Thilo Marauhn

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Thilo Marauhn (* 30. April 1963 in Lüdenscheid) ist ein deutscher Völkerrechtler und Hochschullehrer. Er hat derzeit die Professur für Öffentliches Recht, Völkerrecht und Europarecht an der Justus-Liebig-Universität Gießen inne und ist Direktor des Zentrums für internationale Entwicklungs- und Umweltforschung.

Biografie[Bearbeiten]

Nach seinem Studium der Rechtswissenschaft und der Internationalen Beziehungen an der Universität Mannheim (1983-1985), am University College of Wales (Großbritannien) (1985-1986), an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn (1986-1987), und an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (1987-1990), wurde er dort 1994 zum Thema „Die rechtliche Regelung des deutschen Chemiewaffen-Verzichts“ mit summa cum laude promoviert. 1995 erhielt er den Master of Philosophy (M.Phil.) der University of Wales. Von 1990 bis 2001 war er am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Heidelberg beschäftigt. 1995, 1996, 1999 und 2000 war er Lehrbeauftragter an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main. Im Jahre 2000 wurde er von dieser Universität mit einer Arbeit zum Thema „Rekonstruktion sozialer Grundrechte als Normkategorie“ habilitiert.

Nach seiner ersten Professur an der University of Strathclyde (Glasgow) folgte er im August 2001 einem Ruf auf die C4-Professur für Öffentliches Recht, Völkerrecht und Europarecht am Fachbereich Rechtswissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), von 2006 bis 2009 war er Dekan des Fachbereichs.

Funktionen[Bearbeiten]

Marauhn war an verschiedenen Universitäten als Gastprofessor tätig, u.a. an der Universität Lappland (Rovaniemi, Finnland), der Universität Bergen (Norwegen) und an der University of Wisconsin-Madison Law School, (USA). Seit 2001 hält er eine ständige Gastprofessur für Verfassungstheorie an der Juristischen Fakultät der Universität Luzern, (Schweiz).

Seit 1995 ist Marauhn Mitglied des Fachausschusses „Humanitäres Völkerrecht“ des Deutschen Roten Kreuzes. 2011 wurde er für die Amtszeit von 2012 bis 2016 zum Mitglied der Internationalen humanitären Ermittlungskommission gewählt.

Marauhn ist seit 2003 Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung (HSFK). Seit 2005 ist er akademischer Leiter der „International Summer University“ der Justus-Liebig-Universität zu wirtschaftlichen und rechtlichen Fragen der Biotechnologie in Europa, seit 2009 zusammen mit den Professoren Steve Barkan (University of Wisconsin) und Alan Madry (Marquette University) akademischer Leiter der „US-German Summer School in International and Comparative Law“. Marauhn ist seit 2009 Mitglied des Beirats der Stiftung Entwicklung und Frieden; ebenfalls seit 2009 ist Marauhn Mitglied des Senats der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Von 2002 bis 2009 war Marauhn Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, dessen Vorsitz er von 2006 bis 2009 innehatte. Von 2004 bis 2006 war er Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Stiftung Friedensforschung. Seit 2008 ist er Mitglied des VN-politischen Beirats des Auswärtigen Amtes.

Thilo Marauhn ist Mitglied der Vereinigung Deutscher Staatsrechtslehrer, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft für afrikanisches Recht, Mitglied des Arbeitskreises Überseeische Verfassungsvergleichung und Mitherausgeber der Vierteljahreszeitschrift „Verfassung und Recht in Übersee“.

Hauptwerke[Bearbeiten]

  • EMRK/GG. Konkordanzkommentar zum europäischen und deutschen Grundrechtsschutz, hrsg. zus. mit Rainer Grote (Gesamtredaktion: Konstantin Meljnik), Tübingen (Mohr Siebeck), 2006, ISBN 978-3-16-148176-5
  • EMRK/GG. Konkordanzkommentar zum europäischen und deutschen Grundrechtsschutz, 2 Bände, hrsg. zus. mit Oliver Dörr und Rainer Grote, 2. Aufl., Tübingen (Mohr Siebeck), 2013, ISBN 978-3-16-149397-3
  • The Regulation of International Financial Markets, hrsg. zus. mit Rainer Grote, Cambridge (Cambridge University Press), 2006, ISBN 9780521831444
  • Making Treaties Work, hrsg. zus. mit Geir Ulfstein und Andreas Zimmermann, Cambridge (Cambridge University Press), 2007, ISBN 9780521873178
  • International Environmental Law (zus. mit Ulrich Beyerlin), Oxford (Hart), 2011, ISBN 978-3-406-62874-0
  • Universality and Continuity in International Law, hrsg. zus. mit Heinhard Steiger, Den Haag (Eleven International Publishing), 2011, ISBN 9789490947071

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 2000: Auszeichnung der Habilitationsschrift mit dem Werner-Pünder-Preis 1999 für die beste an der Johann Wolfgang Goethe-Universität entstandene wissenschaftliche Arbeit aus den Themenkreisen „Freiheit und Totalitarismus/Staatsrecht und politische Ideengeschichte seit dem 19. Jahrhundert“
  • 2003: Verleihung des Wolfgang-Mittermaier-Preises der JLU Gießen für hervorragende Leistungen in der akademischen Lehre
  • 2010: 2. Preis für Exzellenz in der Lehre 2010, verliehen von der Landesregierung Hessen und der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, für das Projekt „Refugee Law Clinic“[1]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format„Exzellente Lehre entscheidet im Wettbewerb der Hochschulstandorte“. Pressemeldung. In: hmwk.hessen.de. Pressestelle des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, 13. Dezember 2010, abgerufen am 13. Januar 2012.