Usedomer Bäderbahn

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UBB Usedomer Bäderbahn GmbH
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Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 1995
Sitz Heringsdorf
Leitung Jörgen Boße, Andreas Zylka
Mitarbeiter 174 (31. Dezember 2010)[1]
Umsatz 21,5 Mio. EUR (2010)[1]
Gewinn 0,7 Mio. EUR (2010)[1]Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Gewinn
Bilanzsumme 26,1 Mio. EUR (2010)[1]Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Bilanzsumme
Branche Verkehr
Website www.ubb-online.de

Die Usedomer Bäderbahn GmbH (UBB) mit Sitz im Seebad Heringsdorf ist ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der Deutschen Bahn sowie Besitzer und Betreiber der Bahnanlagen auf der Insel Usedom sowie auf den Strecken Züssow–Wolgast und Velgast–Barth. Sie bezeichnet alle von ihr befahrenen Strecken – also auch Züssow–Stralsund–Velgast – als Vorpommernbahn.

Die UBB ist Mitglied im Tarifverband der Bundeseigenen und Nichtbundeseigenen Eisenbahnen in Deutschland (TBNE), allerdings ohne Stimmrecht, da sie zum Konzern der Deutschen Bahn gehört.

Geschichte[Bearbeiten]

Bahnhof Heringsdorf, 1894 erbaut

Die Usedomer Bäderbahn wurde 1994 als 100-prozentige Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn gegründet und hat ihren Verwaltungssitz im Bahnhof Seebad Heringsdorf in der Gemeinde Heringsdorf. Am 1. Juni 1995 übernahm die UBB die beiden Strecken PeenemündeZinnowitz und Wolgaster Fähre–Seebad Ahlbeck vollständig von der Deutschen Bahn. Mit der Fertigstellung der kombinierten Straßen- und Bahnbrücke in Wolgast im Jahre 2000 wurde die ehemalige Stichstrecke von Züssow nach Wolgast Hafen ebenfalls vollständig übernommen, wobei der Bahnhof Züssow nicht zur UBB kam, sondern bei der Deutschen Bahn verblieb.

Die Strecken wurden und werden grundlegend erneuert und mit neuer Sicherungstechnik ausgestattet. Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2002 kamen der Betrieb der Regionalzüge auf der Strecke BarthStralsund sowie Züssow–Stralsund dazu, wobei die Infrastruktur der Teilstrecke Velgast–Barth (sogenannte Darßbahn) von DB Netz gekauft wurde.

Gleich zu Beginn des Betriebes durch die UBB wurde der Taktverkehr eingeführt. Die Hauptstrecke Wolgaster Fähre–Ahlbeck und die Nebenstrecke Peenemünde–Zinnowitz wurden im Stundentakt befahren. Bald darauf wurde für die Hauptstrecke ein 30-Minuten-Takt in der Saison eingerichtet.

Mit Übernahme der Festlandstrecke nach Züssow wurde der 30-Minuten-Takt bis Wolgast Hauptbahnhof ausgeweitet und von dort im Stundentakt bis Züssow gefahren. In jüngster Zeit durfte die UBB ihren Betrieb ausweiten. Die Züge nach Seebad Ahlbeck beginnen schon (im Zwei-Stunden-Takt) in Stralsund (in der alternativen Taktlage besteht Anschluss in Züssow von und nach Stralsund) und bedienen alle Haltepunkte unterwegs. Auf der Strecke von Velgast nach Barth übernahm die UBB den alleinigen Betrieb.

Eckdaten Usedomer Bäderbahn[2]
2006 2007 2008 2009 2010
Umsatz (Mio. Euro) 19,3 19,3 22,3 21,6 21,5
Gewinn (Mio. Euro) 0,5 0,6 2,2 0,8 0,7
Bilanzsumme (Mio. Euro) 29,1 29,2 27,0 27,6 26,1
Platzkilometer Bahn (Mio. Pkm) 85 82 89 94 94
Reisende Bahn (Mio.) 3,4 3,3 3,4 3,6 3,6
Platzkilometer Bus (Mio. Pkm) - - - 7,6 9,5
Reisende Bus (Mio.) - - 0,02 0,02 0,03
Mitarbeiter am Jahresende 156 157 160 165 174

Betrieb und Linien[Bearbeiten]

Stralsund–Barth[Bearbeiten]

Siehe Hauptartikel:
Abschnitt Stralsund – Velgast
Abschnitt Velgast – Barth

Die Linie von Barth nach Stralsund wird im Zwei-Stunden-Takt bedient.

