“
Der verstorbene Senator Robert Byrd aus West Virginia war ebenfalls ein ehemaliges Mitglied des KKK. Er entsagte dem Klan bei mehreren Anlässen und beschrieb seinen Beitritt als seinen „größten Fehler“.[10]
Der Klan außerhalb der Vereinigten Staaten[Bearbeiten]
Auch in Kanada gab und gibt es einen Klan. In der mittelwestlichen Provinz Saskatchewan hatte der Klan von 1929 bis 1934 unter James Anderson Einfluss auf die Regierung.
In Australien baute ein früheres Mitglied der One Nation Party, Peter Coleman, in den späten 1990ern einen Klan auf.[11][12] In den 2000er Jahren gab es Versuche des KKK, die Australia First Party zu infiltrieren.[13]
Der europäische Ableger des Ku-Klux-Klan sind die European White Knights of the Burning Cross. Untergruppen gibt es, laut Aussagen des Klans, im Vereinigten Königreich, in Deutschland, Frankreich, Griechenland, Österreich, der Schweiz und Schweden.[14]
Der Klan in Deutschland[Bearbeiten]
In Deutschland existierte bereits in den 1920ern ein Ku-Klux-Klan-Ableger. Die Gruppe mit dem Namen Ritter des Feurigen Kreuzes soll etwa 1000 Mitglieder gehabt haben. Da der Klan es ablehnte von der NS-Regierung kontrolliert zu werden wurde er nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zwangsaufgelöst. In der Nachkriegszeit entstanden neue kleine Klan-Gruppen, welche sich größtenteils an den US-Klan anlehnten.[15][16] In Deutschland hatten in Bitburg stationierte US-Soldaten gemeinsam mit rassistischen Deutschen 1980 einen KKK-Ableger gegründet. 1991 bildete sich erneut eine Klan-Gruppe, die sich nach der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens 1992 aber wieder auflöste. Nach einem Bericht der ARD habe ein Treffen mit dem Amerikaner Dennis Mahon in einem brandenburgischen Waldstück stattgefunden.[17][18] 1992 sollen mutmaßliche Anhänger des KKK in Brandenburg einen nigerianischen Asylbewerber fast totgeschlagen und in einen See geworfen haben.[19]
Anfang der Neunziger Jahre produzierte der freischaffende Film-Redakteur Michael Born für Stern-TV einen Beitrag über einen angeblichen Ku-Klux-Klan in der Eifel. Der Beitrag flog später als Fälschung auf. Die Kostüme waren selbst gefertigt, die Darsteller waren Freunde des Journalisten.[20][21]
Mitte der Neunzigerjahre trafen sich etwa 20 Neonazis in der Nähe von Jena und verbrannten Kreuze. Teilnehmer waren auch die NSU-Mitglieder Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe sowie der NPD-Politiker Ralf Wohlleben. Die Staatsanwaltschaft Gera erhob damals Anklage, nachdem sie bei Zschäpe Fotos gefunden hatte, auf denen lichterloh brennendes Holz und Personen beim Hitlergruß zu sehen waren.[22] Der Untersuchungsausschuss zur NSU befragte im Frühjahr 2013 den V-Mann „Corelli“ (Thomas R.) aus Sachsen-Anhalt.[23] Er soll einer der Mitbegründer eines Ablegers des KKK in Baden-Württemberg gewesen sein und den Rang eines Kleagles (Anwerber) innegehabt haben.[24]
2012 wurde bekannt, dass in Baden-Württemberg zwei Böblinger Polizisten Mitglieder der European White Knights of the Ku Klux Klan waren. Dieser Ableger soll von 2000 bis 2002 mit etwa 10 Mitgliedern existiert haben.[25] Der Fall erhielt zusätzlich Brisanz, da es sich bei den Polizisten um Kollegen der ermordeten Polizistin Michèle Kiesewetter handelt.[26] Zudem war öffentlich geworden, dass der Fall von den Behörden zehn Jahre lang geheim gehalten wurde. 2004 wurde ein Disziplinarverfahren betrieben, das mit einer Rüge für die Beamten endete. Die beiden waren auf der Geyersburg in Untermünkheim (Kreis Schwäbisch Hall) mit einem Blutritual in den Ku-Klux-Klan aufgenommen worden, nach einigen Monaten aber wieder ausgetreten. Beide befanden sich 2012 noch im Dienst.