Zweitakt-Dieselmotor

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Gaswechsel in einem auslassgesteuerten Zweitakt-Dieselmotor
Einer der größten Lastkraftwagen mit Diesel-Zweitaktmotor war der Südwerke (Krupp) „Titan“
Diesel-Zweitaktmotor eines Krupp „Elch“

Ein Zweitakt-Dieselmotor ist ein nach dem Zweitaktprinzip arbeitender Dieselmotor.

In der heute am meisten zum Einsatz kommenden Bauform wird die Frischluft durch Einlassschlitze (ports) im unteren Bereich der Laufbuchse eingeblasen. Um die Brennraumgase über die Auslassventile in den Abgastrakt zu drücken, bedarf es eines höheren Druckes der Frischluft – den in der Regel ein Rootsgebläse liefert.

Schiffsdiesel[Bearbeiten]

In großen Frachtschiffen eingesetzte Schiffsdiesel sind meist langsamlaufende Zweitaktdieselmotoren. Weitere Einsatzgebiete sind Antriebe für LKW, Lokomotiven, landwirtschaftliche Maschinen und Flugzeuge. Bekannte Beispiele sind die Zweitaktdieselmotoren der Baureihen 53, 71, 92, 149 der Detroit Diesel Corporation (DDC), die als „Taiga-Trommel“ bekannte DR-Baureihe V 200, und die Gegenkolbenmotoren von Junkers (Jumo 205) und Napier (Napier Deltic).

Flugzeugmotoren[Bearbeiten]

In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts gab es Flugmotoren wie den Jumo 205, den 207 und den 223 (Liste hier).

Ab 1936 baute BMW drei dieselgetriebene BMW 114 (Flugmotor). Diese Neunzylinder-Sternmotoren hatten Direkteinspritzung mit Luftspeicher. Wegen technischer Schwierigkeiten wurden die Versuche 1937 eingestellt.

Zweitakt-Dieselmotoren für Flugzeuge werden derzeit z.B. von der Firma Delta Hawk Engines angeboten.[1]

Roots-Gebläse[Bearbeiten]

Zweitakt-Dieselmotoren hatten fast immer Roots-Gebläse (z.B. Commer TS 3 oder der Motor des Krupp Titan). Bei den effizientesten Wärmekraftmaschinen überhaupt, den Zweitakt-Schiffsdieselantrieben, finden sich Rootsgebläse oft als Hilfs- und Anfahrgebläse. Sobald der Turbolader genügend Druck aufbaut, wird er abgeschaltet (hierzu können sie, statt über den Kurbeltrieb im festen Drehzahlverhältnis angetrieben zu werden, auch einen eigenen, drehzahlentkoppelten Antrieb haben, zum Beispiel einen Elektromotor). Der Roots-Lader eines Motors wird mechanisch oder elektrisch angetrieben und verbraucht daher – im Gegensatz zum Abgas-Turbolader, der seine Antriebsenergie aus dem Abgasstrom bezieht – einen Teil der Leistung.

Vorteil[Bearbeiten]

  • Vergleichsweise gutes Leistungsgewicht. Wenige bewegte Bauteile, daher wenig störanfällig und langlebig. Da auf See nur geringe Umweltauflagen gelten, bevorzugte Verwendung als Schiffsdieselmotor.

Nachteil[Bearbeiten]

  • Um gute Effizienz zu erreichen, ist eine hohe Präzision in der Fertigung erforderlich. Trotzdem werden keine optimalen Werte in Bezug auf Kraftstoffverbrauch und Abgasemission erzielt. Daher konnte sich der Zweitakt-Dieselmotor im Kraftfahrzeugbereich – ähnlich wie der Zweitakt-Benzinmotor – trotz der bestechenden Einfachheit der Konstruktion nicht durchsetzen.

(ehemalige) Hersteller[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard van Basshuysen, Fred Schäfer: Handbuch Verbrennungsmotor Grundlagen, Komponenten, Systeme, Perspektiven. 3. Auflage, Friedrich Vieweg & Sohn Verlag/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2005, ISBN 3-528-23933-6.
  • Peter Gerigk, Detlev Bruhn, Dietmar Danner, Jürgen Göbert: Kraftfahrzeugtechnik. 3. Auflage, Westermann Schulbuchverlag GmbH, Braunschweig 2000, ISBN 3-14-221500-X.
  • Entwicklungsstand der Zweitakt-Dieselmotoren für Kraftfahrzeuge. In: Kraftfahrzeugtechnik 5/1953, S. 135–141; 6/1953, S. 174–180; 11/1953, S. 335–340 und 12/1953, S. 374–376.
  • Die neuere Entwicklung des Glühkopfmotors. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1954, S. 264–268.
  • Entwicklungsarbeiten an einem kurzhubigen Zweitakt-Dieselmotor KZD 12,4. In: Kraftfahrzeugtechnik 12/1954, S. 356–360.
  • Entwicklungsarbeiten am Zweitakt-Dieselmotor NZD 12,5. In: Kraftfahrzeugtechnik 10/1955, S. 342–347, 11/1955, S. 381–386, 5/1958, S.164–167 und 6/1958, S. 210–214.
  • Setzt sich der Zweitakt-Dieselmotor für Kraftfahrzeuge durch? In: Kraftfahrzeugtechnik 1/1957, S. 3–6 (u. a. Ford-LKW).
  • Betriebsergebnisse eines modernen Zweitakt-Dieselmotors. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1959, S. 357–361.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zweitakt-Dieselmotoren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Why an Aero Diesel? (Englisch)
  2. Brons 2-Takt-Schiffdiesel (Detail-Zeichnung)
  3. Hirth Diesel D22 Steckbrief
  4. Ilo Diesel DL 660 Steckbrief
  5. Jung Zweitakter aus Feldbahn (Zugriff 14. Jan. 14 ist sicher nicht lange zugänglich)
  6. hier ein 20 Ps 2-T-Diesel von Jung