Desinvestition

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Desinvestition oder auch Devestition[1] ist das Gegenteil der Investition. Desinvestition bedeutet in der Betriebswirtschaftslehre die Freisetzung von Kapital im Unternehmen durch Verkauf von Vermögensgegenständen, also die Freisetzung von in Sachwerten oder Finanzwerten investierten Geldbeträgen in liquider Form.

Die Desinvestition stellt aufgrund der Kapitalfreisetzung eine Form der Innenfinanzierung dar. Es handelt sich um eine Wiederbeschaffung von früher investierten Mitteln, die dann erneut für Investitionen zur Verfügung stehen.

Mögliche Gründe einer Desinvestitionen[Bearbeiten]

  • Verkauf von Unternehmensteilen, die nicht Teil des Kerngeschäftes sind.
  • Verkauf von Unternehmensteilen oder Geldanlagen zur Geldbeschaffung.
  • Verkauf einzelner Unternehmensteile, um einen höheren Erlös zu erzielen als dies zum Beispiel im Rahmen einer Gesamtliquidation oder eines Gesamtverkaufes möglich wäre.
  • Verkauf riskanter Unternehmensteile oder Geldanlagen.
  • Verkauf unrentabler Unternehmensteile oder Geldanlagen.
  • Durch Aufsichtsbehörden erzwungene Veräußerung einzelner Unternehmensteile.
  • Verkauf auf Druck von Anteilseignern oder anderen aus sozialen Gründen (siehe auch Desinvestitions-Kampagnen).

Desinvestitions-Kampagnen[Bearbeiten]

Die Desinvestition wurde zum ersten mal in den 1980er Jahren als Teil politischer Kampagnen (englisch "Divestment Campaign") angewendet, insbesondere in den Vereinigten Staaten von Amerika. So wurde damals ein Wirtschaftsboykott gegen das südafrikanische Apartheitsregime organisiert, indem öffentliche Investoren wie Gemeinden, Kirchen oder Hochschulen dazu aufgefordert wurden, sämtliche Gelder aus südafrikanischen Anlagen abzuziehen. Seitdem gab es diverse Desinvestitions-Kampagnen gegen Staaten und Unternehmen.

Darunter waren in den USA insbesondere:

  • Unternehmen, die von der Besetzung palestinensicher Gebiete durch den Staat Israel profitierten.[2]
  • Mitglieder der Global Climate Coalition, einem Lobbyverband, der gegen die im Kyoto-Protokoll beschlossenen Klimaschutzmaßnahmen vorging - darunter Ford, General Motors, Texaco, Southern Company, Exxon Mobile und andere. Die Desinvestitions Kampagne wurde von der Nichtregierungsorganisation Ozone Action im Jahr 2000 organisiert.

Seit dem Jahr 2013 gibt es eine von der Klimaschutzorganisation 350.org organisierte weltweite Desinvestitionskampagne gegen Erdöl-, Kohle- und Erdgasindustrien[4], die ihren Anfang ebenfalls in den USA nahm. Mittlerweile fordern Tochterorganisationen in mehreren Ländern eine sofortige Desinvestition aller öffentlichen Gelder aus der sog. Kohlenstoffblase. Sollte es durch politische Beschlüsse dazu kommen, dass große Teile der weltweiten Lagerstätten an fossilen Energien nicht ausgebeutet werden dürften, um das 2°-Ziel noch zu erreichen, wären Investitionen in diese Lagerstätten "über Nacht" wertlos. In Deutschland gibt es Kampagnen in mehreren Städten sowie gegen die bundeseigene KfW[5].

Viele der Desinvestitionskampagnen erreichen ihr Ziel jedoch nicht, indem sie den betroffenen Unternehmen direkt wirtschaftlichen Schaden zufügen, sondern wirken eher als Mittel einer gesellschaftlichen Willensbildung.[6]

Siehe auch[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Devestition bei duden.de
  2. https://wedivest.org/
  3. Liverpool City Council votes to disinvest in arms trade
  4. Kampagnenwebsite gofossilfree.org
  5. KfW Online Petition zur Desinvestition aus fossilen Energien
  6. Artikel im Harvard Political Review Does Divestment Work?