[27] Im Oktober 2012 bestätigte Reinhold Gall den Verdacht, dass auch der baden-württembergische Verfassungsschutz in die Vorgänge verstrickt ist. Ein Mitarbeiter des Amtes soll damals den Anführer des Schwäbisch Haller Ku-Klux-Klan-Ablegers darüber informiert haben, dass sein Telefon überwacht wird. Nach dem Bekanntwerden des Verrats wurde dieser nach SWR-Recherchen im gleichen Jahr zum Regierungspräsidium Stuttgart abgeordnet. Damit blieb er formal Mitarbeiter des Verfassungsschutzes und arbeitete in der Zentralabteilung. In seiner Zeit beim Regierungspräsidium kam es dann offenbar erneut zu einem Zwischenfall, der mit einem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft geahndet wurde. Aus Kreisen der Landesverwaltung hieß es, der Mann habe sich in einem minder schweren Fall „distanzlos“ verhalten.[28] Der im Ku-Klux-Klan als „Ryan Davis“ bekannte Achim S., der in den USA eine Ausbildung zum „Grand Dragon“ gemacht hatte,[29] hatte die schwäbische Klan-Gruppe im Jahr 2000 gegründet, fiel durch die Teilnahme an NPD-Veranstaltungen auf[30] und war Solist bei den Neonazi-Bands Wolfsrudel und Celtic Moon.[31] 2003 traf sich Achim S. mit dem Verfassungsschutz, dabei sagte er aus, dass die Polizisten damit angegeben hätten, einen „Neger“ verhaftet und dann mit weißen Kutten verkleidet in der Zelle aufgesucht zu haben.[32] Laut S. soll es in Stuttgart eine Gruppe von zehn bis zwanzig Polizisten gegeben haben, „deren verbindendes Element ein klar rechtsextremistisches Weltbild war“, [33] zeitweise hätten bis zu sechs Beamte die Nähe zu dem Geheimbund gesucht. Ebenso soll eine Polizistin Kontakt zum Klan gehabt haben, die für das Drogendezernat gearbeitet und einen starken Hass „auf Schwarze“ gehabt habe.[34]
Aufsehen erregte auch im Jahr 2011 eine Kreuzverbrennung bei Grabow (Mecklenburg-Vorpommern), wodurch deutsche Medien auf den Klan aufmerksam wurden.[35] Veranstaltet haben soll die Kreuzverbrennung eine Klan-Gruppe um einen selbsternannten Bischof aus Berlin.[36]
Ein ehemaliges Mitglied erwähnte in einem Interview im November 2012, dass es auch in Sulzbach/Murr, Ansbach und in Hessen Treffen des Klans gegeben haben soll.[37]
Der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen gab 2013 bekannt, dass es seit Juli 2011 einen Internet-Auftritt Teutonische Ritter des Ku Klux Klan in Deutschland – Distrikt NRW gibt. Die Zahl der Mitglieder betrage „unter zehn“, einige von ihnen seien bereits als Rechtsextremisten bekannt gewesen. Im November 2011 sei in Köln ein Auftritt von David Duke geplant gewesen, der jedoch vor seiner geplanten Rede festgenommen und ausgewiesen worden war.[38]
Laut Informationen der Südwest Presse sind einige ehemalige KKK-Mitglieder heute in der NPD aktiv.[39]
Literarische und filmische Rezeption[Bearbeiten]
- Die Geburt einer Nation (The Birth of a Nation, Spielfilm 1915)
- Verflucht sind sie alle (The Klansman, Verfilmung 1974)
- Nach einem Buch von William Bradford Huie, u. a. mit Lee Marvin, Richard Burton und O. J. Simpson.
- Verraten (Betrayed, 1988)
- Mississippi Burning – Die Wurzel des Hasses (Mississippi Burning, Filmdrama 1988)
- Der in den USA von MGM gedrehte Spielfilm thematisiert die Ermordung der drei Bürgerrechtler James Earl Chaney, Michael Schwerner und Andrew Goodman in Neshoba County, Mississippi, am 21. Juni 1964 durch Mitglieder des Ku-Klux-Klans (vgl. Edgar Ray Killen).
- Das Attentat (Ghosts of Mississippi, 1996)
- Die Jury (A Time to Kill, 1989), Roman von John Grisham, sowie der darauf basierende Film Die Jury (A Time to Kill, 1996)
- Die Kammer (The Chamber, 1994), Roman von John Grisham, sowie der darauf basierende Film Die Kammer (The Chamber, 1996)
Siehe auch[Bearbeiten]
Weblinks[Bearbeiten]
- Southern Poverty Law Center: U.S. Hate Groups Map — Ku Klux Klan
- The ADL on the KKK
- Spartacus Education about the KKK
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ „Hooded Americanism“ von David Chalmers.
- ↑ Howard Zinn: A People’s History of the United States. Harper Perennial, New York 2005, ISBN 0-06-083865-5, S. 382
- ↑ Stetson Kennedy: Ich ritt mit dem Ku-Klux-Klan, Rütten & Loening, Berlin, 2.Auflage 1955.
- ↑ vander Zanden, James W. (1960): „The Klan Revival“, American Journal of Sociology, Vol. 65 (5): 456-462, 456.
- ↑ KKK-Führer nach 40 Jahren verhaftet
- ↑ Ku Klux Klan in: spartacus.schoolnet.co.uk
- ↑ About the Ku Klux Klan, in: archive.adl.org
- ↑ Obama Win Fuels Ku Klux Klan Membership, in: nowpublic.com vom 1. Februar 2009
- ↑ Ku Klux Klan - Affiliations, in: archive.adl.org
- ↑ Eric Pianin: A Senator's Shame. Washington Post, 19. Juni 2005, abgerufen am 21. August 2011 (englisch).
- ↑ BBC: Ku Klux Klan sets up Australian branch
- ↑ NZ Herald: Dark mystique of the KKK
- ↑ Sydney Morning Herald: We have infiltrated party: KKK
- ↑ Daily Mirror: We expose vile racist biker as British leader of the Ku Klux Klan
- ↑ Reichstagsprotokolle: c) Vorgehen der Berliner politischen Polizei in der Frage des »Ordens der Ritter vom Feurigen Kreuz«: Bd. 390, 204. Sitz. S. 7292D .
- ↑ Reichstagsprotokolle: 1924/28,7: Vorgehen der Berliner politischen Polizei in der Frage des »Ordens der Ritter vom Feurigen Kreuz«
- ↑ Klu Klux Klan: Polizisten bleiben unbehelligt fr-online.de vom 13. August 2012
- ↑ Der Ku-Klux-Klan in Deutschland: Wegbereiter des rassistischen Hasses ARD vom 22. Januar 2013
- ↑ Die Irren vom Ku-Klux-Klan wollen Deutschland erobern express.de vom 13. Januar 2013
- ↑ Wie der Ku-Klux-Klan in die Eifel kam
- ↑ „Ich habe weltweit rund 200 TV-Fälschungen untergebracht“
- ↑ NSU-Morde, Ku-Klux-Klan und die Polizei: Wo beginnt eine Verbrüderung des Staats mit dem Klan? Süddeutsche.de vom 24. Oktober 2012
- ↑ Thumi: „Corelli“ und der NSU, Südwest Presse Online, 13. April 2013, abgerufen am 17. April 2013
- ↑ Nachwuchs für den Ku-Klux-Klan taz.de vom 5. Februar 2013
- ↑ http://www.rtl.de/cms/news/rtl-aktuell/ku-klux-klan-ist-in-deutschland-wieder-aktiv-sektion-in-schwaebisch-hall-gegruendet-2e3a8-51ca-29-1494298.html
- ↑ taz: Schwäbische Beamte beim Ku-Klux-Klan - Polizisten, Ritter und Rassisten
- ↑ Gall erhält Unterlagen zu Geheimnisverrat swr.de vom 23. Oktober 2012
- ↑ Gall erhält Unterlagen zu Geheimnisverrat swr.de vom 23. Oktober 2012
- ↑ Doppeltes Spiel im Kapuzen-Kostüm sueddeutsche.de vom 6. Februar 2013
- ↑ Ku-Klux-Klan-Affäre der Polizei: Liste seltsamer Zufälle Süddeutsche.de vom 17. Oktober 2012
- ↑ Achim S. - wilde Jahre im Ku-Klux-Klan shz.de vom 20. Oktober 2012
- ↑ Es war einmal in Schwaben taz.de vom 9. Februar 2013
- ↑ Hitler-Büste in der Berghütte sueddeutsche.de vom 6. Februar 2013
- ↑ Radikale Beamte beim Ku-Klux-Klan sueddeutsche.de vom 13. Dezember 2012
- ↑ Berliner Kurier: Die kranke Welt der Berliner Kapuzen-Henker
- ↑ Frederik Obermaier, Tanjev Schultz: Kellergeister. In: Süddeutsche Zeitung, 13. Dezember 2012, Seite Drei
- ↑ Kapuzen-Rituale auf der Limpurg swp.de vom 23. November 2012
- ↑ Der Ku-Klux-Klan existiert auch in NRW welt.de vom 1. Februar 2013
- ↑ Ex-Mitglieder des Ku-Klux-Klan sind offenbar in der NPD aktiv, derwesten.de vom 25. Januar 2013