Orthoklas

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Orthoklas
Ortoclasio.jpg
Weißer Orthoklas mit durchsichtigem Quarz
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel K[AlSi3O8]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Gerüstsilikate; Feldspatgruppe (Buddingtonit-Orthoklas-Slawsonit-Serie)
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
9.FA.30 (8. Auflage: VIII/J.06)
76.01.01.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m
Raumgruppe C2/mVorlage:Raumgruppe/Unbekannter Anzeige-Typ[1]
Gitterparameter a = 8,56 Åb = 12,96 Å; c = 7,21 Å
β = 116,1°[1]
Formeleinheiten Z = 4[1]
Zwillingsbildung Bavenoer-, Karlsbader-, Manebacher Zwillinge
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 6 bis 6,5
Dichte (g/cm3) 2,5
Spaltbarkeit nach {001} vollkommen, nach {010} gut
Bruch; Tenazität uneben bis muschelig
Farbe farblos, weiß, grau, braun, gelb, rot, rosa
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz bis Perlmuttglanz
Radioaktivität kaum messbar
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,518
nβ = 1,522
nγ = 1,523 bis 1,524
Doppelbrechung δ = 0,005 bis 0,006
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Pleochroismus farblos
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten in HF und Alkalischen Laugen lösbar

Orthoklas (auch Orthoclas) ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Gruppe der Feldspate und der Mineralienklasse der Silikate. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung K[AlSi3O8] und entwickelt entweder prismatische bis tafelige Kristalle oder körnige bis massige Aggregate in den je nach Varietät unterschiedlichen Farben: Weiß, Grau, Gelb, Rot und Braun. Auch farblose Orthoklase sind bekannt.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Benannt wurde Orthoklas 1823 von August Breithaupt, der das Mineral in Anlehnung an dessen gute bis vollkommene Spaltbarkeit im rechten Winkel nach den griechischen Worten ὀρθός orthos für „gerade“ oder „recht“ und κλάσις klas für „Bruch“ benannte.

Klassifikation[Bearbeiten]

Bereits in der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Orthoklas zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der "Gerüstsilikate (Tektosilikate)“, wo er zusammen mit Buddingtonit, Celsian, Hyalophan, Kokchetavit, Mikroklin, Paracelsian, Rubiklin, Sanidin und Slawsonit die eigenständige „Feldspatgruppe (Buddingtonit-Orthoklas-Slawsonit-Serie)“ mit der System-Nr. VIII/J.06 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Orthoklas ebenfalls in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate) ohne zeolithisches H2O“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit weiterer Anionen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate) ohne weitere Anionen“ zu finden ist, wo es zusammen mit Adular, Anorthoklas, Buddingtonit, Celsian, Hyalophan, Kokchetavit, Mikroklin, Monalbit, Rubiklin und Sanidin die Feldspatgruppe mit der System-Nr. 9.FA.30 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Orthoklas in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Gerüstsilikate: Al-Si-Gitter“ ein. Hier ist er zusammen mit Anorthoklas, Celsian, Filatovit, Hyalophan, Mikroklin, Rubiklin und Sanidin in der Gruppe der „K (Na,Ba)-Feldspate“ mit der System-Nr. 76.01.01 innerhalb der Unterabteilung „Mit Al-Si-Gitter“ zu finden.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

Adular mit etwas Chlorit überwachsen aus dem Felbental (Hohe Tauern), Österreich (Größe: 10,0 cm × 6,3 cm × 5,0 cm)
  • Adular (Adularia) - pseudo-orthorhombisch bzw. pseudo-trigonal. Aus hydrothermalen Lösungen auskristallisiert, vorwiegend aus alpinen Klüften der Adula-Alpen bekannt. Weiß, seltener farblos - transparent. Der Begriff ist auch als Synonym für Orthoklas in Gebrauch.
    • Paradoxit - fleischroter Adular[2]
    • Valencianit - milchig trüber Adular[2]
  • Mondstein - bläulich-weißer, flächenhafter Schimmer, ähnlich dem des Mondes (Name!), auch als adularisieren bezeichnet; wird bei Schmucksteinen durch Cabochon-Schliff besonders betont

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Kristallstufe aus Orthoklas (weiße Kristalle und derbe, gelbliche Matrix), vergesellschaftet mit Spessartin (kleine, orange Kristalle) und Rauchquarz (schwarz) aus der Provinz Livorno (Elba), Italien (Größe: 7,0 cm × 5,2 cm × 5,1 cm)

Orthoklas ist ein typisches, gesteinsbildendes Mineral und bildet sich entweder magmatisch in Granit, Pegmatit, Rhyolit, Syenit und Trachyt oder metamorph in Orthogneis, Migmatit und anderen. Als Begleitminerale treten unter anderem Albit, Beryll, Biotit, verschiedene Hornblenden, Muskovit und Schörl auf.

Als häufige Mineralbildung ist Orthoklas an vielen Fundorten anzutreffen, wobei bisher (Stand 2015) etwas mehr als 2000 Fundorte[3] bekannt sind.

Erwähnenswert aufgrund außergewähnlicher Orthoklasfunde sind unter anderem der Oberleidenberg bei Bad Weißenbach in der Saualpe im österreichischen Bundesstaat Kärnten mit Kristallfunden von bis zu 70 Zentimeter Größe[4] sowie Twentynine Palms in US-Bundesstaat Kalifornien, wo gut ausgebildete Kristalle und Zwillinge mit einem Durchmesser von bis zu 20 Zentimetern entdeckt wurden.[5] Gelbe Kristalle mit hohem Glanz und schleifwürdiger Qualität von bis zu 7 Zentimeter Größe traten bei Itrongay in der Region Anosy auf Madagaskar zutage.[6]

Adular kennt man unter anderem aus den alpinotypen Gängen des Sankt-Gotthard-Massivs in der Schweiz.[5]

Weitere bekannte Fundorte mit guten Kristallfunden sind unter anderem die Pitwak Mine im Kokscha-Tal im Gebiet von Kuran va Munjan in Afghanistan, Minas Gerais in Brasilien, Hagendorf in Deutschland, Baveno in Italien, das Malosa-Massiv in Malawi, die Region Skardu in Pakistan, Strzegom in Polen, Loket und Karlovy Vary in Tschechien.[7]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Orthoklas kristallisiert monoklin in der Raumgruppe C2/m (Raumgruppen-Nr. 12) mit den Gitterparametern a = 8,56 Å; b = 12,96 Å; c = 7,21 Å und β = 116,1° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Verwendung[Bearbeiten]

Orthoklas wird in der Glas-, Keramik- und Pharmaindustrie gebraucht.[5]

Orthoklas im Ovalschliff aus Itrongay, Madagaskar (Größe: 4,5 cm × 4 cm × 2 cm)

Orthoklas und seine Varietät Mondstein finden Verwendung als Schmuckstein. Beim Orthoklas bestehen aufgrund der Ähnlichkeit von Farbe und Glanz Verwechslungsgefahr mit Chrysoberyll, Citrin, Goldberyll, Prehnit, Topas und Zirkon.[8]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 601–602.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Orthoclase – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Mondstein – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 693.
  2. a b  Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. 5. Auflage. Christian Weise Verlag, München 2008, ISBN 978-3-921656-70-9, S. 197.
  3. Mindat - Anzahl der Fundort für Orthoklal
  4. Gerhard Niedermayr, Ingeborg Praetzel: Mineralien Kärntens Verlag Naturwissenschaftlicher Verein f. Kärnten (1995), ISBN 978-3-85328-003-4 (Referenz bei mindat.org)
  5. a b c  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 263 (Dörfler Natur).
  6. Mineralienatlas: Mineralfundort Itrongay
  7. Fundortliste für Orthoklas beim Mineralienatlas und bei Mindat
  8.  Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16. überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5, S. 180.