Vaterunser

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Das Vaterunser ist das am weitesten verbreitete Gebet des Christentums und das einzige, das laut Aussage des Neuen Testaments (NT) Jesus von Nazareth selbst seine Jünger gelehrt hat. Es wird von Christen aller Kirchen und Konfessionen gebetet, von den meisten auch im Gottesdienst. Dazu verwenden sie die längere Version mit insgesamt sieben Bitten, die im Matthäusevangelium enthalten ist. Daneben gibt es im NT noch eine kürzere Version mit fünf Bitten, nämlich im Lukasevangelium. Durch die häufige Verwendung ist der Text des Vaterunsers einer der bekanntesten Abschnitte der Bibel.

Tafel mit dem deutschen Text in der Paternosterkirche
Das Kuppelfresko der Lichtentaler Pfarrkirche zeigt die sieben Bitten des Vaterunsers

Das Vaterunser heißt auch

  • „Unser Vater“ in den evangelisch-reformierten Kirchen und einigen evangelischen Freikirchen
  • Gebet des Herrn bzw. Herrengebet (lutherische Tradition, oft auch in der theologischen Fachliteratur und Diskussion)
  • Pater noster oder Oratio Dominica (lateinisch, altkirchliche und katholische Tradition)

Neues Testament[Bearbeiten]

Das Vaterunser erscheint im NT in zwei leicht verschiedenen Versionen: Mt 6,9–13 EU und Lk 11,2–4 EU. Beide Fassungen beginnen mit der Anrede Gottes als Vater und lassen darauf zwei unterschiedliche Reihen folgen: Zuerst Du-Bitten (Dein …), bezogen auf Gott, und zwar auf seinen Namen und seine Herrschaft, sodann Wir-Bitten (Uns …), als Bitten wegen der Bedürfnisse der Nachfolger Jesu Christi, leibliche (Brot) und geistliche (Vergebung, nicht in Versuchung). Die Wir-Form kann ein Hinweis auf gemeinsame Jesusnachfolge sein. Damit sind die fünf bei Lukas enthaltenen Bitten genannt, bei Matthäus kommen noch zwei weitere dazu.

Lukas 11[Bearbeiten]

Das Vaterunser steht hier außerhalb der Feldrede (Lk 6,20–49 EU) und anderer lukanischer Parallelen zur Bergpredigt; hier kommt es als Antwort Jesu auf eine Anfrage eines Jüngers: „Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte. Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung.“ (Lk 11,1-4 EU). Davor wurde über Jesu Besuch bei den Schwestern Martha und Maria berichtet (Lk 10,38–42 EU). Dort wurde das Jesus-Zuhören als „das gute Teil“, das dem, der es erwählt, nicht fortgenommen werden soll, der vielen „Sorge und Mühe“ gegenübergestellt, mit der Martha Jesus zu dienen versucht. Demgemäß erscheint das Vaterunser als jener bessere Gottesdienst, den die Hörer der Lehre Jesu von ihm lernen können.

Wegen des situativen Rahmens und der Erwähnung der Johannesjünger wird die Lukasversion meist für ursprünglicher gehalten.

Matthäus 6[Bearbeiten]

Die bekanntere, dem heutigen liturgischen Gebrauch zugrundeliegende Version richtet sich nach dem Text des Matthäusevangeliums (Mt 6,9-13 EU). Dort steht das Vaterunser in der Mitte der Bergpredigt, die als Lehre Jesu seinem heilvollen Handeln vorangestellt ist (Mt 5,1f EU). Die Formulierung des Vaterunsers lässt Jesu Lehre vom Beten (Mt 6,5–15) konkret werden. Das Beten der Nachfolger soll sich von einer öffentlichen, wortreichen, auf Außenwirkung bedachten Art des Betens bei Pharisäern und Heiden unterscheiden. Seine Basis ist die allem Beten vorlaufende Zusage :

Euer Vater weiß, was ihr braucht, ehe ihr darum bittet.(Mt 6,8)

Darauf folgt die Aufforderung:

Darum sollt ihr so beten: … (6,9a)

Bei Matthäus ist die Anrede Gottes feierlich ausgestaltet: Nicht nur „Vater“ (wie bei Lukas), sondern „Unser Vater in den Himmeln“. Auch die beiden Bittenreihen werden ergänzt: Die erste Reihe durch den Hinweis „Dein Wille geschehe“, die zweite Reihe durch die Bitte „sondern erlöse uns von dem Übel“.

