Justus-Liebig-Universität Gießen

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Justus-Liebig-Universität Gießen
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Gründung 1607
Trägerschaft staatlich
Ort Gießen
Bundesland Hessen
Staat Deutschland
Präsident Joybrato Mukherjee
Studenten ca. 26.500 (WS 2013/14)[1]
Mitarbeiter 4546 (WS 2013/14)[1]
davon Professoren 333 (WS 2013/14)[1]
Jahresetat 336,5 Millionen Euro (2011)[2]
Website www.uni-giessen.de
Gründungsurkunde der Universität 1607
Siegel der Ludoviciana, 1607
Siegel der Medizinischen Fakultät von 1607
Kollegiengebäude von 1615
Hauptgebäude der JLU
Universitätsjubiläum 1957: Liebigs Laborgebäude auf einer deutschen Briefmarke

Die Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) ist mit über 26.000 Immatrikulierten die zweitgrößte hessische Hochschule. Die Universität in Gießen wurde 1607 von Landgraf Ludwig V. von Hessen-Darmstadt gegründet und hieß bis 1945 nach ihrem Gründer Ludwigsuniversität (latinisiert Ludoviciana). Nach dem Zweiten Weltkrieg bestand sie zunächst als Hochschule für Bodenkultur und Veterinärmedizin weiter. Um an die Tradition ihrer Vorgängerin anzuknüpfen, nannte sie sich nach deren berühmtestem Wissenschaftler, dem Chemiker Justus Liebig. 1957 erlangte sie wieder den Status einer Volluniversität. Sie ist die zweitälteste Universität ihres heutigen Bundeslandes. Im Gegensatz zur Philipps-Universität Marburg, der ältesten Volluniversität in Hessen, war die JLU Gießen kontinuierlich Landeshochschule.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Universität Gießen gehört zu den alten Hohen Schulen des deutschen Sprachgebiets. Sie entstand im zweiten großen Gründungszeitalter der mitteleuropäischen Universitäten, dem konfessionellen, das von der 1527 errichteten evangelischen Marburger Universität eingeleitet wurde. Nachdem die Universität Marburg, die nach der Teilung Hessens zunächst als hessische Samtuniversität gegolten hatte, 1605 calvinistisch geworden war, gründete Landgraf Ludwig V. von Hessen-Darmstadt eine eigene Hohe Schule in Gießen, die als lutherische Anstalt vorrangig die Ausbildung von Pfarrern und Beamten gewährleisten sollte. Ausgestattet mit einem Privileg Kaiser Rudolfs II, erteilt am 19. Mai 1607, konnte sie im Oktober 1607 ihren Lehrbetrieb aufnehmen. Während des Dreißigjährigen Krieges, als Hessen-Darmstadt vorübergehend das Gebiet um Marburg für sich in Besitz nehmen konnte, kam es zur Aufhebung der Universität in Gießen und ihrer Verlegung an den traditionsreicheren Standort Marburg (1624/25). Der Westfälische Friede führte zur Wiederherstellung der alten Verhältnisse und 1650 zur Rückführung der Universität nach Gießen.

Im 17. und 18. Jahrhundert war die Ludoviciana eine typische kleine Landesuniversität mit den damals üblichen vier Fakultäten (Theologie, Jurisprudenz, Medizin und Philosophie). Der Lehrbetrieb war überschaubar, etwa 20 bis 25 Professoren unterrichteten mehrere hundert Studenten, letztere waren meist „Landeskinder“. Im 18. Jahrhundert kam es – maßgeblich beeinflusst vom landesherrlichen Hof in Darmstadt – zu einer allmählichen Modernisierung der Lehrinhalte und zu Reformen im Lehrbetrieb. Vorbild für die auf den Weg gebrachten Reformmaßnahmen waren die beiden „Musteruniversitäten der Aufklärung“, die 1694 gegründete Universität Halle und mehr noch die 1734/37 in Göttingen errichtete Georgia Augusta. Allerdings waren allen Reformbestrebungen durch die knappen Finanzen des Trägerstaats Hessen-Darmstadt von vornherein Grenzen gesetzt. So war auch der beachtenswerte Aufbau einer Ökonomischen Fakultät (1777–1785) letztlich aus der Not geboren. In ihr waren neue praxisnahe Fächer zusammengefasst (Veterinärmedizin, Land- und Forstwissenschaft, Kameralwissenschaft), die die Universität „brauchbar“ und „einträglich“ machen sollten. Nach dem frühen Ende dieser Fakultät konnten einige dieser jungen, noch um Anerkennung ringenden Disziplinen in der Medizinischen und in der Philosophischen Fakultät fortdauern. Sie begründeten das bis heute bestehende ungewöhnlich vielfältige Fächerprofil der Universität Gießen.

