Tom und Jerry

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Dieser Artikel behandelt die Zeichentrickfiguren Tom und Jerry; zu anderen gleichnamigen Bedeutungen siehe Tom and Jerry.

Tom und Jerry ist eine Serie von 161 kurzen Zeichentrickfilmen, die von 1940 bis 1967 für das Kino produziert wurden. Die meisten Folgen handeln vom Versuch des Katers Tom, die Maus Jerry zu fangen, wobei sich skurrile Verfolgungsjagden und Zweikämpfe ergeben, in denen meistens die Maus die Oberhand behält.

Die Produktion war weltweit außerordentlich erfolgreich und hat zahlreiche Preise erhalten. Sieben Folgen wurden mit einem Oscar ausgezeichnet, weitere sechs erhielten Oscarnominierungen. Damit ist Tom und Jerry die meistausgezeichnete Animationsserie überhaupt.

Geschichte[Bearbeiten]

1940–1958[Bearbeiten]

Vorläufer der Serie war der Trickfilm Jerry treibt’s zu bunt (Puss Gets the Boot), der 1940 erschien. Er wurde, ebenso wie die ersten 114 Folgen, in den Trickfilmstudios von Metro-Goldwyn-Mayer unter der Regie von William Hanna (1910–2001) und Joseph Barbera (1911–2006) unter klassischen Animationsbedingungen produziert. Fred Quimby und weitere ranghohe Vertreter der MGM reagierten eher verhalten auf die Vorführung des Films, während sie die Vorabversionen durchaus begeistert aufgenommen hatten. Als der Film ohne größere Werbung in den Kinos veröffentlicht wurde, erhielt Rudolf Ising den Credit für die Regie, während Hanna und Barbera in der Originalfassung keine Namensnennung erfuhren. Nach der Oscar-Nominierung für den Film rief Quimby die beiden in sein Büro und erklärte ihnen, dass MGM nicht alles auf eine Karte setzen wolle und ließ sie an anderen Figuren arbeiten.[1]

Erst als die Kurzfilmexpertin Besa Short († 1974)[2] Quimby per Brief fragte, „wann die Welt weitere dieser entzückenden Katze-und-Maus-Cartoons sehen würde“, wurden Hanna und Barbera angewiesen, wieder an den Figuren zu arbeiten. Nun benötigten die Katze, zunächst noch Jasper genannt, und die Maus (von Hanna als Jinx bezeichnet)[3] jeweils einen neuen Namen. Hierzu wurden Mitarbeiter des Studios gebeten, Namenspaare auf Zettel zu notieren, die in einem Hut gesammelt wurden. Davon wurde einer gezogen. Der Zettel enthielt die Namen Tom und Jerry und stammte vom Animator John Carr, der damit fünfzig Dollar gewann.[1] Nun musste das Studio noch die rechtliche Genehmigung einholen, die beiden Figuren nach dem gleichnamigen alkoholischen Getränk benennen zu dürfen.[3] Die gleichnamigen Figuren der Van Beuren Studios waren bereits 1933 eingestellt worden und stellten daher vermutlich kein Problem mehr dar.

Zwischen den ersten Folgen von Tom und Jerry gibt es je nach Animationsteam und Konzept stilistisch unterschiedlich gestaltete Figuren für Tom und Jerry. In der Anfangszeit war die Katze sehr niedlich, flauschig und stilisiert gezeichnet, die Maus eher knubbelig und ausdruckshaft wenig differenziert. Die Weiterentwicklung der Figuren führte über den heute im Merchandising verwendeten realistischen Stil von 1949 hin zu markanteren Formen, die wieder deutlich abstrakter waren. Im Laufe der Zeit traten sowohl seitens der Maus, als auch verstärkend für Tom Nebenfiguren auf. Zu Hauptfiguren wandelten sich vor allem die Bulldogge Spike (welcher anfänglich unter verschiedenen Namen eingeführt wurde und später häufiger auftrat), dessen Sohn Tyke sowie die Baby-Maus Nibbles (in späteren Comic-Strips Tuffy genannt). Weitere Nebenfiguren, etwa ein gelber Kanarienvogel oder Toms Katzenfreunde, der schwarzhaarige Tim (Butch), der rotfellige Liky (Lightning bzw. Meathead) und eine namenlose Babykatze (oft fälschlicherweise als Bärenkind bezeichnet, im Original Topsy), tauchten zwar häufiger auf, verschwanden jedoch ebenso schnell wieder und wurden keine ständigen Begleiter.

