Österreichischer Alpenverein

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Österreichischer Alpenverein (ÖAV)
Neues Logo des Österreichischen Alpenvereins
Gründungsdatum/-jahr 1862
Gründungsort Wien
Präsident Andreas Ermacora
Vereine (ca.) 195 Sektionen (236 Hütten und ca. 26.000 km Wander- und Bergwege)
Mitglieder (ca.) 500.000 (Anfang 2016)
Verbandssitz Innsbruck
Homepage www.alpenverein.at

Der Österreichische Alpenverein (ÖAV; bis 2014: Oesterreichischer Alpenverein, OeAV)[1] ist der größte Bergsteigerverein in Österreich. Sein Hauptsitz ist Innsbruck in Tirol.

Logo des OeAV bis 2014[2]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sektionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ÖAV ist in 195 Sektionen gegliedert. Die Sektionen sind ihrerseits wieder eigenständige Vereine, die in manchen Fällen außerhalb des Alpenvereines entstanden: Zum Beispiel trat der 1890 gegründete Österreichische Gebirgsverein, der sich dem weltweiten Hochgebirgsalpinismus verpflichtet, erst 1955 als Sektion in den Alpenverein ein. Das Arbeitsgebiet einer Sektion (in dem die Sektion bergsteigerische Infrastruktur wie Wege und Hütten bereitstellt) ist im Arbeitsgebietskataster entsprechend der Arbeitsgebietsordnung (ArgO)[3] gemeinsam mit dem DAV festgehalten. Es weicht in vielen Fällen vom Gebiet, in dem die Sektion zuhause ist und ihre Mitglieder rekrutiert, ab, insbesondere bei außeralpinen Sektionen.

Neben Orts-Sektionen finden sich auch akademische Sektionen in Wien, Innsbruck und Graz, die aus Studentenverbindungen hervorgegangen sind, sowie Sektionen im Ausland (Sektion Britannia, Sektion Flandern).[4] Es gibt auch einige inländische Sektionen, die Ortsgruppen im Ausland unterhalten. Die Sektion Weitwanderer, deren Arbeitsgebiet auf Weitwanderwege beschränkt ist, versteht sich als überregionale Sektion.

Die größten Sektionen sind ultimo 2016 die Sektion Innsbruck (51.538 Mitglieder), die Sektion Edelweiss (49.658 Mitglieder) und die Sektion Austria (39.950 Mitglieder).[5]

Ämter in den Sektionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den wichtigen Ämtern einer Sektion gehören – neben den vereinstypischen, also Vorsitzender, Schriftführer, Kassier – im Besonderen der Wegewart des jeweils betreuten Wegenetzes, der Hüttenwart, der sich um die vereinseigenen Schutzhütten kümmern muss, der Alpinwart (Alpinreferent), der die bergsteigerischen und kletterischen Aspekte betreut, der Skilehrwart, der sich um Belange des Alpinschi- und Schitourenwesens, die Lawinenkunde und andere wintersportlichen Aspekte kümmert, und der Naturschutzwart (Naturschutzreferent), der die satzungsgemäßen Naturschutzbelange der Sektion betreut.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ÖAV publiziert – neben Kartenmaterial, Wanderführern und Lehrschriften – eine fünfmal pro Jahr erscheinende Mitgliederzeitschrift mit dem Namen Bergauf.

Agenden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hütten und Wege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ÖAV betreut (2012) 238 Schutzhütten. Mit etwa 13.000 Schlafplätzen, im Sommer ca. 1550 Arbeitsplätzen, und jährlich etwa einer Million Besucher ist der ÖAV der größte Beherbergungsbetrieb in Österreich.[6] Die Hütten sind durchwegs saisonell – aber meist langfristig – in Pacht an einen Hüttenwirt vergeben, der den Wirtschaftsbetrieb aufrechterhält und meist auch die Funktion des Hüttenwarts innehält.