Den Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert überstand die Ludoviciana unbeschadet, sie war weiterhin die einzige Universität eines nun größer gewordenen Landes, des Großherzogtums Hessen. Neben Jena war Gießen der Prototyp der politisierten Vormärz-Universität, die „Gießener Schwarzen“ mit Karl Follen und Georg Büchner kennzeichnen den revolutionären Geist dieser Jahrzehnte. Mit der Berufung des 21-jährigen Justus von Liebig 1824 durch den Großherzog – gegen den Willen der Universität auf Empfehlung Alexander von Humboldts – begann eine neue Ära in den Naturwissenschaften, nicht nur in Gießen. Junge, viel versprechende Wissenschaftler bewirkten neue Impulse in ihren jeweiligen Wissensgebieten; zu nennen sind hier unter anderem der Altertumswissenschaftler Friedrich Gottlieb Welcker, der Jurist Rudolf von Jhering, der Theologe Adolf von Harnack und der Physiker Wilhelm Conrad Röntgen.

An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert begann der Ausbau der Ludoviciana zur modernen Universität, es wurden die neuen Kliniken der Humanmedizin und Veterinärmedizin errichtet und die Universitätsbibliothek erhielt ihr erstes zweckmäßiges Gebäude. Mit der Errichtung des Universitäts-Hauptgebäudes (eingeweiht 1880) und den angrenzenden Neubauten für die Chemie und Physik entstand am Rande des damaligen Stadtgebiets ein neues Zentrum. Maßgeblicher Förderer dieser Bauprojekte war der letzte Großherzog Ernst Ludwig, dem die Universität aus Dankbarkeit den ehrenvollen Titel eines „Rector Magnificentissimus“ verlieh. Im Jahr 1902 überschritt die Studentenzahl die Grenze von eintausend. Erstmals befanden sich unter den Studierenden nun auch Frauen, die seit 1900 als Hospitantinnen und seit 1908 zum ordentlichen Studium an der Universität Gießen zugelassen waren.

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs begann für die Ludoviciana eine Zeit der Krisen. Unter schwierigen Rahmenbedingungen im Volksstaat Hessen seit 1919 musste die Universität mehr und mehr um ihre Existenz fürchten. Diese Situation verstärkte sich noch während des NS-Regimes, als die zunächst noch bei den Ländern verbliebenen Hoheitsrechte 1934 an das Reich übergingen und man eine einheitliche Hochschulverwaltung aufzubauen begann. Die bald nach der Machtergreifung erklärte Absicht der Reichsregierung, die Zahl der Universitäten zu verringern, bedrohte gerade kleinere Hochschulen vom Zuschnitt Gießens. Um eine mögliche Schließung abzuwenden, waren die Professoren und Dozenten der Ludwigs-Universität – teils aus Überzeugung, oft aus Opportunismus – besonders bemüht, den nationalsozialistischen Machthabern entgegenzukommen. Bücherverbrennung, die Vertreibung von Professoren aus dem Amt, die Ausgrenzung jüdischer Studierender, ein Rektor in Uniform, die Aberkennung von Doktorgraden – alles dieses führte dazu, dass akademische Werte in beschämender Weise missachtet wurden. Der starke Rückgang der Studentenzahlen und extreme Umschichtungen, durch die einzelne Fakultäten entgegen dem universitären Grundgedanken bevorzugt wurden, stellten den Fortbestand der Ludwigs-Universität weiter in Frage, bevor im Dezember 1944 Stadt und Universität Gießen durch Bombenangriffe zu einem großen Teil zerstört wurden. In langwierigen Verhandlungen mit der Regierung des neuen Landes Groß-Hessen und dem Universitätsoffizier der amerikanischen Besatzungsmacht zeichnete sich in den ersten Nachkriegsmonaten das Ende der Ludwigs-Universität ab. An ihre Stelle trat im Mai 1946 die „Justus-Liebig-Hochschule für Bodenkultur und Veterinärmedizin“, in der zunächst nur diejenigen Disziplinen überlebten, die an den übrigen hessischen Hochschulen nicht vertreten waren. Erst im Jahr 1957 wurde der Universitätsstatus wiederhergestellt. Es begann eine beispiellose Wachstumsphase, die die Professorenzahl verzehnfachte und die Studentenzahl verzwanzigfachte. So wuchs die Justus-Liebig-Universität zur zweitgrößten hessischen Hochschule heran. Zu diesem Wachstum trugen auch die Studentinnen bei, die seit Anfang der 1960er Jahre in nie gekanntem Ausmaß an die Universität Gießen strömten (heute liegt der Anteil der weiblichen Studierenden in Gießen bei ca. 66 %). Dieses Wachstum endete erst durch die Konjunkturwende von 1973/74.

Von der JLU ausgehend begann im Herbst 1997 eine bundesweite Protestwelle: der Studentenstreik 1997, genannt Lucky Streik. Die mehrwöchige Schließung der Universität, bei der unter anderen das Hauptgebäude besetzt wurde, ging einher mit Demonstrationen und Protesten, die bis zum Beginn des Frühjahrs 1998 anhielten. Gründe für den Streik waren u. a. die geringe finanzielle Ausstattung der Hochschulen und überfüllte Veranstaltungen.

Am 26. April 2006 sprach sich der Senat mit großer Mehrheit gegen die Einführung von Studiengebühren aus. Entgegen diesem Votum begann die Universitätsleitung aber bereits früh damit, die zusätzlichen Mittel zu verplanen. Darüber hinaus legte die Universität Beschwerde gegen eine Entscheidung des Gießener Verwaltungsgerichts ein, dem zufolge Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des Studienbeitragsgesetzes bestehen (30. November 2007). Im abschließenden Urteil vom 27. März 2008 erklärte der Hessische Staatsgerichtshof die Studiengebühren für verfassungskonform; sie wurden aber zum 1. Juli 2008 durch den Hessischen Landtag wieder abgeschafft.

Entwicklung der Studierendenzahlen[Bearbeiten]

Nachfolgend die Entwicklung der Studierendenzahlen[3]

Zum Wintersemester 2011 wurde erstmals die Marke von insgesamt 25.000 Studierenden und 6.000 Erstsemestern überschritten.

Gegenwart[Bearbeiten]

Eingangsseite des Audimax
Haupteingang der alten Universitätsbibliothek
Zweigbibliothek im Philosophikum II
Der Open-Air-Hörsaal am Fachbereich für Wirtschaft und Jura

Fachbereiche[Bearbeiten]

Die Justus-Liebig-Universität hat seit ihrer Neustrukturierung 1999 elf Fachbereiche:

  1. Rechtswissenschaft
  2. Wirtschaftswissenschaften
  3. Sozial- und Kulturwissenschaften
  4. Geschichts- und Kulturwissenschaften
  5. Sprache, Literatur und Kultur
  6. Psychologie und Sportwissenschaft
  7. Mathematik und Informatik, Physik, Geographie
  8. Biologie und Chemie
  9. Agrarwissenschaften, Ökotrophologie und Umweltmanagement
  10. Veterinärmedizin
  11. Medizin

Wissenschaftliche Zentren[Bearbeiten]

Die JLU hat eine Reihe schwerpunktbildender Zentren etabliert, in denen Wissenschaftler verschiedener Fachbereiche zusammenarbeiten:

  • GCSC – International Graduate Centre for the Study of Culture
  • GGK – Gießener Graduiertenzentrum Kulturwissenschaften
  • GGL – Gießener Graduiertenzentrum Lebenswissenschaften / International Giessen Graduate Centre for the Life Sciences
  • GGS – Gießener Graduiertenzentrum Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften
  • GiZo – Gießener Zentrum Östliches Europa
  • IFZ – Interdisziplinäres Forschungszentrum
  • LaMa – Laboratorium für Materialforschung
  • ZEU – Zentrum für internationale Entwicklungs- und Umweltforschung
  • ZfPh – Zentrum für Philosophie und Grundlagen der Wissenschaft
  • ZfL – Zentrum für Lehrerbildung
  • ZfbK – Zentrum für fremdsprachliche und berufsfeldorientierte Kompetenzen
  • ZMI – Zentrum für Medien und Interaktivität

An-Institute[Bearbeiten]

Die Universität Gießen verfügt über folgende An-Institute:

  • Institut für ländliches Genossenschaftswesen an der Justus-Liebig-Universität Gießen e. V.
  • Arbeitskreis Wildbiologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen e. V.
  • Institut für Psychobiologie und Verhaltensmedizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen e. V. (IPV)
  • Institut für empirische und angewandte Sozialforschung an der Justus-Liebig-Universität Gießen e. V.
  • Institut für Marken- und Kommunikationsforschung an der Justus-Liebig-Universität Gießen e. V.