Von Barth über Kenz und Saatel bis Velgast verkehren als Vorpommernbahn bezeichnete RegionalBahnen der UBB auf einer eingleisigen, ehemals elektrifizierten Strecke. Da von der UBB nur Dieseltriebwagen eingesetzt werden, wurde die hier installierte Einfachfahrleitung überflüssig und daher im Jahr 2005 abgebaut. Von Velgast über Kummerow, Martensdorf, Stralsund-Grünhufe bis Stralsund fahren die Züge auf der elektrifizierten Hauptstrecke Stralsund–Rostock von DB Netz.

Stralsund–Züssow–Heringsdorf–Świnoujście[Bearbeiten]

Siehe Hauptartikel:
Abschnitt Stralsund – Züssow
Abschnitt Züssow – Wolgast
Abschnitt Wolgast – Świnoujście

UBB-Triebwagen auf dem Weg nach Stralsund im Bahnhof Greifswald

Die Linie wird von Stralsund bis Züssow im Zwei-Stunden-Takt bedient, ab dort bis Świnoujście Centrum im Stundentakt. Im Sommerfahrplan besteht zwischen Wolgast und Świnoujście Centrum ein Halbstundentakt, zwischen Stralsund und Wolgast ein verschobener Stundentakt, da jeder zweite Zug sämtliche Unterwegshalte bedient. Von Stralsund über Wüstenfelde, Miltzow, Jeeser, Greifswald, Greifswald Süd, Groß Kiesow bis einschließlich Züssow fahren die Züge auf der elektrifizierten Hauptstrecke Berlin–Pasewalk–Stralsund von DB Netz. In Züssow beginnt die eigene Infrastruktur der Bäderbahn.

Auf der seit 1989 elektrifizierten Bahnstrecke Züssow–Wolgast Hafen wurde ebenfalls mit der Betriebsaufnahme der UBB die Fahrleitung demontiert. Es wurde somit aufgrund der Streckenübernahmen durch die UBB die Fahrleitung auf insgesamt 39 Kilometern Länge abgebaut. Die Bauarbeiten für die Verlängerung über die polnische Grenze hinweg nach Swinemünde (pl. Świnoujście) begannen offiziell mit einer Feierstunde an der Grenze am 5. Oktober 2007. Die Strecke wurde Ende März 2008 fertiggestellt, musste dann aber noch diverse Genehmigungs- und Abnahmeverfahren in beiden Staaten durchlaufen, so dass sich die Betriebsaufnahme verzögerte. Fast genau elf Jahre nach dem Wiederaufbau des ersten Abschnitts, Seebad Ahlbeck–Ahlbeck Grenze (2,5 km), fährt die Usedomer Bäderbahn seit dem 20. September 2008 bis zum vorläufigen Endpunkt Świnoujście Centrum, wo bereits ein neues Wohnviertel entsteht. Am 2. Juni 2011 wurde im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen der Bahnstrecke der neue Haltepunkt Neu Pudagla eröffnet.

Zinnowitz–Peenemünde[Bearbeiten]

Siehe Hauptartikel:
Bahnstrecke Zinnowitz–Peenemünde

Die Bahnstrecke Zinnowitz–Peenemünde beginnt am Bahnhof Zinnowitz und führt über den Haltepunkt Trassenmoor und über Karlshagen zum Bahnhof Peenemünde.

Hier pendelt ein Triebwagen der UBB im Stundentakt mit Anschluss an den restlichen Inselbahnverkehr in Zinnowitz.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Bahnhof Zinnowitz mit einem Zug nach Peenemünde

Die Klappbrücke in Wolgast über den Peenestrom ist eine kombinierte Straßen- und Bahnbrücke.

Im aktuellen Bundesverkehrswegeplan aus dem Jahr 2003 wird der Wiederaufbau der Strecke Seebad Heringsdorf–Swinemünde–Ducherow im Abschnitt „Bau leistungsfähiger Verkehrswege in den neuen Bundesländern“ erwähnt. Durch diese Verbindung würde sich die Fahrzeit zwischen Berlin und der Insel Usedom auf rund zwei Stunden verkürzen.[3][4]

Bei den Tarifen gibt es einige Besonderheiten: Der UBB-Abschnitt wird bei Fahrkarten von außerhalb des alleinigen UBB-Bedienungsgebietes nach NE-Anstoßtarif berechnet, d. h. der Abschnitt kommt gegebenenfalls zusätzlich zum DB-Maximalpreis dazu. Die UBB gewährt die bei der Deutschen Bahn übliche freie Familienkindermitfahrt bis 14 Jahre auf den Normalpreis nicht.

Die UBB führt keine Abteile der ersten Klasse. Die BahnCard wird erst bei Fahrten über 50 Kilometern anerkannt, obwohl die UBB ein 100-prozentiges Unternehmen des DB-Konzerns ist. Die UBB verkauft keine Fahrscheine im Wechselverkehr mit der Deutschen Bahn. Für die anderthalb Kilometer lange Streckenverlängerung von Ahlbeck Grenze bis Swinemünde (Świnoujście) ist die UBB Bauherr und Betreiber der Infrastruktur auf polnischem Staatsgebiet. Die Finanzierung der Baukosten in Höhe von rund 2,4 Millionen Euro erfolgt zu 90 Prozent durch die Europäische Union und das Land Mecklenburg-Vorpommern sowie zu zehn Prozent durch die Deutsche Bahn.[5]

Fernbusverkehr[Bearbeiten]

Seit Februar 2014 betreibt die UBB auch Fernbusverkehr zur Anbindung Vorpommerns. Dabei dient der Flughafen Rostock-Laage als Drehkreuz für ihre Fernbuslinien.[6] Es werden mehrere Linien via Umsteigen am Flughafen miteinander verknüpft. So können, statt der fünf tatsächlich befahrenen Strecken, 10 Linien angeboten werden.[7]

Fahrzeuge[Bearbeiten]

Die UBB setzt Verbrennungsmotorfahrzeuge der Baureihe 646 ein. Von den zuvor eingesetzten Triebwagen der Baureihe 771 sind nur noch vier Stück vorhanden und nicht dem allgemeinen Betrieb gewidmet. Vor dem UBB-Betrieb wurden die Strecken Velgast–Barth und Züssow–Wolgast Hafen mit elektrischen Wendezügen der Deutschen Bahn bedient. Neben den Schienenfahrzeugen gehören auch sechs Reisebusse zum Fuhrpark.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Der Geschäftsführer Jörgen Boße erhielt im Oktober 2008 für seine Verdienste um die UBB die Goldene Umweltschiene, die jährlich vom Bundesverband Führungskräfte Deutsche Bahnen vergeben wird.
  • Im September 2009 wurde die UBB für ihr „Gesamtbild“ durch den Verband Allianz pro Schiene ausgezeichnet.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Ludger Kenning: Die Usedomer Bäderbahn. 2. Auflage. Kenning, Nordhorn 2010, ISBN 978-3-933613-51-6.
  •  Bernd Kuhlmann: Eisenbahnen auf Usedom. 3. Auflage. Alba, Düsseldorf 2005, ISBN 3-87094-241-X.
  •  Bernd Kuhlmann: Peenemünde. Das Raketenzentrum und seine Werkbahn. 2. Auflage. GVE, Berlin 2003, ISBN 3-89218-081-4.
  •  Christoph Riedel: UBB. Eine Inselbahn im Aufwind. In: Jahrbuch Lokomotiven 2006. Verlag Podszun, Brilon 2005, ISBN 3-86133-402-X.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Usedomer Bäderbahn – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Suche nach Usedomer Bäderbahn: Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2010 bis zum 31.12.2010. In: Elektronischer Bundesanzeiger. Abgerufen am 17. April 2012.
  2. Suche nach Usedomer Bäderbahn: Jahresabschlüsse. In: Elektronischer Bundesanzeiger. Abgerufen am 17. April 2012.
  3. Bundesverkehrswegeplan 2003; Abschnitt 4.2 Bau leistungsfähiger Verkehrswege in den neuen Bundesländern
  4. Berliner Zeitung, 14. Mai 2007
  5. Vgl. Signal, Heft 6/2007, Usedomer Bäderbahn fährt ab Frühjahr nach Swinemünde, S.5
  6. Fernbus-Drehkreuz Airport
  7. UBB-Bus: Fernbuslinien