Österreichisches Hospiz zur Heiligen Familie

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Eingangsbereich des Hospizes
Aussicht vom Dach in Richtung Felsendom

Das Österreichische Pilger-Hospiz zur Heiligen Familie in Jerusalem ist eine Pilgerherberge der katholischen Kirche Österreichs in der Altstadt Jerusalems. Es befindet sich an der Ecke Via Dolorosa und El-Wad-Straße des arabischen Viertels der Altstadt, an der 3.Station des Kreuzweges gelegen. Rektor des Hospizes ist seit 2004 Markus Stephan Bugnyar. Das 1856 gegründete und am 19. März 1863 eröffnete Hospiz ist das älteste nationale Pilgerhaus im Heiligen Land.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Interesse der europäischen Großmächte an der Levante stieg Mitte des 19.Jahrhunderts, nachdem eine Allianz aus Österreich, Großbritannien, Preußen und Russland den Vormarsch der Ägypter unter Muhammed Ali Pascha gestoppt und die osmanische Provinz Şam wieder unter die Kontrolle der Hohen Pforte in Istanbul gebracht hatte. Als Reaktion auf die Orientkrise begannen Preußen, Frankreich, Großbritannien, das Russische Zarenreich und das Österreichische Kaiserreich Mitte der 1840er Jahre die ersten Konsulate und nationalkirchlichen Einrichtungen zu gründen.

Österreich eröffnete sein Vize-Konsulat am 1. Mai 1849. 1852 schlägt der österr. Vizekonsul Josef Graf Pizzamano vor, ein Pilgerspital mit zugehöriger Kirche zu bauen um den Einfluss Österreichs als Schutzmacht der Christen im Nahen Osten zu festigen. Der damalige Wiener Erzbischof Joseph Othmar von Rauscher greift die Idee Pizzamanos auf und beschließt den Bau eines Pilger-Hospizes mit einer kleinen Krankenstation für die Pilger aus den Regionen der Monarchie.[1]

Baugeschichte & Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang 1854 wird der 3956m² große Baugrund an der Ecke Via Dolorosa/El-Wad-Straße in der Altstadt Jerusalems für 5.700 Gulden österreichischer Währung durch Konsul Pizzamano erworben. Die ersten Pläne legte der renommierte Architekt Ermete Pierotti vor, allerdings wird die endgültige Planung und Ausführung an den Architekten Anton Endlicher übergeben. Dieser reist gemeinsam mit den Polieren Josef Wenz und Johann Wiltner im November 1855 nach Jerusalem.

Zu Beginn des Jahres 1856 kam es durch die zeitraubenden Erdarbeiten zu einer Kostenexplosion. Kardinal Rauscher sieht sich gezwungen, Abstriche bei der Fassadengestaltung des Hauses vorzunehmen. Die neugefertigten Baupläne werden nun genehmigt und der Bau kann beginnen. Die Finanzierung des Bauvorhabens erfolgt über die Karfreitagskollekte und Privatspenden. Am 31. Dezember 1856 wird der Grundstein des Österreichischen Hospizes gelegt. Aufgrund diverser Komplikationen ersetzt der Polier Josef Wenz Anton Endlicher als Bauleiter.

Der 20. Oktober 1858 markiert das Datum der Schlusssteinlegung. Die Kapelle des Hospizes wird feierlich durch den Lateinischen Patriarchen Giuseppe Valerga geweiht und das Pilger-Gästehaus am 19. März 1863 eröffnet.[2]

Unter den Habsburgern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der spätere Kurator Hermann Zschokke wird im Februar 1864 als Rektor für das Pilger-Gästehaus bestellt, unter ihm finden die ersten Zubauten und Modernisierungen statt. 1868 bittet die Hausleitung um Unterstützung bei der Führung der Hauswirtschaft und so treffen im gleichen Jahr 2 Frauen aus der Monarchie zur Mitarbeit in Jerusalem ein.

Der November des Jahres 1869 markiert eines der wichtigsten Daten für die Popularität der Volkswallfahrten am Ende des 19.Jahrhunderts. Seine Reise zur Eröffnung des Suezkanals nutzte Kaiser Franz Joseph I. zu einer Pilgerfahrt ins Hl. Land. Er war der erste europäische Monarch seit dem Ende des Kreuzfahrer-Reiches, der das Hl. Land aufsuchte. Dieser Besuch war ein symbolträchtiges Vorbild für die folgenden Pilgergenerationen aus der Monarchie.