Lehre[Bearbeiten]

Die JLU bietet als Volluniversität über 150 Studiengänge an, die fast alle modularisiert und auf gestufte Abschlüsse Bachelor/Master umgestellt sind. Im Wintersemester 2011/2012 waren über 25.500 Studierende an der Universität immatrikuliert.[4] Die beliebtesten Studiengänge sind die Betriebswirtschaftslehre, die Ökotrophologie sowie die Lehramtsstudiengänge und die zulassungsbeschränkten Medizinfächer Human- und Veterinärmedizin.

Studienangebot[Bearbeiten]

Das Studienangebot der Universität Gießen umfasst die klassischen Naturwissenschaften, die Psychologie, die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sowie die Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften. Mit der Medizin und Veterinärmedizin, den Agrarwissenschaften sowie den Haushalts- und Ernährungswissenschaften und der Biologie verfügt die Universität über einen Schwerpunkt im Themenbereich „Mensch – Ernährung – Umwelt“. Die Lehramtsstudiengänge ergänzen das Angebot. Alle Fachbereiche der JLU bieten zudem die Möglichkeit zur Promotion.[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Beim Hessischen Hochschulpreis für Exzellenz in der Lehre hat die JLU 2011 zum vierten Mal drei der insgesamt fünf Preise erhalten und war die erfolgreichste hessische Hochschule[6]:

Jahr Preiskategorie und Preisträger Fachbereich Dotierung
2011 Einzelpreis:

Prof. Heiner Goebbels

05 60.000 €
2011 3. Projektpreis: Modul Bioanorganik

Christian Würtele

08 50.000 €
2011 Würdigung:

Sven Simon

01
2010 Einzelpreis:

Volker Wissemann

08 60.000 €
2010 1. Projektpreis: Refugee Law Clinic (RLC)

Thilo Marauhn, Thomas Groß, Paul Tiedemann, Janina Gieseking, Alexandra Bianca Tryjanowsk

01 50.000 €
2010 Würdigung: Projekt „Teaching Centre“:

Wolfgang Hallet, Hanna Bingel, Stefanie Bock

05 / Gießener Graduiertenzentrum Kulturwissenschaften
2009 Würdigung: Projekt „Studienlandschaft Schwingbach“:

Hans-Georg Frede, Lutz Breuer

09
2009 Würdigung: Projekt „Hochschuldidaktisches Netzwerk“:

Elena König

Hochschuldidaktisches Netzwerk Mittelhessen
2009 Würdigung: Joachim Stiensmeier-Pelster,

Joybrato Mukherjee

06 / Vizepräsident für Lehre und Studium

Beim CHE-Hochschulranking erhielt die JLU in den Fächern Zahnmedizin und Chemie gute Bewertungen. Das Lehramt Biologie hat es in den Bereichen Studierbarkeit und Schulpraxis in die Spitzengruppe gebracht. Im Jahr 2011 wurde die Rechtswissenschaft in der Kategorie „Repetitoriumsbesuch“ in die Spitzengruppe eingeordnet. Im Fach VWL wurden die Bereiche „Betreuung durch Lehrende“, „Räume“ und „Unterstützung für Auslandsstudium“ in der Spitzengruppe platziert. Die Fächer Soziologie/Sozialwissenschaften gelangten in den Kategorien „Forschungsgelder pro Wissenschaftler“ und „Promotion pro Wissenschaftler“ in die Spitzengruppe. Im Jahr 2010 wurde die JLU in der Kategorie „Forschungsgelder pro Wissenschaftler“ in den drei Sprachen (Germanistik, Anglistik, Romanistik) von CHE der Spitzengruppe zugeordnet. Die Anglistik befand sich darüber hinaus in der Spitzengruppe im Bereich der „Internationalen Ausrichtung“ und der „Forschungsreputation“ sowie der „Promotionen und Habilitationen pro Professor“. Ebenfalls in der Spitzengruppe eingeordnet wurden die Bewertung des Kontakts zu Studierenden, Aspekte des E-Learnings und die IT-Infrastruktur. In den Themenfeldern „Studienorganisation“ und „Betreuung durch Lehrende“ war die Germanistik in der Spitzengruppe vertreten. Außerdem waren die Erziehungswissenschaften in der Kategorie „Veröffentlichung pro Wissenschaftler“ und die Psychologie mit der „Studiensituation insgesamt“ in der Spitzengruppe gelistet. CHE untersucht pro Jahr nur eine bestimmte Fächergruppe, die sich im Dreijahresrhythmus wiederholt.

Forschung[Bearbeiten]

Die JLU konnte ihre Drittmitteleinnahmen steigern, im Jahr 2011 wurden rund 59 Mio. € in allen Fachgebieten eingeworben, rund 25 Mio. € entfielen davon auf Zuwendungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Die vorangetriebene Vernetzung mit den anderen mittelhessischen Hochschulen stärkt die Chance, große Verbundforschungsvorhaben einzuwerben. Ihren Förderschwerpunkt legt die JLU auf den wissenschaftlichen Nachwuchs und die weitere Internationalisierung.

DFG-Förderatlas[Bearbeiten]

Die mittelhessische Universitätsmedizin belegt im Förderatlas der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) einen siebten Platz. In ihrer Rangliste fasst die DFG die medizinischen Fachbereiche der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und der Philipps-Universität Marburg (UMR) mit dem Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) zusammen. Die JLU belegt darüber hinaus von 105 Hochschulen Platz 35. Im Wissenschaftsbereich Geistes- und Sozialwissenschaften belegt die JLU Platz 17, im Fachgebiet Geisteswissenschaften Platz 13. Im Wissenschaftsbereich Lebenswissenschaften erreicht sie Platz 19 und behauptet sich im Fachgebiet Tiermedizin, Agrar- und Forstwissenschaften bundesweit unter den ersten vier Universitäten.

Exzellenzinitiative[Bearbeiten]

Zum Gesamtvolumen an Drittmitteln zählen auch die Mittel aus der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder, mit denen an der JLU das International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) und das Exzellenzcluster Cardio-Pulmonary System (ECCPS) gefördert werden. Im Juni 2012 wurden der JLU in der zweiten Runde der Exzellenzinitiative erneut Mittel für beide Exzellenzprojekte bewilligt. Damit wird die JLU bis 2017 mit Mitteln aus beiden Förderlinien der Exzellenzinitiative ausgestattet.

Deutsche Zentren für Gesundheitsforschung[Bearbeiten]

Das BMBF entschied am 15. April 2011 über die Förderung von vier neuen Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung, darunter das Deutsche Zentrum für Lungenforschung (DZL), dessen Sitz in Gießen ist, sowie das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) mit Partnerstandort in Gießen. Wissenschaftler der JLU sind zudem am Partnerstandort Frankfurt am Main des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislaufforschung (DZHK) beteiligt.

Bauliche Entwicklung[Bearbeiten]

Im Frühsommer 2007 hat das Land Hessen das Hochschulinvestitionsprogramm HEUREKA (HochschulEntwicklungs- und Umbauprogramm: RundErneuerung, Konzentration und Ausbau von Forschung und Lehre) beschlossen. Bis zum Jahr 2020 werden dabei 3 Mrd. € in die hessischen Hochschulen investiert.

Campus Lebenswissenschaften[Bearbeiten]

Der Campus Lebenswissenschaften bündelt die Standorte Naturwissenschaften, Medizin und Veterinärmedizin. Hier sind zwei Neubaugroßprojekte abgeschlossen worden:

  • Neubau Biomedizinisches Forschungszentrum (BFS)
  • Neubau der Chemie inklusive eines zentralen Hörsaalgebäudes

Zwei weitere Projekte befinden sich in der Umsetzung:

  • Neubau Kleintier- und Vogelklinik
  • Sanierung Zahnmedizin

Campus Kultur- und Geisteswissenschaften[Bearbeiten]

Der Campus Kultur- und Geisteswissenschaften besteht aus den beiden Philosophika, Recht und Wirtschaft sowie dem Standort Sportwissenschaften. Im August 2010 haben das Hessische Ministerium der Finanzen und das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst entschieden, ein Umbaukonzept durch die JLU entwerfen zu lassen. Bei einem städtebaulichen Wettbewerb setzte sich die Arbeitsgemeinschaft Ferdinand Heide Architekt (Frankfurt am Main) und TOPOS Landschaftsplanung (Berlin) mit ihrem Entwurf durch. Entstehen wird ein geisteswissenschaftlicher Campus der Zukunft. Mit dem ersten Bauabschnitt findet die bauliche Integration der beiden Philosophika, die funktionale Absicherung der Kernressourcen (Bibliothek, Mensa, Seminargebäude, Drittmittelgebäude, Audimax) und die Ausgestaltung der „Neuen Mitte“ als universitäre Adresse bis 2020 statt. Zudem soll bis 2020 das Flächenkontingent für die Institute erweitert werden. Darüber hinaus entsteht am Standort Recht und Wirtschaft ein neues Lehrgebäude. Auch die Sportwissenschaften werden baulich weiterentwickelt.

Campus Universitätszentrum[Bearbeiten]

Der Campus Universitätszentrum besteht aus den beiden Arealen des Universitätskarrees an der Ludwigstraße und dem Zeughausbereich mit dem Botanischen Garten. Die JLU hat im Jahr 2009 das sanierte Erwin-Stein-Gebäude in der Goethestraße für den Studierendenservice und für Einrichtungen der Verwaltung in Betrieb genommen. Die beiden Areale werden von der JLU als innerstädtische, mit dem öffentlichen Leben und der Wirtschaft durchmischte Repräsentanzen der Universität entwickelt und die Außenanlagen umgestaltet. Zukünftig soll hier neben den vorhandenen Funktionen ein kulturwissenschaftliches Zentrum mit einem Theaterlabor im Universitätskarree entstehen.

Campus Rechts- und Wirtschaftswissenschaften[Bearbeiten]

Auf dem Campus Licher Straße, welcher die Fachbereiche Rechtswissenschaft und Wirtschaftswissenschaften beherbergt, ist ein neues Lehrgebäude geplant mit einem Großhörsaal (700 Personen) sowie 12 Seminarräumen. Das Gebäude soll insgesamt ca. 1800 Quadratmeter groß werden und ca. 10,75 Mio Euro kosten. Den Architekturwettbewerb konnte das Büro „Behet bondzio lin architekten“ aus Münster für sich entscheiden. Für die Realisierung fiel die Wahl allerdings auf den zweiten Sieger des Wettbewerbs, das Büro Michel + Wolf + Partner, Freie Architekten BDA aus Stuttgart. Der Neubau bringt den beiden auf dem Campusareal beheimateten Fachbereichen dringend benötigten Lehrraum und wird im Zuge der Baumaßnahmen an den beiden Philosophika auch von den dort ansässigen Fachbereichen genutzt werden. Baubeginn ist für 2013, Fertigstellung für 2014/2015 geplant.

Partnerhochschulen[Bearbeiten]

Mit weiteren Universitäten bestehen Kooperationen. Die Kooperationen der JLU beziehen sich auf die angegebenen Fachbereiche und bieten teilweise Austauschmöglichkeiten für Studierende und Wissenschaftler.

Folgende Hessische Landespartnerschaften bestehen:

  • Hessen-Louisiana-Kooperation
  • Hessen-Massachusetts-Kooperation
  • Hessen-Queensland-Kooperation
  • Hessen-Wisconsin-Kooperation

Darüber hinaus hat die JLU etwa 150 ERASMUS-Partnerhochschulen und weitere Austauschabkommen mit etwa 20 Universitäten weltweit.

Hochschulpolitik[Bearbeiten]

Präsidium[Bearbeiten]

Das Präsidium der JLU leitet nach den Bestimmungen des Hessischen Hochschulgesetzes (HHG) die Universität und ist für alle Angelegenheiten zuständig, die nicht durch das HHG einem anderen Organ übertragen sind. Es fördert unter Beteiligung des Hochschulrats und mit den anderen Organen, den Fachbereichen sowie den Mitgliedern und Angehörigen ihre zeitgerechte innere und äußere Entwicklung und legt jährlich vor dem Senat Rechenschaft über die Geschäftsführung ab. Der Präsident führt den Vorsitz des Präsidiums und verfügt über die Richtlinienkompetenz, ist Dienstvorgesetzter des Personals und vertritt die Hochschule nach außen. Die Vizepräsidenten leiten zusammen mit dem Präsidenten im Rahmen ihrer Aufgabenstellung die Hochschule. Der Kanzler leitet die Hochschulverwaltung nach den Richtlinien des Präsidiums und ist Beauftragter für den Haushalt.

