Bonner Münster

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Bonner Münster
Ansicht aus Südost

Das Münster, auch Münsterbasilika genannt, ist die katholische Hauptkirche in Bonn und ein Wahrzeichen der Stadt. Es wurde im 11. Jahrhundert als romanische Stiftskirche St. Cassius und Florentius des Cassius-Stiftes erbaut. Nach der Säkularisation des Stiftes am Beginn des 19. Jahrhunderts und dem Abriss der benachbarten Pfarrkirche St. Martin im Jahr 1812 kam das Münster in den Besitz der Pfarre St. Martin. Seit 1956 trägt das Münster den Titel Basilica minor.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Altäre für römische Götter wie Mercurius Gebrinius und die Matronae Aufaniae,[1][2] die im Bereich des Münsters gefunden wurden, deuten darauf hin, dass an dem Ort, an dem später die Kirche errichtet wurde, in römischer Zeit eine Kultstätte bestand. Gräber, Grabmäler und eine römische cella memoriae, eine Toten-Gedenkstätte, weisen auf die Existenz einer „kleinen Nekropole[3] hin, die seit dem 2. Jahrhundert hier bestand. Die cella memoriae war ein Fachwerkbau und hatte im Innenraum steinerne Bänke und zwei Tische. Hier wurde der Toten bei einer kultischen Mahlzeit gedacht.

Um die Mitte des 6. Jahrhunderts wurde am Platz der schon im 4. Jahrhundert wieder abgebrochenen Toten-Gedenkstätte ein Saal erbaut, ein 13,70 Meter langes und 8,80 Meter breites Gebäude. Bereits während der Bauzeit oder kurz danach wurde in dem neuen Rechtecksaal die erste Bestattung in einem Plattengrab vorgenommen. Kurze Zeit später entstand der erste Estrich. Die Lage des ältesten Grabes wurde darin durch ein Kreuz aus Buntmarmorplättchen kenntlich gemacht. Die hier bestatteten Merowinger rechneten sich also dem christlichen Glauben zu. Die ersten Gräber in dem Gebäude zeichnen sich „durch ihre aufwändige Gestaltung, die reichen und zum Teil importierten Beigaben und natürlich ihre Lage aus“.[4] Weitere Bestattungen in dem Gebäude und im Außenbereich fanden in der Folgezeit statt.

Spätestens am Ende des 7. Jahrhunderts siedelten sich Kleriker in der Nähe der Architektur an und vermutlich „lebten hier Abt Giso und ein Diakon, die in der ältesten Schriftquelle zu den Bauten am Ort des Münsters aus der Zeit um 691/92 genannt werden.“[4] Das Aussehen des Saalbaus wurde durch An- und Umbauten immer wieder verändert. Mehrere Grabräume und andere Bauteile wurden angefügt. Am Ende des 8. Jahrhunderts folgten weitere Um- und Ausbauarbeiten. Vor dem Gebäude wurde ein Mörtelestrich ausgebracht, der wahrscheinlich Teil des 787/88 genannten Atriums ist. Mit diesen Arbeiten endete die Baugeschichte dieser Architektur.

Das Gebäude wurde wohl schon im Mittelalter als Grabstätte der als Märtyrer verehrten Cassius und Florentius angesehen. Mit der Gründung des Cassius-Stiftes in karolingischer Zeit am Ende des 8. Jahrhunderts entstand an diesem Ort die Stiftskirche St. Cassius und Florentius.

Architektur[Bearbeiten]

Grundriss des Münsters

Die alte Stiftskirche wurde um 1050 abgerissen und wich dem Neubau im romanischen Stil. Dieser Neubau war eine der ersten Kirchengroßanlagen im Rheinland, eine dreischiffige Kreuzbasilika.

Die Querarme des Baus, die von einer fast quadratischen Vierung ausgingen, überragten nur wenig die Seitenschiffe. Die Basilika hatte eine doppelte Choranlage: einen Langchor über einer dreischiffigen Krypta im Osten, unter der sich eine Gruft befand, und einen Westchor ebenfalls mit Krypta. Vom Bauwerk des 11. Jahrhunderts sind außer der Gruft noch Teile der Ostkrypta und des Hochchores sowie der Westbau erhalten.

In der Gruft befinden sich drei Steinsarkophage und eine weitere ziegelummauerte Bestattung. War der Vorläuferbau des Münsters nach diesen Gräbern ausgerichtet, so gilt das für den Neubau nicht mehr. Durch seine west-östliche Ausrichtung liegt die Mittelachse des Gebäudes nun quer zu den Gräbern, in denen die Reliquien der Bonner Märtyrer Cassius, Florentius und Gefährten gelegen haben sollen. 1166 ließ Propst Gerhard von Are die Reliquien in kostbare Schreine legen, die ihren Platz am Hochaltar fanden.

Kreuzgang

Gerhard von Are war es, der die Kirche um das Chorquadrat mit den beiden Flankentürmen und um die reichgegliederte Ostapsis erweitern ließ. Dieser Erweiterungsbau konnte 1153 eingeweiht werden. Der Bautätigkeit dieses Propstes ist auch der Kreuzgang an der Südseite der Kirche zu verdanken.

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts wurde das Chorhaus mit Kreuzrippengewölben versehen und um 1200 wurden die Querschiffe mit fünfseitigen Apsidenschlüssen, die Vierung und ein achteckiger, von einem gefälteten Zeltdach gekrönter Vierungsturm erbaut. 81,4 Meter ist dieser Turm heute hoch. Er trägt einen Spitzhelm aus dem 16. Jahrhundert.

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wurde das Langhaus in gotischem Stil neu aufgeführt, wobei die Seitenschiffe verbreitert und die Westapsis neu gestaltet wurden. Die genaue Datierung der Neuaufführung des Langhauses ist unter Kunsthistorikern umstritten und variiert zwischen den Jahren 1220 bis 1240; auf letztgenanntes Jahr deutet die einzige plausible Quelle aus der Chronik des Klosters Floreffe hin, die eine Zerstörung des alten Langhauses durch Brand im Jahr 1239 festschreibt.

1583–1589 und 1689 wurde das Münster erheblich zerstört. 1883–1889, 1934 und nach Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg wurde es restauriert.

Ausstattung[Bearbeiten]

Innen[Bearbeiten]

Enthält das Kirchengebäude romanische und gotische, so überwiegen bei der Ausstattung barocke Stilelemente. Sehenswert im Innern sind zwei Altäre aus Marmor (17. und 18. Jahrhundert), die Bronzestatue der Heiligen Helena, das Sakramenthäuschen, der Kreuzgang und die Krypta.

Krypta und Gruft[Bearbeiten]

Der westliche Teil der Krypta mit seinen quadratischen Kreuzgratgewölben stammt aus der Mitte des 11. Jahrhunderts. Der östliche Teil wurde von Gerhard von Are angebaut.

Der in der Krypta zu besichtigende Schrein wurde 1971 von Hein Gernot geschaffen. Die historischen Schreine wurden 1587 durch Martin Schenk von Nideggen und seine Söldner geraubt und vermutlich eingeschmolzen. Die Soldateska raubte nahezu den gesamten Kirchenschatz und zerstörte die Fenster und Teile der Inneneinrichtung des Münsters.

Eine Falltür aus Bronze verschließt den Zugang zur Gruft. Sie ist nur während der Oktav des Stadtpatronenfestes (10. Oktober) zugänglich. In der Gruft bedecken vier Marmorplatten Gräber, in denen die legendären christlichen Märtyrer Cassius und Florentius gelegen haben sollen, denen im 12. Jahrhundert Malusius als dritter Märtyrer zugesellt wurde. Die schwarzen Marmorplatten wurden 1701 von einem Kanoniker gestiftet.

Grabstätte[Bearbeiten]

Grabplatte des Erzbischofs Engelbert II.