Mosaik "Die kriegerische und friedliche Pilgerung Österreich-Ungarns nach dem hl. Land von ältesten Zeiten an" in der Hospizkapelle

Im Jahr 1895 setzt sich der Kurator des Hauses Prälat Hermann Zschokke für eine bauliche Umstrukturierung und Modernisierung ein, da gegen Ende des 19.Jh. der Charakter der Wallfahrten sich grundlegend verändert hatte. Um auch die ungarische Reichshälfte der k.u.k. Monarchie einzubinden, wird der Ungar Stephan Csarszky als Vizerektor berufen und das Haus in "Österreichisch-Ungarisches Pilgerhaus zur Hl. Familie" umbenannt. Vier Schwestern der Kongregation des Hl. Karl Borromäus trafen, gemeinsam mit einem Wiener Gärtner, im Sommer 1896 ein die sich um die Verwaltung der Küche und der Wäscherei annehmen. Im Jahre 1898 brachen über 500 Teilnehmer zur Ersten Tiroler Volkswallfahrt unter Oberst a.D. Heinrich Himmel von Agisburg gen Heilige Land auf.[3]

Postkarte mit Frontalansicht des Hospizes, Ende 19.Jahrhundert

Die Erweiterung der Anzahl der Gästebetten auf 100 Stück und die Anlegung der Terrasse erfolgten 1902. Um den Schwestern einen Rückzugsort zu bieten, wurde 1903 der Grundstein für das Schwesternhaus gelegt und 1904 der Bau vollendet.

Ansicht des Altarraumes der Hospizkapelle

1908, im Jubiläumsjahr der 60-jährigen Thronbesteigung Kaiser Franz Josephs, wurde die Erneuerung der Kapelle in Angriff genommen. Dieser Ausbau beinhaltete die beiden Seitenaltäre des Deutschen Ritterordens, ein ikonographisches Mosaik der prominentesten Heiligen der Kronländer in der Kuppel der Apsis, neue Beichtstühle und Kirchenbänke sowie eine neue Sakristei. Diese Arbeiten dauerten bis 1910 an. 1913, der bereits von 1900-1906 amtierende Rektor Franz Fellinger wird erneut Rektor des Hauses.[4]

Hospiz im Ersten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Osmanische Reich tritt auf Seiten des Vierbundes in den Ersten Weltkrieg ein. Im Laufe der Mobilisierungsphase, genauer gesagt am 9. September 1914, werden die Kapitulationen für die Mitglieder der Entente aufgelöst und die kirchlichen Einrichtungen der nunmehrigen Feindnationen requiriert.

Als der Sultan im November 1914 den Djihad gegen die Briten ausruft, müssen alle Staatsangehörigen der Entente, auch der Klerus, Jerusalem verlassen. Während dieser Zeit herrschte in der Stadt eine sehr gedrückte und feindselige Stimmung. General Ulrich Back wird Stadtkommandant und das Österreichische Hospiz erfreut sich zusehender Beliebtheit als Treffpunkt für deutsche und österr.-ung. Militärs.

Das Zurückdrängen der Briten in Ägypten gelingt den osmanischen Truppen nicht und somit dringen 1915 britische Verbände in den Sandschak von Jerusalem vor.

Um der Gefahr einer Requirierung vorzubeugen, wird das Hospiz im Februar 1916 offiziell in ein Erholungsheim für Offiziere und Soldaten umgewandelt. Die zur Unterstützung entsandte, zwei Batterien starke, Gebirgshaubitzendivision „von Marno“ zieht im Mai 1916 in Jerusalem ein.

Da Jerusalem im November 1917 bereits zur unmittelbaren Kampfzone wird, evakuieren die österreichisch-ungarischen Konsulatsbeamten und Militärs die Stadt, nur Rektor Fellinger und die Schwestern verbleiben im Hospiz, um dieses vor Plünderungen zu bewahren.