Das Präsidium der JLU besteht seit Dezember 2012 aus

Senat[Bearbeiten]

Der Senat ist das höchste beschlussfassende Gremium an der Universität, welches z. B. Berufungen und Stellen sowie den Haushalt beschließt. Die Sitzungen des Senats werden vom Präsidenten geleitet. Die Gruppe der Studierenden ist im Senat mit drei von 17 Mitgliedern in einer Minderheit vertreten. Bei den Wahlen im Januar 2012 erlangten bei den Studierenden die Listen UniGrün, Jusos sowie Für Solidarität und Freie Bildung! jeweils einen Sitz.[7] Im „Erweiterten Senat“ mit der doppelten Zahl an Mitgliedern werden Präsidenten bzw. Vize-Präsidenten gewählt.[8]

Hochschulrat[Bearbeiten]

Der Hochschulrat begleitet die JLU in ihrer Entwicklung, artikuliert die Erwartungen der Berufswelt an die Hochschule und fördert die Nutzung wissenschaftlicher Erkenntnisse und künstlerischer Leistungen. Da der Hochschulrat durch das neue HHG zusätzliche Kompetenzen erhalten hat, wurde seine Neukonstituierung im Jahr 2010 erforderlich. Dorothea von Mücke, Karl Starzacher, Lothar Zechlin und Hans Zehnder gehören dem Gremium auf Vorschlag der JLU nach Bestellung durch das HMWK weiterhin an. Neue Mitglieder des Hochschulrats sind Ludwig Jäger, Professor für Deutsche Philologie an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, Hans-Dieter Klenk, ehemaliger Leiter des Instituts für Virologie an der Philipps-Universität Marburg und Vizepräsident der Von-Behring-Röntgen-Stiftung, sowie Manfred Weiß, assoziierter Wissenschaftler am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF). Mit der Bestellung von Wolfgang Maaß, Geschäftsführer der Gießener Anzeiger Verlags GmbH & Co KG und Präsident der IHK Gießen-Friedberg im März 2011 ist der Hochschulrat der JLU komplett. Die neuen Hochschulratsmitglieder wurden auf Vorschlag des HMWK im Benehmen mit der JLU bestellt. Seit 2010 nimmt ein Vertreter des HMWK mit beratender Stimme an den Hochschulratssitzungen teil.

Studierendenschaft[Bearbeiten]

Die verfasste Studierendenschaft finanziert sich durch einen Semesterbeitrag, welcher derzeit 8,50 € beträgt.[9] Im Januar finden jährlich die Wahlen zu den Fachschaftsräten und zum Studierendenparlament statt, in dem insgesamt 31 Studierende vertreten sind. Die Wahlbeteiligung lag 2008 bei 25,4 %, 2009 bei ca. 28,7 %, 2010 bei ca. 26,2 %. 2012 lag die Wahlbeteiligung bei einem Tief von 16,5 %.[10] Das Ergebnis wird vom studentischen Wahlausschuss veröffentlicht.

Hochschulgruppe Sitze 2012[11] Sitze 2013[12] Sitze 2014[13]
UniGrün 11 7 6
Grüne Alternative Linke
Jusos 5 11 14
Liberale Hochschulgruppe (LHG) 1 1 1
Demokratische Linke 1 1 1
Die Linke.SDS 1 1 1
Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS)
Die StudentenUNION 3 4 5
Piraten
Projekt Zukunft! 3 2
Die Demokratie 2
Unsere Uni. 4 4 4
Wahlbeteiligung 16,5 % 18,51 % 20,3%

Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA)[Bearbeiten]

Der AStA wird vom Studierendenparlament gewählt und kontrolliert. Die aktuelle AStA-Koalition besteht seit Mai 2012 aus einem Zusammenschluss der Listen UniGrün, Jusos sowie Unsere Uni und löste damit die bisherige Koalition aus UniGrün, Jusos, Brennpunkt Uni, Piraten und Die Linke.SDS ab.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Neben dem namensgebenden Justus von Liebig haben weitere Persönlichkeiten an der Universität gewirkt. Eine Liste findet sich unter Persönlichkeiten der Justus-Liebig-Universität.

