Ärzte für individuelle Impfentscheidung

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Ärzte für individuelle Impfentscheidung e. V. ist eine gemeinnützige Organisation von Ärzten, die Schutzimpfungen grundsätzlich als einen Bestandteil ärztlicher Vorsorge ansehen. Der Verein sieht sich der Ottawa-Charta der WHO verpflichtet: „Gesundheitsförderung zielt auf einen Prozess, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen.“ (WHO 1986)[1] In dem Verein sind insbesondere Homöopathen und Anthroposophen engagiert.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein wurde 2006 gegründet. Sitz des Vereins ist noch Herdecke; lt. Beschluss der Mitgliederversammlung vom 12. Oktober 2019 wird der Sitz des Vereins nach Berlin verlegt. Der Eintrag im Vereinsregister des Amtsgerichtes Hagen erfolgte unter der Vereinsnummer VR 30385.[3]

Vorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der auf der Mitgliederversammlung vom 12. Oktober 2019 gewählte Vorstand besteht aus vier Personen: Jost Deerberg, anthroposophischer Kinderarzt aus Hamburg, Michael Friedl, anthroposophischer Kinderarzt und Homöopath aus Heidelberg, Steffen Rabe, Kinderarzt und Homöopath aus München, und Stefan Schmidt-Troschke, anthroposophischer Kinderarzt aus Berlin.[3]

Impfkritische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl der Verein sich selbst nicht als Impfgegner versteht, setzt er sich für eine sogenannte „individuelle Impfentscheidung“ bzw. für einen „alternativen Impfplan“ ein, also entgegen dem von der STIKO empfohlenen Impfplan. So bezweifelt der Verein in einem Manifest von 2010 die bereits per Gericht attestierte Fachkompetenz der Ständigen Impfkommission (STIKO).[4]

Bei der impfgegnerischen Demonstration 2019 in Berlin hat der Verein im Vorfeld auf seiner Webseite auf impfgegnerische und verschwörungstheoretische Vereine und Organisationen verlinkt, obwohl er sich erst auf Nachfrage und nach Beginn der Demonstration von dessen Inhalten distanziere.[5]

Friedl behauptet, dass die Ausrottung bestimmter Infektionskrankheiten sich nicht auf die Impfungen zurückführen ließe, sondern auf eine verbesserte Hygiene, sauberes Trinkwasser und eine gesunde Ernährung.[6] Dieses Argument wird von Impfgegnern und -skeptikern häufig aufgeführt, ist aber falsch.[7][8]

Masernschutzgesetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gesetz, das am 1. März 2020 in Kraft trat, sieht vor, dass alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr beim Eintritt in die Schule oder den Kindergarten die von der STIKO empfohlenen Masern-Impfungen vorweisen müssen. Auch bei der Betreuung durch eine Kindertagespflegeperson muss in der Regel ein Nachweis über die Masernimpfung erfolgen.[9] Bei Schulkindern kann die Aufnahme zwar wegen der Schulpflicht nicht verweigert werden. Doch drohen Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, Bußgelder in Höhe von bis zu 2500 Euro. Mit einem Eilantrag beim Bundesverfassungsgericht (BVerfG) wollte der Verein das Gesetz noch stoppen[10], diesen und andere Eilanträge hat das BVerG am 11. Mai 2020 aber abgelehnt.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Verein - Kurz gefasst, Website des Vereins, abgerufen am 1. März 2020
  2. Jakob Simmank: Masern-Impfpflicht: Einmal tief durchatmen, bitte. In: Die Zeit. Hamburg 14. November 2019 (zeit.de [abgerufen am 19. März 2020]).
  3. a b Der Verein - Transparenz, Website des Vereins, abgerufen am 1. März 2020.
  4. Ärzte für individuelle Impfentscheidung e.V: Wuppertaler Manifest. (PDF) 12. Oktober 2010, abgerufen am 19. März 2020.
  5. Nicola Kuhrt: „Anti-Impfpflicht-Demo“ wird zum Schaulaufen von Verschwörungstheoretikern. In: MedWatch. 16. September 2019, abgerufen am 19. März 2020.
  6. Anna Vonhoff: Umstrittene Durchimpfung der Bevölkerung. In: Focus Online. 4. Oktober 2013, abgerufen am 19. März 2020.
  7. Bedeutung von Impfungen - Antworten des Robert Koch-Instituts und des Paul-Ehrlich-Instituts zu den 20 häufigsten Einwänden gegen das Impfen. 19: Der Rückgang von Erkrankungen ist eine Folge verbesserter Hygiene und Ernährung und hat nichts mit Impfungen zu tun. RKI, 22. April 2016, abgerufen am 19. März 2020.
  8. Warum Impfgegner unsozial handeln. Der Tagesspiegel, 9. August 2018, abgerufen am 19. März 2020.
  9. Impfpflicht soll Kinder vor Masern schützen, Website des BMG, abgerufen am 1. März 2020
  10. Verfassungsklage: Die Masern-Impfpflicht könnte auf den letzten Metern scheitern. Die Argumente der verschiedenen Seiten, Medscape vom 24. Februar 2020, abgerufen am 1. März 2020, abgerufen am 1. März 2020.
  11. Klaus Hempel: Bundesverfassungsgericht: Eilanträge gegen Impfpflicht abgewiesen. In: tagesschau.de. 18. Mai 2020, abgerufen am 18. Mai 2020.