Wallace Broecker

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Wallace Smith Broecker („Wally“) (* 29. November 1931 in Chicago[1]) ist Newberry Professor am Institut für Erd- und Umweltwissenschaften (Department of Earth and Environmental Sciences) der Columbia University und forscht am dortigen Lamont-Doherty Earth Observatory. Broeckers Forschungsgebiete umfassen die Geochronologie des Pleistozäns, die Anwendung der Radiokarbondatierung und der Nachweis von Mischvorgängen in Meereswässern aus verschiedenen Herkunftsgebieten anhand von stabilen Isotopen und Radioisotopen. Diese Arbeiten auf dem Feld der Chemischen Ozeanographie untersuchen den biologisch-geochemischen Kohlenstoff-Kreislauf und die erdgeschichtlichen Zeugen von Klimaänderungen, die sich im Polareis und den Sedimenten der Ozeane nachweisen lassen.

Leben[Bearbeiten]

Broecker besuchte das Wheaton College in Illinois, wo er John Laurence Kulp (1921–2006) und Paul Werner Gast (1930–1973) kennenlernte. 1953 erwarb er den Bachelor of Arts im Fach Physik am Columbia College und im Folgejahr den Master of Arts. 1958 erwarb er den Doktorgrad (Ph.D.) der Geologie an der Columbia University, wurde im Jahr darauf als Assistenzprofessor Mitglied der Fakultät, und begann seine Arbeit am Lamont-Doherty Earth Observatory, unter anderem mit W. Maurice Ewing und Walter Bucher. 1964 wurde er zum Ordentlichen Professor, und seit 1977 hat er die Stelle des Newberry Professor of Earth and Environmental Sciences am Lamont-Doherty Earth Observatory inne.[2][3]

Wirken[Bearbeiten]

Broecker hat bedeutende Beiträge zur Klärung der Rolle der Ozeane bei der Entstehung abrupter Klimaveränderungen geleistet, die sich im letzten Eiszeitalter ereigneten.[3] Seine Forschungen zur thermohalinen Zirkulation haben das Konzept eines „Fließbandes“ bekannt gemacht, das die Strömungen in den Ozeanen miteinander verbindet. Seine Arbeit auf diesem Gebiet ist eine der Grundlagen bei der Erforschung des Kohlenstoff-Kreislaufs. Broecker lieferte wichtige Orientierungshilfen für nachfolgende Arbeiten durch die Anwendung der Radiokarbon-Datierung auf Fragen zur Ausdehnung und Eigenschaften der Ozeane in der Vergangenheit (Paläozeanographie), sein mit Tsung-Hung Peng verfasstes Lehrbuch Tracers in the Sea wird heute noch in Aufsätzen zur chemischen Ozeanographie zitiert.

1975 erschuf Broecker ohne Absicht den Ausdruck global warming (Globale Erwärmung), indem er einen Aufsatz mit dem Titel Climate Change: Are we on the Brink of a Pronounced Global Warming? veröffentlichte.[4] 2008 veröffentlichte er mit dem Wissenschaftsjournalist Robert Kunzig einen Abriss der Geschichte der Klimawissenschaft. In diesem Buch heben die Autoren die Wichtigkeit der Entfernung von Kohlendioxid aus der Erdatmosphäre für die weitere Entwicklung des Klimas (Kohlendioxid-Sequestrierung) hervor, und unterstützen damit die Arbeit von Broeckers Kollegen Klaus Lackner.[5] Die New York Times beschreibt Broecker als einen Pionier des Geoengineerings.[6]

Ehrungen[Bearbeiten]

Broecker ist Mitglied der American Academy of Arts and Sciences, der National Academy of Sciences, der American Geophysical Union, der European Geophysical Union sowie auswärtiges Mitglied der Royal Society. Er hat zahlreiche weitere Auszeichnungen erhalten, darunter:

Im September 2008 erhielt Broecker den Balzan-Preis für außergewöhnliche wissenschaftliche Errungenschaften. In seiner Laudatio hob Enric Banda (Research Professor für Geophysik am Institut für Geowissenschaften in Barcelona) die Rolle Broeckers hervor: „Wallace Broecker hat mit seinen Entdeckungen über die Interaktion der Meere mit der Atmosphäre, über die Rolle der Veränderungen der Gletscher und über die Bedeutung der in Eisproben und in Meeres-Ablagerungen enthaltenen Informationen auf herausragende Weise zum Verständnis des Klimawandels beigetragen. Die Erkenntnisse Broeckers sind für das Verständnis nicht nur der abrupten, sondern auch der graduellen Klimaveränderungen von enormer Bedeutung.“[16]

Im Januar 2009 wurde Broecker mit dem BBVA Foundation Frontiers of Knowledge Award 2008 in der Kategorie Klimaveränderung für seine grundlegende Forschungen ausgezeichnet, die er auf dem Gebiet der biologischen und chemischen Prozessen durchführte. Sie förderten eine Sicht der Erde als verknüpftes System, die Grundlage für das Verständnis vergangener und aktueller Klimaänderungen ist. Die Laudatio hebt seinen holistischen Ansatz hervor, der ihm die Erkenntnis der Mechanismen abrupter Klimaänderungen ermöglicht hat.[17]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Broecker ist der Autor von mehr als 450 Artikeln in wissenschaftlichen Zeitschriften und hat zehn Bücher veröffentlicht.[18] Zu seinen Veröffentlichen zählen etwa:

  •  Chemical Equilibria in the Earth. McGraw-Hill Education, 1971, ISBN 0-07-007997-8, S. 1–304 (mit Virginia M. Oversby).
  •  Chemical oceanography. Harcourt Brace Jovanovich, 1974, ISBN 0-15-506437-1, S. 1–214.
  •  The glacial world according to Wally. Eldigio Press, 1995 (Online-Version; pdf-Datei; 13,4 MB).
  •  Greenhouse puzzles: Keeling's world, Martin's world, Walker's world. Eldigio Press, 1998.
  •  Greenhouse puzzles. Lamont-Doherty Geological Observatory of Columbia University, 1993.
  •  How to Build a Habitable Planet. Eldigio Press, 1988, ISBN 0-9617511-2-6.
  •  Tracers in the Sea. Eldigio Press, 1982, ISBN 0-9617511-0-X (mit Tsung-Hung Peng).
  •  Fixing Climate: What Past Climate Changes Reveal About the Current Threat--and How to Counter It. Hill and Wang, US/Profile Books, UK, 2008, ISBN 0-8090-4501-X (US), 978-1846688607 (UK) (mit Robert Kunzig).
  •  The Great Ocean Conveyor, Discovering the Trigger for Abrupt Climate Change. Princeton University Press, Princeton, New Jersey, USA, 2010.
  • mit Charles H. Langmuir: How to Build a Habitable Planet. The Story of Earth from the Big Bang to Humankind. Princeton University Press, Princeton New Jersey, USA 2012.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wallace Smith Broecker. Biographie anlässlich des Vetlesen-Preises, Lamont-Doherty Earth Observatory - The Earth Institute - Columbia University
  2. a b 2002 Tyler Laureates: Wallace S. Broecker, Ph.D. and Tungsheng Liu, Ph.D., University of Southern California
  3. a b Homepage Broeckers am Lamont-Doherty Earth Observatory
  4.  W.S. Broecker: Climatic change; are we on the brink of a pronounced global warming?. In: Science. v. 189, n. 4201, 1975, S. 460–463.
  5.  Wallace S. Broecker, Robert Kunzig: Fixing Climate: What Past Climate Changes Reveal About the Current Threat--and How to Counter It. Hill and Wang, US/Profile Books, UK, 2008, ISBN 0-8090-4501-X (US), 978-1846688607 (UK).
  6. William J. Broad: How to Cool a Planet (Maybe). In: The New York Times, 27. Juni 2006. Abgerufen am 27. Mai 2010. 
  7. Maurice Ewing Medal. American Geophysical Union
  8. Awards: Alexander Agassiz Medal. National Academy of Sciences
  9. a b c 1996 Blue Planet Prize: Announcement of Award Winners. Biographie Broeckers anlässlich der Verleihung des Blue Planet Prize (pdf-Datei; 544 kB)
  10. Geochemical Society: Victor Moritz Goldschmidt Award
  11. Wollaston Medal. In: Award Winners since 1831. Geological Society of London. Abgerufen am 25. Februar 2009.
  12. National Science Foundation - The President's National Medal of Science
  13. Blue Planet Prize. Asahi Glass Foundation
  14. Crawford prize in geoscience 2006
  15. 2008 Franklin Institute Awards: Benjamin Franklin Medal in Earth and Environmental Science, Franklin Institute
  16. Internationale Stiftung Preis Balzan
  17. Wallace S. Broecker, Preisträger des BBVA Foundation Frontiers of Knowledge Awards 2008
  18. Wallace S. Broecker: Bio-bibliographie. Balzan Preis 2008 für Klima-Wissenschaft: Klimawandel

Weblinks[Bearbeiten]