Nur bei Matthäus steht ein Kommentar Jesu, eine der Bitten betreffend, nämlich die Bitte um Vergebung: Der Kommentar bezieht sich auf die Aussage des Beters, seinerseits anderen Menschen vergeben zu haben. Jesus erklärt dieses zwischenmenschliche Vergeben für äußerst wichtig; er sieht es als Voraussetzung dafür, von Gott Vergebung zu empfangen (Mt 6,14). Dieser Kommentar ist übrigens halb so lang wie der Text des Vaterunsers.[1]

Nur die matthäische Version beschließt die Bittenreihe mit einer Doxologie („rühmendes Wort“), die auf die Anfangsbitte um das Kommen des Reiches Gottes zurückkommt und die vorausgegangene Zusage Gottes im Munde Jesu gleichsam appellativ an Gott zurückgibt: „Denn dein ist das Reich …“ Dieser Schluss ist allerdings in den ältesten Handschriften nicht überliefert, fehlte somit vermutlich im ursprünglichen Matthäus-Evangelium.

Text gemäß der Version bei Matthäus[Bearbeiten]

Griechischer Urtext und lateinischer Text[Bearbeiten]

Das Vaterunser auf lateinisch als Gregorianischer Choral
Griechisch Lateinisch
Πάτερ ἡμῶν ὁ ἐν τοῖς οὐρανοῖς·
Ἁγιασθήτω τὸ ὄνομά σου·
ἐλθέτω ἡ βασιλεία σου·
γενηθήτω τὸ θέλημά σου,
ὡς ἐν οὐρανῷ καὶ ἐπὶ γῆς·
Τὸν ἄρτον ἡμῶν τὸν ἐπιούσιον δὸς ἡμῖν σήμερον·
καὶ ἄφες ἡμῖν τὰ ὀφειλήματα ἡμῶν,
ὡς καὶ ἡμεῖς ἀφήκαμεν τοῖς ὀφειλέταις ἡμῶν·
καὶ μὴ εἰσενέγκῃς ἡμᾶς εἰς πειρασμόν,
ἀλλὰ ῥῦσαι ἡμᾶς ἀπὸ τοῦ πονηροῦ.
(Griechische Fassung nach dem Matthäusevangelium)[2]
Pater noster, qui es in caelis:
sanctificetur nomen tuum.
Adveniat regnum tuum.
Fiat voluntas tua,
sicut in caelo, et in terra.
Panem nostrum supersubstantialem (cotidianum) da nobis hodie.
Et dimitte nobis debita nostra,
sicut et nos dimittimus debitoribus nostris.
Et ne nos inducas in tentationem,
sed libera nos a malo.
Amen.
(Lateinische Fassung nach der Vulgata-Übersetzung)[2]

Deutschsprachige Textfassungen[Bearbeiten]

Abschnitt Gegenwärtige ökumenische Fassung
(erarbeitet durch die ALT 1971)
Frühere evangelische Fassung
(Evangelisches Kirchengesangbuch 1950)
Frühere römisch-katholische Fassung
(Schott-Messbuch von 1930)
Frühere alt-katholische Fassung
(Gesangbuch von 1965)
Bitten

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Vater unser, der du bist im Himmel, geheiliget werde dein Name.

Vater unser, der Du bist im Himmel, geheiligt werde Dein Name;

Vater unser, der Du bist im Himmel. Geheiliget werde Dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Reich komme.

zu uns komme Dein Reich;

Zu uns komme Dein Reich.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden!

Dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Unser täglich Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern.

Unser tägliches Brot gib uns heute; und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern;

Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel.

und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel.

Embolismus (nur in manchen liturgischen Traditionen, siehe unten)
Doxologie Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Akklamation Amen. Amen. Amen. Amen.

Im Gegensatz zur deutschen Übersetzung unterscheidet die lateinische Fassung bei der doppelt vorkommenden Wendung „im Himmel“ zwischen Plural und Singular: in caelis (Ablativ Plural, wörtlich: in den Himmeln) einerseits, in caelo (Ablativ Singular) andererseits. Diese Formulierung findet sich auch im griechischen Urtext und geht auf die antike Vorstellung von den Sieben Himmeln zurück, wobei Gott selbst in Araboth, dem Siebten Himmel verortet wird.[3] Bereits die Ende des achten Jahrhunderts erstellte erste Übersetzung des St. Gallener Katechismus wich jedoch mit der Formulierung „Fater unseer, thu pist in himile“ davon ab, ebenso wie die heutige Tradition.[4] Entsprechend verwendet die englische Fassung zweimal den Singular „in heaven“, während im Französischen zwischen „aux cieux“ und „au ciel“ unterschieden wird.

In den Reformierten Kirchen lautet die Anrede: Unser Vater …, der übrige Text ist identisch.[5] In der Neuapostolischen Kirche wird neben der Anrede auch der zweite Satz umgestellt: „Dein Name werde geheiligt“. Darin folgt sie der Lutherbibel von 1984.

Bei der Brotbitte spricht die griechische Urfassung vom ἄρτος ἐπιούσιος, also vom „ausreichenden Brot“ oder dem Brot für diesen (und den nächsten) Tag: „Das für uns ausreichende Brot gib uns heute.“ Die Vulgata übersetzt dasselbe Wort epiusios unterschiedlich: Lukas 11:3 „Panem nostrum cotidianum da nobis cotidie“,[6] Matthäus 6:11 „Panem nostrum supersubstantialem[7] da nobis hodie.“[8] Im liturgischen Gebrauch war immer[9] die Formulierung „panem quotidianum (cotidianum)“ – das tägliche Brot – üblich.

Bei der Bitte um Vergebung folgen die Übersetzungen nicht den ältesten Handschriften, sondern dem Mehrheitstext bzw. der Textfassung bei Lukas. Sie schreiben: „… wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“ (ἀφιομεν, Präsens). Ursprünglich stand bei Matthäus aber sehr wahrscheinlich die Verbform ἀφήκαμεν (aphēkamen, eine Form des Aoristes): „… wie wir vergeben haben.“ Das bedeutet für den Betenden, dass er nicht um Vergebung bitten solle, wenn er selber diesen Schritt noch nicht getan hat, denn – so fährt das Mt-Evangelium fort – „wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, wird auch euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen vergeben. Wenn ihr aber den Menschen ihre Verfehlungen nicht vergebt, wird auch euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen nicht vergeben.“ (Verse 14–15)

Die bisher gängige Übersetzung führe uns nicht in Versuchung wird von einigen Exegeten heute mit lass uns nicht in Versuchung geraten übersetzt.[10][11] Die jüdische Religionswissenschaftlerin Ruth Lapide argumentiert, Gott sei kein Versucher; sie formuliert den Satz um: Und führe uns in der Versuchung ...[12][13] Die ökumenische Gute Nachricht Bibel[14] arbeitet in ihrem Text den wissenschaftlichen Kommentar mit ein und schreibt: Lass uns nicht in die Gefahr kommen, dir untreu zu werden. (6,13 GNB)

Der Lobpreis ὅτι σοῦ ἐστιν ἡ βασιλεία καὶ ἡ δύναμις καὶ ἡ δόξα εἰς τοὺς αἰῶνας. ἀμήν. (Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen) findet sich erst in späteren Handschriften; er lehnt sich an ein Dankgebet des Königs David an (1 Chr 29,11 EU).

