Tucker Torpedo

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Tucker
Tucker '48 (Torpedo)

Tucker '48 (Torpedo)

Torpedo
Produktionszeitraum: 1947–1948
Klasse: Obere Mittelklasse
Karosserieversionen: Limousine
Motoren: Ottomotor:
5,5 Liter (123 kW)
Länge: 5563 mm
Breite: 2007 mm
Höhe: 1524 mm
Radstand: 3302 mm
Leergewicht: 1921 kg
Vorgängermodell: keines
Nachfolgemodell: keines
Heckansicht

Der Tucker ’48 Sedan „Torpedo“ von 1948 war das einzige Fahrzeug, das von Tucker Automobile gebaut wurde. Sein eigentlicher Name war Tucker ’48 – nach dem Baujahr benannt. Die Bezeichnung Tucker „Torpedo“ begleitete nur die Werbung des Wagens; tatsächlich verließ nie ein Auto unter diesem Namen das Werk.[1]

Eigenschaften[Bearbeiten]

Der Tucker Torpedo war einer der damals fortschrittlichsten Personenkraftwagen und in vielen Aspekten seiner Zeit voraus. Damit warb auch der Hersteller, der es als das Auto der Zukunft (Car of Tomorrow) bezeichnete. Er hatte bereits Sicherheitsgurte, eine Windschutzscheibe, die bei einem Aufprall nach außen fiel und somit keinerlei Gefahr für die Insassen darstellte, sowie Kurvenlicht durch einen dritten, dem Lenkrad folgenden Scheinwerfer in der Mitte der Fahrzeugfront, das so genannte „Zyklopenauge“. Ferner war er ausgestattet mit Scheibenbremsen vorn und hinten und einem Aufprallschutz an Lenkrad und Armaturenbrett. Mit einem Boxer-Heckmotor, der aus sechs Zylindern und 5,5 Liter Hubraum eine Leistung von 168 PS schöpfte, sowie einem damals hervorragenden und heute noch guten Cw-Wert von 0,27[2] war der Torpedo für seine Zeit stark motorisiert und sehr schnell. Der Tucker Torpedo ist das Lebenswerk von Preston Tucker, der dieses Fahrzeug in Eigenregie konstruiert und hergestellt hatte. Der renommierte Designer Alex Tremulis[3] entwarf das Fahrzeug unter enormem Zeitdruck innerhalb von sechs Tagen; Ray Dietrich war später an der Lösung von Detailfragen beteiligt.

Herstellergeschichte[Bearbeiten]

Die großen amerikanischen Konkurrenten Ford, Chrysler und General Motors – auch als Big Three bekannt – versuchten mit verleumderischen Kampagnen, den Siegeszug des Tucker Torpedo zu stoppen, da sie in ihm eine gefährliche Konkurrenz sahen. In diesen Kampagnen wurde unter anderem argumentiert, ein Auto, welches Sicherheitsgurte nötig habe, könne nicht sicher sein. Trotz aller Probleme wurden in der Zeit von Januar 1947 bis Juli 1948 in einem ehemaligen Flugzeugmotorenwerk in Cicero, Illinois, außer dem – von Preston Tucker „Tin Goose“ (Blechgans) genannten – Prototyp weitere 50 Fahrzeuge gefertigt. Von den insgesamt 51 Automobilen existieren heute noch 47, von denen 24 in Privathand und 23 in Museen, Ausstellungen oder Sammlungen erhalten sind.[4] Ein 52. Auto wird nicht zu den originalen Tucker Torpedos gezählt, weil es – obwohl aus Originalteilen gebaut – erst am Ende der 1980er Jahre fertiggestellt wurde.[5]

Nachdem Preston Thomas Tucker der Steuerhinterziehung von 30 Millionen US-Dollar angeklagt wurde, schlossen die Finanzbehörden das Tucker-Werk. Vor Gericht wurde Preston Tucker von den Vorwürfen freigesprochen; die Produktion konnte jedoch nicht wieder aufgenommen werden. Preston Tucker zog nach Brasilien, wo er am Projekt eines neuen Sportwagens namens Tucker Carioca arbeitete. Bevor er seine Idee umsetzen konnte, erkrankte er an Lungenkrebs und verstarb 1956.

Trivia[Bearbeiten]

Das Auto und die Biografie des Preston Tucker bilden die Grundlage für Francis Ford Coppolas Film Tucker – Ein Mann und sein Traumauto vom Lucasfilm-Studio. Coppola selbst besitzt zwei Tucker Torpedos, ein weiterer gehört der erwähnten Firma von George Lucas.

Die Torpedos sind sehr begehrte und teure Sammlerartikel. Im August 2008 wurde die Nr. 1038 versteigert und erreichte dabei einen unerwartet hohen Preis von über einer Million US-Dollar.[6]

Von den 47 noch intakten Tucker ’48 befinden sich nur drei außerhalb des amerikanischen Kontinents: zwei davon in japanischen Museen, das einzige Exemplar in Europa in Privatbesitz in Großbritannien.

In Stephen Kings Buch "In einer kleinen Stadt" besitzt der Bösewicht einen Tucker Talisman, von dem er behauptet es wären nur 2 Stück je gebaut worden.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Jörg Reichle: Zu modern für die Nachkriegszeit. Tuckers Traum. In: Süddeutsche Zeitung. Süddeutscher Verlag, München 18. März 2013, ISSN 0174-4917 (online, abgerufen am 19. März 2013).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tucker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Über den korrekten Namen und weitere Details
  2. Eigenschaften des Tucker '48
  3. Kurzbiografie von Tremulis
  4. Vorstellung des Prototyps und der 50 weiteren Tucker '48
  5. Der „inoffizielle“ Tucker Nr. 1051
  6. Tucker-Versteigerung 2008, mit Bildern von Motor und Interieur