Zu den Hütten des ÖAV siehe: Liste der Schutzhütten in den Alpen

Daneben hat der ÖAV Verträge mit privaten Quartiergebern, die als ÖAV-Vertragshäuser vergünstigte Übernachtungen für Mitglieder anbieten.[7]

Der Österreichische Alpenverein betreut in Österreich rund 26.000 Kilometer markierte Bergwege, Wanderwege, Klettersteige und eine Vielzahl von Klettergärten. Rechnet man die vom Deutschen Alpenverein in Österreich betreuten Wege dazu, sind es gut 40.000 km.[6] Die Wege und Klettersteige werden von ehrenamtlichen Funktionären in deren Freizeit kostenlos betreut. Für diese Wege trägt der Verein die Wegehalterhaftung und die Erhaltungskosten. Dieses Wegenetz erhöht die Sicherheit der Bergwanderer und ist eine wesentliche Voraussetzung für den Bergsport und den Sommertourismus. Darüber hinaus sind die markierten Wege eine effektive Besucherlenkung.

Besitzungen sowie Natur- und Umweltschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Alpenverein setzt sich schon lange für naturverträglichen Alpinsport ein. Auf dem Foto eine Hinweistafel für Wintersportler, wie sich umweltverträglich Berggipfel der Tannheimer Berge im Winter besteigen lassen

Der Alpenverein besitzt über 400 km² Grund. Dieser wurde seit dem frühen 20. Jahrhundert erworben, um alpine Schutzgebiete zu bilden, oder geht auf Schenkungen zurück. Damit ist der ÖAV einer der größten Grundbesitzer in Österreich überhaupt.[8] Ein Gutteil dieser Gründe, etwa 330 km², liegt im heutigen Nationalpark Hohe Tauern, Österreichs erstem Nationalpark, wo der ÖAV den größten Gebietsanteil stellt, und der ohne den Verein nicht entstanden wäre. So gehören beispielsweise mit die prominentesten Berge Österreichs, der Großglockner und der Großvenediger, in ihrem Gipfelbereich umfassend dem Verein, ebenso die Krimmler Wasserfälle.[8] Ein weiterer Erfolg war 1988 der Ankauf von acht Quadratkilometer Grund an der Hochalmspitze, der ÖAV verhinderte damit die Errichtung eines Gletscherskigebiets. Die Gegend gehört heute ebenfalls zum Nationalpark.[8]

Mit weiteren Engagements, wie Bemühen um sanften Tourismus, Bewusstseinsbildung, der Aktion „Saubere Berge“ (seit 1970), dem Umweltgütesiegel für Alpenvereinshütten (seit 1994), Bergwaldprojekten und Zusammenarbeit mit anderen Institutionen gehört der ÖAV zu den wichtigsten Umweltorganisationen des Alpenraums. Er wurde nach dem UVP-G 2000 anerkannt, sodass er bei Eingriffen im alpinen Landschaftsraum Parteienstellung bei Umweltverträglichkeitsprüfungen hat. Seit 1980 gibt es auch eine eigene Fachabteilung Raumplanung-Naturschutz, die sich um geographisch-politische Belange der Vereinsabsichten kümmert.[9]

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Alpenverein veranstaltet ständig Ausbildungskurse für die Tourenführer, Jugendführer und Funktionäre der einzelnen Sektionen, die das Erlernte an die Mitglieder weitergeben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinweistafel des Österreichischen Alpenvereins

Der Österreichische Alpenverein wurde 1862 als erster Bergsteigerverband des europäischen Festlands und damit als zweitältester der Welt nach dem britischen Alpine Club gegründet. Gegründet wurde er auf Anregung der Studenten Paul Grohmann, Edmund von Mojsisovics und Guido von Sommaruga, unterstützt wurden sie dabei in der Anfangsphase von Eduard Suess, Anton von Ruthner, Eduard Fenzl und Achilles Melingo. Am 19. November 1862 fand unter der Leitung von Eduard Fenzl, der auch zum ersten Vorstand gewählt wurde, im grünen Saal der Akademie der Wissenschaften die Gründungsversammlung statt.

Gedenktafel zum Zusammen­schluss von DAV und OeAV

Am 23. August 1873 fand im ehemaligen Schützenhaus neben dem Schloss Gayenhofen in Bludenz der Zusammenschluss mit dem unter anderem von Franz Senn mitgegründeten Deutschen Alpenverein zum Deutschen und Oesterreichischen Alpenverein (DuOeAV) statt. Der Österreichische Alpenverein und die Sektion Wien des Deutschen Alpenvereins wurden zur Sektion Austria des D.u.Oe.A.V.[10] Eine Gedenktafel am Treppenaufgang von Schloss Gayenhofen zum Schlosshotel erinnert an das Ereignis.

Von 1873 bis 1938 waren mehr als 400 Sektionen in Deutschland, Österreich und (nach dem Ersten Weltkrieg) in der Tschechoslowakei im DuOeAV zusammengeschlossen. In diese Zeit fällt unter anderem die Einrichtung des Gletschermessdienstes 1891.[11] Im Jahr 1914 hatte der DuOeAV bereits mehr als 100.000 Mitglieder.[12]

Zur 50-Jahr-Feier der Sektion Austria äußerte sich Eduard Suess zur Gründungsgeschichte in den Mitteilungen des DuÖAV 1912 wie folgt: [13]

„In meinen Vorlesungen war gar oft von den Alpen die Rede und im Wintersemester 1861/62 teilte mir einer meiner Hörer, Edmund v. Mojsisovics, mit, daß er und zwei seiner Freunde, Paul Grohmann und Guido v. Sommaruga, die Absicht hätten, einen Alpenverein zu gründen. Sie hätten sich bisher nur mit dem Advokaten Dr. v.Ruthner in Verbindung gesetzt. Ich möge an einer zweiten Besprechung teilnehmen. Ich sagte zu. (…) Bei der zweiten Besprechung waren sechs Personen anwesend, und zwar die drei eigentlichen Begründer: Grohmann, Mojsisovics und Sommaruga, ferner Dr. A.v.Ruthner, der spätere Gemeinderat Achilles Melingo und ich. Wir waren durch das Scheitern des ersten Versuchs (Anm.: 1856) klüger geworden. Der neue Alpenverein sollte nicht international, sondern besonders für die österreichischen Alpen bestimmt sein. Räumlich eingeengt, sollte er dafür stofflich erweitert werden und nicht nur wissenschaftliche Ziele verfolgen. So entstand damals das Schlagwort vom ‚Wegsammachen‘ der Ostalpen. Im März wurde der Kreis auf 20 Personen erweitert. Statuten wurden entworfen und am 1. Juli genehmigt. Am 19. November fand im ‚Grünen Saale‘ der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften (in Wien) unter dem Vorsitze des Professors Fenzl die konstituierende Versammlung statt. Die Zahl der Mitglieder betrug bereits 625.“

Zwischenkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritisch gesehen wird heute die nationalsozialistische und antisemitische Ausrichtung des Alpenvereins während der Zwischenkriegszeit. In einigen Sektionen wurde bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Arierparagraph angewandt: In der Sektion Wien des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins wurde bereits 1905 in einem Statut festgehalten, dass nur Deutsche sogenannter "arischer" Abstammung Mitglieder werden können; 1907 bzw. 1910 verboten auch die Akademische Sektion Wien bzw. München Juden die Mitgliedschaft, weitere folgten. 1921 wurde der Nationalsozialist Eduard Pichl Vorsitzender der Sektion Austria des DuÖAV und begann, den Antisemitismus durchzusetzen. Im gleichen Jahr wurde die Sektion Donauland gegründet, in der sich viele ausgeschlossene jüdische Bergsteiger sammelten, u. a. Viktor Frankl, Fred Zinnemann und Joseph Braunstein. 1924 wurde diese Sektion aus dem Gesamtverein ausgeschlossen, und 98 der 110 österreichischen Alpenvereinssektionen führten nun auch formell den Arierparagraphen ein. Juden durften weder Mitglied sein noch auf den Vereins-Hütten bewirtet werden.[14]