Tom und Jerry sind in diesen ersten Folgen tierische Figuren, die vor allem im häuslichen Umfeld Schabernack treiben. Der Kater wird von der schwarzen Haushälterin Mammy Two-Shoes gehalten, die große Angst vor Mäusen hat. Im amerikanischen Original spricht die Frau einen ausgesprochen derben schwarzen Südstaaten-Akzent, tritt vor allem als Autorität oder strafende Person in den Vordergrund und wird oft geschädigt. Eine Besonderheit ist, dass bei den gezeichneten Menschen der älteren Filme stets nur die untere Körperhälfte (sogenannte „Kinderperspektive“) gezeigt wird. In jüngeren Produktionen sind auch Menschen vollständig zu sehen.

Die älteren Folgen sind allgemein kreativer und auch gewalttätiger. Sie waren im Kino sehr erfolgreich. Hanna und Barbera haben später fürs Fernsehen weitere bekannte Trickfilmserien wie zum Beispiel Familie Feuerstein produziert. Die MGM-Trickfilmabteilung wurde 1957 geschlossen.

1960–1969[Bearbeiten]

Von 1961 bis 1967 wurden weitere 47 Cartoons von Gene Deitch und Chuck Jones produziert. Auch hier sind weitere stilistische Veränderungen vorgenommen worden, die Figuren wurden markanter und zunehmend in fiktivere Umgebungen hinein gesetzt, führten ein eigenes Leben und agierten wie Menschen. In den 1960er Jahren wurde Mammy Two-Shoes durch eine weiße Frau ersetzt. Dies geschah in Anbetracht der sozio-politischen Veränderungen in den USA.

In den folgenden Jahren entstanden weitere Trickfilme direkt für das Fernsehen, in denen auf Gewalt weitestgehend verzichtet wurde und die – bei kleinerem Budget – nicht mit der künstlerischen Qualität der Kinofolgen mithalten konnten. Die Serie verlor dadurch an Attraktivität, konnte sich aber durch fortgesetzte Ausstrahlung der älteren Folgen in der Gunst des Publikums halten.

Zensur[Bearbeiten]

Die älteren Folgen sind im Zweiten Weltkrieg und unmittelbar danach entstanden, und waren, dem damaligen Geschmack folgend, mit vielen Stereotyp-Witzen behaftet, die in späteren Folgen der sechziger Jahre aus der Mode gekommen sind. Hierzu zählt aber vor allem auch der Witz auf Kosten der afroamerikanischen Haushälterin Mammy Two-Shoes (später auch einer Weißen) sowie (in anderen Szenen) schwarzer oder asiatischer Einwanderer. Gelegentlich bestand der Situationswitz darin, dass einer der beiden (Katze oder Maus) „zum Esel“, „zum Neger“ oder „zum Chinesen“ gemacht wurde. Auch das Verhalten von Mammy selbst wurde in seiner Stereotypie als witzig empfunden. Aktuelle Neuveröffentlichungen sind heutzutage oft zensiert; sowohl bei Fernsehausstrahlungen wie auch auf den DVD-Veröffentlichungen wurden Gewaltstellen bzw. sogenannte rassistische Stellen (z.B. wenn sich nach einer Explosion das Gesicht einer Person schwarz verfärbt) beschnitten.

Die Zensur begann jedoch bereits Mitte der 1950er Jahre, als Mammy Two-Shoes, die bis dahin in nahezu jeder Folge aufgetreten war, in Neuproduktionen durch ein weißes Mittelklasse-Pärchen bzw. eine Weiße ersetzt wurde, da sich die Filme mit einer weißen Frau besser an das Fernsehen verkaufen ließen. Die Synchronstimme von Lillian Randolph, die auch eine weiche akzentfreie Jazzstimme hatte[4], wurde durch die irisch akzentuierte Stimme von June Foray ausgetauscht. Und obwohl es echte rassistische Inhalte auch in den älteren Kinoversionen nie gab, wurde Mammy auch aus diesen teilweise herauseditiert oder durch neuproduzierte Filmstücke ersetzt. Die heute verfügbaren Kopien enthalten statt Mammy oft überhaupt keine menschlichen Figuren. Durch die Abänderung der Inhalte – auch aus dem Handlungsgeschehen – war der Rassismus-Vorwurf vom Tisch.

Allerdings kamen in den originalen Kinofilmen auch extrem gewalttätige Szenen vor, die alle heute bekannten Szenen in den Schatten stellen und bereits in den 1960er Jahren beim Übertrag alten Filmmaterials auf neue Trägermedien weggelassen wurden. Alle heute kursierenden Masterbänder enthalten dieses Material bereits nicht mehr. Die zahlreichen einander folgenden Zensuren haben dazu geführt, dass die Filme heute nicht mehr in dem Zustand gesehen werden können, wie sie das Publikum der 1940er und 1950er Jahre sah.

Ausstrahlung[Bearbeiten]

Deutsches Fernsehen[Bearbeiten]

Im deutschen Fernsehen liefen „Tom und Jerry“ erstmals 1976 im ZDF. Für den deutschen Fernsehmarkt wurden Einzelfolgen in Sammelbeiträge zusammengeschnitten, basierend auf der Einzelfolge „Jerry’s Diary“ von 1949, die von Kenneth Muse und Ed Barge nach dem von ihnen entwickelten Stil animiert wurde. In dieser Folge entdeckt Tom das Tagebuch von Jerry und liest darin, was eine Rahmenhandlung abgibt, in die fünf Ausschnitte aus anderen Folgen eingespielt werden. Diese Folge wurde beim Zuschnitt der Produktion auf das Fernsehformat als Rahmenhandlung verwendet, wobei die Einspieler durch andere Folgen ersetzt wurden. Diese Folgen werden von mehreren Zwischenspielen getrennt, in denen sich Toms gute Stimmungslage schrittweise verschlechtert und gegen deren Ende er wütend das Tagebuch zerreißt und dem völlig überraschten Jerry eine Torte an den Kopf wirft (letzteres wurde jedoch beim Wechsel vom ZDF zu Pro7 Anfang der 90er Jahre herausgeschnitten und seither nicht mehr gezeigt). In dieser Form wurde Tom und Jerry dem deutschen Publikum bekannt. Weil die Rahmenhandlung von „Jerry’s Diary“ in jeder Fernsehfolge gezeigt wurde, avancierte sie zur bekanntesten Folge überhaupt: Die im Stil von Muse und Barge gezeichneten Figuren gelten in Deutschland heute als typisch „Tom und Jerry“ und werden heute im deutschen Merchandising verwendet.

Alle Folgen sind mit einer Stimme aus dem Off synchronisiert, die meist aus Jerrys Perspektive das Gesehene erzählt und kommentiert. Es gibt aber auch Folgen, in denen das Geschehene aus einer neutralen Position heraus kommentiert wird; es handelt sich um Folgen, die ab Juni 1983 als Lückenfüller zwischen Spielfilmen und dem heute-journal eingesetzt wurden.[5] Diese Folgen liefen unter dem Titel „Jagdszenen in Hollywood“ und waren meist massivst gekürzt worden; manche Folgen liegen auf deutsch gar nur in dieser gekürzten Version vor [6]. Das Titellied der „Jagdszenen in Hollywood“ war The Entertainer, als Rahmenhandlung diente die Folge „Matinee Mouse“ (Tom und der falsche Frieden) von 1966, in welchem Tom und Jerry sich in einem Kino ihre eigenen Filme ansehen, sich über die Schmerzen des anderen amüsieren und sich dabei ihre Laune schrittweise verschlechtert. Seit der Ausstrahlung bei Pro7 wurden diese Cartoons in die normale Serie integriert.

Ähnlich wie bei Paulchen Panther sind die meist gereimten Kommentare ein deutsches Exklusivum und tragen durch zusätzliche Kontextinformationen und Witz erheblich zur Unterhaltung sowie zum einfacheren Verständnis der Handlung bei. Auf den deutschsprachigen Zuschauer wirken daher Original und Synchronfassung inhaltlich etwas anders. Für die deutschen Texte der Fernseh-Erstausstrahlungen zeichnete Siegfried Rabe verantwortlich, der auch Co-Autor des Titelliedes dieser deutschen Fernsehfassung, „Vielen Dank für die Blumen“, war. Das Lied wurde von Udo Jürgens gesungen und gehört zu seinen bekanntesten Interpretationen. Gesprochen wurden die Texte anfangs von Peter Ehret, nach 1981 von Stefan Krause. Bei den „Jagdszenen in Hollywood“ sprach Arnold Marquis die Texte. Die Bulldogge Spike und Mammy-Two-Shoes wurden meistens von Walter Reichelt und Marianne Wischmann gesprochen.

1987 lief die Serie „Tom und Jerry“ das letzte Mal regulär im ZDF, die „Jagdszenen in Hollywood“ liefen jedoch noch einige Zeit weiter dort und wanderten ins Nachmittagsprogramm.[7] Am 3. September 1990 war dann die Erstausstrahlung bei Pro7, wo die Serie bis 1996 lief. Später lief die Serie in den dritten Programmen sowie bei Das Erste (2001–2006), auf kabel eins (2006–2008), wieder bei Das Erste (2007) und schließlich erstmals vollständig und in chronologischer Reihenfolge bei RTL 2 (2008). Ebenso läuft die Serie sporadisch bei ORF 1 und beim SF zwei. Seit 2014 hält Super RTL die Rechte an der Serie, wo sie seit Februar 2014 zu sehen ist. Zudem wird der klassische deutsche Vorspann mit dem bekannten "Vielen Dank für die Blumen"-Song von Udo Jürgens verwendet. [8]

Mittlerweile sind fast alle Cartoons der Jahre 1940 bis 1967 auf DVD erhältlich – auf einer 12-teiligen „Tom & Jerry Classic Collection“. Vergessen wurden im Rahmen dieser Veröffentlichung allerdings „Tom als Millionär“ (14) sowie „Babysitter wider Willen“ (100). Diese sind nur auf den zwei Best-of-DVDs „Tom und Jerry – Auf Reisen“ und „Tom und Jerry – Ihre größten Jagdszenen – Teil 5“ enthalten.

International[Bearbeiten]

In Großbritannien werden die Folgen gewöhnlicherweise in den unverfälschtesten noch erhältlichen Versionen gezeigt, das heißt jenen, die 1965 von Barbera selbst von Kinobändern auf neues Material überspielt wurden. Die BBC verwendet die Folgen zudem als Notband bei Sendeunterbrechungen und technischen Störungen an Stelle einer Hinweistafel, weil sich damit der sonst übliche schlagartige Zuschauerverlust verhindern lässt. Im stark cartoon-lastigen japanischen Medienmarkt zählt Tom und Jerry zu den 100 beliebtesten Produktionen.

Auszeichnungen und Preise[Bearbeiten]

Diese Folgen gewannen den Academy Award (Oscar) für den besten Kurzfilm.

Diese Folgen waren für den Academy Award (Oscar) nominiert, gewannen aber nicht.

Diese Folgen waren für den Annie Award nominiert, gewannen aber nicht:

  • 1946: Springtime for Thomas
  • 1955: That's My Mommy
  • 1956: Muscle Beach Tom

Episoden[Bearbeiten]

Mediale Referenzwirkung[Bearbeiten]

Die Serie kann als Vorbild für Itchy & Scratchy, einer fiktiven Fernsehserie innerhalb der Simpsons, gesehen werden.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tom and Jerry – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Joseph Barbera: My Life in 'Toons: From Flatbush to Bedrock in Under a Century, Turner Pub, Nashville 1995, ISBN 9781570360428, S. 74 ff.
  2. Debbie Mauldin Cottrell: SHORT, BESA in: Handbook of Texas Online, Zugriff am 28. April 2012
  3. a b William Hanna und Tom Ito: A Cast of Friends, Da Capo Press, Cambridge 2000, ISBN 9780306809170, S. 46
  4. siehe z.B. „Mouse comes to Table“ von 1945
  5. http://www.fernsehlexikon.de/search/Tom+und%20Jerry/
  6. siehe z.B. „Der kleine Specht“ (Folge 41) oder „Lehrstunde für Tom“ (Folge 57)
  7. http://www.tvprogramme.net/view_tag.php?tag=1988-07-29
  8. http://www.wunschliste.de/3126