Wilfrid Israel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wilfrid Israel, 1942
Stolperstein am Haus, Spandauer Straße 17, in Berlin-Mitte

Wilfrid Israel (* 11. Juli 1899 in London; † 1. Juni 1943 im Golf von Biskaya) war ein Philanthrop und Geschäftsmann.

Leben[Bearbeiten]

Mit 22 Jahren trat Israel in das traditionsreiche Berliner Kaufhaus Nathan Israel, Spandauer Straße 28, seines Vaters Berthold Israel (1868–1935) ein.[1] Dort gründete er eine betriebseigene Schule für kaufmännische Lehrlinge. Er setzte durch, dass in den väterlichen Warenhäusern Sozialarbeiter für die Betreuung der Angestellten eingestellt wurden.

1928 übernahm er zusammen mit seinem Bruder Herbert Israel die kaufmännische Leitung der Firma.

Nach der nationalsozialistischenMachtergreifung“ 1933 gründete Israel mehrere Organisationen, die sich ausschließlich um die Belange der jüdischen Emigranten kümmerten. Die bekanntesten darunter waren der Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau und die Kinder- und Jugend-Alijah. Der Hilfsverein der Juden in Deutschland berief Israel 1937 in seine Direktion.

Als 1939 der politische Druck zu groß wurde, musste Israel den Familienbetrieb an die 1938 gegründete Emil Köster AG abtreten; dabei handelte es sich um eine „Schein-Arisierung“, da die Emil Köster AG dem bereits 1931 aus Deutschland ausgewanderten, jüdischen Unternehmer Jakob Michael gehörte, was den NS-Behörden aber unbekannt war.[2] Israel emigrierte nach London und fungierte dort als Verbindung zwischen Regierungsstellen und jüdischen Flüchtlingsorganisationen. Er war am Balliol College in Oxford und mit Adam von Trott zu Solz befreundet. Er war als Berater für das Royal Institute of International Affairs tätig.

1943 organisierte er die Ausreise jüdischer Flüchtlinge aus Spanien und Portugal nach Palästina. Auf dem Rückflug von Lissabon nach London wurde Israel von der deutschen Luftwaffe über dem Golf von Biskaya abgeschossen. Mit an Bord war auch der Filmstar Leslie Howard.

Ehrung[Bearbeiten]

Im Oktober 2004 wurde vor dem ehemaligen Standort des Kaufhauses Nathan Israel, Berlin-Mitte, Spandauer Straße 26-32 (heute Spandauer Straße 17), ein Stolperstein verlegt.

Museum[Bearbeiten]

Das Wilfrid Israel Museum im Kibbutz Hazorea zeigt seit 1951 die Kunstsammlung von Wilfried Israel.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilfrid Israel: July 11th. 1899 - Juni 1st. 1943. London: Marsland, 1944
  • H. G. Reissner: The History of Kaufhaus Nathan Israel and of Wilfrid Israel, in: Year Book Leo Baeck Institute 1958
  • Naomi Shepherd: Wilfrid Israel. Berlin: Siedler, 1985. ISBN 3-88680-149-7
Filmplakat zu Wilfried Israel. der Retter aus Berlin (Israel, 2012)

Film[Bearbeiten]

Im Jahre 2012 wurde seine Lebensgeschichte unter dem Titel „Wilfried Israel. der Retter aus Berlin“ von Yonathan Nir (Regie) und Ophir Baer (Drehbuch) verfilmt.[4]

Einzelreferenzen[Bearbeiten]

  1. Berlin Lexikon: Israel, Wilfried
  2. Hans Jaeger: Michael, Jakob. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 17, Duncker & Humblot, Berlin 1994, ISBN 3-428-00198-2, S. 425 f. (Digitalisat).
  3. Wilfrid Israel Museum; Israel Museums Guide für das Wilfrid Israel Museum.
  4. http://www.wilfridisraelfilm.org, abgerufen am 26. Januar 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wilfrid Israel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien