Timorsee

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Timorsee bei Vessoru, Osttimor
Lage der Timorsee
Karte mit der Timorsee

Die Timorsee ist ein etwa 61.500 km² großes Nebenmeer des Indischen Ozeans mit einer Tiefe von maximal 3300 Metern.

Geographie[Bearbeiten]

Die durchschnittlich 406 Meter tiefe Timorsee erstreckt sich zwischen der australischen Nordküste, der Insel Timor und der Arafurasee im Osten. Im Nordwesten liegt die Sawusee, im Norden die Bandasee. Der über 3000 Meter tiefe Timorgraben verläuft unter der Timorsee. Die Timoresen nennen die raue Timorsee auf Tetum Tasi Mane, das Männermeer, im Gegensatz zum ruhigen Meer im Norden, dem Tasi Feto, das Frauenmeer.[1]

Die Timorsee ist Teil der indonesischen Meeresströmung (Indonesian throughflow,[2][3] ITF) und ihr größter Durchlass. Die ITF hat Bedeutung für das globale Klima, da sie einen Weg für warmes, frisches Wasser aus dem Pazifik in den Indischen Ozean bietet. Sie stellt den oberen Arm im globalen Wärmeaustausch dar.[4][5]

Während der letzten Kaltzeit war die Lombokstraße aufgrund des tieferen Meeresspiegels weniger aufnahmefähig, daher hätte die Durchflussrate in der Timorsee ansteigen sollen. Das Gegenteil war aber der Fall, denn das globale Förderband war weniger leistungsfähig.[6]

Rohstoffe[Bearbeiten]

Unter der Timorsee liegen umfangreiche Öl- und Gasreserven. Australien und Osttimor streiten über die Förderrechte in der Timor Gap. Dies ist das Gebiet, in dem sich Australiens Gebietsansprüche, die sich nach dem Prinzip des Kontinentalsockels richten, mit denen von Osttimor überschneiden. Osttimor folgt seiner ehemaligen Kolonialmacht Portugal, das forderte, dass die Trennlinie überseeisch genau auf halber Strecke zwischen den beiden Ländern liegen sollte.

Grenzen nach dem Timor Sea Treaty und die theoretische ausschließliche Wirtschaftszone Osttimors. Die orangen Kreise zeigen die Lage der Erdöl-/Erdgasfelder.

Das Prinzip der Mittellinie ist seit 1982 auch im Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen festgeschrieben, trat aber erst 1994 in Kraft. Australien handelte vorzeitig mit Indonesien, das Osttimor von 1975 bis 1999 besetzt hielt, für sich günstigere Verträge aus. Australien verstieß sogar gegen UN-Resolutionen indem es die Souveränität Indonesiens über Osttimor anerkannte. Nach der Unabhängigkeit Osttimors musste Australien neu verhandeln, setzte das finanziell gebeutelte Osttimor, das dringend auf die Ölgelder angewiesen ist, unter Druck. Während Osttimor, nach dem UN-Seerechtsübereinkommen, die Festlegung der Grenze in der Mitte zwischen den Ländern forderte, bestand Canberra auf einer Orientierung nach dem Verlauf des Randes der australischen Kontinentalplatte. In Australien gründeten im Januar 2004 Gegner der Regierungspolitik von John Howard die Timor Sea Justice Campaign, die sich für eine faire Aufteilung der Ölreserven einsetzt.

Am 12. Januar 2006 einigten sich die beiden Länder im CMATS-Vertrag den Gewinn aus dem Öl- und Gasvorkommen der Greater Sun Rise Area 50:50 zu teilen. Die Erdölvorkommen gehören zu den reichsten im asiatisch-pazifischen Raum. Ein 50-Jahre-Moratorium bezüglich der Seegrenze wurde vereinbart, ohne dass Osttimor auf seine Ansprüche verzichtet. 2013 brach der Streit erneut aus, als herauskam, dass Australien während den Verhandlungen das Kabinett Osttimors abgehört hatte.

Im Jahr 2009 liefen nach einem Brand auf der Förderplattform Montara über einen Zeitraum von 10 Wochen etwa 4,5 Millionen Liter Rohöl in die Timorsee. Durch eine auf den Ölteppich aufgesprühte Chemikalie bildete sich zudem ein Giftgemisch, so dass das Ökosystem dort für eine lange Zeit beeinträchtigt sein wird.[7]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Maeve McCusker, Anthony Soares Soares: Islanded Identities: Constructions of Postcolonial Cultural Insularity, 2011, ISBN 9042034068, S. 170.
  2. C. Fetter: Applied Hydrogeology. Prentice-Hall, New Jersey 2001, ISBN 0130882399.
  3. M. Selby: Hillslope Materials and Processes. Oxford University Press, New York 2005, ISBN 0198741839.
  4. Sprintall, J., S.E. Wijffels, R. Molcard, and I. Jaya: Direct estimates of the Indonesian Throughflow entering the Indian Ocean: 2004–2006 (PDF), in: Journal of Geophysical Research-Oceans, 114, 19, 2009.
  5. a b Vivek Kumar Pandey, Avinash Chand Pandey: Heat transport through Indonesian throughflow (PDF). In: J. Ind. Geophys. Union. Band 10, Nr. 4, Oktober 2006, S. 273–277. ITF heat transport result from POM Model.
  6. Ann Holbourn, Wolfgang Kuhnt, Jian Xu: Indonesian throughflow variability during the last 140 ka: the Timor Sea outflow. In: Geological Society, London, Special Publications vom 1. Januar 2011, S. 283–303.
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatGordon Repinski: Südsee in Öl. Berliner Zeitung, 16. November 2009, abgerufen am 20. März 2010.

-11.533888888889126.02638888889Koordinaten: 12° S, 126° O