Wulfilabibel

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Blatt 16v, enthaltend Mk 3,26–32 EU, aus dem Codex Argenteus, einer Abschrift der Wulfilabibel

Die Wulfilabibel, auch als Gotenbibel bezeichnet, ist eine von Bischof Wulfila (311–383) im 4. Jahrhundert geschaffene Übersetzung vor allem des Neuen Testamentes ins Gotische, wobei die griechische Bibel die Vorlage bildete. Für diese Übersetzung erfand Wulfila die gotische Schrift, während die Goten bis dahin mit Runen schrieben. Die Übersetzung entstand in Nicopolis ad Istrum im heutigen Bulgarien. Sie ist die wichtigste Quelle der gotischen Sprache.

Von der Wulfilabibel sind mehrere Handschriften aus dem 6. bis 8. Jahrhundert mit einem großen Teil des Neuen Testaments und kleinen Teilen des Alten Testaments erhalten, die hauptsächlich aus Italien stammen. Bei diesen Handschriften handelt es sich um den Codex Argenteus (Evangelien), heute größtenteils in der Universitätsbibliothek in Uppsala aufbewahrt, den Codex Ambrosianus A bis Codex Ambrosianus E (Briefe, Skeireins, Nehemia), den Codex Carolinus (Römerbrief), den Codex Vaticanus Latinus 5750 (Skeireins), den Codex Gissensis (Trümmer des Lukasevangeliums) und die Fragmenta Pannonica, Bruchstücke einer 1 mm dicken Metallplatte mit Versen des Johannesevangeliums.

Einige für die Entwicklung der Kirche wichtige Bücher wie die Apostelgeschichte tauchen in der Wulfilabibel nicht auf.

Die Wulfilabibel ist das älteste schriftliche Zeugnis einer germanischen Sprache und daher sehr bedeutend für die Sprachgeschichte.

Text des Vaterunser (Mt 6,9–13 EU) in der Wulfilabibel (þ wie englisch th):

atta unsar þu ïn himinam
weihnai namo þein
qimai þiudinassus þeins
wairþai wilja þeins
swe ïn himina jah ana airþai
hlaif unsarana þana sinteinan gif uns himma daga
jah aflet uns þatei skulans sijaima
swaswe jah weis afletam þaim skulam unsaraim
jah ni briggais uns ïn fraistubnjai
ak lausei uns af þamma ubilin
unte þeina ïst þiudangardi
jah mahts jah wulþus ïn aiwins
amen

Dieser Text befindet sich im Kodex auf den Blättern 4v (erste Zeile) und 5r (Rest).

Ausgabe[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Elfriede Stutz: Das Neue Testament in Gotischer Sprache. In: Die alten Übersetzungen des Neuen Testaments, die Kirchenväterzitate und Lektionare – Der gegenwärtige Stand ihrer Erforschung und ihre Bedeutung für die griechische Textgeschichte, Kurt Aland (Hrsg.). Arbeiten zur neutestamentlichen Textforschung, 5. de Gruyter, Berlin – Boston 1972 (Reprint 2011). ISBN 978-3-11-082701-9. S. 375–402
  • Piergiuseppe Scardigli: Frühe Bibelübersetzungen: Gotisch. In: Harald Kittel (Hrsg.) Übersetzung-Translation-Traduction: An International Encyclopedia of Translation Studies, Mouton de Gruyter, Berlin/New York 2007, ISBN 978-3-11-020328-8, S. 2363–2366 (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 26, 2)

Weblinks[Bearbeiten]