Wasserpest

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Wasserpest
Kanadische Wasserpest (Elodea canadensis)

Kanadische Wasserpest (Elodea canadensis)

Systematik
Unterabteilung: Samenpflanzen (Spermatophytina)
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Monokotyledonen
Ordnung: Froschlöffelartige (Alismatales)
Familie: Froschbissgewächse (Hydrocharitaceae)
Gattung: Wasserpest
Wissenschaftlicher Name
Elodea
Michx.

Die Gattung Wasserpest (Elodea) gehört zur Familie der Froschbissgewächse (Hydrocharitaceae).[1] Sie etwa sechs Wasserpflanzen-Arten sind ursprünglich in der Neuen Welt verbreitet;[1] drei davon sind in vielen Gebieten der Welt Neophyten.

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Ihre grünen, biegsamen Stängel, die im Abstand von wenigen Millimetern quirlig mit zumeist drei bis vier länglichen Blättern besetzt sind, können je nach Art bis zu drei Meter lang werden und wurzeln im Gewässergrund. Wasserpest-Arten sind zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch), es gibt also männliche und weibliche Pflanzen.

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten]

Die Gattung Elodea wurde 1803 durch Michx. aufgestellt. Synonyme von Elodea Michx. sind: Anacharis Rich. nom. illeg., Serpicula Pursh nom. illeg., Apalanthe Planch., Philotria Raf., Udora Nutt., Diplandra Bertero, Hydora Besser.[1]

Die Gattung Elodea ist ursprünglich in der Neuen Welt verbreitet.

Es gibt etwa sechs Elodea-Arten:[1]

  • Elodea bifoliata H.St.John (Syn.: Elodea longivaginata H.St.John, Elodea nevadensis H.St.John): Sie ist vom südlichen Kanada bis in die westlichen und zentralen USA verbreitet.[1]
  • Argentinische Wasserpest (Elodea callitrichoides (Rich.) Casp., Syn.: Elodea ernstiae H.St.John, Elodea richardii H.St.John): Sie ist vom südlichen Uruguay bis Argentinien verbreitet.[1]
  • Kanadische Wasserpest (Elodea canadensis Michx., Syn.: Elodea occidentalis (Pursh) H.St.John nom. superfl.): Sie ist vom südlichen Kanada bis in die USA verbreitet.[1]
  • Elodea granatensis Humb. & Bonpl. (Syn.: Elodea guyanensis Rich., Elodea orinocensis Rich.): Sie ist im tropischen Südamerika weitverbreitet.[1]
  • Schmalblättrige Wasserpest, Nuttalls Wasserpest (Elodea nuttallii (Planch.) H.St.John, Syn.: Elodea minor (Engelm. ex Casp.) Farw., Elodea columbiana H.St.John): Sie ist vom südlichen Kanada bis in die USA verbreitet.[1]
  • Elodea potamogeton (Bertero) Espinosa (Syn.: Elodea chilensis (Planch.) Casp., Egeria chilensis Planch. ex Benth. & Hook. f. nom. inval., Egeria matthewsii (Planch.) Planch. ex Benth. & Hook. f. nom. inval., Elodea matthewsii (Planch.) H.St.John, Elodea peruviensis H.St.John, Elodea titicacana H.St.John): Sie ist im westlichen Südamerika bis Chile verbreitet.[1]

Ausbreitung als Neophyten[Bearbeiten]

In Europa kommen als Neophyten Kanadische Wasserpest (Elodea canadensis), Schmalblättrige Wasserpest, Nuttalls Wasserpest (Elodea nuttallii) und Argentinische Wasserpest (Elodea callitrichoides) vor. Ihre Ansiedlung und Ausbreitung in Europa wurde durch gezielte Aussetzungen (beispielsweise durch Aquarienhalter) begünstigt und unter anderem durch Verschleppung über die Schifffahrt und durch Wasservögel weiter gefördert.

Zumindest die beiden nordamerikanischen Arten, die in Europa vergleichbare klimatische Bedingungen vorfinden wie in ihrer Heimat, haben sich hier seit Mitte des 19. Jahrhunderts (Elodea canadensis) beziehungsweise in den letzten Jahrzehnten (Elodea nuttallii) rasant ausgebreitet und zählen inzwischen zum gängigen Arteninventar vieler Teiche, Seen und Wassergräben.

Die Wasserpest-Arten gedeihen besonders in sommerwarmen, nährstoffreichen, aber nicht übermäßig belasteten, stehenden oder langsam fließenden Gewässern (Weiher, Teiche, Stau- und Baggerseen, Gräben, Flüsse etc.) mit sandig-schlammigem Grund. Sie macht ihrem Namen Wasserpest dann alle Ehre, indem sie schnell submerse Dominanzbestände, regelrechte „Unterwasserwälder“, ausbildet. Während Elodea canadensis schon länger in ganz Deutschland und darüber hinaus verbreitet ist, war Elodea nuttallii gegen Ende der 1980er-Jahre erst regional bekannt (besonders im Nordwesten und im Rheingebiet), hat sich seitdem aber stark weiter ausgebreitet.

Vermehrung und Überwinterung[Bearbeiten]

In Europa sind nur rein weibliche Pflanzen bekannt, während es in Nordamerika auch männliche Pflanzen gibt.

In Europa vermehren sich die Wasserpest-Arten ausschließlich durch das Abbrechen und Weiterwachsen der brüchigen Stängel. Jedes abgetrennte Fragment ist sofort unabhängig und selbständig und entwickelt sich in kurzer Zeit zu einer kompletten Pflanze. Im Herbst bildet die Wasserpest Turionen aus, die jeweils aus einem Paket dichtgepackter Blätter und Blattanlagen bestehen. Sie wachsen im nachfolgenden Frühling zu neuen Pflanzen.

Das „grüne Gespenst“ - Invasive Pflanze[Bearbeiten]

Dichter Elodea-Unterwasserbestand

Der Dichter Hermann Löns schrieb bereits am 9. Oktober 1910 im Hannoverschen Tageblatt über die Kanadische Wasserpest:

Es erhub sich überall ein schreckliches Heulen und Zähneklappern, denn der Tag schien nicht mehr fern, da alle Binnengewässer Europas bis zum Rande mit dem Kraute gefüllt waren, so dass kein Schiff mehr fahren, kein Mensch mehr baden, keine Ente mehr gründeln und kein Fisch mehr schwimmen konnte (...).

Der Hengsteysee beherbergt große Elodea-Bestände

Die starke und schnelle, fast explosionsartige Wachstums- und Ausbreitungsfähigkeit der Wasserpest ist in Europa also schon lange bekannt. Inzwischen ist Elodea canadensis aber wieder zurückgegangen und bildet kaum noch Massenbestände. Dagegen verursacht Elodea nutallii seit den 1990er Jahren zunehmend Probleme. Beispielhaft sind die Vorkommen entlang der Ruhr in Nordrhein-Westfalen, vor allem die Stauseen Hengsteysee, Harkortsee, Kemnader See und im Sauerland die Listertalsperre. Dort behindert sie durch ihr Massenvorkommen Wasserwirtschaft (Verstopfen von Laufwasserkraftwerken und Schleusen), Schifffahrt, Wassersport und Fischerei. Der zuständige Ruhrverband reduziert dort die Bestände mittlerweile regelmäßig mit einem eigenen Mähboot.

Zugewucherter Bootshafen am Hengsteysee

Als eine ökologische Wechselwirkung ist zu erwähnen, dass die Ausbreitung der Wasserpest zu Lasten anderer, weniger konkurrenzfähiger Unterwasserpflanzen der Laichkraut- und Armleuchteralgen-Gesellschaften geschehen kann. Inzwischen scheinen in Mitteleuropa die Wasserpestarten aber schon untereinander zu konkurrieren, wobei die bereits länger etablierte E. canadensis von der „jüngeren“ E. nuttallii offenbar teilweise wieder verdrängt wird. Problematisch ist das herbstliche Absterben der Pflanzen, deren Übermenge an Biomasse zum Umkippen von Gewässern führen kann. Mittlerweile haben sich viele Bestände jedoch auf ein moderateres Maß eingependelt, weil u. a. heimische Fadenwürmer ihre Knospen fressen und sie dadurch im Wachstum begrenzen. Nach dem Volksglauben soll die Pflanze „alle sieben Jahre weiterziehen“.

Als positive Eigenschaft ist die starke photosynthetische Aktivität zu nennen, die bei Sonneneinstrahlung anhand perlschnurartig aufsteigender Luftbläschen gut sichtbar ist. Ihre vergleichsweise hohe Sauerstoff-Produktionsrate kann ein Gewässer deutlich beleben. Auch bieten die dichten Unterwasserwälder Fischen und anderen Wassertieren Unterschlupf und Eiablageplätze. Die Pflanze hat einen hohen Nährwert – die Trockensubstanz enthält 18 % Eiweiß, 42 % Stärke und 2,5 % Fett –, weshalb sie früher sogar als Viehfutter empfohlen wurde. Die Pflanze ist nach neuesten Untersuchungen sogar geeignet, ein Gewässer zu entseuchen, da sie radioaktives Cobalt speichert. Durch eine gezielte Entfernung der Pflanze kann daher der Cobaltgehalt eines Gewässers deutlich reduziert werden.

Verwendung im Aquarium[Bearbeiten]

Elodea canadensis ist eine beliebte Aquarienpflanze. Sie stellt in der Haltung keine besonderen Ansprüche an das Wasser, braucht aber viel Licht. Sie kann einfach durch Einpflanzen von Stecklingen vermehrt werden.

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j Rafaël Govaerts (Hrsg.): Datenblatt bei World Checklist of Selected Plant Families des Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Zuletzt eingesehen am 21. August 2014

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wasserpest (Elodea) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien