Verzögerungseffekt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Time lag)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit der Bedeutung von Verzögerung in der Volkswirtschaftslehre. Für Bedeutungen bei den Telefonanlagen und Computernetzwerken siehe Lag.
Crystal Clear app package settings.png

Dieser Artikel wurde aufgrund inhaltlicher und/oder formaler Mängel auf der Qualitätssicherungsseite des Portals Wirtschaft eingetragen.
Du kannst helfen, indem Du die dort genannten Mängel beseitigst oder Dich an der Diskussion beteiligst.

Der Begriff Verzögerungseffekt oder Time Lag bezeichnet allgemein eine Verzögerung zwischen der Notwendigkeit einer Handlung, der daraufhin ergriffenen Maßnahme und der letztlichen Wirkung dessen. In der Wirtschaftspolitik steht er demnach für „den Zeitraum zwischen Auftreten einer Störung des Wirtschaftsablaufs und seiner Korrektur“.[1]

Er lässt sich differenzieren nach Inside Lag (Verzögerung innerhalb der Sphäre der Wirtschaftspolitik; also die Zeit, die vergeht, bis gehandelt wird) und Outside Lag (Verzögerung außerhalb dieser Sphäre; also die Zeit, die vergeht, bis die Handlung Wirkung zeigt), ferner nach seiner Ursache, u.a. als Recognition Lag (Erkenntnisverzögerung), Decision-Lag (Entscheidungsverzögerung), Instrumental Lag (Durchführungsverzögerung) und Operational Lag (Wirkungsverzögerung).

In der Geldpolitik[Bearbeiten]

Die wichtigsten Time-lags der Geldpolitik sind:[2]

  • Zeitverzögerung bis der Akteur (meist die Zentralbank) handelt: "Inside Lag"
    • Information "Information Lag" (Informationsbeschaffung dauert länger an; z.B. Umfragen, Auswertung von Zahlen etc.)
    • Erkenntnis "Recognition Lag" (die Erkenntnis darüber in welcher Phase - z.B. Rezession oder Aufschwung - man sich befindet und welche Ursachen dem zu Grunde liegen)
    • Entscheidung "Decision Lag" (Entscheidung darüber, welche Maßnahmen getroffen werden sollen; hier führen v.a. Bürokratie und ein langwieriger parlamentarischer Entscheidungsprozess zu Verzögerungen)
    • (Handlung "Action Lag" (Zeit von der Entscheidung bis zur Durchführung - meist vernachlässigbar))
  • Zeitverzögerung bis die Maßnahme (z.B. der veränderte Leitzins) Wirkung zeigt: "Efficiency Lag"
    • Weitergabe "Intermediate Lag" (Verzögerung bei der Umlegung des Zinsniveaus durch die Kreditinstitute auf die Verbraucher)
    • Reaktion "Outside Lag" (Die Dauer, bis die Nichtbanken auf die Maßnahmen reagieren und die gesamtwirtschaftlichen Größen betroffen sind)
Akteur
(z.B. Zentralbank)
Transmitter
(z.B. Geschäftsbanken)
Adressat
(z.B. Nichtbankensektor)
← Inside Lag → ← Efficiency Lag →
← Information Lag → ← Recognition Lag → ← Decision Lag → ← Intermediate Lag → ← Outside Lag →
← gesamter Time Lag →

Beispiele[Bearbeiten]

Der Robertson-Lag beschreibt eine Verzögerung zwischen der Einkommensentwicklung und der davon abhängigen und zeitlich verzögert reagierenden Konsumnachfrage.

Beispiel in der Wirtschaft: Sinkende Nachfrage auf dem Gütermarkt führt zu einem sinkenden Angebot an Produkten. Die Arbeitslosenzahl würde steigen, da die Betriebe nicht mehr so viele Mitarbeiter brauchen würden um die gesunkene Nachfrage zu befriedigen. Bei gleich bleibender Geldmenge würde es zu einem gesunkenen Bruttoinlandsprodukt führen.

Setzt die Regierung auf eine niedrige Arbeitslosenzahl und somit hohes BIP, muss sie intervenieren. Die Regierung würde beispielsweise eine Erhöhung der Nachfrage beschließen. Jetzt beginnt die Zeit der Umsetzung und das kann durch große bürokratische Vorgänge und/oder durch die Eigeninteressen der politischen Akteure verzögert werden (Prinzipal-Agent-Theorie). Diese Verzögerungen werden auch "time lags" genannt.

Ein weiteres Beispiel in der Wirtschaft ist die Reaktion der Exporte bei Aufwertung der heimischen Währung. Bei einer Aufwertung der Währung sinken die Exporte erst nach ca. 6 oder 12 Monaten, da die Exportverträge in die Zukunft abgeschlossen werden und Käufer der Exporte in ihrem einheimischen Markt erst ein Ersatz finden müssen, was Zeit in Anspruch nehmen würde (siehe J-Kurven-Effekt).

Verzögerungseffekte oder Time-lags spielen eine wichtige Rolle im Multiplikator-Akzelerator-Modell, also in der Konjunkturtheorie, im Spinnwebtheorem und dem damit beschriebenen Schweinezyklus.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Piekenbrock, Dirk: GABLER KOMPAKT-LEXIKON VOLKSWIRTSCHAFTSLEHRE. 4.200 Begriffe nachschlagen, verstehen, anwenden. 3. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Gabler Verlag, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-8349-8774-7 (http://link.springer.com/book/10.1007/978-3-8349-8774-7). S. 257.
  2.  Ulrich Mehrer, Simone Voit (Hrsg.): Wirtschaft und Recht. Ausgabe Gymnasiale Oberstufe Bayern 12. Jahrgangsstufe. 1 Auflage. Klett, Stuttgart; Leipzig 2010, ISBN 978-3-12-006121-2. S.54 f.