Nobelpreisträger[Bearbeiten]

An der Justus-Liebig-Universität Gießen forschten und lehrten unter anderem folgende Nobelpreisträger:

Ehrendoktorwürden[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Horst Carl, Eva-Marie Felschow, Jürgen Reulecke, Volker Roelcke, Corina Sargk (Hrsg.): Panorama 400 Jahre Universität Gießen. Frankfurter Societäts-Druckerei, Frankfurt 2007, ISBN 978-3-7973-1038-5.
  • Eva-Marie Felschow, Carsten Lind: Ein hochnutz, nötig und christlich Werck. Die Anfänge der Universität Gießen vor 400 Jahren. Justus-Liebig-Universität, Gießen 2007, ISBN 978-3-87707-697-2.
  • Eva-Marie Felschow, Carsten Lind, Neill Busse: Krieg, Krise, Konsolidierung. Die „zweite Gründung“ der Universität Gießen nach 1945. Justus-Liebig-Universität Gießen, Gießen 2008, ISBN 978-3-87707-737-5.
  • Volker Roelcke: Die Medizinische Fakultät der Universität Gießen. Von der Wiedergründung bis zur Gegenwart. Frankfurter Societäts-Druckerei, Frankfurt 2007, ISBN 978-3-7973-1063-7.
  • Ludwig Brake, Heinrich Brinkmann (Herausgeber): 800 Jahre Gießener Geschichte, 1197–1997. Gießener Anzeiger, Gießen 1997, ISBN 3-922300-55-3.
  • Peter Moraw: Kleine Geschichte der Universität Gießen. Ferber’sche Universitätsbuchhandlung, Gießen 1990, ISBN 3-927835-00-5.
  • Hessisches Hauptstaatsarchiv (Hrsg.): Hessische Universitäten und Studenten im Wandel der Zeit. 1527–1986. Hessisches Hauptstaatsarchiv, Wiesbaden 1986.
  • Norbert Werner (Hrsg.): 375 Jahre Universität Gießen 1607–1982. Geschichte und Gegenwart. Verlag der Ferber’schen Universitätsbuchhandlung, Gießen 1982, ISBN 3-922730-22-1.
  • Hans Georg Gundel, Peter Moraw, Volker Press (Hrsg.): Gießener Gelehrte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 2 Bände, N. G. Elwert Verlag, Marburg 1982, ISBN 3-7708-0724-3 und ISBN 3-7708-0723-5.
  • Hans Georg Gundel: Rektorenliste der Universität Gießen 1605/07–1971. Gießen 1979.
  • Ludwigs-Universität, Justus-Liebig-Hochschule: 1607–1957; Festschrift zur 350-Jahrfeier. Schmitz, Gießen 1957.
  • Die Universität Gießen von 1607–1907. Beiträge zu ihrer Geschichte. Festschrift zur dritten Jahrhundertfeier. Töpelmann, Gießen 1907.
  • Frontabschnitt Hochschule. Die Gießener Universität im Nationalsozialismus. Anabas Verlag und Focus Verlag, Gießen 1982 (2. Aufl. 1983) (mit Beiträgen von Bruno W. Reimann u. a.).
  • Anton Lutterbeck: Die Geschichte der katholisch-theologischen Fakultät zu Gießen. Ricker’sche Buchhandlung, Gießen 1860.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Justus-Liebig-Universität Gießen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Universitätsgeschichte – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Zahlen und Fakten – JLU auf der Universitäts-Website (Abruf: 14. Februar 2014).
  2.  Justus-Liebig-Universität Gießen: Jahresergebnis der Universität Gießen fällt geringer aus. In: Pressemeldung. Nr. 159, Gießen 11. Juli 2012.
  3. Quelle für 1980, 1985, 1990, 1995, 2000, 2007: Der Präsident der Justus-Liebig-Universität Gießen (Hrsg.): Bericht des Präsidiums. 2. Februar 2005.
    Für den Sommer 1939: Brake, Ludwig [Hrsg.]: 800 Jahre Giessener Geschichte. Gießen 1997, S. 464.
  4. Justus-Liebig-Universität Gießen: Ansturm auf die Uni ist noch größer als erwartet, abgerufen am 15. Oktober 2011.
  5. Studienangebot bei der Universität Gießen.
  6. Exzellente Lehre? – Ausgezeichnet! beim Hessischen Wissenschaftsministerium, 2012.
  7. Wahlergebnisse zum Senat (PDF-Dokument; 13 kB).
  8. Homepage des Erweiterten Senats.
  9. Auflistung aller Semesterbeiträge an der JLU Gießen 2010.
  10. Homepage des studentischen Wahlausschusses an der JLU Gießen.
  11. http://www.inst.uni-giessen.de/studi-wahlen/wordpress/wp-content/uploads/Vorl%C3%A4ufiges-Ergebnis-StuPa.ods
  12. Online-Quelle zum StuPa 2013
  13. Online-Quelle zum StuPa 2014

50.5803611111118.6772222222222Koordinaten: 50° 34′ 49,3″ N, 8° 40′ 38″ O