Vier Erzbischöfe wurden im Bonner Münster beigesetzt:

Bis heute sind jedoch nur das Hochgrab Ruprechts von der Pfalz im östlichen Seitenschiff und die Grabplatte Engelberts von Falkenburg an einer Wand im Westchor erhalten.

Heinrich II. von Virneburg wurde in der Barbarakapelle der Münsterkirche neben seiner Schwester, der Äbtissin Ponzetta von Dietkirchen, beigesetzt. Sein Grab ist nicht mehr erhalten. Auch das Grab Siegfrieds von Westerburg ist nicht mehr nachweisbar.

Im Kreuzgang befindet sich das Grab des Kölner Weihbischofs Walter Jansen, der auf eigenen Wunsch als früherer Stadtdechant und Pfarrer am Bonner Münster dort bestattet werden wollte.


Außen[Bearbeiten]

Martins-Relief[Bearbeiten]

Römisches Bauwerk mit vierteiligem Martins-Relief

Im Außenbereich des Münsters befinden sich an mehreren Stellen Denkmäler und Kunstwerke. Dazu gehören Ernemann Sanders Bronzereliefs mit Szenen aus dem Leben des Heiligen Martin. Die vier Reliefs sind eingefasst von einem Rahmenwerk, einem Eckaufbau aus Trachytblöcken. 1961 wurde dieser Teil der Mauer des Pfarrgartens neben dem Chor des Bonner Münsters aufgestellt. Fragmente von Pilastern, Kapitellen und Architraven lassen die Steinblöcke als Reste einer antiken Architektur erkennen. Sie wurden bei Grabungen 1929/30 im Fundament des mittelalterlichen Münsters, im Bereich von Krypta und Kreuzgang gefunden. „Diese sämtlichen Trachytquader müssen von einem sehr großen, monumental ausgestatteten Bauwerk stammen, dessen zweigeschossige Außenseiten sich zum Teil in Bogenöffnungen auflösen und mit Pilastern mit korinthischen Kapitellen verziert waren.“[5] Wo dieses Bauwerk auf dem Terrain des römischen Bonn errichtet worden war, ist nicht bekannt. Spätestens kurz vor dem Neubau des Münsters samt Stiftsanlage im 11. Jahrhundert wurde es abgebrochen. Das Steinmaterial wurde zur Fundamentierung der neuen Kirche benutzt.

Das größere Stück des Eckbaus zeigt drei rundbogige Nischen, das im Winkel angefügte kürzere Stück nur eine Rundbogennische. Diese Vertiefungen, alle 165 Zentimeter hoch, doch unterschiedlich breit zwischen 80 und 90 Zentimeter, bergen seit 1983 die Martins-Reliefs von Ernemann Sander.[6]

Grundriss der alten Tauf- und Pfarrkirche St. Martin[Bearbeiten]

Im Bereich des im Osten an den Chor des Münsters anschließenden Martinsplatz gibt es in der Pflasterung und im Asphalt der Straße ein Band aus Porphyrquadern. Dieses Band zeichnet den Grundriss der alten Tauf- und Pfarrkirche St. Martin aus dem zweiten Viertel des 12. Jahrhunderts nach. Sie war ein Rundbau mit doppelgeschossigem Umgang, halbrunder Apsis im Osten und einer zweistöckigen Westvorhalle über leicht trapezförmig sich verjüngendem Grundriss. Der kleine Zentralbau stürzte bei einem Sturm 1812 ein und wurde daraufhin abgerissen.

Pranger[Bearbeiten]

Pranger vor dem Hauptportal; im Hintergrund prangt über dem Portal das Wappen des Vatikans zur Kennzeichnung einer Basilica minor

Vor dem Hauptportal des Münsters, im Bereich des Münsterplatzes, steht der Bonner Pranger. Er befindet sich auf einer Trachytplatte. Die Säule ragt 2,70 Meter hoch und besteht aus römischem Sandstein. Bekrönt ist die Säule von einer Trachytkugel, dem Hoheitszeichen des Gerichtsherrn. Ein abgebrochener Eisendübel an halber Säulenhöhe lässt auf ein Halseisen an dieser Stelle schließen. Die Säule wurde 2005 durch einen Verkehrsunfall zerbrochen und anschließend wieder restauriert.

Martinsbrunnen[Bearbeiten]

Den Martinsbrunnen vor dem Westportal des Münsters schuf 1902 der Berliner Bildhauer Heinrich Goetschmann (1857–1929).[7] Er selbst nannte seinen Brunnen Martinitreiben: Die Szenerie zeigt Kinder, die versuchen, Gänse für das Festessen am Martinstag zusammenzutreiben.[8] Im Zweiten Weltkrieg wurden die Bronzefiguren eingeschmolzen und 1958 nach alten Gipsformen durch Ingeborg von Rath rekonstruiert.

Skulpturen[Bearbeiten]

Ebenfalls im Bereich des Hauptportals befindet sich seit 2001 Eduardo Chillidas monumentale Stahlkonstruktion „De Musica IV“. Weniger auffallend und ebenfalls noch im Bereich des Münsterplatzes befindet sich eine Skulptur von Ansgar Nierhoff. Ausgleich nach dem Bildersturm hat der Künstler das vierteilige Kunstwerk genannt. Es besteht aus einer Stahlkugel und, unmittelbar an das Mauerwerk des Münsters angelehnt, einer Stange und zwei Kreishälften. Auf dem Martinsplatz liegen seit 2002 die aus thailändischem Granit gehauenen Köpfe von Cassius und Florentius. Der türkische Künstler Iskender Yediler hat sie geschaffen.

Orgel[Bearbeiten]

Klais-Orgel auf der Westempore

Die Orgel auf der Westempore wurde 1961 von Johannes Klais (Bonn) erbaut.

I Rückpositiv C–a3
Holzgedackt 8′
Quintadena 8′
Ital. Principal 4′
Spillflöte 4′
Principal 2′
Terz 1 3/5
Sifflöte 1′
Scharff IV
Cymbel II
Vox humana 8′
Schalmey-Regal 8′
Tremolo
II Hauptwerk C–a3
Pommer 16′
Principal 8′
Rohrflöte 8′
Gemshorn 8′
Octav 4′
Querflöte 4′
Super Octave 2′
Cornett V
Rauschwerk IV-V
Mixtur IV
Trompete 8′


Chamaden C–a3
Trompete magna 16′
Trompete de batalla 8′
Bajoncillo 4′
III Schwellwerk C–a3
Sektion A (leise)
Gamba 8′
Spitzgedackt 8′
Schwebung 8′
Koppelflöte 4′
Schwegel 2′
Terzcymbel III
Hautbois 8′
Tremolo
Sektion B (stark)
Bordun 16′
Principal 8′
Offenflöte 8′
Principal 4′
Nasard 2 2/3
Septime 1 1/7
Acuta IV-V
Fagott 16′
Tromp. harm. 8′
Clairon 4′
Tremolo
IV Oberwerk C–a3
Singend Gedackt 8′
Salicional 8′
Praestant 4′
Holzflöte 4′
Blockflöte 2′
Larigot 1 2/3
Sesquialter II
Mixtur III-IV
Trichterdulcian 16′
Krummhorn 8′
Tremolo
Pedal C–g1
Untersatz 32′
Principalbass 16′
Principal 16′
Subbass 16′
Quintbass 10 2/3
Octav 8′
Rohrpommer 8′
Octav 4′
Flöte 4′
Nachthorn 2′
Nonencornett V
Pedalmixtur V
Kontraposaune 32′
Posaune 16′
Trompete 8′
Zink 4′
Cornett 2′
Tremolo
  • Koppeln:
    • Manualkoppeln: I/II, III(A)/II, III(B)/II, IV/II, III(A)/I, III(B)/I, IV/I, IV/III,
    • Pedalkoppeln: I/P, II/P, III(A)/P, III(B)/P, IV/P
    • Chamadwerkskoppeln: Ch/I, Ch/II, Ch/III, Ch/IV, Ch/P
  • Spielhilfen: Setzeranlage, 3 Freie Kombinationen, Tutti, Registercrescendo.

Glocken[Bearbeiten]

Das Geläut setzt sich aus acht historisch bedeutsamen Glocken zusammen. Es zählt zu den seltenen vollständig erhaltenen Großgeläuten des Barock und ist das Werk eines der besten Gießer der damaligen Zeit, nämlich Martin Legros aus Malmedy. Alle Glocken, mit Ausnahme der beiden kleinsten, wurden im Jahre 1756 gegossen und am 8. Dezember des gleichen Jahres geweiht. Die kleinste Glocke ist ein Werk des Johannes Bourlet aus dem Jahre 1687. Die Glocken hängen im historischen Holzglockenstuhl in der Glockenstube des 81,4 Meter hohen Vierungsturmes.

Zweimal liefen die Münsterglocken Gefahr, zerstört zu werden. In den Weltkriegen sollten sie eingeschmolzen werden. Dazu wurden sie auf den Glockenfriedhof nach Hamburg gebracht. Beide Male kehrten die Glocken zurück. Des Weiteren riss beim Hochziehen der zweitgrößten Glocke ein Seil, doch den 20 Meter tiefen Sturz überstand sie. Jedoch ist an der Schärfe (untere Kante der Glocke) ein Stück Glockenbronze herausgebrochen.

Daten[Bearbeiten]

Nr. Widmung Gussjahr Gießer Masse
(kg, ca.)
Durchmesser
(mm)
Schlagton
(HT-1/16)
Inschrift
(Übersetzung)
1 Mutter Gottes und Clemens
(Kurfürstenglocke)
1756 Martin Legros 3.400 1.780 b0 00–2 (Auf Veranlassung von Clemens August, dem Herzog von Bayern, Erzbischof von Köln, Kurfürst des heiligen Römischen Reiches, berühmter Meister des deutschen Ordens, Bischof von Paderborn, Hildesheim, Münster und Osnabrück ist, ausgezeichnet zu seiner Zeit durch fürstliche Freigebigkeit und Ehre seiner Tugend. Der Kirche und Stadt zur Zierde und zum Wohle. In Ewigkeit göttlichen Willens der Jungfrau und Gottesmutter und dem heiligen Klemens das Lob. Ich wurde 1756 gegossen.)
2 Cassius und Florentius, Mallusius und Achatius 1756 Martin Legros 2.400 1.580 c1 00–7 (Dem hochwürdigsten und erlauchten Manne Johann Arnold Joseph von Achatius, Stiftsherr der Kölner Domkirche, von St. Cassius und Florentius zu Bonn, von Sankt Andreas in Köln und des adligen Klosters Schwarz-Rheindorf, sowie seiner vortrefflichen und tugendhaften Schwester und Klosterfrau Franziska Theresia von Achatius, die sich beide um die Münsterkirche sehr verdient gemacht, widmet das Bonner Capitel durch diese Glocke ein immer dauerndes Denkmal im Jahr 1756. Martinus Legros aus Malmedy hat mich zu Ehren der heiligen Cassius, Florentius, Malusius, der Schutzpatrone dieser Kirche sowie zur Ehre des heiligen Achatius gegossen.)
3 Helena 1756 Martin Legros 1.650 1.390 d1 00–7 (Der heiligen Helena Augusta, der Gründerin der Bonner Kirche, der hehren Mutter, haben dies eherne Denkmal aus Frömmigkeit und Dankbarkeit gewidmet die Prälaten und Stiftsherren 1756. Legros goss mich.)
4 Donatus und Agatha 1756 Martin Legros 1.450 1.320 es1 0–5 (Dem heiligen Bischof und Märtyrer, dem heiligen Donatus und der heiligen Jungfrau und Märtyrerin Agatha, den Schutzpatronen gegen Blitze und Feuer gewidmet 1756. Martinus Legros goss mich.)
5 Joseph 1756 Martin Legros 280 770 c2 00–9 (Dem göttlichen Joseph, der allerheiligsten Gottesgebärerin versprochen, 1756. Auf Kosten der Erzbruderschaft der seligen Jungfrau Maria zur Fürsprache der Verstorbenen. Legros goss mich.)
6 Johannes Nepomuk 1756 Martin Legros 200 690 d2 00–6 (Dem heiligen Märtyrer Johannes von Nepomuk, 1756. Legros goss mich.)
7 Dreifaltigkeit 1757 Martin Legros 220 700 es2 0–13 (Zu Ehren der Dreifaltigkeit, 1757. Legros goss mich.)
8 Jesus, Maria und Joseph 1687 Johannes Bourlet 110 550 ges2 –5 JESUS, MARIA, JOSEPH / JOH. BOURLET VON GIRLICH GOSS MICH / 1687

Läuteordnung[Bearbeiten]

Es wird jeweils eine Viertelstunde vor Gottesdienstbeginn geläutet. Die Dauer des Läutens richtet sich nach Art des Anlasses.

Anlass Anzahl
Glocken
100 200 300 400 500 600 700 800
Weihnachten, Jahreswechsel, Ostern, das Stadtpatronefest und Fronleichnamsprozession; Eröffnung der Festdekade, Festhochamt mit Kerzenopfer des Rates der Stadt Bonn und Abschluss des Stadtpatronefestes 8 b0 c1 d1 es1 c2 d2 es2 ges2
Werktage der Festdekade 6 c1 es1 c2 d2 es2 ges2
Sonntageinläuten am Vorabend um 19 Uhr (zuvor 3 mal 3 Schläge auf Glocke 2) und übrige Hochfeste 4 b0 c1 d1 es1
Hochamt im Jahreskreis, Pontifikalamt 3 b0 c1 es1
Palmsonntag, Gründonnerstag 3 b0 d1 es1
Sonntagsmessen im Jahreskreis (mittags und abends) 3 c1 d1 es1
Allerseelen 2 b0 d1
Sonntagsmessen in der Fastenzeit (mittags und abends) 2 c1 d1
Feste an Werktagen 2 c1 es1
Abendmesse werktags 1 d1
Morgenmesse werktags, Mittagsgebet 1 es1
Angelusläuten um 7 und 19 Uhr (sonntags auch um 12 Uhr), zuvor 3 mal 3 Schläge auf Glocke 2 1 c2

Stadtdechanten und Pfarrer am Bonner Münster[Bearbeiten]

Krönungsstätte[Bearbeiten]

Das Bonner Münster wurde in seiner Geschichte zweimal Krönungsstätte deutscher Könige.

Heinrich II. von Virneburg krönte am 25. November 1314 Friedrich III. von Österreich (genannt der Schöne) zum deutschen König, nachdem zuvor dessen Vetter Ludwig von Bayern zum König gewählt und in Aachen gekrönt worden war. Als Gegenkönig konnte Friedrich III. sich bis 1322 halten, dann wurde er in der Schlacht bei Mühldorf vernichtend geschlagen.

Die zweite Königskrönung fand am 26. November 1346 statt. Diesmal krönte Erzbischof Walram von Jülich auf Wunsch und Drängen des Papstes den Markgrafen Karl von Mähren zum Gegenkönig. Karl IV., wie er sich von nun an nannte – 1355 in Rom zum Kaiser gekrönt und Begründer der ersten deutschen Universität – gilt als der bedeutendste Herrscher des Spätmittelalters.

Basilica minor[Bearbeiten]

Pfingstsonntag 1956 erhob der Apostolische Nuntius, Erzbischof Aloysius Muench, das Münster zur Päpstlichen Basilica minor. Das Münster sei wegen seiner historischen Vergangenheit, Schönheit und Monumentalität das „wertvollste Denkmal“ in der Stadt, schrieb Papst Pius XII. zur Begründung der Auszeichnung.

Restaurierungsarbeiten[Bearbeiten]

Am 2. Februar 2006 wurde im Zuge von Restaurierungsarbeiten eine neue Bekrönung auf dem Bonner Münster installiert. Sie ersetzt einen schmucklosen fünfzackigen Blitzableiter. Außer einem Kreuz ist die Bekrönung mit einer vergoldeten Krone mit einem Durchmesser von 1,5 Meter geschmückt.

Zwillingskirche[Bearbeiten]

Zur Zeit Preußens studierten die Kronprinzen des Hauses Hohenzollern in Bonn an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität. Kaiser Wilhelm II., der in Bonn studiert hatte, war von der Architektur des Bonner Münsters so sehr beeindruckt, dass er später maßgeblichen Einfluss auf die Bauarbeiten der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin nahm und sie als Kopie des Bonner Münsters bauen ließ.

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard Pick: Zur Geschichte der Münsterkirche in Bonn. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, Heft 42 (1884), S. 71–119.
  • Bonn und sein Münster, Festschrift für Johannes Hinsenkamp. Bonn 1947.
  • Dietrich Höroldt: Das Stift St. Cassius zu Bonn: Von den Anfängen der Kirche bis zum Jahre 1580. In: Bonner Geschichtsblätter, Band 11 (1957).
  • Manfred Koch: Das Münster, ehemals Stiftskirche St. Cassius und Florentius. Schnell und Steiner Verlag, Regensburg 1990.
  • Andreas Denk, Ingeborg Flagge: Architekturführer Bonn. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-496-01150-5, S. 2–3.
  • Jürgen Kaiser und Andreas Lechtape: Das Bonner Münster. Geschichte – Architektur – Kunst – Kult. Regensburg 2002.
  • Josef Niesen: Bonner Personenlexikon. 3. erweiterte Auflage. Bouvier Verlag, Bonn 2011.
  • Stefan Bodemann: Das Bonner Münster – ein europäisches Monument, mit Fotos von Norbert Bach, Freiburg 2009.
  • Stefan Bodemann (Text), Norbert Bach (Fotos): Mitten im Leben vom Tod umfangen. Der Kreuzgang des Bonner Münsters. Bonn 2009, ISBN 978-3-00-028485-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bonner Münster – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rheinisches Landesmuseum Bonn: Weihaltar für die Aufanischen Matronen. In: rlmb.lvr.de. Landschaftsverband Rheinland (LVR), 2013, abgerufen am 29. August 2013.
  2. Annette Kuhn: Die Aufanischen Matronen. In: wirfrauen.de. Wir Frauen e.V., Februar 2004, abgerufen am 29. August 2013 (Professorin für Geschichtsdidaktik und Frauenforschung an der Uni Bonn).
  3. Ulrike Muessemeier: Die merowingerzeitlichen Funde aus der Stadt Bonn und ihrem Umland, Dissertation Bonn 2004 (Online).
  4. a b Christoph Keller: Legende auf dem Prüfstand, in: Archäologie in Deutschland, 5/2006, S. 35.
  5. Hans Lehner/Walter Bader: Baugeschichtliche Untersuchungen am Bonner Münster, Bonn 1932
  6. Wilfried Hansmann: Die Martins-Reliefs am Bonner Martinsplatz, in: Gero Sander (Hg.): Ernemann Sander, Bonn 1997.
  7. Lebensdaten nach: http://www.lot-tissimo.com/de/i/3777257/heinrich-goetschmann-1857-fischbach-1929-berlin-wilmersdorf-friedrich-ii-von-preusen-bronze-dunkel, abgerufen am 15. November 2013
  8. Horst-Pierre Bothien, Erhard Stang: Geheimnisvolles Bonn. Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2003, ISBN 3-8313-1342-3, S. 8–9.

50.73347.0996138888889Koordinaten: 50° 44′ 0,2″ N, 7° 5′ 58,6″ O