Vorgeschichte der beiden Versionen[Bearbeiten]

Die Wir-Form des Vaterunsers legt nahe, dass es in Gemeinschaft gebetet wird; dazu ist aber dessen Auswendiglernen erforderlich. Warum gibt es dann in den Evangelien zwei unterschiedliche Versionen, anstatt einer einzigen? Die Forschung neigt dazu, die kürzere Lukas-Version für die ursprünglich von Jesus gelehrte zu halten. Die Erweiterung zur Matthäus-Version beruhte vielleicht auf folgenden Anliegen: Die Erweiterung der Gottesanrede zu einer feierlichen Form am Beginn könnte aus liturgischen Gründen erfolgt sein. Und hinter der Ergänzung zweier zusätzlicher Bitten könnte die Absicht gestanden sein, sich umfassend am Beten Jesu zu orientieren; diese beiden Bitten sind in ähnlicher Formulierung als Gebete Jesu am Passionsabend berichtet: „Dein Wille geschehe“ betete Jesus in Gethsemane (Lk 22,42 EU), und „bewahre sie vor dem Bösen“ bat Jesus in seinem sog. „hohepriesterlichen Gebet“ (Joh 17,15 EU).[15]

Nach Meinung der historisch-kritischen Forschung gehört das Vaterunser zu den Texten der vermuteten Logienquelle. Deren älteste, anfangs mündlich überlieferten und von der Situation missionierender Wanderprediger geprägten Texte werden auf Christen zurückgeführt, die wohl noch selbst Jesus zu Lebzeiten begegnet sind. Dass die Versionen bei Lukas und Matthäus auf eine gemeinsame Übersetzung ins Griechische zurückgehen, ergibt sich durch die übereinstimmende Verwendung des einzigartigen griechischen Wortes epiusios in der Brotbitte.[16]

Jüdischer Hintergrund[Bearbeiten]

Das Vaterunser knüpft an Gebetstraditionen des Tanach an. So bezieht sich etwa Psalm 103 auf Gottes heiligen Namen, auf seinen Willen sowie auf seine Vergebungsbereitschaft, und er vergleicht das Erbarmen Gottes mit dem eines Vaters gegenüber seinen Kindern. Jesus griff also im AT vorhandene Stichworte auf, ohne konkrete Formulierungen von dort zu entlehnen (der Psalm 103 z.B. ist auch gar kein Gebet, sondern eigentlich ein Bekenntnis; er redet nicht Gott an, sondern über Gott in der dritten Person).

Es gibt einzelne Ähnlichkeiten zu später entstandenen jüdischen Gebeten: Beim ersten Teil des Vaterunsers, in Bezug auf die Heiligung des Namens und der Verwirklichung von Gottes Herrschaft, gibt es Parallelen zum Kaddisch (das ungefähr um 100 n. Chr. entstand), und beim zweiten Teil, in Bezug auf den Bedarf des menschlichen Lebens, gibt es Parallelen zum Achtzehnbittengebet Schmone Esreh (dessen Inhalte sind um 200 n. Chr. bezeugt).[17]

Es gibt aber auch wesentliche Unterschiede. Jüdische Gebete wurden in der heiligen Sprache Hebräisch gesprochen, während Jesus das Vaterunser höchstwahrscheinlich in der Volkssprache Aramäisch lehrte. Die häufigsten Anreden Gottes im Judentum waren „Herr“ oder „König der Welt“. Die von Jesus praktizierte – und seine Jünger gelehrte – Anrede war aramäisch Abba, zu übersetzen mit Vater oder lieber Vater.[18] Das war eine sehr vertrauliche Anrede. Man kann „mit dieser Formel die ganze urchristliche Theologie zusammenfassen“.[19] Die Gott so familiär Anredenden sind „Kinder Gottes“ (Röm 8,15–16 EU). Die Vorstellung vom himmlischen Vater ist frei zu halten von patriarchalischen Zerrbildern, wie sie sich durch menschliche Väter oft ergeben.[20]

Neu war auch Jesu Aufforderung an den Betenden, seinerseits anderen Menschen zu vergeben, und die Verknüpfung dieser Bedingung mit der Bitte an Gott um Vergebung der eigenen Schuld. Auffallend ist schließlich die Kürze des Gebets.