Am 11. Dezember 1917 übernimmt General Edmund Allenby kampflos Jerusalem. Das Österreichische Hospiz wird am 16. Februar 1918 von der britischen Administration requiriert und in ein anglikanisches Waisenhaus für syrisch-christliche Kinder umgewandelt.[5]

Britische Mandatszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 29. August 1919 wird das Waisenhaus aufgelöst und noch mit selbigem Tag an das Kuratorium zurückgegeben, Rektor Franz Fellinger übernimmt sofort wieder die Leitung des Hauses. Nach Sichtung und anschließender Entschädigung durch die britische Administration beginnen Ende Oktober die Reinigungs-, Desinfektions-, und Reparaturarbeiten am Hospiz.

Um das Hospiz während der Nachkriegsjahre über Wasser zu halten, wird es in eine Pension für britische Offiziere und Verwaltungsbeamte umgewandelt. Mit diesen Einnahmen wird das Haus 1923 vollständig elektrifiziert. Viele Nachfolgestaaten der Donaumonarchie stellen Besitzansprüche auf das Hospiz, es bleibt jedoch im Besitz der Erzdiözese Wien. Das Wort "Österreichisch" wird allerdings 1924 aus dem Namen genommen und die Tschechoslowaken, gleich wie die Ungarn und Slowenen, erhalten einen Sitz im Kuratorium.

Das Kuratorium bewilligte die Pläne für eine dringend benötigte Aufstockung im Jänner 1931. Als Baumeister wird der gebürtige Wiener Gottlieb Bäuerle engagiert und die Bauarbeiten fangen im Winter 1932 an und enden ein Jahr später 1933. Die Attraktivität des Hauses wird durch die neue Dachterrasse gesteigert.

1935 wird Dr. Franz Haider als Rektor berufen. Mitte April des Jahres 1936 bricht der arabische Aufstand gegen die britische Mandatsmacht aus. Die Besucherströme kamen zum Erliegen. Der 18. Mai 1936 markiert eines der dunkelsten Momente in der Geschichte des Hospizes, der Wiener Bedienstete Karl Breitlinger wird mit einem Aufständischen verwechselt und rücklings erschossen. Der Konflikt ebbt langsam wieder ab und im Jahr 1937 nächtigen 498 Gäste im Hospiz. Nach dem Anschluss 1938 ist der rechtliche Status des Österreichischen Hospizes unklar. Dadurch bleibt das Pilgerhaus zwischenzeitlich als selbstständige kirchliche Institution bestehen. Das Dritte Reich warf sofort ein Auge auf das Hospiz und seine Sonderstellung im Nahen Osten, man versuchte zunächst Druck auf den Rektor auszuüben, in dem man die Gehaltszahlungen einfror. Dem Druck aus Berlin standhaltend stellte Kardinal Theodor Innitzer fest, dass das Österreichische Hospiz eine rein kirchliche Institution ist und nur durch Beschluss des Kuratoriums, in dem alle Diözesen des ehemaligen Habsburgerreiches vertreten sind, überschrieben werden könne, was ja schon aus politischen Gründen nicht ginge.

Gleich nach der Kriegserklärung Großbritanniens 1939 wird das Hospiz von der britischen Mandatsmacht beschlagnahmt und Rektor Franz Haider wird für fünf Tage interniert. Seine rasche Freilassung ist der Intervention Franz Fellingers zu verdanken. Das Haus wurde in ein Internierungslager für deutsche und italienische Geistliche umgewandelt. Weihbischof Fellinger bewirkte die Erlaubnis, dass die fünf Vöcklabrucker Schwestern im Pilgerhaus bleiben und den Haushalt führen durften. Vor Weihnachten wurden die meisten der 29 Internierten aus dem Hospiz entlassen und erhielten beschränkte Bewegungsfreiheit. Nur für Rektor Haider und den Lazaristenpater Leo Schmitt blieb die Internierung bestehen.

Am 8. März 1940 wird Haider in ein Internierungslager nach Akko überstellt, die Hausleitung übergab er den im Haus verbleibenden Schwestern. Im Mai kam es wieder zur Internierung von Geistlichen der Achsenmächte, diese 80 Internierten, darunter auch 23 Laien, wurden am 28. Juni in ein Franziskanerkloster verlegt, um 170 englischen Frauen und Kindern aus Ägypten Platz zu machen.

Bereits im Jänner 1941 verließen die britischen Flüchtlinge das Hospiz und die Schwestern erhielten wieder Zutritt zum Haus. Um die etwaigen Schäden zu eruieren, wurde Franz Haider aus dem Internierungslager in Haifa, wohin er zwischenzeitlich überstellt worden war, nach Jerusalem gebracht. Danach wird das Pilgerhaus in ein Lager für 150 Ordensschwestern aus dem Deutschen Reich umgewandelt, als Rektor fungierte in dieser Zeit der deutsche Direktor der Schmidt-Schule Pater Johannes Sonnen.

Im Juli 1943 wird das Internierungslager aufgelassen und alle bisher internierten Schwestern durften in ihre Konvente zurückkehren.

Im Mai 1944 die britische Armee beschließt vor Ort eine Offiziersschule zu deren Lehrkörper auch der spätere Außenminister Israels Abba Eban gehörte, einzurichten. Die Schwestern führten die Küche und den Haushalt weiter. Rektor Franz Haider erhielt keine Rückkehrerlaubnis für das Mandatsgebiet Palästina.

Die Offiziersschule wurde schließlich im September 1947 geschlossen und in einen britischen Polizeiposten umgewandelt.

Am 6. Jänner 1948 ziehen sich die Briten aus der Jerusalemer Altstadt zurück und die offizielle Rückgabe des Pilger-Gästehauses an Pater Sonnen erfolgte am 22. April 1948, jedoch stand das Haus unter der Verwaltung des Roten Kreuzes, unter dessen Oberaufsicht ein Lazarett eingerichtet wurde. Am 1. Mai 1948 wurden die ersten Patienten ins Hospiz verlegt.[6]

Jordanische Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des israelischen Unabhängigkeitskriegs wurde das Österreichische Hospiz als Feldlazarett verwendet; am 10. Juni 1948 zerstörte ein Granatwerfertreffer den Balkon, tötete einen Krankenpfleger und vier Patienten. Die Verwaltung lag in diesen Zeiten beim Roten Kreuz und der transjordanischen Administration. Die österreichischen Ordensfrauen halfen aktiv bei der Krankenpflege mit. Nach dem Waffenstillstand vom 3. April 1949 zwischen Transjordanien und Israel lag das Hospiz im von Transjordanien besetzten Teil.

Im April des Jahres 1950 erfolgte die Eingliederung Ostjerusalems und der Westbank in das transjordanische Staatsgebiet. Franz Haider kehrt Ende September aus seinem australischen Zwangsexil, wo er als Seelsorger in Melbourne tätig war, ins Hospiz als Rektor zurück und beginnt sofort Mietvertragsverhandlungen mit der Regierung in Amman aufzunehmen.

Mit den Wiederinstandsetzungsarbeiten wird 1951 begonnen. Am 20. Juli desselben Jahres wird König Abdallah von Jordanien Opfer eines Schussattentats. Man lieferte ihn in das Österreichische Hospiz ein, bei der Notbetreuung tat sich besonders Schwester Liliosa Fasching heraus, allerdings erlag der König seinen Wunden.

Ein vorläufiger dreijähriger Pachtvertrag zur Nutzung des Hospizes als Krankenhaus wird 1953 zwischen der transjordanischen Regierung und der Erzdiözese Wien unterzeichnet.

Der schon sehr kränkliche Rektor Franz Haider kehrt am 15. März 1954 nach Wien zurück, die Vöcklabrucker Schwestern bleiben ihrer Aufgabe treu und halten den österreichischen Einfluss aufrecht. Offizieller Rektor des Hospizes blieb jedoch Franz Haider.

Der palästinensisch-christliche Sachverwalter des Hauses Antoine F. Albina verlängert 1961, in Vertretung für Rektor Franz Haider, den Vertrag mit der jordanischen Regierung.

König Hussein I. (Jordanien) und Schwester Liliosa Fasching, 1961

1966, da die Regierung in Amman gewillt war Gespräche zur Auflösung des Krankenhauses im Österreichischen Hospiz zu führen, wurde Dr. Franz Sauer zum neuen Rektor durch das Kuratorium bestellt.

Die Hoffnung auf Zurückgabe schwindet als am 5. Juni 1967 der 6-Tage-Krieg ausbricht und das Hospiz wieder in ein Kriegslazarett umfunktioniert wird. Die israelische Armee erobert die Altstadt; die Zukunft des Pilger-Hospizes ist von Neuem ungewiss.[7]

Rückgabe & Wiedereröffnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man hoffte auf eine Rückgabe Anfang 1970, allerdings bestand das Problem darin, dass die Behandlung des Pilgerhauses für beide Seiten, da es im völkerrechtlich umstrittenen Teil liegt, ein Präjudiz darstellte. Würde man nun von den Israelis Miete verlangen würde man die annektierte Altstadt als Teil Israels anerkennen. Für die katholische Kirche Österreichs hieß das, das Spital weiterbestehen lassen zu müssen und den Mietzins von jordanischer Seite entgegenzunehmen. Obwohl das Haus offiziell schon lange Zeit kein Pilgerhaus mehr war, organisierte Rektor Franz Sauer immer wieder Pilgerreisen und führte diese auch ins Hospiz.

Das israelische Gesundheitsministerium kündigte 1980 24 Spitalsangestellte, wogegen die arabische Bevölkerung äußerst vehement protestierte. Es kam zu Demonstrationen, Streiks und diversen Medienkampagnen. Die arabische Verwaltung wollte das Hospiz zu einem modernen Krankenhaus ausbauen, allerdings machte ihnen Rektor Sauer klar, dass es nicht ad infinitum als Spital fortbestehen könne.

1984 erleidet Rektor Franz Sauer zu Weihnachten einen Schwächeanfall, daraufhin wird ihm Dr. Manfred Kniewasser als Vizerektor zur Seite gestellt.

Aufgrund von Budgeteinsparungen seitens des israelischen Gesundheitsministeriums, sollte das Hospiz mit dem 31. Juli 1985 geschlossen werden. Um keine Zwischenfälle zu riskieren, entschloss sich die israelische Exekutive das Spital schon 2 Tage früher zu evakuieren. Es kam zu einem Generalstreik von Seiten der arabischen Bevölkerung.

Zwischenzeitlich stand das Hospiz leer und wurde durch einen privaten Sicherheitsdienst bewacht. Im Dezember 1985 übernahmen die beiden Rechtsanwälte Dr. Julius Schuster und Dr. Franz Eckert für das Kuratorium das versiegelte Gebäude. Am 21. Dezember fand in der Hauskapelle die erste Messfeier statt und gegen Ende des Monats traf die erste Pilgergruppe im Haus ein.

Anfang Jänner 1987 lief die Generalsanierung an, hier muss man anmerken, dass der Großteil der Bauarbeiter und der Baumeister Araber waren. Das gesamte Haus wurde modernisiert und die großzügigen Fresken im Salon wieder freigelegt und renoviert.

Im Februar 1988 war der Großteil des Hauses wiederhergestellt und am 19. März, zum 125. Jahrestag der Einweihung der Hospizkapelle, wurde das Haus feierlich eröffnet, der neu einberufene Rektor war Dr. Wolfgang Schwarz. Insgesamt bestanden die Angestellten des Hospizes aus drei Schwestern von der Congregatio Jesu, fünf lokalen, arabischen Mitarbeitern und einigen österreichischen Volontären.

Am 7. Jänner 1991 wurde der Beherbergungsbetrieb wegen des Beginns des Irakkriegs offiziell eingestellt. Allerdings sollte sich die Situation bereits einen Monat später wieder entspannen. Schwester Glasauer kehrt nach Österreich zurück und mit dem Theologen Johann Krammer wird erstmals ein Laie der Assistent des Rektors.[8]

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Jahre der Zweiten Intifada von 2000-2005 forderten schmerzliche Einbußen, denn die Auslastung lag oftmals weit unter 20 %. Die österreichische Bischofskonferenz unterstützte mit Sondersubventionen.

2004 tritt Markus St. Bugnyár die Nachfolge als Rektor des Hospizes an.

Im Jahr 2009 startete das Bauprojekt "living wall".

Schwester Bernadette von den Kreuzschwestern übernimmt 2008 die Leitung der Hauswirtschaft und des Wiener Kaffeehauses.

Das Hospiz hatte die Intention eines nationalstaatlichen Vorpostens im Orient, der dem Besucher die österreichische Lebensweise erfahren lässt. Außerdem soll er den Juden mit österreichischen Wurzeln einen Berührungspunkt mit der alten Heimat bieten, hier kooperiert man bei einem Großteil der Veranstaltungen mit der österreichischen Botschaft in Tel Aviv. Diese Idee kann leider aufgrund der Sicherheitslage nicht umfassend umgesetzt werden.

Seit einigen Jahren ist das Hospiz auch Einsatzstelle für den österreichischen Auslandsdienst[9].

Liste der Hospiz Rektoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rektor Markus St. Bugnyár
Name Herkunft Zeit
Eduard Kröll Brünn 1863-1864
Hermann Zschokke Böhm. Lipa 1864-1866
Albert v. Hörmann Bregenz 1866-1867
Anton Wecera Mähren 1867-1868
Franz Horvath Krain 1868-1870
Stephan Rosenberger Wien 1870-1871
Ignaz Fischer Königgrätz 1871-1873
Karl Schnabl Wien 1873-1876
Johann Fahrngruber St. Pölten 1876-1879
P. Franz Josef Costa-Major Tirol 1879-1892
Richard Joch Mährisch Weißkirchen 1893-1895
Franz Malecek Prag 1895-1897
Stephan Csarszky Gran 1897-1902
Franz Fellinger Linz 1902-1906
Martin Ehrlich Gurk 1906-1910
Leopold Dangelmajer Gran 1910-1911
Jakob André Salzburg 1911-1913
Franz Fellinger Linz 1913-1935
Franz Haider Wien 1935-1954
Ernst Bannert Burgenland 1964-1966
Franz Sauer Graz 1966-1987
Wolfgang Schwarz Wien 1987-2004
Markus St. Bugnyár Burgenland seit 2004

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helmut Wohnout: Geschichte des österreichischen Hospizes in Jerusalem. Norka, Klosterneuburg 1993.
  • Markus Stephan Bugnyar und Helmut Wohnout (Hrsg.): Im Orient zu Hause. Das Österreichische Hospiz in Jerusalem. Verlag Geschichte & Kunst, Wien 2015, ISBN 978-3-903076-00-6.
  • Helmut Wohnout: Das österreichische Hospiz in Jerusalem. Geschichte des Pilgerhauses an der Via Dolorosa. Böhlau, Wien u. a. 2000, ISBN 3-205-99095-1 (Auszüge in der Google-Buchsuche).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helmut Wohnout: Das Österreichische Hospiz in Jerusalem. 1. Auflage. Böhlau Verlag, Wien 2000, ISBN 3-205-99095-1, S. 25–48.
  2. Helmut Wohnout: Das Österreichische Hospiz in Jerusalem. 1. Auflage. Böhlau Verlag, Wien 2000, ISBN 3-205-99095-1, S. 25–48.
  3. Barbara Haider-Wilson: "Wir zieh´n dahin ins Heilige Land" - Zur Entwicklung des Pilgerwesens in der Habsburgermonarchie. Hrsg.: Markus St. Bugnyar; Helmut Wohnout. 1. Auflage. Verlag Geschichte & Kunst, Wien 2015, ISBN 978-3-903076-00-6, S. 124.
  4. Helmut Wohnout: Das Österreichische Hospiz in Jerusalem. 1. Auflage. Böhlau Verlag, Wien 2000, ISBN 3-205-99095-1, S. 49–104.
  5. Helmut Wohnout: Das Österreichische Hospiz in Jerusalem. 1. Auflage. Böhlau Verlag, Wien 2000, ISBN 3-205-99095-1, S. 105–122.
  6. Helmut Wohnout: Das Österreichische Hospiz in Jerusalem. 1. Auflage. Böhlau Verlag, Wien 2000, ISBN 3-205-99095-1, S. 123–151.
  7. Helmut Wohnout: Das Österreichische Hospiz in Jerusalem. 1. Auflage. Böhlau Verlag, Wien 2000, ISBN 3-205-99095-1, S. 152–160.
  8. Helmut Wohnout: Das Österreichische Hospiz in Jerusalem. 1. Auflage. Böhlau Verlag, Wien 2000, ISBN 3-205-99095-1, S. 161–184.
  9. Auslandsdienst abgerufen am 29. Juni 2016

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Österreichisches Hospiz zur Heiligen Familie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 31° 46′ 49″ N, 35° 13′ 55″ O