1938–1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich (Hitlerdeutschland) im März 1938 kam es zur Gleichschaltung aller alpinen Vereine im Großdeutschen Reich und aus dem Deutschen und Österreichischen Alpenverein (DuÖAV) wurde im Mai 1938 der Deutsche Alpenverein (DAV). Dieser war bis zum Kriegsende als Fachverband Bergsteigen in den Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen eingegliedert. Vorsitzender war zu dieser Zeit der ehemalige österreichische Bundeskanzler Arthur Seyß-Inquart, ein überzeugter Nationalsozialist und Antisemit.

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1945 wurde der Oesterreichische Alpenverein (OeAV) neu gegründet. Bis zu der 1952 erfolgten Wiedergründung des Deutschen Alpenvereins (DAV) verwaltete der OeAV dessen Vermögen und Grundbesitz (Hütten) treuhänderisch.

Der OeAV ist Gründungsmitglied des multilateralen Abkommens Gegenrecht auf Hütten, das 1978 eingeführt wurde.

Der Österreichische Alpenverein ist heute laut seinen Statuten unpolitisch und überkonfessionell; er wird – quasi als Gegenpol zu dem laut Statuten bekennend sozialdemokratischen Verein Naturfreunde Österreich – überwiegend dem bürgerlichen Lager zugerechnet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Österreichischer Alpenverein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alpenverein: "Ö" statt "Oe". Alpenverein Sektions-News Nr. 23, November 2014
  2. Neues Logo für den Alpenverein
  3. Arbeitsgebietsordnung in: Wegehandbuch der Alpenvereine (PDF)
  4. Sektionen Österreichischer Alpenverein. In: alpenverein.at. Abgerufen am 25. Juni 2017.
  5. Aktuelle Mitgliederstatistik Österreichischer Alpenverein. In: alpenverein.at. Abgerufen am 23. Juni 2017.
  6. a b Peter Kapelari: Hütten & Wege. Alpine Infrastruktur des Alpenvereins – braucht es die noch? In: Bergauf 04-2012, S. 26 ff (Fundstelle S. 29 resp. 28);
    Alpenverein: Wanderwege brechen wegen Klimawandel weg. APA/Die Presse, 17. Oktober 2008, abgerufen am 28. November 2009.
  7. ÖAV-Vertragshäuser. 13. März 2015, abgerufen am 21. November 2015.
  8. a b c Die Alpenkönige. trend.at, 21. Juli 2005; Grundbesitz: Wem gehört Österreich? In: Die Presse, 19. Juni 2011 (online-Artikel).
  9. Alpenverein & Naturschutz. alpenverein.at (abgerufen 24. Februar 2017).
  10. Alpenverein.at: Geschichte
  11. Bergauf 2/2016. In: alpenverein.at. S. 6–7, abgerufen am 13. Dezember 2016.
  12. Franz Senn, Gründer des Alpenvereins in den NÖN Print-Ausgabe Bezirk Mödling Woche 28/2012
  13. Ein Beitrag zur Gründungsgeschichte des Alpenvereins. Gedenkrede, gehalten von Professor Eduard Sueß zur Fünfzigjahrfeier der Sektion „Austria“. In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1912 (Band XXXVIII), S. 304 f. (Online bei ALO) sowie
    Chronik Bergwacht, Teil 1 (PDF; 3,84 MB). In: Bergwacht-bayern.org, abgerufen am 16. April 2011.
  14. Martin Achrainer: „So, jetzt sind wir ganz unter uns!“ Antisemitismus im Alpenverein (PDF), in: Hanno Loewy, Gerhard Milchra: Hast Du meine Alpen gesehen? Eine jüdische Beziehungsgeschichte, Hohenems/Wien 2009