Liturgie[Bearbeiten]

Pater noster, volkstümlicher Wandschmuck, vor 1900 erschienen

Das Vaterunser erhielt früh einen festen Platz in der urchristlichen Gottesdienstliturgie. Gemäß der Didache 8,2f sollten Christen es auch privat dreimal am Tag beten.

In der katholischen Kirche ist das Vaterunser Bestandteil der Heiligen Messe, des Stundengebets der Laudes und der Vesper sowie des Rosenkranzgebets.[21] Die Kapitularien Karls des Großen ordneten an, dass jeder Christ es auswendig hersagen können sollte. Wer dies nicht vermochte, sollte nicht als Pate (Taufzeuge) zugelassen werden. Zusammen mit dem Credo und den Zehn Geboten galt es als eine der Grundlagen, die jeder getaufte Christ lernen und wissen sollte. Der lutherische Katechismus knüpft an diese Tradition an.[22]

In der orthodoxen Kirche wird die Doxologie im Gottesdienst vom Priester gesprochen, im privaten Gebrauch ganz weggelassen. Diese Praxis war auch in der römisch-katholischen und der altkatholischen Kirche vor der Liturgiereform verbreitet. In der Heiligen Messe findet sich zwischen den Bitten und der Doxologie der Embolismus, den der Priester vor dem Schlussvers singt oder spricht, um die vorangegangenen Bitten zu vertiefen und zusammenzufassen:

Erlöse uns, Herr, allmächtiger Vater, von allem Bösen und gib Frieden in unseren Tagen. Komm uns zu Hilfe mit deinem Erbarmen und bewahre uns vor Verwirrung und Sünde, damit wir voll Zuversicht das Kommen unseres Erlösers Jesus Christus erwarten.

In der außerordentlichen Form des Römischen Ritus werden die ersten Bitten des Vaterunsers vom Zelebranten gebetet und nur die letzte Bitte von allen gemeinsam gesprochen, auf die dann der Embolismus mit der bei Orationen üblichen Doxologie folgt.

Musikalische Formen[Bearbeiten]

Das Vaterunser wurde in der Christentumsgeschichte und der profanen Musikgeschichte oft und auf verschiedene Weisen musikalisch vertont.

Kirchenlieder[Bearbeiten]

In der Liturgie werden unter anderem folgende Kompositionen und traditionelle Melodien verwendet:

Chorwerke, Kantaten und Oratorien[Bearbeiten]

Werke für Chor (und Orchester) im Stile einer Motette, einer Kantate oder eines Oratoriums stammen von

Oper[Bearbeiten]

Orgelwerke[Bearbeiten]

Als Werk für Orgel kommt das Gebet ebenfalls in der Musikgeschichte vor, unter anderem:

Sonstige Instrumentalwerke[Bearbeiten]

Orchesterwerke[Bearbeiten]

Kompositionen zum Vaterunser für symphonisches Orchester stammen von:

Elektronische Musik[Bearbeiten]

In der Klangsprache der elektronischen Musik des 20. und 21. Jahrhunderts erklingt das Gebet bei E Nomine.

Popularmusik[Bearbeiten]

Volkslied- oder Schlager-artige Vertonungen stammen etwa von:

In der Rock- und Popmusik wurde das Vaterunser vertont von:

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Franz Graf-Stuhlhofer: Basis predigen. Grundlagen des christlichen Glaubens in Predigten. VTR, Nürnberg 2010, S. 149–156: „Anderen Menschen vergeben“.
  2. a b Erwin Nestle, Kurt Aland: Novum Testamentum Graece et Latine. 22. Auflage. Stuttgart 1963
  3. Georg Ludwig Hahn: Die Theologie des Neuen Testaments. Dörffling & Franke, 1854, S. 287 f.
  4. Horst Dieter Schlosser: Lebens- und Erfahrungsräume in altsächsischen Texten. In: Andrea Hohmeyer, Jasmin S. Rühl, Ingo Wintermeyer (Hrsg.): Spurensuche in Sprach- und Geschichtslandschaften: Festschrift für Ernst Erich Metzner. LIT-Verlag, 2003, ISBN 978-3-8258-6565-8, S. 463–476, hier: S. 464.
  5. Evangelisch-reformiertes Gesangbuch, Basel und Zürich 1998, S. 363 (Nr. 285).
  6. Text
  7. Dieses Wort, das im Lateinischen sonst nicht vorkommt, ist eine Lehnübersetzung des Hieronymus, der von griechisch ousia = lateinisch substantia ausging und die Präposition epi mit super wiedergab. Als Bedeutung nahm er überirdisch, übernatürlich an.
  8. Text
  9. abgesehen von vereinzelten Abweichungen, vgl. Kontroverse zwischen Bernhard und Abaelard
  10. Walter Grundmann: Das Evangelium nach Matthäus (= Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament; I). Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1967.
  11. Joachim Gnilka: Das Matthäusevangelium, 1. Teil (Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament). Freiburg/Breisgau 1986, ISBN 3-451-20315-4.
  12. http://www.bistum-eichstaett.de/aktuell/aktuelle-meldungen-details/news/bibelforscherin-ruth-lapide-christen-und-juden-verbindet-sehr-viel/. Abgerufen am 24. Juni 2013.
  13. Das Vater Unser korrigiert von Ruth Lapide. Abgerufen am 24. Juni 2013.
  14. Gute Nachricht Bibel, Deutsche Bibelgesellschaft, Kath. Bibelwerk Stuttgart, kath. Bibelgesellschaft Österreich, 1968
  15. So Rainer Riesner: Jesus als Lehrer. Eine Untersuchung zum Ursprung der Evangelien-Überlieferung (= WUNT II, Bd. 7). Mohr Siebeck, Tübingen 1981, S. 446.
  16. Wiard Popkes: Gebet des Herrn. In: Das große Bibellexikon, Bd. 2. 1996, S. 635.
  17. Wiard Popkes: Gebet des Herrn. In: Das große Bibellexikon, 1996, Bd. 2, S. 635–637.
  18. Martin Hengel, Anna Maria Schwemer: Jesus und das Judentum. Tübingen 2007, S. 408, 417.
  19. Hengel, Schwemer: Jesus und das Judentum, S. 417.
  20. Popkes: Gebet des Herrn, 1996, S. 636.
  21. Ausführliche Deutung im Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2759–2856.
  22. Manfred Seitz: Art. Vaterunser III.. In: Theologische Realenzyklopädie (TRE). Band 34, de Gruyter, Berlin/New York 2002, ISBN 3-11-017388-3, S. 516–527.

Literatur[Bearbeiten]

Exegese


Übersetzungen

  • Johann Christoph Adelung: Mithridates oder allgemeine Sprachenkunde mit dem Vater Unser als Sprachprobe in beynahe fünfhundert Sprachen und Mundarten, Fünf Bände. Originalausgabe: Voss, Berlin 1806–1817; Reprint der Erstausgabe: Olms Verlag, 1970.

Theologie und Gebetspraxis

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vaterunser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Pater noster – Quellen und Volltexte
 Wikisource: Vaterunser – Quellen und Volltexte
 Wiktionary: Vaterunser – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen