Guam
| Guam Guåhån |
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| Amtssprache | Englisch, Chamorro, Karolinisch | ||||
| Hauptstadt | Hagåtña | ||||
| Staatsform | nichtinkorporiertes Territorium der USA (Außengebiete der Vereinigten Staaten) | ||||
| Staatsoberhaupt | Barack Obama | ||||
| Regierungschef | Gouverneur Eddie Baza Calvo | ||||
| Fläche | 545 km² | ||||
| Einwohnerzahl | 185.427 (Stand April 2012) | ||||
| Bevölkerungsdichte | 340,23 Einwohner pro km² | ||||
| Währung | US-Dollar | ||||
| Nationalhymne | Stand Ye Guamanians | ||||
| Zeitzone | UTC +10 | ||||
| Kfz-Kennzeichen | USA | ||||
| Internet-TLD | .gu | ||||
| Telefonvorwahl | +1 (671) siehe NANP | ||||
Guam (Chamorro: Guåhån) ist die größte und südlichste Insel des Marianen-Archipels im westpazifischen Ozean. Sie ist ein nichtinkorporiertes Territorium der USA (Außengebiete der Vereinigten Staaten). Die Hauptstadt ist Hagåtña, auch bekannt als Agana, bevölkerungsreichste Siedlung allerdings ist Dededo.
Bekannt geworden ist die Insel durch den dort befindlichen strategisch wichtigen US-amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Andersen Air Force Base sowie das spektakuläre Aussterben fast der gesamten einheimischen Vogelwelt durch die wohl während des Zweiten Weltkrieges durch Truppen- und Materialtransporte der US-Amerikaner eingeschleppte Braune Nachtbaumnatter (Boiga irregularis) (siehe auch Neozoen).
Inhaltsverzeichnis |
Geographie [Bearbeiten]
Guam gehört geographisch zu der Inselregion Mikronesien und besteht aus einem flachen, korallinen Kalkplateau auf vulkanischem Untergrund (auch gleichzeitig die Quelle des meisten Süßwassers) mit steil aufragenden Küstenklippen und einer schmalen Küstenebene im Norden, einer flach gewellten Hügellandschaft in der Inselmitte und Bergen im Süden. Die Insel liegt in einer erdbebengefährdeten Zone. In vergangenen Jahren erreichten Erdbeben, deren Epizentren nahe Guam lagen, Stärken von 7,0 bis 8,2 auf der Richter-Skala.
Die Insel liegt 6.298 km westlich von der Insel Hawaii, 2.058 km östlich der Philippinen (Insel Mindanao) und 2.386 km südlich von Japan (Insel Honshū).
Guam ist ungefähr 48 km lang und 18,5 km breit. Die Länge der Küstenlinie beträgt 149 km. Der höchste Punkt der Insel ist der Mount Lamlam (406 m).
Klima [Bearbeiten]
Das Klima auf Guam ist typisch tropisch, es ist generell warm und feucht. Die Trockenzeit dauert traditionell von Januar bis Juli an, die Regenzeit von Juli bis Dezember. In dieser Zeit kann es auch zu zerstörerischen Taifunen kommen, was jedoch selten ist. In den vergangenen Jahren ist diese Trennung zwischen Trocken- und Regenzeit aber immer schwächer geworden, inzwischen muss man zu jeder Jahreszeit mit heftigem Regen rechnen.
Die jährliche Durchschnittstemperatur des Wassers beträgt 27 °C.[1]
Flora und Fauna [Bearbeiten]
Flora und Fauna der Insel Guam sind stark geprägt von den Auswirkungen des Eindringens nichteinheimischer Arten. Besonders ist hierbei das Auftreten und die massenhafte Vermehrung der Braunen Nachtbaumnatter zu nennen, welches unter anderem zum beinahe vollständigen Aussterben der Vogelwelt Guams, darunter zwölf endemischer Vogelarten, führte. Die Guamkrähe (Corvus kubaryi) gilt gemäß IUCN-Klassifikation als vom Aussterben bedroht. Das einzige verbliebene einheimische Säugetier ist der Marianen-Flughund (Pteropus mariannus mariannus), während der Guam-Flughund (Pteropus tokudae) vermutlich ausgestorben ist und der Glattnasen-Freischwanz der Art Emballonura semicaudata auf Guam ebenfalls nicht mehr vorkommt, allerdings noch auf anderen Pazifikinseln anzutreffen ist.[2]
Bevölkerung [Bearbeiten]
Herkunft [Bearbeiten]
Etwa 37,1 % der Einwohner Guams sind Chamorro-Mischlinge indonesisch-spanisch-philippinischer Herkunft, 26,3 % der Bevölkerung sind Filipinos (zum Großteil Malaien), 11,3 % stammen von anderen pazifischen Inseln, 6,9 % sind europäisch, 6,3 % sind koreanischer, chinesischer oder japanischer Herkunft, 2,3 % haben eine andere Herkunft, 9,8 % sind Mischlinge.
Sprache [Bearbeiten]
38,3 % der Bevölkerung sprechen Englisch, welche Amts- und Verkehrssprache ist. Daneben sprechen 22,2 % Chamorro, 22,2 % philippinische Sprachen, 6,8 % sprechen eine Sprache von den anderen Pazifikinseln, 7 % eine asiatische Sprache und 3,5 % eine andere Sprache.
Altersstruktur [Bearbeiten]
- 29,4 % der Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt (davon männlich: 25.645/weiblich: 23.887),
- 64,1 % der Bevölkerung sind 15–64 Jahre alt (davon männlich: 55.115/weiblich: 52.935),
- 6,5 % der Bevölkerung sind 65 oder älter (davon männlich: 5.157/weiblich: 5.825).
Religion [Bearbeiten]
85 % der Bevölkerung bekennen sich zum katholischen Glauben, 15 % bekennen sich zu einer anderen Religion.
Geschichte [Bearbeiten]
Es wird vermutet, dass die Insel um 2000 v. Chr von Seefahrern aus dem südöstlichen Indonesien entdeckt und besiedelt wurde. Eine andere Theorie besagt, dass die Besiedelung der Insel von den Philippinen aus erfolgte. Als Quellen für die Zeit vor den Europäern gelten die Legenden und Mythen der Chamorros, archäologischen Grabungen, Aufzeichnungen von Jesuiten und Forschungen von Wissenschaftlern wie Otto von Kotzebue und Louis de Freycinet.
Am 6. März 1521 steuerte Magellan den Marianen-Archipel an, welchen er nach einigen Missverständnissen mit den Einheimischen „Las Islas de los Ladrones“ (Die Inseln der Diebe) nannte. Fünf Jahre später machte auch das Flaggschiff der glücklosen Loaisa-Expedition Halt auf Guam. Dabei traf die Mannschaft zu ihrer Überraschung auf einen Spanier, Gonzalo de Vigo. Vigo war bei Magellans Weltumsegelung desertiert. 1565 wurde es von Miguel Lopez de Legazpi für Spanien beansprucht. 1668 erreichten Jesuiten die Insel, verbreiteten den christlichen (katholischen) Glauben und änderten den Namen des Archipels in Marianen, nach Marianne von Österreich, der Witwe von Spaniens König Philipp IV.
In Spanisch-Ostindien war Guam ein bedeutender Stützpunkt, der vor allem von den Manila-Galeonen als Zwischenstation auf ihrer langen Reise über den Pazifik genutzt wurde. Diese Schiffe brachten meist einmal im Jahr fernöstliche Waren von den Philippinen nach Mexiko.
Am 21. Juni 1898 eroberten US-Truppen Guam ohne Blutvergießen. Nach der spanischen Niederlage im Spanisch-Amerikanischen Krieg gelangte die Insel 1899 endgültig unter US-amerikanische Verwaltung. Am 8. Dezember 1941, kurz nach dem Angriff auf Pearl Harbor, wurde Guam von den Japanern erobert und blieb bis zum Juli 1944 unter deren Herrschaft. Am 21. Juli begann die Schlacht um Guam mit der Landung US-amerikanischer Truppen und endete am 10. August mit dem Sieg der US-Amerikaner. Die Zeit der Besatzung war eine brutale Erfahrung für die Bevölkerung, da die Japaner ein hartes Besatzungsregime führten.
1949 unterschrieb Harry S. Truman den Organic Act, ein Gesetz, das Guam zu einem externen Territorium der USA mit innerer Autonomie machte, was es bis heute geblieben ist.
Ab 1962 baute die United States Navy den Hafen Apra zu einem Marinestützpunkt für die Atom-U-Boote aus, die mit strategischen Mittelstreckenraketen vom Typ UGM-27 Polaris ausgerüstet sind (SSBN).
Am 24. Januar 1972 wurde der japanische Unteroffizier Shōichi Yokoi entdeckt. Er hatte sich 28 Jahre lang nach Ende des Zweiten Weltkriegs auf der Insel versteckt.
Vom 15. September 1996 bis 16. Dezember 1996 führten die USA die verdeckte Operation Pacific Haven / Quick Transit Irak-Guam durch.
Flugzeugabstürze [Bearbeiten]
Am 6. August 1997 stürzte eine Boeing 747-300 der Korean Airlines auf dem Flug von Seoul nach Agana (Guam) bei heftigem Regen in ein hügeliges Dschungeltal 5 km vor dem Flughafen Hagåtña. Das Flugzeug brach auseinander und ging in Flammen auf.[3] Von den 254 Menschen an Bord (231 Passagiere und 23 Besatzungsmitglieder) überlebten 26 den Absturz. Ursache war eine Kombination aus Pilotenfehler, unzureichendem Kartenmaterial und einem ausgefallenen Radar des Flughafens. Heute steht an der Absturzstelle ein Monument.
Am 23. Februar 2008 stürzte ein B-2-Tarnkappenbomber unmittelbar nach dem Start auf der Andersen Air Force Base ab. Es war der erste Absturz einer Maschine dieses Typs, der als das mit Abstand teuerste Flugzeug der Welt gilt. Beide Piloten konnten sich mit dem Schleudersitz retten, erlitten aber Verletzungen. Als Ursache des Absturzes wurde ein falsch kalibrierter Geschwindigkeitsmesser ermittelt.[4]
Am 21. Juli 2008 stürzte eine unbewaffnete B-52H der US-Luftwaffe (20th Expeditionary Bomb Squadron) an der Ostküste der Pazifikinsel Guam ab. Die Maschine hätte zum 64. Jahrestag der Befreiung der Insel von japanischer Besatzung über eine feiernde Menschenmenge fliegen sollen. Alle sechs Besatzungsmitglieder kamen beim Absturz ums Leben.[5]
Politik [Bearbeiten]
Die Verbindungen zu den USA werden in der Bevölkerung weitgehend positiv bewertet, auch sind die Militärstützpunkte für die Wirtschaft von Guam wichtig. Unter den Einwohnern ist die US-amerikanische Kultur weit verbreitet.
Die Insel besitzt für die USA eine große strategische Bedeutung. Rund ein Drittel der Insel wird von Einrichtungen der Navy und der Air Force eingenommen. Man befürchtet hohe Arbeitslosigkeit, wenn – wie geplant – vier Marineeinrichtungen geschlossen werden.
Exekutive [Bearbeiten]
Staatsoberhaupt ist US-Präsident Barack Obama, Gouverneur ist der Republikaner Eddie Calvo.
Legislative [Bearbeiten]
Guam hat ein Einkammerparlament mit 15 Sitzen, die Mitglieder werden für die Dauer von zwei Jahren gewählt. Bei der Wahl am 2. November 2010 erhielten die Demokraten 9 Sitze, die Republikaner 6 Sitze.[6]
Judikative [Bearbeiten]
Es gibt das US District Court of Guam, das den Federal District Courts und Bankruptcy Courts entsprechende Zuständigkeit hat. Sein Richter wird vom US-Präsidenten ernannt. Zudem gibt es ein Territorial Superior Court, dessen Richter zunächst vom Gouverneur ernannt und nach acht Jahren dann vom Volk gewählt werden. Es gibt zusätzlich spezifische Gerichte, etwa ein Nachlass-, Verkehrs- und Jugendgericht.
Parteien [Bearbeiten]
Auf Guam gibt es eine ähnliche Parteienlandschaft wie in den USA, es gibt eine Demokratische Partei und eine Republikanische Partei.
Status [Bearbeiten]
Guam ist ein externes Territorium der USA mit innerer Autonomie. Die Einwohner sind zwar US-Bürger, dürfen aber nicht an der Wahl zum Präsidenten teilnehmen. Guam schickt einen nicht stimmberechtigten Delegierten in das US-Repräsentantenhaus. Derzeitige Delegierte ist Madeleine Bordallo von den Demokraten.
Städtepartnerschaften [Bearbeiten]
Guam unterhält mit folgenden Städten Partnerschaften.
Manila, Philippinen
Seoul, Südkorea
Quezon City, Philippinen
Riga, Lettland
Vilnius, Litauen
Majuro, Marshallinseln
Taipei, Republik China
Verwaltungsgliederung [Bearbeiten]
Guam wird in 19 Gemeinden (englisch: Villages) gegliedert:
- Siehe auch: Verwaltungsgliederung Guams
Infrastruktur [Bearbeiten]
Guam besitzt 885 km öffentlich zugängliche Straße, davon sind 675 km asphaltiert. Weitere 685 km Straße, die als nicht öffentlich klassifiziert sind, befinden sich zum Teil auf Militär-Stützpunkten und Regierungseinrichtungen.
Es gibt auf Guam fünf Flughäfen, davon vier mit asphaltierter Start- und Landebahn. Zwei der Flughäfen haben eine Landebahn, die länger als 3.047 m ist. Der Flughafen Antonio B. Won Pat ist der einzige internationale Flughafen auf Guam. Dieser ist das Luftfahrt-Drehkreuz der Fluggesellschaft Continental Micronesia.
Der wichtigste Hafen ist der Apra Harbor.
Es existiert kein Schienenverkehr in Guam.
Wirtschaft [Bearbeiten]
Die Einrichtungen der Marine und der Luftwaffe sind ein sehr wichtiger Arbeitgeber. 40 % der Arbeitnehmer arbeiten im Dienstleistungssektor, 26 % der Arbeitnehmer arbeiten im öffentlichen Dienst, 24 % arbeiten im Handel, 10 % in der Industrie.
15 % der Inselbewohner sind arbeitslos, 23 % der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze.
Daneben ist der Tourismus sehr bedeutend (nur Hawaii ist ein noch populäreres Ziel im Pazifik), vor allem für Japaner, für die ein Flug von Japan weitaus kürzer ist als nach Hawaii. Wegen der unberührten Korallenriffe und der zahlreichen pazifischen Großfische sowie der warmen Wassertemperaturen und guter Sichtweiten[1] ist Guam ein beliebtes Ziel für Taucher und Schnorchler. Die Insel wird überwiegend von Japanern besucht (1,3 Millionen im Jahr 2005, 90 % der Touristen).
Offizielle Landeswährung ist der US-Dollar (US$).
Guam verfügt über eine eigene Universität, die University of Guam.
Kultur [Bearbeiten]
Nationalfeiertag [Bearbeiten]
Nationalfeiertag ist jeweils immer der erste Montag im März (Discovery Day).
Sport [Bearbeiten]
Guam verfügt über ein eigenes Nationales Olympisches Komitee und nahm seit 1988 an allen Olympischen Sommerspielen teil; 1988 schickte man außerdem einen Biathleten zu den Olympischen Winterspielen. Kein Athlet gewann bislang eine Olympiamedaille. Derzeitiger NOK-Präsident ist der ehemalige Judoka Ricardo Blas senior.
Die guamische Fußballnationalmannschaft ist FIFA- und AFC-Mitglied. 2002 nahm Guam zum bislang einzigen Mal an der Qualifikation zur Fußballweltmeisterschaft teil, wo man zwei Spiele mit 0 Toren bei 35 Gegentoren absolvierte.
Siehe auch [Bearbeiten]
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ a b Water Activities. In: visitguam.org. Guam Visitors Bureau, abgerufen am 8. Juni 2011 (englisch): „Located at the edge of the Marianas Trench, Guam is renowned for its vivid turquoise lagoons, deep sea currents and water clarity. Between December and May, visibility is as much as 150 feet. During the wet season, visibility is as great as 60 feet. The average water temperature is 85°F (27 °C) year-round.“
- ↑ Wildlife & Habitat. In: U.S. Fish and Wildlife Service. Guam National Wildlife Refuge, 31. März 2010, abgerufen am 23. März 2011 (englisch).
- ↑ Dirkmaat, DC. 2002. Recovery and Interpretation of the Fatal Fire Victim: The Role of Forensic Anthropology. In: Haglund, W.D. & Sorg, M.H. (eds.): Advances in Forensic Taphonomy Method, Theory and Archaeological Perspectives, CRC Press, pp.: 451–472; Boca Raton.
- ↑ Matthias Kremp: Guam: US-Tarnkappenbomber abgestürzt. In: Spiegel Online Panorama. 23. Februar 2008, abgerufen am 8. Juni 2011.
- ↑ United States Air Force Aircraft Accident Investigation Board Report: B52-H; 21 July 2008. 21. Juli 2008, abgerufen am 3. August 2012 (PDF; 11,2 MB, englisch, Untersuchungsbericht der Air Combat Command (United States Air Force)).
- ↑ Jason Salas: Decision 210. In: Kuamnews. Abgerufen am 7. Juli 2011 (englisch).
Weblinks [Bearbeiten]
- Offizielle Homepage von Guam
- Guam Allgemein (englisch)
- Detaillierte, nicht über den Geohack erreichbare Karte
14 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen:
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13.4144.71666666667Koordinaten: 13° 24′ N, 144° 43′ O
