Biotit

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Biotit
Biotite aggregate - Ochtendung, Eifel, Germany.jpg
dünntafeliges Biotit-Aggregat aus Ochtendung in der Eifel (Bildgröße: 2,5 mm)
Chemische Formel K(Mg,Fe2+,Mn2+)3[(OH,F)2|(Al,Fe3+,Ti3+)Si3O10]
Mineralklasse ehemals Schichtsilicate (Phyllosilicate)
9.EC.20 (8. Auflage: VIII/H.11) nach Strunz
71.02.02b.02 nach Dana
Kristallsystem monoklin (pseudohexagonal)
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin monoklin-prismatisch \ 2/m
Farbe schwarz, dunkelbraun, grünlichschwarz
Strichfarbe weiß
Mohshärte 2 bis 3
Dichte (g/cm3) 2,7 bis 3,3
Glanz Glasglanz bis Perlmuttglanz
Transparenz durchscheinend bis undurchsichtig
Bruch blättrig
Spaltbarkeit vollkommen
Habitus tafelige oder kurzprismatische, pseudohexagonale Prismen
Kristalloptik
Brechungsindex α = 1,565 bis 1,625 ; β = 1,605 bis 1,675 ; γ = 1,605 bis 1,675
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
Δ=0,04-0,05; zweiachsig negativ
Optischer Achsenwinkel 2V = 0° bis 25°
Pleochroismus gelb-braun-rotbraun nur wenn durchsichtig
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten lässt sich schwer zu schwarzem magnetischem Glas schmelzen, löslich in konzentrierter H2SO4 (es entsteht ein SiO2-Skelett)
Ähnliche Minerale Phlogopit
Besondere Kennzeichen Gilt seit 1999 nicht mehr als eigenständiges Mineral

Biotit oder Dunkelglimmer (Magnesiumeisenglimmer) ist ein verbreitetes Schichtsilikat. Es gilt seit 1999 nach dem Beschluss der International Mineralogical Association (IMA) nicht mehr als eigenständiges Mineral, sondern als Mischkristall der Annit-Phlogopit-Mischreihe. Biotit gehört mit dem „Hellglimmer“ Muskovit zu den häufigsten Glimmerarten und ist namensgebend für die Biotitreihe der Glimmergruppe.

Das Mineral kristallisiert blättchenförmig im monoklinen Kristallsystem mit der allgemeinen Formel K(Mg,Fe2+,Mn2+)3[(OH,F)2|(Al,Fe3+,Ti3+)Si3O10]. Es entwickelt durchscheinende bis undurchsichtige, sehr biegsame und teilweise pseudohexagonale Kristalle mit metallischem Perlmutterglanz, die sich in feinste Plättchen spalten lassen.

Benannt wurde es nach dem französischen Physiker Jean-Baptiste Biot (1774–1862), der als Erster die optische Verschiedenheit der Glimmer erkannte.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Undurchsichtiges, teilweise pseudohexagonales Biotit-Aggregat
Pseudohexagonaler Biotitkristall (0,75 x 1 mm) in Kombination mit Sanidin und Nephelin

Biotit kommt gesteinsbildend in vielen magmatischen Gesteinen vor, z.B. in Graniten. Aus einer aufsteigenden Gesteinsschmelze kristallisiert er knapp vor Feldspat, Quarz und Pyroxen, wenn sich das Magma auf etwa 800 bis 700 °C abkühlt (Phase der Hauptkristallisation). Weit verbreitet ist Biotit auch in metamorphen Gesteinen wie Gneis und Glimmerschiefer. In Sand und Sandstein findet er sich in Form kleiner, goldglänzender Blättchen.

Das Schichtgefüge vieler Metamorphite (z.B. Gneis) geht auf das unterschiedliche Temperaturverhalten des Dunkelglimmers bei der Entmischung des Gesteins in größeren Tiefen zurück. Biotit und andere Schichtsilikate neigen dazu, sich unter heißer Druckbelastung seitlich neu zu kristallisieren, während Quarz und Feldspäte eher körnig bleiben. Die Schieferungsflächen entsprechen dabei der Richtung der maximalen tektonischen Scherkräfte.

Gleich dem Muskovit bildet Biotit in Pegmatiten große Tafeln. Hell- und Dunkelglimmer können miteinander verwachsen, wobei die Spaltflächen durch beide Glimmer ohne Unterbrechung hindurchlaufen. Zudem bildet Biotit mit vielen anderen Mineralen Paragenesen, so unter anderem mit Amphibolen, Andalusit, Cordierit, Granaten, Kalifeldspat, Nephelin, Plagioklas, Pyroxen, Quarz, Spinell

Durch chemische Verwitterung wird das Mineral leicht angegriffen, verliert Glanz und Elastizität und wird mürbe. Im Endstadium der Zersetzung bilden sich Eisenhydroxide und verschiedene Tonminerale (Hydrobiotit, Vermiculit), Katzengold oder auch Chlorite. Wird Biotit als feine Plättchen im Wasser auf Sand abgelagert, so macht er auch dort Veränderungen durch (z.B. Oxidation). Die Farbe nimmt einen goldbraunen Ton an, daher der Name Katzengold. Wirtschaftlich genutzt wird Biotit nur als Zusatzstoff in der Kosmetik und als Füllstoff (gemeinsam mit Muskovit).

Bisher konnte Biotit an rund 4600 Fundorten nachgewiesen werden (Stand: 2010). Größere Blattkristalle finden sich dabei unter anderem im Gebiet um den Laacher See in Deutschland, Bessnes in Frankreich, Ontario in Kanada, Evje in Norwegen, sowie im Uluguru-Gebirge in Tansania. Länder mit vielen Fundstätten (5 oder mehr) sind unter anderem Argentinien, Australien, Bolivien, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Deutschland, Ecuador, Finnland, Frankreich, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, Madagaskar, Mexiko, Mongolei, Namibia, Nordkorea, Norwegen, Österreich, Papua-Neuguinea, Peru, Philippinen, Polen, Paraguay, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Slowakei, Südafrika, Südkorea, Spanien, Tschechien, Ukraine, Ungarn, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) sowie in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[1]

Petrologie[Bearbeiten]

Biotit tritt in fast allen Metasedimenten auf. In den Amphiboliten steht das Mineral mit Amphibol und Plagioklas im Gleichgewicht während es in den Eklogiten ein Abbauprodukt von Phengit darstellt.

Verwendung[Bearbeiten]

Für die Verwendung von Gesteinen als Baumaterial erweist Biotit sich als ungünstig, da er aufgrund seiner Spaltbarkeit das rasche Eindringen von Verwitterungslösungen zulässt und dadurch auch häufig Rostflecken an der Oberfläche bildet (z. B bei Bordsteinen aus Granit). Da Biotit relativ weich ist, findet er in reiner Form als Baumaterial keine Verwendung. Allerdings wird er in der kosmetischen Industrie gemeinsam mit dem Muskovit verwendet, um einem Kosmetikartikel den für alle Glimmerminerale typischen, glitzernden Effekt zu verleihen (siehe auch Verwendung von Glimmer).

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mindat - Localities for Biotite

Literatur[Bearbeiten]

  •  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 252.
  •  Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 748.
  • Lévy, 1837, u. a. In: V.M. Goldschmidt, Atlas der Krystallformen, 1913-1923 (Glimmer-Gruppe (Biotit, Muscowit u. A.))

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Biotite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien